4,5 Prozent Dividende: Volksbank Köln Bonn zahlt so viel wie nie seit 2017
Die Vertreterversammlung im Gürzenich hat die höchste Ausschüttung seit der Fusion beschlossen. Die Bilanz 2025: 6,7 Milliarden Euro Bilanzsumme, 15,1 Millionen Euro Überschuss, 119.285 Mitglieder.
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Wer bei der Volksbank Köln Bonn ein Konto eröffnet, bekommt früher oder später die Frage gestellt, ob er nicht Mitglied werden wolle. Dahinter steht ein Geschäftsanteil – eine Einlage, die kein Sparguthaben ist, sondern Eigenkapital der Bank, verbunden mit einer Stimme bei der Vertreterwahl und mit dem Risiko, an Verlusten teilzunehmen. Über die Verzinsung dieses Anteils entscheidet nicht der Vorstand, sondern die Vertreterversammlung. Am 15. Juni 2026 hat sie im Kölner Gürzenich 4,5 Prozent für das Geschäftsjahr 2025 beschlossen.
Das ist nach Angaben der Bank die höchste Ausschüttung seit der Fusion im Jahr 2017. Konkret heißt das: Auf 1.000 Euro Geschäftsguthaben entfallen 45 Euro brutto. Was davon übrig bleibt, hängt davon ab, ob der Sparerpauschbetrag bereits ausgeschöpft ist; die Bank behält die Abgeltungsteuer ein wie bei jeder anderen Kapitalausschüttung. Rund 350 Gäste waren nach Darstellung des Hauses im Saal, als der Beschluss fiel.
Die Dividende ist keine Verzinsung, sondern ein Gewinnanteil
Der Unterschied klingt akademisch, ist aber der Kern des Modells. Ein Sparbuchzins steht im Vertrag; eine Genossenschaftsdividende wird jedes Jahr neu beschlossen und kann ausbleiben, wenn das Ergebnis sie nicht hergibt. Ausgezahlt bekommt man den Anteil auch nicht auf Zuruf: Er muss gekündigt werden, und erst nach Ablauf der in der Satzung geregelten Frist fließt das Geschäftsguthaben zurück. Wer 4,5 Prozent mit dem Zinssatz eines Tagesgeldkontos vergleicht, vergleicht deshalb zwei verschiedene Dinge.
Möglich wurde die Ausschüttung durch ein Geschäftsjahr, das die Bank in ihrer Bilanzmitteilung vom 26. März 2026 vorgestellt hat. Der Jahresüberschuss stieg um 6,5 Prozent auf 15,1 Millionen Euro, die Bilanzsumme um 2,4 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Die Kundeneinlagen lagen bei 5,5 Milliarden Euro, das Kreditvolumen nach einem Plus von 3,5 Prozent bei 4,7 Milliarden Euro. Vorstandsvorsitzender Jürgen Pütz führt das auf die Stimmungslage zurück: „Es zeigt sich wieder einmal, dass die Deutschen in unsicheren Zeiten mehr sparen.“
Hinter den 5,5 Milliarden Euro Einlagen steckt eine Verhaltensänderung, die sich derzeit in vielen Bilanzen zeigt. Sparen ist wieder attraktiver, weil auf Tages- und Festgeld nach den Jahren der Nullzinsphase überhaupt wieder etwas gezahlt wird. Für eine Bank ist das zweischneidig: Einlagen sind die stabilste Refinanzierung, die es gibt, aber sie kosten Zinsen, sobald der Wettbewerb um sie zunimmt. Der Zinsüberschuss von über 122 Millionen Euro zeigt, dass die Rechnung 2025 noch aufging.
Interessanter als die Kreditsumme ist ihre Zusammensetzung. Von den 4,7 Milliarden Euro entfallen 3,4 Milliarden Euro auf Immobilienfinanzierungen und 1,2 Milliarden Euro auf Investitionskredite an Unternehmen; zusammen sind das 4,6 Milliarden Euro, der Rest verschwindet in der Rundung. Fast drei Viertel des Kreditbuchs hängen damit an Wohn- und Gewerbeimmobilien in Köln, Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis. Das ist die Stärke einer Regionalbank und zugleich ihr Klumpenrisiko: Fällt der Immobilienmarkt in der Region, trifft es die Bilanz an ihrer breitesten Stelle.
Verdient wird das Geld an zwei Stellen. Der Zinsüberschuss – die Differenz zwischen dem, was die Bank für Kredite einnimmt, und dem, was sie für Einlagen zahlt – lag bei über 122 Millionen Euro. Dazu kamen 53,8 Millionen Euro Provisionsergebnis, also Entgelte für Konten, Wertpapiergeschäft und Vermittlung. Aus zusammen rund 176 Millionen Euro Ertrag blieben 15,1 Millionen Euro Jahresüberschuss; dazwischen liegen Personal, Filialen, IT, Risikovorsorge und Steuern, die die Mitteilung nicht einzeln ausweist.
Eine Kennziffer mit zwei Nachkommastellen verspricht mehr Genauigkeit, als sie hat
Die Bank nennt eine Cost-Income-Ratio von 55,81 Prozent. Diese Kennziffer setzt den Verwaltungsaufwand ins Verhältnis zum Ertrag; 55,81 Prozent heißen, dass gut 56 Cent jedes verdienten Euro für den Betrieb draufgehen. Die zweite Nachkommastelle ist Ziererei – sie suggeriert eine Messgenauigkeit, die eine Bankbilanz mit ihren Bewertungsspielräumen bei Wertpapieren und Risikovorsorge nicht hergibt. Als Größenordnung taugt der Wert trotzdem: Etwas mehr als die Hälfte der Erträge geht für den laufenden Betrieb weg.
Robuster ist die Kapitalseite. Die Eigenmittel stiegen um 7,3 Prozent auf 678,8 Millionen Euro, die Gesamtkapitalquote liegt bei 17,3 Prozent. Diese Quote setzt das aufsichtsrechtlich anerkannte Kapital ins Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva, vereinfacht: zu dem, was die Bank verliehen hat, gewichtet nach Ausfallwahrscheinlichkeit. Finanzvorstand Volker Klein verweist darauf, dass das Haus damit deutlich über den aufsichtsrechtlichen Anforderungen liege.
Die Zahl, die eine Genossenschaftsbank am meisten interessiert, ist die Zahl ihrer Mitglieder. Sie lag zum Jahresende bei 119.285; auf der Vertreterversammlung sprach Pütz von „knapp 120.000“. Wie hoch der Anteil der Mitglieder an der gesamten Kundschaft ist, weist die Bank in keiner der beiden Mitteilungen aus; ob jeder zweite oder jeder dritte Kunde zugleich Miteigentümer ist, lässt sich daraus nicht belegen. Belegt ist nur: 119.285 Menschen und Unternehmen haben Anteile gezeichnet.
Beim Personal fällt eine zweite Zahl auf. Rund 720 Mitarbeitenden stehen 67 Auszubildende gegenüber, das ergibt eine Ausbildungsquote von rund 9 Prozent – jeder elfte Beschäftigte lernt noch. In einer Branche, die Filialen zusammenlegt und Sachbearbeitung automatisiert, ist das ein bemerkenswerter Wert. Bereichsdirektor Markus Frütel führt ihn darauf zurück, dass die Bank trotz starken Wettbewerbs um Fach- und Nachwuchskräfte als Arbeitgeberin wahrgenommen werde.
Der Aufsichtsrat holt sich das Handwerk ins Haus
Die Vertreterversammlung hat auch personell entschieden. Neu in den Aufsichtsrat gewählt wurde Thomas Radermacher, Tischlermeister aus Meckenheim, der 2025 zum Präsidenten der Handwerkskammer zu Köln gewählt worden war. Wiedergewählt wurden Anne Bong-Wasserfuhr, Georg Brauckmann, Andreas Gemein, Matthias Klein, Gerd Linden und der Vorsitzende Nicolai Lucks; als dessen Stellvertreterin wurde Monika Lütz-Blömers bestätigt. Pütz begründete die Wahl damit, der Aufsichtsrat gewinne „eine starke Stimme für die mittelständische Wirtschaft“.
Das ist mehr als Personalprosa. Ein Aufsichtsrat entscheidet über Kreditkompetenzen und Risikostrategie mit, und bei einer Bank, deren Investitionskredite 1,2 Milliarden Euro ausmachen, sitzt er damit nah an den Betrieben, die dieses Geld aufnehmen. Handwerksbetriebe gehören zu den typischen Kreditnehmern in genau dieser Größenordnung. Ob sich daraus eine andere Kreditpolitik ergibt, wird sich frühestens in der Bilanz für 2026 zeigen.
Ein kleinerer Posten lohnt das Nachrechnen. Die bankeigene Stiftung „miteinander füreinander“ wird 30 Jahre alt und legt dafür einen Sonderspendentopf von 111.000 Euro auf. Verteilt wird er so: 30 Vereine können sich um je 3.000 Euro bewerben, das sind 90.000 Euro; drei von ihnen sollen nach einer Jurysitzung bis zum Jahresende noch einmal 7.000 Euro obendrauf bekommen, also insgesamt je 10.000 Euro. Die Summe geht auf – was bei runden Jubiläumsbeträgen nicht selbstverständlich ist.
Daneben steht das laufende Engagement. 2025 gab die Bank knapp 1,1 Millionen Euro für Vereine, Einrichtungen und in Not geratene Mitglieder aus, gut 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Spendenbudget der Stiftung speist sich nach Angaben des Hauses aus 0,1 Prozent der Geschäftsguthaben – die Förderung wächst also mit der Zahl der Mitglieder und der Höhe ihrer Anteile. Wer Mitglied wird, finanziert damit beides: die eigene Dividende und den Spendentopf.
Das Wertpapiergeschäft wächst schneller als das Kreditbuch
Ein Trend steckt in den Vermittlungszahlen. Das betreute Kundenvolumen – Einlagen, Kredite und vermittelte Anlagen zusammengerechnet – stieg um 3,4 Prozent auf 15 Milliarden Euro. Das Vermittlungsgeschäft in Wertpapieren und Fonds legte dagegen um 8,2 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro zu, also mehr als doppelt so schnell. Vertriebsvorstand Jürgen Neutgens sieht darin eine steigende Nachfrage nach professionellen Finanzlösungen; nüchtern betrachtet verschiebt sich Geld von Konten, die wenig Zinsen bringen, in Depots, die der Bank Provisionen bringen.
„Das solide Jahresergebnis erlaubt es uns, unseren Mitgliedern eine erhöhte Dividende von 4,5 Prozent auszuschütten – ein klares Zeichen für ein gelebtes Genossenschaftsprinzip.“
Jürgen Pütz, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Köln Bonn
Für die Leserin mit ein paar Anteilen bleibt eine überschaubare Rechnung. 4,5 Prozent sind mehr als im Vorjahr, aber sie werden auf ein Geschäftsguthaben gezahlt, das bei den meisten Mitgliedern drei- oder vierstellig ist; das ändert kein Haushaltsbudget. Aussagekräftiger ist, was die Zahlen über die Bank selbst sagen: eine Gesamtkapitalquote von 17,3 Prozent, ein Kreditbuch, das zu fast drei Vierteln an Immobilien hängt, und ein Ergebnis, das gegenüber 2024 um 6,5 Prozent zulegte. Die nächste Gelegenheit, das zu prüfen, ist die Bilanz für 2026 im kommenden Frühjahr.




