DEVK verdreifacht den Gewinn – und zahlt beim Auto weiter drauf
Der Kölner Versicherer steigerte den Überschuss von 49 auf 136 Millionen Euro. In der Kfz-Sparte lag die Schaden-Kosten-Quote trotzdem bei 105 Prozent – das Wachstum kam aus Preisen, nicht aus Verträgen.
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Wer bei der DEVK eine Autoversicherung hat, dürfte 2025 mehr gezahlt haben als im Jahr davor. Die gebuchten Beiträge der Kfz-Sparte stiegen um 14,8 Prozent auf 1,58 Milliarden Euro und damit gut doppelt so schnell wie der Konzern insgesamt. Verdient hat der Versicherer daran trotzdem nichts: Die Combined Ratio, also das Verhältnis von Schäden und Kosten zu den Beiträgen, lag in der Kfz-Versicherung bei 105 Prozent. Für jeden eingenommenen Euro gingen 1,05 Euro wieder hinaus.
Immerhin ist das eine Verbesserung. Im Jahr zuvor hatte die Quote in dieser Sparte bei 111,5 Prozent gelegen. Über alle Schaden- und Unfallsparten hinweg sank sie von 98,5 auf 94,3 Prozent – und erst unter 100 Prozent verdient ein Versicherer am Versicherungsgeschäft selbst und nicht nur an seinen Kapitalanlagen. Als Grund für die hartnäckig hohen Kfz-Kosten nennt die DEVK die Reparaturpreise: Seit 2017 seien die Kosten für Pkw-Ersatzteile und Werkstattstunden um mehr als 60 Prozent gestiegen.
Der Gewinn ist stärker gewachsen als das Geschäft
Auf Konzernebene liest sich 2025 wie ein Ausnahmejahr. Die gebuchten Bruttobeiträge stiegen um 7 Prozent auf 5,75 Milliarden Euro, der Jahresüberschuss nach Steuern von 49 auf 136 Millionen Euro; das ist das 2,8-Fache. Das versicherungstechnische Gesamtergebnis drehte von minus 43 Millionen Euro auf plus 33 Millionen Euro. Das Kapitalanlageergebnis stieg von 227 auf 273 Millionen Euro, das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit lag bei 248 Millionen Euro.
Den eigentlichen Rekord meldet die Bilanzmitteilung vom 9. Juni 2026 beim Vertrieb. Mit 1,33 Milliarden Euro lag das Neugeschäft um 17,6 Prozent über dem Vorjahr; es sei „das beste Vertriebsergebnis ihrer 140-jährigen Unternehmensgeschichte“, heißt es dort. Gegründet wurde die DEVK nach eigener Darstellung „von Eisenbahnern für Eisenbahner“; 577.000 Mitglieder kommen bis heute aus der Verkehrsbranche. Der Sitz ist die Riehler Straße 190 in Köln.
Mehr Beiträge bei weniger Verträgen – das Wachstum kommt aus dem Preis
Eine Zahl in der Mitteilung passt nicht zum Wachstumsbild. Die Zahl der versicherten Risiken sank leicht von 14,8 auf 14,7 Millionen, ein Minus von 0,4 Prozent. Beiträge plus 7 Prozent, Verträge minus 0,4 Prozent: Das Wachstum stammt damit fast vollständig aus höheren Prämien und nicht aus zusätzlicher Kundschaft. Betreut werden weiterhin rund 4,2 Millionen Kundinnen und Kunden.
Das ist kein Vorwurf, sondern die Beschreibung eines Marktes. Wenn Reparaturen teurer werden, müssen die Beiträge steigen, sonst schreibt die Sparte dauerhaft rote Zahlen. Bemerkenswert ist aber die Kombination: Das beste Neugeschäft der Firmengeschichte und zugleich ein leichter Rückgang der Vertragszahl bedeuten, dass mindestens ebenso viele Verträge gekündigt oder ausgelaufen sind, wie neu abgeschlossen wurden. Wie hoch die Stornoquote war, teilt die DEVK nicht mit.
Ein Teil des Gewinns ist zudem geparkt. Die DEVK hat 125 Millionen Euro in die Schwankungsrückstellung eingezahlt, nach 72 Millionen Euro im Vorjahr; dieser Posten ist ein aufsichtsrechtlich vorgesehener Puffer, der in ruhigen Jahren gefüllt und in schadenreichen Jahren aufgelöst wird. Das versicherungstechnische Ergebnis der Schaden- und Unfallversicherung lag deshalb vor der Zuführung bei 143 Millionen Euro und danach bei 18 Millionen Euro. Wer den Erfolg des Jahres beurteilen will, sollte beide Zahlen kennen – die erste beschreibt das Geschäft, die zweite die Bilanz.
Die Rückversicherung liefert inzwischen ein Viertel der Beiträge
Der Konzern verteilt sein Geschäft auf sechs Blöcke. Die Schaden- und Unfallversicherung im inländischen Erstversicherungsgeschäft wuchs um 9,7 Prozent auf 2,80 Milliarden Euro, die Rückversicherung um 3,2 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro, die Lebensversicherung samt Pensionsfonds um 4,9 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro. Kleiner sind der Rechtsschutz mit 229 Millionen Euro (plus 5,5 Prozent) und die Krankenversicherung mit 134 Millionen Euro (plus 11,6 Prozent). Vorstandschef Michael Knaup hebt die Rückversicherer hervor, die „inzwischen rund ein Viertel des Beitragsaufkommens“ ausmachten.
Rückversicherung ist dabei kein Nebengeschäft, sondern die Versicherung der Versicherer: Wer Risiken zeichnet, gibt einen Teil davon gegen Prämie weiter, und wer sie annimmt, verdient daran – oder zahlt in Katastrophenjahren drauf. Dass dieser Block bei der DEVK 1,41 Milliarden Euro ausmacht, verändert das Risikoprofil des Hauses. Es macht den Konzern unabhängiger vom deutschen Privatkundenmarkt und zugleich abhängiger von weltweiten Schadenereignissen. Knaup bezeichnet die Rückversicherer als „Wert- und Diversifikationstreiber“ der Gruppe.
Die Kapitalseite ist gewachsen, aber unauffällig. Das Kapitalanlagevolumen stieg um 2,9 Prozent auf 24,07 Milliarden Euro, das Eigenkapital um 6,9 Prozent auf 3,04 Milliarden Euro. 24 Milliarden Euro Kapitalanlagen bei 5,75 Milliarden Euro Beitragseinnahmen sind rund das Vierfache der Jahreseinnahmen – so sieht die Bilanz eines Versicherers aus, der Lebens- und Rentenverpflichtungen über Jahrzehnte bedienen muss. Aus dieser Anlage kamen 2025 273 Millionen Euro Ergebnis.
Seit Januar führt ein Eigengewächs das Haus
Die Zahlen legte erstmals eine neue Spitze vor. Michael Knaup, 52 Jahre alt, ist seit dem 1. Januar 2026 Vorstandsvorsitzender und folgte auf Gottfried Rüßmann. Knaup hat Mitte der 1990er-Jahre bei der DEVK eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann gemacht, anschließend an der Fachhochschule Köln Wirtschaftswissenschaften studiert und gehört dem Vorstand seit 2015 an. Nach Angaben des Unternehmens arbeitet er seit über 30 Jahren dort.
Mit dem Wechsel wurde der Vorstand neu geschnitten. Die Ressorts heißen laut der Mitteilung vom 5. Januar 2026 Steuerung (Knaup), Kunde (Dr. Michael Zons), Mensch (Dietmar Scheel), Finanzen (Annette Hetzenegger), Arbeitsplatz (Manuela Moog) und Rückversicherung (Dr. Fabian Pütz). Die Bezeichnungen sind ungewöhnlich; sie ordnen die Zuständigkeiten nicht nach Sparten, sondern nach Funktionen. Ob das die Entscheidungswege tatsächlich verkürzt, wird sich erst an Bearbeitungszeiten und Produktzyklen ablesen lassen.
„Die klare Ressortstruktur schafft eindeutige Verantwortlichkeiten und verkürzt Entscheidungswege.“
Michael Knaup, Vorstandsvorsitzender der DEVK
Der Apparat dahinter ist groß. Rund 7.500 Menschen arbeiten im Innen- und Außendienst, verteilt auf 19 Regionaldirektionen und 1.160 Geschäftsstellen im Bundesgebiet. Auf jede Geschäftsstelle entfallen damit rechnerisch etwa 3.600 Kundinnen und Kunden – ein Hinweis darauf, dass viele dieser Stellen kleine Agenturen sind und nicht Filialen im Sinne einer Bank. Wie viele der 7.500 Stellen in Köln liegen, teilt das Unternehmen nicht mit.
Für 2026 rechnet der Vorstand mit rund 6 Milliarden Euro Beitragseinnahmen
Der Ausblick fällt vorsichtiger aus als das Berichtsjahr. Für 2026 erwartet die DEVK ein Beitragswachstum von rund 4 Prozent und damit erstmals Beitragseinnahmen von etwa 6 Milliarden Euro; der Konzern-Jahresüberschuss vor Steuern soll sich deutlich verbessern. Inhaltlich nennt das Unternehmen drei Schwerpunkte: einen neuen Wohngebäudetarif, eine KI-gestützte Bewertung von Elementarrisiken und das Geschäft mit Pensionsfonds. Ob die Marke von 6 Milliarden Euro erreicht wird, steht frühestens mit dem Abschluss für 2026 fest.
Bemerkenswert ist der Bruch zwischen den beiden Jahren. 2025 wuchsen die Beiträge um 7 Prozent, für 2026 sind rund 4 Prozent angekündigt – der Versicherer rechnet also selbst damit, dass sich das Tempo nahezu halbiert. Das passt zu einer Kfz-Sparte, in der die großen Prämienanpassungen weitgehend hinter dem Markt liegen dürften. Eine Prognose ist keine Bilanz; überprüfbar wird sie erst im kommenden Frühjahr.
Was heißt das für die eigene Police? Solange die Kfz-Sparte über einer Schaden-Kosten-Quote von 100 Prozent liegt, ist der Preisdruck nach oben nicht vorbei; 105 Prozent bedeuten, dass der Versicherer in dieser Sparte weiter zuzahlt. Ein erwartetes Beitragsplus von rund 4 Prozent dürfte sich zudem nicht gleichmäßig verteilen: 2025 wuchs die Kfz-Versicherung mit 14,8 Prozent am schnellsten, die Rückversicherung mit 3,2 Prozent am langsamsten. Wer seinen Beitrag im Blick behalten will, sollte die Sparten trennen – ein Konzernüberschuss von 136 Millionen Euro sagt über die eigene Autoversicherung wenig aus.




