Donnerstag, 6. August 2026 Ausgabe Nr. 240
Köln 21° · heiter bis wolkig Redaktion
Kölner Zeit
Unabhängige Nachrichten aus Köln · seit 2022
Hochschule

86,36 Millionen für die Spoho – fertig sind die Hallen erst 2033

Das Land NRW hat der Deutschen Sporthochschule eine Finanzierungszusage über 86,36 Millionen Euro übergeben. Die Nordhallen in Müngersdorf sollen bis Ende 2033 fertig sein, Bibliothek und Schwimmzentrum bis 2028.

Thomas Breuer, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Thomas Breuer
Sport

Lesezeit 8 Min.
Außenansicht großer Hochschulsporthallen im Kölner Westen an einem Sommervormittag
Die Hallen der Sporthochschule im Sportpark Müngersdorf werden täglich für Lehre und Prüfungen genutzt · Symbolbild (KI-generiert)

Wer in Müngersdorf wohnt, geht an den Nordhallen der Sporthochschule vorbei, ohne sie anzusehen. Sie stehen da, sie werden benutzt, sie fallen nicht auf. Am 26. Mai stand der Ministerpräsident davor und übergab eine Finanzierungszusage über 86,36 Millionen Euro. Für Gebäude, die in Köln kaum jemand von außen erkennt, ist das eine bemerkenswerte Summe. Sie kommt mit einer Jahreszahl, die man sich merken sollte.

Übergeben haben die Zusage an jenem Dienstag Ministerpräsident Hendrik Wüst und Kultur- und Wissenschaftsministerin Ina Brandes, entgegengenommen haben sie der Rektor der Hochschule, Univ.-Prof. Dr. Ansgar Thiel, und Kanzlerin Marion Steffen. Das Geld stammt vollständig aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur. Aus diesem Programm fließen landesweit rund 2,3 Milliarden Euro in die Erneuerung von Gebäuden und Ausstattung für Forschung und Lehre. Köln bekommt davon einen Anteil, den man sich in Müngersdorf nicht ausgerechnet hätte.

Denn die 86,36 Millionen Euro sind kein Sonderfall, sondern ein Anteil. Gemessen an den rund 2,3 Milliarden Euro des Programms entfallen damit knapp vier Prozent auf einen einzigen Standort. Für eine Hochschule mit einem einzigen Fach ist das viel. Für ein Land mit vielen Hochschulstandorten ist es eine Entscheidung, die begründet werden muss, und die Begründung lieferten beide Redner an Ort und Stelle mit.

„Die Deutsche Sporthochschule Köln ist ein echtes Aushängeschild für unser Land: Die einzige Sportuniversität Deutschlands verbindet den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Sportpraxis auf vorbildliche Weise.“

Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen

Modernisiert wird, was seit Jahrzehnten jeden Tag in Betrieb ist

Die Nordhallen sind nach Angaben des Landes Lehrstätten für die Rückschlag- und Ballsportarten sowie für das Geräte- und Bodenturnen. Es geht also nicht um ein Prestigeobjekt, sondern um die Räume, in denen Studierende ihre Prüfungen ablegen und künftige Trainerinnen und Trainer ihr Handwerk lernen. Betroffen sind 6.700 Quadratmeter Nutzfläche. Die gesamte Sportfläche der Hochschule umfasst 61.000 Quadratmeter, es geht also um gut ein Zehntel des Bestands. Modernisiert werden soll grundlegend, dazu kommt eine Erweiterung.

Rückschlagsportarten sind die mit Netz und Schläger, Ballsportarten die mit Mannschaft und Korb oder Tor. Beides braucht vor allem Fläche, Licht und einen intakten Boden. Geräteturnen ist die aufwendigere Angelegenheit: Eine Halle dafür ist kein Rechteck mit Linien, sie braucht Höhe, Verankerungen und Platz für Matten, und sie verzeiht müde Bausubstanz schlechter als ein Volleyballfeld. Wenn so etwas grundlegend modernisiert wird, ist es teurer, als es von außen aussieht.

Angestrebt wird für die Nordhallen eine vollständig klimaneutrale Energieversorgung. Was das im Detail bedeutet, welche Technik also verbaut wird, teilte das Land nicht mit. Genannt wurde stattdessen ein Termin: Fertig sein sollen die Hallen bis Ende 2033. Für Schwimmzentrum und Bibliothek gilt ein anderes, deutlich näheres Datum. Sie sollen bis 2028 energieeffizienter und nachhaltiger ausgestattet werden.

Die Energieoptimierung der drei Gebäude soll jährlich bis zu 669 Tonnen Kohlendioxid und rund 250.000 Euro Energiekosten einsparen. Das sind die beiden Zahlen, die in solchen Mitteilungen immer stehen, und sie sind hier ausnahmsweise nachrechenbar. Man sollte es nur richtig herum tun.

In der Mitteilung steht vor den 669 Tonnen das Wort „bis zu“. Das ist kein Zufall und kein Vorwurf: Energieeinsparungen werden vor dem Bau modelliert, nicht gemessen, und was am Ende herauskommt, hängt an Nutzung, Wetter und Technik. Belastbar ist an dieser Stelle nur die Investitionssumme. Alles andere ist eine Erwartung mit Zahl.

Leeres Schwimmbecken mit Bahnenleinen und Startblöcken aus Beton in einer sichtbar gealterten Halle
In die Jahre gekommen: Das Schwimmzentrum der Sporthochschule soll bis 2028 energetisch ertüchtigt werden. · Symbolbild (KI-generiert)

Wer die 250.000 Euro Ersparnis gegen die 86,36 Millionen Euro Investition rechnet, kommt auf gut 345 Jahre. Das ist keine seriöse Amortisationsrechnung, und sie ist auch nicht als solche gemeint: Der größte Teil des Geldes geht nicht in Dämmung und Heiztechnik, sondern in Hallen, die grundlegend modernisiert und erweitert werden. Aber die Rechnung zeigt, worum es hier eigentlich geht. Das tragende Argument ist nicht die Energierechnung. Es ist der Bauzustand.

Ein zweiter Dreisatz führt in dieselbe Richtung. Auf die 6.700 Quadratmeter Nutzfläche gerechnet, stehen gut 12.800 Euro je Quadratmeter zur Verfügung. Die Zahl taugt nur als grobe Hausnummer, weil in der Gesamtsumme auch die Arbeiten an Schwimmzentrum und Bibliothek stecken und weil erweitert und nicht nur saniert wird. Sie macht aber deutlich, dass hier nicht nachgestrichen und gedämmt wird, sondern gebaut.

„Die Deutsche Sporthochschule Köln ist weltweit einzigartig. Hier werden Sportlehrer, Trainer und Manager für den Spitzen- wie für den Breiten- und Schulsport ausgebildet.“

Ina Brandes, Kultur- und Wissenschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen

Bis Ende 2033 sind es noch siebeneinhalb Jahre

Zwischen der Zusage und dem angekündigten Fertigstellungstermin liegen rund siebeneinhalb Jahre. Wer im kommenden Wintersemester an der Sporthochschule anfängt, wird sein Studium nach Regelstudienzeit längst abgeschlossen haben, bevor die modernisierten Nordhallen stehen. Das ist bei einem Bau dieser Größenordnung nicht ungewöhnlich und trotzdem eine Ansage. Wie die Hallen während der Bauzeit genutzt werden und ob es Ausweichflächen gibt, geht aus der Mitteilung des Landes nicht hervor.

Übergeben wurde außerdem eine Zusage, kein Gebäude. Aus einer Finanzierungszusage wird ein Bau erst über Planung, Genehmigung und Vergabe, und jeder dieser Schritte hat in den vergangenen Jahren an vielen Stellen länger gedauert als vorgesehen. Das Datum Ende 2033 ist deshalb eine Absicht, keine Garantie. Bei den beiden anderen Gebäuden mit dem Zieljahr 2028 wird man früher sehen, ob der Zeitplan trägt.

Lesesaal einer wissenschaftlichen Spezialbibliothek mit Regalreihen und Arbeitsplätzen
Zur Sporthochschule gehört nach Angaben des Landes die weltweit größte sportwissenschaftliche Spezialbibliothek · Symbolbild (KI-generiert)

Die Bibliothek ist das stillste Stück dieser Investition

Zur Sporthochschule gehört die nach Angaben des Landes weltweit größte sportwissenschaftliche Spezialbibliothek. Was an ihr gemacht wird, sieht hinterher niemand: Sie wird bis 2028 energetisch ertüchtigt. Eine Bibliothek muss im Winter warm und das ganze Jahr über trocken sein, sonst leiden die Bestände, und Bestände sind bei einer Spezialbibliothek das eigentliche Kapital. Das ist der unspektakulärste Teil der 86,36 Millionen Euro und vermutlich der, über den sich am wenigsten streiten lässt.

Das Schwimmzentrum steht auf derselben Liste und mit demselben Zieljahr. Auch hier geht es um Energie und Nachhaltigkeit, nicht um neue Becken. In einer Stadt, deren Innenstadtbad gerade erst ein halbes Jahr Zwangspause hinter sich hat, ist die Nachricht, dass an einem funktionierenden Schwimmzentrum planmäßig gearbeitet werden soll, für sich genommen schon eine gute.

Zur Einordnung gehört auch, dass in derselben Stadt in denselben Wochen über Kürzungen im Vereinssport geredet wird. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, und genau das ist der Punkt: Der Nordrhein-Westfalen-Plan finanziert Hochschulgebäude, keine Bezirkssportanlagen und keine Vereinsheime. Wer in Köln auf einen neuen Kunstrasen wartet, wartet weiter. Die Nachricht aus Müngersdorf ist trotzdem eine gute, sie ist nur nicht seine.

Die Hochschule ist größer, als der Stadtteil vermuten lässt

Die Deutsche Sporthochschule ist Deutschlands einzige Sportuniversität. Sie hat nach eigenen Angaben über 6.000 Studierende aus mehr als 85 Ländern, 19 Institute, fünf Transferzentren, vier An-Institute und rund 1.000 Beschäftigte; das Land zählt 25 Studiengänge. Der Standort ist der Sportpark Müngersdorf, also jener Teil der Stadt, in dem der Kölner Sport ohnehin auf engem Raum zusammenliegt. Wer hier trainiert, studiert oder arbeitet, teilt sich Wege, Parkplätze und Hallenzeiten mit allen anderen.

Ein Detail am Rande, das den Umgang mit solchen Zahlen zeigt: Die Hochschule spricht auf ihrer eigenen Seite von Studierenden aus mehr als 85 Ländern, die Mitteilung des Landes von mehr als 90. Beide Angaben stammen aus demselben Frühjahr. Der Unterschied ist unerheblich, das Prinzip nicht. Wer eine Zahl zitiert, sollte dazusagen, wer sie erhoben hat.

Turnhalle mit Reck, Barren, Bodenmatten und Sprossenwänden bei Hallenlicht
Geräte- und Bodenturnen gehören zu den Nutzungen der Nordhallen · Symbolbild (KI-generiert)

Fünf Transferzentren und vier An-Institute klingen nach Verwaltungsdeutsch, meinen aber die Schnittstelle, an der aus Forschung Praxis wird: Trainingslehre, Diagnostik, Rehabilitation, Sportmanagement. Der Ministerpräsident hat genau diesen Punkt in seinem Statement betont. Ob ein Land dafür 86,36 Millionen Euro ausgibt, ist am Ende eine Frage, wie ernst es Sport als Wissenschaft nimmt.

Interessanter als die Studierendenzahl ist ein anderer Wert aus der Mitteilung des Landes. 16,7 Prozent aller Sportlehrkräfte in Deutschland sind an der Kölner Hochschule ausgebildet worden. Von den angehenden Sportlehrerinnen und Sportlehrern in Nordrhein-Westfalen studiert mehr als die Hälfte in Köln. Das heißt: Was in diesen Hallen an Ausbildung möglich ist, entscheidet mit darüber, wer in zehn Jahren an einer Schule zwischen Aachen und Bielefeld vor einer Klasse steht.

Diese Kette wird selten mitgedacht, wenn über Sportstätten geredet wird. Turnhallen bilden Turnlehrer aus, Turnlehrer bringen Kindern das Rollen, Springen und Werfen bei, und ohne diese Grundlagen fängt kein Verein etwas an. Eine grundlegend modernisierte Geräteturnhalle in Müngersdorf ist deshalb keine Angelegenheit der Hochschule allein. Sie ist Schulsportpolitik mit sehr langer Leitung.

„Die Investitionen des Landes Nordrhein-Westfalen sind ein starkes Signal für die Zukunft der Deutschen Sporthochschule Köln.“

Univ.-Prof. Dr. Ansgar Thiel, Rektor der Deutschen Sporthochschule Köln

Was in der Zusage nicht steht, ist ebenso bemerkenswert wie das, was drinsteht. Genannt werden eine Gesamtsumme, zwei Zieljahre und drei Gebäude. Nicht genannt werden die Aufteilung der 86,36 Millionen Euro auf Nordhallen, Schwimmzentrum und Bibliothek, der Umfang der Erweiterung in Quadratmetern und der Zeitpunkt des Baubeginns. Solange diese Angaben fehlen, lässt sich der Zeitplan von außen nicht prüfen.

Das ist keine Unterstellung, sondern der Normalfall bei Zusagen dieser Art. Erst kommt das Geld, dann die Planung, dann die Zahlen, mit denen man rechnen kann. Bis dahin bleibt die Mitteilung des Landes das einzige belastbare Dokument in dieser Sache. Sie ist knapp, sie ist präzise, und sie enthält genau ein Versprechen, das sich bald überprüfen lässt: 2028.

„Mit der Modernisierung zentraler Gebäude investieren wir gezielt in eine nachhaltige und zukunftsfähige Infrastruktur für künftige Studierendengenerationen.“

Marion Steffen, Kanzlerin der Deutschen Sporthochschule Köln

Wer nach weiteren Angaben sucht, sucht vorerst vergeblich. Auf der Startseite der Hochschule war zuletzt keine eigene Meldung zu der Zusage zu finden; die ausführlichste öffentlich zugängliche Darstellung ist die Pressemitteilung der Staatskanzlei vom Tag der Übergabe, die auch Radio Erft zusammengefasst hat. Das ist bei einer Landeszusage nicht ungewöhnlich. Es heißt aber auch, dass fast alle Zahlen dieses Beitrags aus einer einzigen Hand stammen.

Für die Stadt ist die Sache trotzdem eindeutig positiv. Es ist Geld des Landes, kein Geld aus dem Kölner Haushalt, und es fließt in Anlagen, die täglich benutzt werden, statt in eine Absichtserklärung. Von den 86,36 Millionen Euro wird in Müngersdorf in den nächsten Jahren wenig zu sehen sein, und wenn doch, dann als Bauzaun. Das ist der Preis dafür, dass Hallen aus den Aufbaujahren irgendwann drankommen müssen.

Bemerkenswert bleibt das Verhältnis der beiden Termine. Bibliothek und Schwimmzentrum: 2028. Nordhallen: Ende 2033. Wer in diesem Sommer mit dem Turnen anfängt, turnt die ganze Schulzeit über in der alten Halle. Gebaut ist damit noch nichts.

Quellen und Weiterlesen
Thomas Breuer, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Thomas Breuer
Redakteur · Sport
Seit dem ersten Stadionbesuch 1988 in Müngersdorf zu Hause. Berichtet über den 1. FC Köln, die Haie und den Breitensport in der Stadt — nüchtern, außer nach Derbysiegen.
Alle Beiträge der Redaktion →

Mehr aus Sport

Alle Beiträge →
Radsport
Rund um Köln: Nach einer Woche ist die Hälfte der Plätze weg
8.675 Starter im Mai, 4.780 Anmeldungen für 2027 in nur sieben Tagen: Deutschlands ältester Radklassiker wächst schneller, als seine Kontingente zulassen. Seit dem 23. Juli hat er einen Brauereipartner.
Von Thomas Breuer · 27. Juli 2026
Eishockey
Hauptrundensieger ohne Titel: Die Haie weichen nach Krefeld aus
16 Siege in Serie, Platz eins, 18.112 Zuschauer im Schnitt – und im Halbfinale wieder Berlin. Nun muss ein Heimspiel der Champions Hockey League in die Krefelder YAYLA ARENA umziehen.
Von Thomas Breuer · 27. Juli 2026
Trainerwechsel
Wagners erster Sommer: Wie der FC nach Platz 14 umbaut
32 Punkte, Platz 14, ein Trainerwechsel im März: Der 1. FC Köln hat eine mühsame Saison hinter sich. In Kitzbühel beginnt der Umbau, mit zwei neuen Namen und einem Interimstrainer, der geblieben ist.
Von Thomas Breuer · 27. Juli 2026
Der Kölner Wochenbrief
Jeden Freitag der neue Beitrag der Woche, dazu Termine und Empfehlungen der Redaktion. Kostenlos, jederzeit abbestellbar.
Kölner Zeit

Unabhängige Nachrichten aus Köln seit 2022. Sieben Redakteurinnen und Redakteure, sieben Ressorts — über Wirtschaft, Stadt und das Leben zwischen Dom und Veedel.

© 2022–2026 Kölner Zeit · Ein Angebot der Tecnola GmbH, Bergisch Gladbach Wetterdaten: Deutscher Wetterdienst (CC BY 4.0), abgerufen über Bright Sky