Hauptrundensieger ohne Titel: Die Haie weichen nach Krefeld aus
16 Siege in Serie, Platz eins, 18.112 Zuschauer im Schnitt – und im Halbfinale wieder Berlin. Nun muss ein Heimspiel der Champions Hockey League in die Krefelder YAYLA ARENA umziehen.
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Ende Juli liegt in der LANXESS arena kein Eis. Wer in Deutz am Willy-Brandt-Platz vorbeikommt, sieht eine Halle im Sommerbetrieb und sonst wenig. Von der vergangenen Eishockeysaison ist dort nichts mehr zu sehen. Erzählen lässt sich über sie trotzdem einiges, und das meiste davon ist bemerkenswert, bis auf das Ende.
Die Kölner Haie beendeten die Hauptrunde der DEL 2025/26 auf Platz eins. Dazwischen lag eine Serie von 16 Siegen nacheinander, nach Angaben der Arena eine neue Bestmarke der Liga. Wer solche Zahlen produziert, gilt im Frühjahr als Favorit. Das ist in Köln erfahrungsgemäß keine besonders gute Ausgangslage.
Eine Serie von 16 Siegen ist im Eishockey selten, weil dieser Sport mehr Zufall zulässt als andere Mannschaftssportarten. Ein starker Torhüter, ein abgefälschter Schuss, eine Strafzeit in der 58. Minute: Die Spanne zwischen einem sehr guten und einem sehr schlechten Abend ist schmal. Wer 16-mal nacheinander gewinnt, hat also nicht nur gut gespielt. Er hatte über Wochen auch das Glück auf seiner Seite.
Gegen Berlin war erneut Schluss, diesmal nach sechs Spielen
Im Playoff-Halbfinale unterlagen die Haie den Eisbären Berlin mit 2:4 nach Spielen. Das sechste Spiel am 20. April ging mit 1:4 verloren, die Drittelergebnisse lauteten 1:2, 0:0 und 0:2. Jonas Müller traf in der siebten Minute, Frederik Tiffels in der zehnten, Parker Tuomie verkürzte in der 15. Für Köln war das der letzte Treffer der Saison.
In den folgenden gut 40 Minuten fiel kein Tor mehr. Erst in der 59. und in der 60. Minute trafen Yannick Veilleux und Markus Vikingstad ins leere Kölner Tor, als der Torhüter für einen zusätzlichen Feldspieler vom Eis war. Berlin zog ins Finale gegen die Adler Mannheim ein. Die Haie fuhren nach Hause.
Zwei der sechs Spiele hat Köln gewonnen, vier gingen verloren. In einer Serie über sieben mögliche Partien ist das ein klares Ergebnis, auch wenn es sich anders anfühlt, wenn man dabei war. Was in den einzelnen Spielen den Ausschlag gab, ist aus den Ergebnissen allein nicht abzulesen. Ablesen lässt sich nur, dass es wieder nicht gereicht hat.
Bemerkenswert ist dabei die Ausgangslage der Serie. Berlin war als Sechster der Hauptrunde in die Playoffs gegangen, Köln als Erster. In einer Liga mit Playoff-Modus zählt die Hauptrunde nur für den Heimvorteil, und der Heimvorteil zählt in Playoffs weniger, als jede Statistik nahelegt. Das ist keine neue Erkenntnis. Sie kostet trotzdem jedes Jahr aufs Neue Nerven.
Auf den achten Meistertitel warten sie seit 24 Jahren
Der letzte deutsche Meistertitel der Kölner Haie liegt 24 Jahre zurück, es wäre der achte. In dieser Zeit ist die Mannschaft mehrfach als Favorit in die Playoffs gegangen und mehrfach vorher ausgeschieden. Ich habe in diesen 24 Jahren gelernt, im April keine Termine für Mai freizuhalten. Das ist keine Bitterkeit, nur Erfahrung.
Die Zuschauerzahl ist die eine Bestmarke, die niemand bestreitet
18.112 Zuschauer im Schnitt pro Heimspiel. Das ist der dritte europäische Zuschauerrekord der Haie in Folge und das erste Mal, dass der Klub die Marke von 18.000 überschritten hat. Zum Vergleich: Die Heimspiele des 1. FC Köln sahen in derselben Saison im Schnitt 49.918 Menschen, allerdings in einem Stadion, das ein Vielfaches fasst. Mehr geht in einer Halle dieser Größenordnung kaum.
Der Begriff Europarekord meint dabei den höchsten Zuschauerschnitt eines Eishockeyklubs in Europa. Nach Angaben der Arena halten die Haie ihn zum dritten Mal in Folge. Die Marke von 18.000 hatten sie zuvor nie erreicht. Dass diese Zahl in einem Jahr ohne Titel entstanden ist, macht sie nicht kleiner, sondern erklärungsbedürftiger.
Die Erklärung ist banal und heißt Gewohnheit. Eishockey in Köln ist ein Abendtermin mit festem Publikum, mit Dauerkarten und einer Halle, die zentral liegt und mit der Bahn in wenigen Minuten zu erreichen ist. Der sportliche Ertrag spielt für die Auslastung eine kleinere Rolle, als Vereinsverantwortliche gern behaupten. Wer den Klub länger begleitet, hat die Ränge auch in schwächeren Jahren gut gefüllt gesehen.
Diese Zahl ist der Grund, warum die Haie auch in schwachen Jahren wirtschaftlich planbar bleiben. Sie ist zugleich der Grund, warum jedes verlegte Heimspiel ein Thema ist. Eine Halle, die regelmäßig 18.000 Menschen zieht, hat einen begehrten Terminkalender. Und dieser Kalender gehört nicht dem Eishockeyklub.
Ein Heimspiel der Champions Hockey League findet in Krefeld statt
Am 12. September um 17 Uhr werden die Haie in der Champions Hockey League auf den EC KAC Klagenfurt treffen. Gespielt wird nicht in Deutz, sondern in der YAYLA ARENA in Krefeld. Der Klub begründet das mit der Belegung und formuliert es so knapp, wie es geht.
„… aufgrund bereits bestehender Terminbelegungen in der LANXESS arena das Heimspiel gegen den KAC nicht in der Deutzer Arena ausgetragen werden kann.“
Kölner Haie in der Mitteilung zum Vorverkauf für das CHL-Heimspiel gegen Klagenfurt
Für das Spiel in Krefeld werden Sitzplätze 20 Euro für Vollzahler kosten, 15 Euro ermäßigt und ab 6 Euro für Kinder bis 14 Jahre. Stehplätze liegen bei 18 Euro für Vollzahler, VIP-Tickets beginnen bei 149 Euro. Der Vorverkauf wird gestaffelt beginnen: am 29. Juli um 10 Uhr für Dauerkarten-Inhaber, am 30. Juli für Vereinsmitglieder, am 31. Juli für alle anderen. Für das CHL-Heimspiel gegen Herning läuft der freie Vorverkauf bereits seit dem 18. Juli.
- Termin: 12. September 2026, 17 Uhr, YAYLA ARENA Krefeld
- Sitzplatz: 20 Euro für Vollzahler, 15 Euro ermäßigt, ab 6 Euro für Kinder bis 14 Jahre
- Stehplatz: 18 Euro für Vollzahler
- VIP-Tickets: ab 149 Euro
- Vorverkauf: 29. Juli Dauerkarten-Inhaber, 30. Juli Mitglieder, 31. Juli frei, jeweils ab 10 Uhr
Ein Heimspiel in einer fremden Halle ist im europäischen Klubwettbewerb kein Einzelfall, für die Anhänger bleibt es trotzdem ein Ärgernis. Krefeld ist mit der Bahn zu erreichen, der 12. September ist ein Samstag, und die Preise bewegen sich zwischen 6 und 20 Euro. Das ist die freundliche Lesart. Die andere lautet: Ein Klub mit dem höchsten Zuschauerschnitt Europas bekommt in seiner eigenen Halle keinen Termin.
Das ist keine Kritik am Klub, sondern eine Beschreibung der Eigentumsverhältnisse. Die Haie sind Mieter. Die Arena verdient ihr Geld mit Konzerten, Comedyreihen und Handballturnieren, und sie war im ersten Halbjahr 2026 sehr gut ausgelastet. Wer im September in der Champions Hockey League antreten will, muss sich in diesen Kalender einfügen.
Die Champions Hockey League ist der europäische Klubwettbewerb im Eishockey und wird parallel zur nationalen Liga im Spätsommer und Herbst gespielt. Für die Haie bedeutet die Teilnahme zusätzliche Termine, zusätzliche Reisen und im Fall von Klagenfurt einen zusätzlichen Umzug. Sportlich ist der Wettbewerb reizvoll, wirtschaftlich ist er überschaubar. Verzichten will trotzdem niemand darauf.
Die YAYLA ARENA in Krefeld ist die Heimspielstätte des dortigen Eishockeyklubs und deutlich kleiner als die Halle in Deutz. Das bedeutet weniger Karten, aber auch eine dichtere Atmosphäre. Für ein Spiel gegen einen österreichischen Traditionsklub ist das kein schlechter Rahmen. Es ist nur nicht Köln.
Was ein Heimspiel ausmacht, ist im Eishockey ohnehin weniger die Adresse als die Kurve. Wie viele Kölner am 12. September nach Krefeld fahren werden, ist Ende Juli offen. Der Klub hat dazu nichts mitgeteilt und wird es vermutlich erst nach dem Vorverkauf wissen. Die gestaffelten Verkaufstermine legen immerhin nahe, dass er mit Nachfrage rechnet.
Bemerkenswert ist auch, was der Klub in dieser Meldung nicht erklärt. Warum sich der Terminkonflikt nicht lösen ließ, warum ausgerechnet Krefeld die Ausweichhalle geworden ist und ob es dafür einen Ausgleich gibt, steht nicht in der Mitteilung. Nachfragen wären an dieser Stelle angebracht. Beantwortet werden sie erfahrungsgemäß erst, wenn das Spiel vorbei ist.
Für die Anhänger ist das eine Rechnung mit wenigen Posten. Ein Samstag im September, eine Bahnfahrt an den Niederrhein, ein Ticket zwischen 6 und 20 Euro und ein Gegner, den man in Köln selten sieht. Das ist zu verkraften. Dass ein Klub mit dem höchsten Zuschauerschnitt Europas in seiner eigenen Halle keinen Termin bekommt, bleibt trotzdem der eigentliche Vorgang.
Zu den Kosten der Verlegung hat der Klub nichts mitgeteilt. Eine fremde Halle anzumieten und Personal zu stellen kostet Geld, und ein Heimspiel außerhalb der eigenen Stadt bringt in der Regel weniger ein. Ob sich das für die Haie rechnet, lässt sich von außen nicht beurteilen. Angeboten wird es jedenfalls zu Preisen, die für ein europäisches Klubspiel niedrig wirken.
Das zweite Heimspiel in diesem Wettbewerb soll gegen Herning stattfinden, einen dänischen Klub. Für dieses Spiel hat der freie Vorverkauf bereits am 18. Juli begonnen, von einer Verlegung ist in diesem Fall nicht die Rede. Zwei Heimspiele, zwei Hallen, ein Wettbewerb: So sieht europäischer Klubsport aus, wenn die eigene Arena ausgebucht ist.
Die neue Saison beginnt mit derselben Frage wie die letzte
Was die Haie sportlich vorhaben, lässt sich Ende Juli nicht seriös beschreiben. Der Kader für 2026/27 wird zusammengestellt, die Vorbereitung läuft an, die Champions Hockey League beginnt im September. Fest steht nur, dass ein erster Platz in der Hauptrunde in dieser Liga wenig garantiert. Das haben die vergangenen Monate hinreichend belegt.
Auffällig ist, wie wenig sich an der Grundkonstellation ändert. Die Zuschauerzahlen steigen, die Halle ist ausgebucht, der Klub ist wirtschaftlich stabil, und im Frühjahr steht wieder Berlin im Weg. Ein achter Titel wäre nach 24 Jahren keine Sensation, sondern eine Korrektur. Ob er in dieser Saison kommt, wird sich frühestens im April zeigen.
Bis dahin bleibt der Blick auf den Kalender. Am 12. September wird in Krefeld gespielt, gegen Herning zu Hause, und im Herbst beginnt die Liga wieder mit ihrer langen Hauptrunde und der Aussicht, dass am Ende die Playoffs alles entscheiden. Wer das lange genug mitmacht, entwickelt eine gewisse Gelassenheit.
16 Siege in Serie, ein Europarekord, ein Halbfinale. Das ist mehr, als die meisten Vereine in einem Jahr zusammenbekommen. Titel gab es trotzdem keinen.




