Wagners erster Sommer: Wie der FC nach Platz 14 umbaut
32 Punkte, Platz 14, ein Trainerwechsel im März: Der 1. FC Köln hat eine mühsame Saison hinter sich. In Kitzbühel beginnt der Umbau, mit zwei neuen Namen und einem Interimstrainer, der geblieben ist.
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Ende Juli ist das Geißbockheim ein ruhiger Ort. Die Profis des 1. FC Köln sind im Trainingslager in Kitzbühel, auf den Plätzen im Grüngürtel steht kaum jemand, und wer am Zaun vorbeikommt, sieht vor allem Rasen. Nach dieser Saison ist das kein schlechter Anblick. Der Klub hat sein erstes Jahr nach dem Wiederaufstieg auf Platz 14 beendet, im März den Trainer gewechselt und den Sommer bislang damit verbracht, den Kader leise umzubauen.
Die Bilanz ist schnell erzählt. 32 Punkte aus 34 Spielen, sieben Siege, elf Unentschieden, 16 Niederlagen, 49:63 Tore. Wer diese Reihe liest, erkennt das Muster sofort: Der FC ging selten unter, gewann aber eben auch selten. Am Ende stand der direkte Klassenerhalt. Mehr nicht.
Die Tordifferenz von minus 14 ist dabei die ehrlichere Zahl als der Tabellenplatz. 63 Gegentore in 34 Spielen sind im Schnitt 1,85 pro Partie, und Mannschaften, die so verteidigen, brauchen vorne jemanden in Form. Der FC hatte genau einen. Saïd El Mala traf 13-mal in der Bundesliga und war damit bester Torschütze der Mannschaft, was bei 49 Saisontoren ein Anteil ist, der mehr über die Mitspieler aussagt als über ihn.
Zur Einordnung gehört, wo dieser Klub herkommt. Der FC war im Sommer 2025 aus der 2. Bundesliga zurückgekehrt, und die Rückkehr war in Köln mit den üblichen Erwartungen verbunden, also mit zu großen. Eingetreten ist ein Jahr im Abstiegskampf ohne Abstieg. Das ist für einen Aufsteiger kein Skandal, wurde hier aber auch von niemandem gefeiert.
Elf Unentschieden waren kein Pech, sondern das Muster der Saison
Bis in den März hinein trug diese Sammelei. Dann kam das Derby gegen Borussia Mönchengladbach, ein 3:3, und einen Tag später, am 22. März, stellte der Klub Cheftrainer Lukas Kwasniok und Co-Trainer Frank Kaspari frei. In der Mitteilung sprach Geschäftsführer Thomas Kessler von leidenschaftlichen und ordentlichen Auftritten und im selben Atemzug von einem klaren Abwärtstrend. Das ist die Formel, mit der Vereine Trainer entlassen, die sie eigentlich schätzen.
„Wir haben zu wenige Punkte geholt – das ist die Realität.“
Thomas Kessler, Geschäftsführer Sport des 1. FC Köln, in der Vereinsmitteilung vom 22. März 2026
Kwasniok war im Sommer 2025 vom SC Paderborn gekommen, mit einem Vertrag bis 2028 und der Aufgabe, den Aufsteiger in der Liga zu halten. In 27 Bundesligaspielen holte er 26 Punkte, insgesamt betreute er 29 Pflichtspiele. Kessler nannte sein Fußballwissen und seine fachliche Expertise unbestritten. Das dürfte stimmen und hat trotzdem nicht gereicht.
Bemerkenswert war weniger die Trennung als das, was danach kam. Der Klub holte niemanden von außen, sondern übertrug die Aufgabe René Wagner, der bereits im Haus arbeitete. Am Montag darauf, dem 23. März, stand Wagner um 15 Uhr auf dem Trainingsplatz. Vorgestellt wurde er als Interimstrainer, und dieses Wort altert im Fußball selten gut.
In diesem Fall hat es gehalten. Wagner führte die Mannschaft durch die sieben verbliebenen Spieltage, der FC blieb in der Liga, und laut Vereinsangaben leitet Wagner auch diese Vorbereitung. Wie lange sein Vertrag läuft, geht aus den Klubmitteilungen nicht hervor. In Köln ist das kein Sonderfall.
„Gemeinsam mit der Mannschaft, meinen Trainerkollegen, unserem Staff und mit der Unterstützung des gesamten Vereins werde ich alles daransetzen, um in der Bundesliga zu bleiben.“
René Wagner, Cheftrainer des 1. FC Köln, bei seinem Amtsantritt am 22. März 2026
Solche Sätze liest man im März als Pflichtübung. Im Mai liest man sie anders. Der Satz enthielt keine Ansage zum Spielstil und keine Kampfansage an die Tabelle, sondern nur das Ziel, in der Bundesliga zu bleiben, und genau das ist eingetreten. Wer sich damals über so viel Bescheidenheit gewundert hat, sollte sich die Punktzahl noch einmal ansehen.
Rechnen hilft an dieser Stelle. Kwasniok holte 26 Punkte in 27 Bundesligaspielen, das sind 0,96 pro Partie. Wagner holte in den sieben verbleibenden Spielen sechs Punkte, also 0,86 pro Partie. Der Trainerwechsel hat den Schnitt nicht verbessert. Er hat die Mannschaft über die Ziellinie gebracht, und das ist im Abstiegskampf eine andere Kategorie als ein Punkteschnitt.
Diese Rechnung ist kein Argument gegen die Entscheidung vom 22. März. Sie ist ein Argument gegen die Erwartung, ein neuer Trainer löse in acht Wochen ein strukturelles Problem. Der FC brauchte im Frühjahr den Klassenerhalt und keine Tabellenkorrektur. Der Klassenerhalt kam, alles Weitere ist Auslegung.
Das Stadion war ausverkauft, auch als die Tabelle nichts hergab
49.918 Zuschauer im Schnitt, 99,84 Prozent Auslastung, 17 Heimspiele. Das ist die eine Zahl dieser Saison, an der nichts zu deuteln ist. Hochgerechnet sind das gut 848.000 Menschen, die zwischen August und Mai nach Müngersdorf gefahren sind, unabhängig davon, ob der FC gerade gewann. Zum 1. Juli 2026 zählte der Verein rund 170.000 Mitglieder.
Was das wirtschaftlich bedeutet, hat der Klub nicht aufgeschlüsselt. Bekannt ist nur die Nachfrageseite, und die ist eindeutig. Diese Zahlen sind der Grund, warum der FC auch nach einem schwachen Jahr nicht als kleiner Klub verhandelt. Sie sind zugleich der Grund, warum ein Abstieg in dieser Stadt jedes Mal so laut wird.
Für die Geschäftsführung ist das eine komfortable Lage und zugleich ein Problem. Ein Klub, dessen Stadioneinnahmen nicht am Tabellenplatz hängen, spürt sportliche Mittelmäßigkeit später als andere. Wer auf der Tribüne steht, spürt sie sofort. Ich sehe mir das seit 1988 an und weiß inzwischen, dass eine volle Südtribüne nichts über den nächsten Mai aussagt.
Geführt wird der Klub von drei Geschäftsführern: Philipp Türoff als Kaufmann und Sprecher, Thomas Kessler für den Sport, Philipp Liesenfeld für Marketing und Vertrieb. Kessler war es, der die Trennung im März begründen musste. Das ist keine Nebensache. Wer einen Trainer entlässt und den Nachfolger im eigenen Haus findet, muss erklären, warum das reicht.
Im DFB-Pokal war die Saison ohnehin früh vorbei. In der zweiten Runde verlor der FC Ende Oktober zu Hause mit 1:4 gegen den FC Bayern München. Es gibt schlechtere Arten, aus einem Pokal auszuscheiden. Sportlich blieb von diesem Jahr also vor allem eine Zahl hängen, und die stand nicht in der Tabelle, sondern auf dem Zuschauerzettel.
Der Umbau läuft leise und in beide Richtungen
Der erste externe Neuzugang des Sommers heißt Luka Lochoshvili. Der georgische Abwehrspieler kam vom 1. FC Nürnberg, wo er in der vergangenen Saison fünf Tore erzielte, was für einen Verteidiger eine auffällige Ausbeute ist. Im Vereinsinterview beschreibt er sich über Mentalität, Physis und Aggressivität und sagt, er hoffe, Führung über seine Leistung auf dem Platz einzubringen. Das ist ein Vokabular, das in Köln erfahrungsgemäß gut ankommt.
„Je stärker der Gegner, umso mehr mag ich die Spiele.“
Luka Lochoshvili, Abwehrspieler des 1. FC Köln, im Vereinsinterview
Der zweite Zugang ist Paul Okon-Engstler, 21 Jahre alt, Mittelfeldspieler, gekommen vom Sydney FC. Nach Klubangaben bestritt der Australier bei der Weltmeisterschaft in Nordamerika alle vier Spiele seiner Nationalmannschaft und bereitete beim 2:0 zum Auftakt gegen die Türkei ein Tor vor. In Kitzbühel trainierte er erstmals im Trikot des FC. Über sich selbst sagt er: „Ich mag es sehr gerne, den Ball am Fuß zu haben.“
In die andere Richtung ging Jusuf Gazibegovic. Der 26 Jahre alte Rechtsverteidiger war in der Winterpause 2024/25 von Sturm Graz gekommen und brachte es in Köln auf elf Zweitligaspiele und ein Bundesligaspiel. Für die kommende Saison wechselt er per Leihe zu Widzew Łódź. Kessler bedankte sich in der Mitteilung für den jederzeit professionellen Umgang mit der Situation, was Vereinsdeutsch ist für anderthalb Jahre auf der Bank. Damit steht der Kaderumbau bisher auf einer überschaubaren Liste.
- Zugang: Luka Lochoshvili, Abwehrspieler, vom 1. FC Nürnberg, erster externer Neuzugang des Sommers
- Zugang: Paul Okon-Engstler, 21 Jahre, Mittelfeldspieler, vom Sydney FC
- Abgang: Jusuf Gazibegovic, 26 Jahre, Rechtsverteidiger, für eine Saison per Leihe zu Widzew Łódź
- Cheftrainer: René Wagner, seit dem 23. März 2026 im Amt
- Trainingslager: Kitzbühel, am 27. Juli der vierte Tag
Was in dieser Liste fehlt, ist ein Stürmer. Der FC hat in der vergangenen Saison 49 Tore erzielt, 13 davon durch einen einzigen Spieler. Wer diese Abhängigkeit verringern will, braucht entweder einen zweiten Torschützen oder eine Mannschaft, die anders zu Chancen kommt. Beides ist bis Ende Juli nicht gemeldet worden.
Dass der Klub Ende Juli noch nicht fertig ist, ist dabei nicht ungewöhnlich. Die Wechselperiode ist längst nicht abgelaufen, und die meisten Vereine warten ab, wer bei den größeren Klubs übrig bleibt. Für den FC heißt das: Der Kader, der in Kitzbühel trainiert, ist nicht zwingend der Kader, der im Herbst spielt. Es ist nur der, über den sich Ende Juli reden lässt.
In Kitzbühel fehlt nur ein einziger Spieler
Am vierten Tag des Trainingslagers meldete der Klub eine ungewöhnlich kurze Ausfallliste. Bis auf Timo Hübers, der weiter im Reha-Bereich arbeitet, standen alle mitgereisten Spieler am Montagabend zur Verfügung. Linksverteidiger Gideon Mensah hat seine Verletzung auskuriert und sollte am selben Abend nachreisen. Das ist keine große Nachricht. Ende Juli ist es die beste, die ein Verein haben kann.
Trainingslager sind Wochen ohne Gegner und ohne Tabelle. Sie taugen für Laufumfänge, für Automatismen und dafür, dass neue Spieler die alten kennenlernen. Über die Qualität eines Kaders sagen sie nichts. Über seine Verfassung schon, und die ist in Kitzbühel offenbar in Ordnung.
Aus dem Trainingslager meldet der Klub täglich, zuletzt von Diskussionen im Team und einem Almbesuch. Solche Formate ersetzen im Juli die Ergebnisse. Wer sie liest, erfährt wenig über die kommende Saison und einiges über die Stimmung, was im Sommer meistens aufs Gleiche hinausläuft. Ob der Kader bis zum ersten Spieltag noch verstärkt wird, hat der Verein nicht mitgeteilt.
Die eigentliche Aufgabe steht nicht an der Seitenlinie
Offen ist auch die Frage nach dem Personal hinter Wagner. Der Klub hat im März Cheftrainer und Co-Trainer gemeinsam freigestellt und musste damit zwei Stellen auf einmal neu besetzen. Wie der Trainerstab für die kommende Saison im Einzelnen aussieht, geht aus den bisherigen Mitteilungen nicht hervor. Auch das ist eine Auskunft.
Der Trainerwechsel im März hat den Klassenerhalt gebracht, die Ursache hat er nicht behoben. Ein Aufsteiger, der 49 Tore schießt und 63 kassiert, lebt von einzelnen Spielern und von Unentschieden, und beides lässt sich nicht planen. Wenn die neue Saison anders verlaufen soll, müsste sie an der Stelle ansetzen, an der aus Remis Siege werden. Das ist eine Frage der Abwehr genauso wie des letzten Passes.
Zwei Namen mehr im Kader, ein Trainer, der geblieben ist, ein Stadion, das ohnehin voll wird. Viel mehr weiß man Ende Juli nie. Den Rest entscheiden 34 Spieltage.




