Sparkasse KölnBonn: 29,2 Milliarden und der Weg zur EZB
Die Bilanzsumme stieg 2025 um 1,1 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis fiel um 64 Millionen. Warum die Kernkapitalquote trotzdem sprang – und was der Aufsichtswechsel kosten soll.
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Rund 8.000 neue Girokonten hat die Sparkasse KölnBonn im Jahr 2025 eröffnet. Die Zahl steht eher am Rand der Medieninformation zur Bilanzpressekonferenz, sie erklärt aber einen guten Teil dessen, was das Institut am 12. März 2026 vorgelegt hat: Wo der Zins weniger einbringt, muss das Gebührengeschäft einspringen. Der Provisionsüberschuss – das, was aus Kontoführung, Zahlungsverkehr und Wertpapiergeschäft nach Abzug der Aufwendungen übrig bleibt – stieg leicht auf 225 Millionen Euro nach 222 Millionen Euro im Vorjahr. Der Zinsüberschuss dagegen sank um gut 40 Millionen Euro auf rund 540 Millionen Euro.
Die Bilanzsumme wuchs auf 29,2 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es 28,1 Milliarden Euro, und die Sparkasse rechnet damit, Ende 2026 die Marke von 30 Milliarden Euro zu überschreiten – jenen Schwellenwert, ab dem die Aufsicht von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht auf die Europäische Zentralbank übergeht. Das ist keine Formalie, sondern ein Umbau, der das Haus vier Jahre lang beschäftigen wird. Nebenbei bemerkt nennt die Medieninformation das Jahr 2025 „das 200. Jahr unserer Geschichte“ und kündigt für 2026 zugleich das 200-jährige Bestehen an; welches der beiden Jahre nun das Jubiläum ist, lässt sie offen.
Das Betriebsergebnis fällt, das Ergebnis vor Steuern steigt
Das Betriebsergebnis vor Bewertung lag bei 295 Millionen Euro. Im starken Vorjahr waren es 359 Millionen Euro gewesen, das ist ein Rückgang um 64 Millionen Euro oder knapp 18 Prozent. Das Ergebnis vor Steuern stieg dennoch leicht auf knapp 140 Millionen Euro. Der Bilanzgewinn, aus dem am Ende die Ausschüttung und die Stärkung der Rücklagen bedient werden, bewegte sich mit 36,6 Millionen Euro nahezu auf dem Vorjahresniveau von 37,4 Millionen Euro.
Dass ein Vorsteuerergebnis steigt, während das Betriebsergebnis fällt, klingt widersprüchlich, hat aber eine schlichte Erklärung. Zwischen beiden Größen liegt das Bewertungsergebnis: Abschreibungen auf Kredite und Wertpapiere, Zuführungen zur Risikovorsorge und einmalige Effekte. Diese Summe aus Risikovorsorge und neutralem Ergebnis belastete 2025 mit 45,5 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 113 Millionen Euro. Wie im Vorjahr flossen zudem 110 Millionen Euro in die Reserven für banktypische Risiken, also in Geld, das im Haus bleibt und in schlechten Jahren als Puffer dient.
Den Rückgang beim Zinsüberschuss führt die Sparkasse auf das gesunkene Zinsniveau im Zuge der Leitzinssenkungen der EZB zurück. Das ist plausibel, denn eine Sparkasse verdient in erster Linie an der Spanne zwischen dem, was sie für Einlagen zahlt, und dem, was sie für Kredite nimmt. Fällt der kurzfristige Zins schneller als der langfristige, schrumpft diese Spanne. Die Notenbank senkte ihren Einlagesatz 2025 in vier Schritten von jeweils 0,25 Prozentpunkten auf 2 Prozent.
Auf der Kostenseite ging es in die andere Richtung. Der Sachaufwand stieg auf 219 Millionen Euro nach 205 Millionen Euro, der Personalaufwand auf 278 Millionen Euro nach 263 Millionen Euro. Als Treiber nennt das Institut die Inflation, tarifvertragliche Gehaltsanpassungen, die Umsetzung der IT-Sicherheitsrichtlinie DORA, die Umstellung auf den IRB-Ansatz sowie Investitionen in die Filialen und in den Umbau des Privatkundenbetriebs. Die Zahl der Beschäftigten blieb mit 3.537 zum 31. Dezember 2025 praktisch unverändert, ein Jahr zuvor waren es 3.543.
„Unser Kerngeschäft hat sich auch 2025 als ausgesprochen robust erwiesen. Natürlich spüren wir in der Ergebnisrechnung die regulatorisch bedingten Kosten.“
Cathrin Dauven, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse KölnBonn, zuständig für Finanzen
Die Kapitalquote springt, ohne dass neues Kapital hinzugekommen wäre
Die auffälligste Zahl der Bilanz ist die harte Kernkapitalquote. Sie sprang von 13,6 auf 18,9 Prozent, und wer darin einen Kapitalzufluss vermutet, liegt falsch. Ursache ist die Umstellung auf den IRB-Ansatz, den Internal Ratings Based Approach: Statt pauschaler aufsichtlicher Gewichte darf die Sparkasse ihre Kreditrisiken nun mit eigenen, von der Aufsicht abgenommenen Modellen bewerten. Der Zähler des Bruchs bleibt gleich, der Nenner – die risikogewichteten Aktiva – schrumpft. Nützlich ist der Puffer vor dem Aufsichtswechsel trotzdem, und die Umstellung selbst hat, wie die Kostenseite zeigt, Geld gekostet.
Wie das Haus von außen gesehen wird, steht in seiner eigenen Ratingübersicht. Moody's führt langfristige bevorrechtigte unbesicherte Verbindlichkeiten und langfristige Einlagen bei Aa3, nicht-bevorrechtigte Verbindlichkeiten bei A3 und kurzfristige Einlagen bei P-1, jeweils mit stabilem Ausblick; Hypothekenpfandbriefe stehen bei der Bestnote Aaa. Die Übersicht trägt allerdings den Stand 15. März 2024. Eine aktualisierte Einschätzung nach der IRB-Umstellung findet sich dort nicht.
Auf der Passivseite setzte sich der Trend der Vorjahre fort. Das Einlagenvolumen erreichte 24,4 Milliarden Euro nach 23,3 Milliarden Euro, getrieben von Sichteinlagen und Tagesgeldern, deren Bestand um knapp zwei Milliarden Euro auf 16,7 Milliarden Euro wuchs. Spar- und Termineinlagen gingen dagegen auf 6,6 Milliarden Euro zurück nach 7,2 Milliarden Euro, das Volumen von Sparkassenbriefen und Schuldverschreibungen auf 1,1 Milliarden Euro nach 1,3 Milliarden Euro. Die Kundschaft parkt ihr Geld also weiterhin kurzfristig, statt es zu binden.
Die Baufinanzierung erholt sich, ohne alte Rekorde zu erreichen
Im Baufinanzierungsgeschäft ging es zum zweiten Mal in Folge aufwärts. Das Neugeschäft erreichte 1,2 Milliarden Euro nach 927 Millionen Euro im Vorjahr, davon 624 Millionen Euro mit privaten und 501 Millionen Euro mit gewerblichen Kundinnen und Kunden. Die Sparkasse führt das nicht allein auf die Nachfrage zurück, sondern auch auf eigene Konditionen und darauf, dass sie seit 2024 nicht mehr nur hauseigene Finanzierungen anbietet, sondern auch fremde vermittelt. Historische Höchststände seien noch nicht wieder erreicht, heißt es in der Mitteilung; um welche Werte es dabei geht, steht dort nicht.
Der Kreditbestand lag zum Jahresende bei 22,3 Milliarden Euro und damit eine halbe Milliarde Euro über dem Vorjahr. Auf Firmenkunden entfielen 14,5 Milliarden Euro nach 14,2 Milliarden Euro, auf Privatkunden 6,4 Milliarden Euro nach 6,3 Milliarden Euro. Das Haus zählt 721.000 private und 115.000 Firmenkundinnen und -kunden. Das Depotvolumen stieg durch Kursgewinne und Zuflüsse auf 21,7 Milliarden Euro nach 20,2 Milliarden Euro, wobei Investmentfonds und Vermögensverwaltungsprodukte um 900 Millionen Euro auf 10,6 Milliarden Euro zulegten und der Aktienbestand auf 4,4 Milliarden Euro nach 3,9 Milliarden Euro.
Die belebte Baufinanzierung zieht anderes Geschäft nach sich. Die Sparkasse verweist auf Vertriebseffekte mit ihren Töchtern S-Immobilienpartner und finja, die Versicherungsberatung anbietet; wer ein Haus finanziert, braucht in der Regel auch eine Wohngebäude- und eine Risikolebensversicherung. Solche Verbundgeschäfte schlagen im Provisionsüberschuss zu Buche und erklären mit, warum diese Ertragssäule trotz schwachen Marktumfelds gewachsen ist. Wie viel davon auf Cross-Selling entfällt, weist das Institut nicht gesondert aus.
Der Wechsel nach Frankfurt ist ein Vier-Jahres-Projekt
Die Vorbereitung auf die europäische Aufsicht läuft als Projekt bis Mitte 2029. Die Umstellung erwartet das Institut für 2028, den ersten Stresstest der EZB für 2029. Was das kostet, beziffert die Sparkasse nicht; sie schreibt lediglich, Wachstum sei ein wichtiger Hebel, um die zusätzlichen Aufsichtskosten der künftigen EZB-Regulierung nachhaltig zu tragen. Ein Institut wächst hier also auch deshalb, weil das Wachstum die Rechnung für das Wachstum bezahlen soll.
„Mit dem Erreichen der 30-Milliarden-Marke werden wir unseren Wachstumspfad noch konsequenter verfolgen. Das eröffnet neue Perspektiven – etwa für größere Finanzierungsmandate und ein noch breiteres regionales Wirkungsfeld.“
Ulrich Voigt, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse KölnBonn
Im Privatkundengeschäft hat die Sparkasse 2025 umgebaut, die Änderungen greifen seit dem Jahreswechsel. Kern ist die Trennung von Service und Beratung: Eine zentrale Serviceeinheit bearbeitet Anfragen, die Beratenden sollen dadurch mehr Zeit für Gespräche haben. Wer einen Termin will, kann zwischen Filiale, Telefon und Video wählen, und ein standortübergreifendes Betreuungskonzept soll die Terminvergabe beschleunigen. Für Kundinnen und Kunden zwischen 18 und 30 Jahren gibt es die eigene Beratungseinheit „YOUNG“.
Im Firmenkundengeschäft setzt das Haus seit Februar 2026 die Plattform neoshare s ein, entwickelt von der neoshare AG. Sie soll Immobilieninvestoren, Sparkassen-Beschäftigte und mögliche Konsortialpartner in einem gemeinsamen Datenraum zusammenbringen und Prozessschritte automatisieren. Der Nutzen liegt weniger im Ertrag als in der Bearbeitungszeit komplexer Finanzierungen. Wie viel schneller es tatsächlich geht, beziffert die Sparkasse nicht.
Im Gründungsgeschäft meldet die Sparkasse ihr nach eigener Darstellung bislang bestes Jahr. Das GründerCenter begleitete 243 Vorhaben nach 233 im Vorjahr, das Finanzierungsvolumen stieg auf 49,5 Millionen Euro nach 42,5 Millionen Euro. Ein erheblicher Teil davon geht auf die 2024 gegründete Einheit „Startup Solutions“ zurück, die 17,6 Millionen Euro an Venture-Capital-Einlagen einwarb nach 7,3 Millionen Euro im Vorjahr. 1.246 Arbeitsplätze wurden nach Angaben des Hauses geschaffen oder gesichert, nach 960 im Jahr zuvor. Auffällig ist, dass die Übersichtszeile der Mitteilung auf 240 Vorhaben und 1.200 Arbeitsplätze abrundet, während im Fließtext 243 und 1.246 stehen.
Beim regionalen Engagement lohnt ein zweiter Blick auf die Formulierung. Gefördert wurden 4.050 Projekte, 658 mehr als im Vorjahr und nach Angaben der Sparkasse so viele wie nie zuvor. Das Fördervolumen lag mit 18,8 Millionen Euro jedoch unter dem Vorjahreswert von 19,2 Millionen Euro. Der Rekord bezieht sich also auf die Zahl der Projekte, nicht auf das Geld; je Projekt sind es rechnerisch rund 1.000 Euro weniger als im Jahr davor. Für das Jubiläumsjahr kündigt das Haus an, das Fördervolumen deutlich zu erhöhen.
Wohin das Geld fließt, listet die Mitteilung recht genau auf. Zur Kommunalwahl am 14. September 2025 setzte das Institut Maßnahmen zur Demokratieförderung mit einem Projektvolumen von rund einer Million Euro um. Jede weiterführende Schule in Köln und Bonn konnte im Herbst 7.500 Euro erhalten, macht einen Fördertopf von rund 1,5 Millionen Euro. Eine Juniorprofessur für Banking an der Universität zu Köln wird über sieben Jahre mit rund einer Million Euro unterstützt, das mobile Schwimmbad „Mobi“ mit rund 3 Millionen Euro.
Für Kundinnen und Kunden ändert sich zuerst das Depot
Konkret spürbar wird von alldem zunächst eine Produktneuerung. Zum April hatte die Sparkasse S-Neo angekündigt, ein rein digitales Depot, das in der Sparkassen-App liegt und sich an Anlegerinnen und Anleger richtet, die ihre Entscheidungen selbst treffen. Grundgebühren sollen nicht anfallen, je Transaktion sind 0,95 Euro vorgesehen. Weitere Kostenbestandteile, etwa Fremdkosten der Handelsplätze oder Entgelte für Sparpläne, nennt die Mitteilung nicht; wer vergleicht, sollte danach fragen.
Für alle anderen bleibt die wichtigste Zahl jene 16,7 Milliarden Euro auf Sicht- und Tagesgeldkonten. Dieses Geld ist kurzfristig verfügbar, aber es liegt eben auch. Die Notenbank hat ihren Kurs inzwischen gedreht: Nach einer Zinserhöhung im Juni 2026 hat der EZB-Rat am 23. Juli eine Pause eingelegt, und der Chefvolkswirt der Kreissparkasse Köln rechnet mit einem weiteren Schritt im September. Wer sein Guthaben seit Monaten nicht angesehen hat, sollte den Zinssatz auf dem eigenen Kontoauszug mit dem vergleichen, was Tages- und Festgeldangebote derzeit ausweisen. Die Differenz zahlt niemand freiwillig nach.
- Sparkasse KölnBonn wächst im Geschäftsjahr 2025 stabil und steuert auf Bilanzsumme von 30 Milliarden Euro zu (Presseportal, 12.03.2026)
- Medieninformation zur Bilanz-Pressekonferenz 2025 der Sparkasse KölnBonn (PDF, 12.03.2026)
- Sparkasse KölnBonn: Pfandbriefe, Ratings und Deckungsstock-Reports
- Finanz-Szene: Archiv Sparkasse KölnBonn („Sparkasse KölnBonn verteidigt Ergebnis“, 13.03.2026)




