200 Jahre Sparkasse KölnBonn: zwei Bücher, auch zur NS-Zeit
Am 15. Juli trugen sich drei Kölner Unternehmen mit 200-jährigem Bestehen ins Goldene Buch der Stadt ein. Bei der Sparkasse KölnBonn gehört zum Jubiläum auch eine Aufarbeitung der eigenen Geschichte.
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Drei Kölner Unternehmen haben sich am 15. Juli in das Goldene Buch der Stadt eingetragen, und alle drei nennen dasselbe Gründungsjahr: 1826. Oberbürgermeister Torsten Burmester empfing die Klosterfrau Group, die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt und die Sparkasse KölnBonn auf der Piazzetta des Historischen Rathauses. Pharmazie, Rheinschifffahrt, Kreditwesen: Die Aufzählung ist ein Querschnitt jener Wirtschaft, die sich im Rheinland des frühen 19. Jahrhunderts herausbildete. Nur eines der drei Häuser beruft sich dabei auf einen Gemeinwohlgedanken als Gründungsmotiv.
Der Eintrag ins Goldene Buch ist ein Verwaltungsakt mit Symbolwert und ohne wirtschaftliche Folge: Er kostet die Stadt eine Stunde Rathauszeit und die Unternehmen eine Unterschrift. Interessanter als die Geste ist die Frage, was drei Häuser dieses Alters über den Standort aussagen. Zwei von ihnen sind privatwirtschaftlich organisiert, das dritte beruft sich auf einen Gemeinwohlauftrag. Und zwei von ihnen begehen ihr Jubiläum in diesem Jahr mit gemeinsamen Aktionen, weil sie im selben Geschäftsgebiet arbeiten.
Die Sparkasse KölnBonn führt ihre Geschichte auf den 1. Januar 1826 zurück. Was damals begann, sei aus einem klaren Gemeinwohlgedanken heraus entstanden und heute ein unverzichtbarer Bestandteil der regionalen Infrastruktur, teilte das Institut zum Auftakt des Jubiläumsjahres mit. Die Bonner Linie ist jünger: Die städtische Sparkasse zu Bonn wurde 1844 gegründet. Zusammengeführt wurden beide Häuser erst 2006, als die Sparkasse Bonn und die Stadtsparkasse Köln zur Sparkasse KölnBonn fusionierten. Das heutige Institut ist damit 20 Jahre alt und feiert das Jubiläum seines älteren Vorgängers.
Das Gründungsjahr fällt in eine Phase, in der am Rhein moderne Wirtschaftsformen entstanden: Dampfschifffahrt, Handelshäuser, erste Institute für den kleinen Sparer. Die Köln-Düsseldorfer datiert ihre Anfänge auf dasselbe Jahr, die Klosterfrau Group ebenfalls. Alle drei haben seither die preußische Rheinprovinz, zwei Weltkriege, zwei Inflationen und mehrere Währungsreformen überstanden. Dass sie am selben Tag im Historischen Rathaus standen, ist ein Zufall des Kalenders – und trotzdem ein Befund über die Beharrungskraft von Familien- und Anstaltsunternehmen in dieser Stadt.
Sparkassen entstanden im 19. Jahrhundert als Antwort auf ein konkretes Problem: Wer wenig verdiente, hatte weder Zugang zu einem sicheren Konto noch zu bezahlbarem Kredit. Das Institut beschreibt seine Gründungsidee bis heute in genau diesen Worten – Sparkonten und Darlehen zu fairen Konditionen für alle Menschen. Ob dieser Anspruch nach 200 Jahren noch trägt, ist die Frage, an der sich Sparkassen in der öffentlichen Debatte regelmäßig messen lassen müssen. Das Jubiläumsjahr liefert dafür mehr Material als eine gewöhnliche Bilanz.
Zum Jubiläum gehört erstmals eine wissenschaftliche Aufarbeitung
Am 22. Mai stellte die Sparkasse zwei Bücher vor, die ihre 200-jährige Geschichte behandeln: „Geld für alle“ von Jörg Lichter und „Alle sparen mit“ von Eliana Berger. Nach Angaben des Hauses ist es die erste umfassende, wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung der eigenen Unternehmensgeschichte; begleitet wurde sie extern durch ein Beratungsgremium. Als Kernaspekt nennt das Institut die kritische Analyse der Rolle der Vorgängerinstitute im Nationalsozialismus. Welche Vorgänge im Einzelnen untersucht wurden und zu welchen Ergebnissen die Autoren kommen, teilte die Sparkasse in ihrer Mitteilung nicht mit.
Auffällig ist die Wortwahl. Die Mitteilung spricht von schwierigen und belastenden Kapiteln und ausdrücklich von der Verantwortung der Vorgängerinstitute, nicht von Verwicklung oder Zeitumständen. Was daraus folgt, steht in den beiden Bänden und nicht im Pressetext. Dass ein Kreditinstitut seine Geschichte extern untersuchen lässt, ist dabei kein Selbstläufer: Solche Arbeiten kosten Geld, binden Archivkapazitäten und liefern Ergebnisse, über die das Haus danach nicht mehr verfügt. Für ein Institut, das sich auf einen Gemeinwohlgedanken beruft, steht dabei mehr auf dem Spiel als der Ruf einer Marke.
Für die Wirtschaftsgeschichte der Region sind die beiden Bände deshalb mehr als eine Festschrift. Wer die Kreditvergabe eines Instituts über 200 Jahre nachzeichnet, beschreibt zugleich, welche Betriebe in Köln und Bonn Kapital bekamen und welche leer ausgingen. Ob die Autoren diese Perspektive einnehmen, lässt sich der Pressemitteilung nicht entnehmen. Sie nennt Titel, Namen und den Umstand, dass ein Beratungsgremium beteiligt war – mehr nicht.
Ein Schlussstein von 1913 kehrt nach Bonn zurück
Am 7. Mai wurde in Bonn eine Skulptur enthüllt, die das Haus „Sparlieschen“ nennt. Sie stammt aus dem Jahr 1913 und war der Schlussstein über dem Eingangstor des ersten Bonner Sparkassengebäudes am Friedensplatz. Seither ist sie im Lichthof der Filialdirektion am Friedensplatz zu sehen, als langfristige Leihgabe des Stadtmuseums Bonn. Bei der Enthüllung würdigten Sparkassenvorstand Andreas Dartsch und Bonns Oberbürgermeister Guido Déus die Bedeutung des Objekts; wörtliche Aussagen gab das Institut nicht wieder.
Der Rest des Jubiläumsprogramms ist Publikumsgeschäft. Seit dem 23. April gibt es Veranstaltungen in allen Filialen und Filialdirektionen, seit April außerdem Rheinfahrten zwischen Köln und Bonn auf der MS RheinMagie – dem Schiff jener Köln-Düsseldorfer, die sich am 15. Juli neben der Sparkasse ins Goldene Buch eintrug. Am 5. September soll auf dem Roncalliplatz vor dem Dom ein Open-Air-Konzert der Kölner Band BRINGS stattfinden, die in diesem Jahr ihr 35-jähriges Bühnenjubiläum begeht. Die Sparkasse stellt dafür 4.999 kostenlose Plätze bereit; der Ticketverkauf begann am 10. Juli.
Bemerkenswert ist, wie eng die beiden Jubilare dabei zusammenarbeiten. Die Sparkasse lässt ihre Jubiläumsfahrten auf einem Schiff der Köln-Düsseldorfer laufen, und die Reederei versieht die MS RheinMagie dafür mit einem gemeinsamen Jubiläums-Branding. Zwei Unternehmen, die im selben Jahr gegründet wurden und im selben Geschäftsgebiet arbeiten, treten damit in ihrem Festjahr gemeinsam auf. Wie die Kosten dieser Kooperation verteilt sind, teilte keines der beiden Häuser mit.
Ein Gratiskonzert für knapp 5.000 Menschen auf dem Roncalliplatz ist dabei kein Nebenprodukt: Es setzt Genehmigungen, ein Sicherheitskonzept und einen Veranstalter voraus, und es bindet den Namen des Instituts an einen der bekanntesten Plätze der Republik. Für die Sparkasse ist das Marketing; für die Stadt ist es ein Programmpunkt, den sie nicht selbst finanzieren muss. Was das Konzert kostet, teilte das Institut nicht mit.
Die wirtschaftliche Rolle zeigt sich an einer Wärmepumpe
Wie viel Gewicht ein Regionalinstitut hat, lässt sich schlecht an Jubiläumsterminen ablesen und gut an Finanzierungen. Am 17. Juni teilte die Sparkasse mit, dass sie sich an der Finanzierung dessen beteiligt, was als größte Flusswasser-Wärmepumpe Europas bezeichnet wird. Projekturheberin ist die RheinEnergie AG; das Konsortium aus Sparkasse KölnBonn, Helaba und NRW.Bank stellt insgesamt 150 Millionen Euro bereit. Die Anlage soll Energie für 50.000 Haushalte liefern. Welchen Anteil die Sparkasse an der Summe trägt, nannte sie nicht.
Konsortialfinanzierungen dieser Art sind der eigentliche Hebel eines Regionalinstituts. Ein Vorhaben über 150 Millionen Euro ist für eine einzelne Sparkasse zu groß; erst der Zusammenschluss mit einer Landesbank und einer Förderbank macht es finanzierbar. Für den Standort heißt das: Ob die Wärmeversorgung in Köln umgebaut wird, hängt auch daran, ob sich in der Region Häuser finden, die ein solches Risiko mittragen. Diese Funktion taucht in keiner Jubiläumsbroschüre auf.
Im Firmenkundengeschäft ist die Größenordnung ähnlich eindeutig. Nach eigenen Angaben betreut das Institut 81.000 Firmenkundinnen und Firmenkunden und damit fast jedes zweite Unternehmen der Region; mehr als die Hälfte der Menschen in Köln und Bonn zählt es zu seiner Kundschaft. Diese Zahlen stammen vom Haus selbst und sind von außen nicht überprüfbar. Sie beschreiben aber die Position, aus der heraus das Institut auftritt: Für viele Handwerksbetriebe, Praxen und Mittelständler im Rheinland ist die Sparkasse nicht eine Bank unter mehreren, sondern die Hausbank.
Das Fördergeschäft ist Teil des Auftrags, nicht der Werbung
Zum Selbstverständnis gehört ein Förderbudget, dessen Einzelposten das Institut regelmäßig veröffentlicht. 1,5 Millionen Euro flossen nach eigenen Angaben in die Förderung weiterführender Schulen; unter dem Titel „Bonn bewegt sich“ verteilte das Haus 700.000 Euro an 270 Vereine. Im Juli durfte in Bonn-Oberkassel die Kundschaft mitentscheiden, welche örtlichen Vereine unterstützt werden. Ein von der Sparkasse gefördertes E-Waste-Race trug nach Angaben des Instituts fast 3.200 Teile Elektroschrott zusammen.
Auch das gehört zum Bild eines Jubiläumsjahres: Am 2. Juli beteiligte sich das Institut nach eigenen Angaben erneut an der CSD-Demonstration in Köln, im Juni und Juli unterstützte es zwei E-Waste-Races in Köln und Bonn. Solche Aktivitäten sind Öffentlichkeitsarbeit und Auftragserfüllung zugleich. Wo die eine aufhört und die andere beginnt, lässt sich von außen nicht bestimmen – und die Sparkasse hat keinen Anlass, diese Grenze selbst zu ziehen.
Solche Summen sind für ein Institut dieser Größe überschaubar, für die Empfänger sind sie es nicht: Ein Verein, der im Schnitt rund 2.600 Euro erhält, finanziert damit Trikots, Trainerstunden oder eine Reparatur. Genau in dieser Differenz liegt das Argument, mit dem Sparkassen ihren Sonderstatus begründen. Ob es trägt, ist eine politische Frage und keine bilanzielle – und sie wird alle paar Jahre neu gestellt, wenn über Trägerschaft, Fusionen und Filialdichte diskutiert wird.
Zusammengenommen ergibt sich ein Bild, das über das Festjahr hinausreicht. Ein Regionalinstitut dieser Größe entscheidet mit, welche Vorhaben in Köln und Bonn eine Bank finden – von der Wärmepumpe eines kommunalen Versorgers bis zum Kredit an einen Handwerksbetrieb in Ehrenfeld. Diese Rolle ist in guten Jahren unauffällig und in schlechten entscheidend. Sie ist auch der Grund, warum die Aufarbeitung der eigenen Geschichte mehr ist als eine Fußnote zum Festprogramm: Ein Haus, das für sich in Anspruch nimmt, Teil der öffentlichen Infrastruktur zu sein, wird an seinem Umgang mit der eigenen Vergangenheit gemessen.
Was das Jubiläum für die Beschäftigten bedeutet, teilte das Institut nicht mit. Zur Zahl der Mitarbeitenden, zur Zahl der Filialen und zu deren Entwicklung enthält keine der Jubiläumsmitteilungen eine Angabe. Für ein Haus, dessen Präsenz in der Fläche das zentrale Unterscheidungsmerkmal gegenüber reinen Direktbanken ist, wäre das die aufschlussreichere Zahl gewesen als jede Festveranstaltung.
Für das Jubiläumsjahr bleiben damit zwei Termine im Kalender. Der eine ist das Konzert am 5. September, der andere ist weniger sichtbar: die Frage, was aus den beiden Büchern folgt. Eine wissenschaftliche Aufarbeitung ist kein Abschluss, sondern eine Grundlage – für Rückfragen von Nachfahren, für weitere Forschung, gegebenenfalls für Ansprüche. Wie das Institut damit umgeht, wird sich nicht im Festjahr entscheiden, sondern danach.
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