Donnerstag, 6. August 2026 Ausgabe Nr. 240
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Messe

233.000 Quadratmeter ausgebucht: Die gamescom stößt an Kölns Grenze

Erstmals ist die Ausstellungsfläche der gamescom vollständig ausgebucht. 233.000 Quadratmeter reichen nicht mehr: Koelnmesse und game-Verband arbeiten an einer Erweiterung ab 2027.

Katharina Esser, Chefredakteurin — KI-generiertes Porträt
Katharina Esser
Business & Unternehmen

Lesezeit 5 Min.
Leere Messehalle mit Bodenmarkierungen und geöffnetem Hallentor vor dem Standaufbau
Vier Wochen vor Messebeginn stehen die Hallen in Deutz noch leer – die Flächen sind längst vergeben. · Symbolbild (KI-generiert)

233.000 Quadratmeter Bruttofläche, vollständig vergeben: Zum ersten Mal in der Geschichte der gamescom ist die verfügbare Ausstellungsfläche restlos ausgebucht. Koelnmesse und der game – Verband der deutschen Games-Branche haben das am 22. Juli gemeldet, gut fünf Wochen vor Messebeginn. Die Fläche entspricht gut 30 Fußballfeldern in Normgröße von 105 mal 68 Metern. Für den Standort Köln ist das eine gute Nachricht mit einem Haken: Eine Messe, die ausverkauft ist, kann nicht mehr wachsen. Und die Nachfrage, auf die sich die Veranstalter berufen, wächst weiter.

Die gamescom 2026 findet vom 26. bis 30. August in Köln statt, der 26. August ist Fachbesuchenden- und Medientag. Den Auftakt der Messewoche macht bereits am 24. August die Entwicklerkonferenz gamescom dev, am Abend des 25. August eröffnet die gamescom Opening Night Live mit Host Geoff Keighley und Co-Host Eefje „sjokz“ Depoortere das Festival. Das Leitthema lautet in diesem Jahr „Games machen Lust auf Zukunft“, ergänzt um die Schwerpunkte „Spielend die Welt retten“ und „Kleine Teams, große Erfolge“. Die Terminfolge ist seit Jahren eingespielt – der Unterschied liegt allein in der Flächenauslastung.

Die Fläche wurde erst 2025 erweitert und reicht bereits nicht mehr

Bemerkenswert ist der Zeitraum, in dem die Grenze erreicht wurde. Nach Darstellung der Veranstalter hatte die gamescom die Ausstellungsfläche erst im vergangenen Jahr erweitert; ein Jahr später ist sie vollständig belegt. Um zusätzliche Wachstumspotenziale zu erschließen, arbeiten der game-Verband und die Koelnmesse deshalb bereits an Konzepten für eine Erweiterung ab 2027. Ziel sei es, der steigenden Nachfrage gerecht zu werden und dabei das Besuchserlebnis weiter zu verbessern. Beides zusammen ist der schwierige Teil: Mehr Aussteller auf gleicher Fläche verschlechtern die Aufenthaltsqualität, mehr Fläche erfordert Hallen, Verkehrsanbindung und Personal.

„Dass die gamescom vollständig ausgebucht ist, ist ein starkes Signal für die gesamte Branche. Erst im vergangenen Jahr haben wir die Fläche erweitert – umso mehr freut uns die steigende Nachfrage. Gleichzeitig entwickeln wir die gamescom kontinuierlich weiter und investieren in neue Formate für Fans und Communitys.“

Tim Endres, Director der gamescom
Fahnenmasten mit unbedruckten Bannern vor dem Messeturm auf dem Kölner Messegelände
Koelnmesse und game-Verband richten die Messe gemeinsam aus; sie läuft vom 26. bis 30. August. · Symbolbild (KI-generiert)

Neu bestätigt für 2026 sind nach Angaben der Veranstalter aerosoft, die Embark Studios, Giants, Konami, Level Infinite, NC und Tencent Games. Sie ergänzen ein Line-up, zu dem unter anderem astragon, Bandai Namco, Bilibili, Capcom, CD PROJEKT RED, Daybreak Games, Deep Silver, Electronic Arts, Focus Entertainment, Google Play, HoYoverse, IGN, Krafton, Nazara Technologies, NetEase, Nintendo, SEGA, The LEGO Group, TikTok, Ubisoft und XBOX zählen. Die Liste zeigt, wo die Branche steht: Neben den westlichen Publishern stehen chinesische, koreanische und indische Unternehmen sowie Plattform- und Medienkonzerne, die selbst keine Spiele produzieren.

Vollständig ausgebucht heißt dabei nicht, dass alle wiederkommen. Nach Angaben des Fachdienstes GamesWirtschaft haben Sony PlayStation und THQ Nordic für 2026 abgesagt, während CD Projekt Red mit eigenem Stand zurückkehrt. Für eine Messe ist das der Normalfall, für die Bewertung der Auslastung aber wichtig: Die Fläche ist auch deshalb voll, weil andere Aussteller die frei gewordenen Quadratmeter übernommen haben. Ein Nachfrageüberhang liegt also nicht nur rechnerisch vor, sondern hat sich in konkreten Buchungen gezeigt.

Der Rekord von 2025 ist der Maßstab, an dem sich 2026 messen lassen muss

Im vergangenen Jahr waren 1.568 Aussteller aus 72 Ländern in Köln vertreten, rund 350.000 Fach- und Privatbesucher kamen nach Deutz. Digital erreichte die Veranstaltung 1,1 Milliarden Views auf YouTube, Twitch und in sozialen Netzwerken; allein 91 Millionen davon entfielen auf Trailer und Gameplay-Videos der Opening Night Live. Diese Reichweite ist der eigentliche Grund, warum Publisher Standflächen buchen: Der Messestand ist Kulisse für ein globales Streaming-Ereignis. Die Tickets für die Opening Night Live 2026 sind nach Angaben des Fachdienstes GamesWirtschaft bereits vergriffen. Wie viele Menschen in diesem Jahr auf das Gelände kommen, wird sich Ende August zeigen.

Aufgereihte Absperrgitter und Bodenmarkierungen auf einem leeren Messeboulevard in der Mittagssonne
2025 kamen rund 350.000 Fach- und Privatbesucher nach Köln-Deutz. · Symbolbild (KI-generiert)

„Schon jetzt ist klar: Die gamescom 2026 wird größer denn je. Die Nachfrage der Aussteller ist so hoch wie nie zuvor. Die Fans können sich auf ein volles Programm freuen – vor Ort in Köln und im Livestream überall auf der Welt.“

Felix Falk, Geschäftsführer des game – Verband der deutschen Games-Branche

Das Programm wächst dort, wo keine Halle mehr frei ist

Weil zusätzliche Standfläche nicht verfügbar ist, verlagert sich das Wachstum in Formate. Mit gamescom GDQ kommt das Speedrunning-Event Games Done Quick erstmals nach Europa und erhält eine eigene Bühne; von Freitag bis Sonntag ist ein Live-Programm von nahezu zehn Stunden pro Tag geplant, verbunden mit einer Spendensammlung für die Initiative „Gaming for Democracy“. Die gamescom awesome indies show wird künftig gemeinsam mit IGN weiterentwickelt. Die event arena wird an vier Tagen zur social stage, unter anderem mit dem cosplay contest und der Charity-Aktion „Loot für die Welt“. Das cosplay village bleibt Treffpunkt; die Kostümgestaltungsregeln wurden gemeinsam mit Branche und Community überarbeitet.

Parallel arbeitet die Messe an der Logistik des Gedränges. Der verbesserte Standortfinder zeigt neben Ausstellern und dem eigenen Standort auch barrierefreie Toiletten und kostenfreie Wasserspender an, die Akkreditierungsrichtlinien für Cosplayerinnen und Cosplayer wurden vereinfacht. Das klingt nach Kleinkram, ist es aber nicht: Bei einem Publikum in der Größenordnung des Vorjahres entscheidet die Wegeführung darüber, ob eine Messe als voll oder als überfüllt erinnert wird. Genau daran hängt die Buchungsentscheidung der Aussteller für das Folgejahr.

Luftbild des Messegeländes in Deutz mit Rhein, Brücken und der Altstadt am gegenüberliegenden Ufer
Das Messegelände liegt direkt am rechten Rheinufer gegenüber der Kölner Altstadt. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Politik kommt in diesem Jahr in höherer Besetzung

Am 27. August wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den gamescom congress eröffnen, eine Rede halten und an einer Podiumsdiskussion über die Rolle von Games in der Demokratie teilnehmen; anschließend ist ein Rundgang über die Messe vorgesehen. Es wäre nach Angaben des game-Verbands der erste Besuch eines Bundespräsidenten auf der gamescom. Zuvor hatte der Verband bereits angekündigt, dass die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Henna Virkkunen, erstmals nach Köln kommen wird. Der congress selbst dreht sich um die Schwerpunkte „Spielfeld Demokratie“ und „Der Games-Effekt“, also um Games als Innovationstreiber in Medizin, Bildung, Industrie und Verwaltung.

Was die Messe wirtschaftlich für Köln bedeutet, haben die Veranstalter in dieser Meldung nicht beziffert. Belastbare Angaben zu Übernachtungen, Gastronomieumsätzen oder Steueraufkommen rund um die gamescom liegen nicht vor. Beobachtbar ist nur die Größenordnung: fünf Messetage plus Aufbau- und Abbauwochen, ein Fachbesuchertag mit internationalem Publikum und ein Kongress mit Staatsspitze. Dass die letzte Augustwoche für Hotellerie und Gastronomie am rechten Rheinufer zu den stärksten des Jahres zählt, gilt in der Branche als gesetzt – aus den Unterlagen der Veranstalter belegen lässt es sich nicht.

Offen ist damit die Frage, die 2027 entscheidet: Woher kommt zusätzliche Fläche. Die Koelnmesse kann Hallen umwidmen, Freiflächen aktivieren oder Termine anderer Messen verschieben – jede Variante hat einen Preis, den nicht die gamescom trägt. Der Zeitplan ist eng, weil Ausstellungsflächen für Großmessen lange im Voraus vergeben werden. Nachlesen lässt sich der Stand in den Meldungen von GamesWirtschaft und Hartware sowie in der Mitteilung des game-Verbands zum Leitthema 2026. Eine Entscheidung über die Erweiterung haben Koelnmesse und Verband bislang nicht bekanntgegeben.

Quellen und Weiterlesen
Katharina Esser, Chefredakteurin — KI-generiertes Porträt
Katharina Esser
Chefredakteurin · Business & Unternehmen
Leitet die Kölner Zeit seit der Gründung 2022. Zuvor zehn Jahre Wirtschaftsredakteurin in Düsseldorf und Frankfurt. Schreibt über Mittelstand, Startups und Strukturwandel im Rheinland.
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