Minus 14,1 Millionen: Wie die Schiene die HGK in die roten Zahlen zieht
Die Häfen und Güterverkehr Köln AG steigert den Umsatz auf 646,7 Millionen Euro und weist trotzdem 14,1 Millionen Euro Verlust aus. Ursache ist eine Wertberichtigung auf die Beteiligung RheinCargo.
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646,7 Millionen Euro Umsatz und 14,1 Millionen Euro Verlust: Die Häfen und Güterverkehr Köln AG hat am 3. Juli 2026 eine Bilanz für 2025 vorgelegt, deren beide Kernzahlen in unterschiedliche Richtungen zeigen. Der Gruppenumsatz der in der HGK AG konsolidierten Unternehmen stieg um 2,7 Prozent, im Vorjahr waren es 629,5 Millionen Euro. Das ausgewiesene Gruppenergebnis fiel dennoch mit minus 14,1 Millionen Euro deutlich negativ aus. Verantwortlich dafür ist kein operativer Einbruch, sondern eine Abschreibung: Die HGK nahm eine Wertberichtigung auf den Beteiligungsbuchwert der RheinCargo vor. Das Kerngeschäft der Gruppe hat 2025 geliefert – die Beteiligung an der Schiene nicht.
Bereinigt um diesen Einmaleffekt weist die Gruppe ein Ergebnis nach Steuern von 16,5 Millionen Euro aus. Das EBIT lag bei 20,5 Millionen Euro, die EBIT-Marge bei 3,3 Prozent. Die Differenz zwischen ausgewiesenem und bereinigtem Ergebnis beträgt damit 30,6 Millionen Euro – mehr, als die gesamte Gruppe im vergangenen Jahr operativ verdient hat. Eine Wertberichtigung ist buchhalterisch zunächst nur eine Korrektur am Wertansatz einer Beteiligung und kostet kein Bargeld. Sie ist aber ein Urteil über die Zukunft: Das Management hält den bisher angesetzten Wert für nicht mehr erzielbar.
Eine Abschreibung, die größer ist als der Betriebsgewinn der ganzen Gruppe
Die Begründung liegt außerhalb des Unternehmens. Die RheinCargo schloss das Geschäftsjahr nach Angaben der HGK deutlich negativ ab. Neben der schwachen konjunkturellen Entwicklung wirkten sich vor allem strukturelle Engpässe in der öffentlichen Schieneninfrastruktur auf Qualität, Effizienz und Zuverlässigkeit aus. Vor dem Hintergrund weiterhin schwieriger Rahmenbedingungen im Schienengüterverkehr entschied sich die Gruppe deshalb für die Wertberichtigung. Übersetzt heißt das: Engpässe im Netz der öffentlichen Infrastruktur schlagen inzwischen so verlässlich auf die Kosten privater Güterbahnen durch, dass ein Kölner Kommunalunternehmen den Wert seiner Beteiligung korrigieren muss.
Das ist der eigentliche standortpolitische Befund dieser Bilanz. Wer im kombinierten Verkehr Ladung von der Straße auf die Schiene holen will, konkurriert derzeit gegen ein Netz, dessen Zuverlässigkeit die HGK selbst als beeinträchtigt beschreibt. Längere Umlaufzeiten bedeuten mehr Lokomotiven, mehr Personal und mehr Standzeiten je transportierter Tonne – Kosten, die kein Verlader freiwillig übernimmt. Getragen werden sie damit von den Bahnen und, über kommunale Beteiligungen, von den Städten. Im Fall der HGK sind es 30,6 Millionen Euro Ergebnisdifferenz in einem einzigen Geschäftsjahr.
„2025 haben unsere Kerngeschäfte in einem anspruchsvollen Umfeld stabil geliefert, und der Umsatz der konsolidierten HGK-Gesellschaften ist gestiegen. Das ausgewiesene Konzernergebnis wurde im Wesentlichen durch einen einmaligen Sondereffekt im Zusammenhang mit der Beteiligung RheinCargo belastet.“
Steffen Bauer, CEO der HGK-Gruppe
Das Wasser trägt, die Schiene nicht
Auffällig ist der Kontrast innerhalb der Gruppe. Die HGK Shipping erzielte im fünften Jahr ihrer Zugehörigkeit zur Gruppe erneut ein Ergebnis über Plan; das Unternehmen ist nach Angaben der HGK das größte Binnenschifffahrts-Unternehmen in Europa. Die HGK Logistics & Intermodal bestätigte die positive Entwicklung des Vorjahres, und auch die Bereiche Infrastructure & Maintenance sowie Real Estate trugen zu einem positiven EBIT bei. Die Geschäftsbereiche haben ihre Ziele nach Darstellung des Unternehmens erreicht oder übertroffen. Der Verlust der Gruppe stammt aus einem einzigen Feld: dem Schienengüterverkehr über die Beteiligung.
Für einen Standort am Rhein ist diese Aufteilung mehr als eine Bilanzkuriosität. Köln lebt logistisch von der Kombination aus Wasserstraße, Schiene und Straße; die HGK betreibt nach eigener Darstellung den größten Binnenhafenverbund Deutschlands, eine der größten privaten Güterverkehrsbahnen, ein eigenes Schienenstreckennetz und Werkstattbetriebe für den Güterbahnverkehr. Wenn ausgerechnet das Schienensegment strukturell verlustträchtig wird, verliert das trimodale Versprechen ein Bein. Die Gruppe reagiert darauf nicht mit Rückzug, sondern mit engerer Verzahnung: Trimodale Logistiklösungen aus einer Hand, eigene Assets und hohe Steuerungsfähigkeit nennt sie als strategische Schwerpunkte.
„Der Einmaleffekt im Zusammenhang mit RheinCargo prägt das ausgewiesene Ergebnis 2025. Bereinigt liegt das Ergebnis nach Steuern bei 16,5 Mio. Euro; gleichzeitig halten wir die operative Ertragskraft mit einer EBIT-Marge von 3,3 Prozent auf einem soliden Niveau.“
Susanne Pietsch, CFO der HGK-Gruppe
Im Niehler Hafen entsteht das Gegenprogramm zur Netzstörung
Wo die Infrastruktur nicht zu beeinflussen ist, setzt die Gruppe auf Prozesse. Im Rahmen des Förderprogramms DigiTest wurde im Niehler Hafen nach Angaben der HGK erstmals in Deutschland eine vollständig digitale Erfassungsinfrastruktur für Warenein- und -ausgänge über alle Modalitäten geschaffen. Parallel trieb ein Pilotprojekt bei der HGK Shipping den Aufbau einer unternehmenseigenen KI-Anwendung voran, um Prozesse effizienter zu machen und Entscheidungswege zu verkürzen. Beides zielt auf dieselbe Größe: die Zeit, die eine Ladung im Umschlag verliert. In einem Geschäft mit 3,3 Prozent EBIT-Marge sind Stunden am Terminal keine Nebensache, sondern die Marge selbst.
Das Umfeld beschreibt die HGK ungewöhnlich deutlich. Der Krieg in der Ukraine, internationale Handelskonflikte, steigende regulatorische Anforderungen, Infrastrukturengpässe und Fachkräftemangel hätten den Druck auf das Geschäft erhöht. Dass die Kerngeschäfte unter diesen Bedingungen ihre Ziele erreichten oder übertrafen, ist die eigentliche Leistung des Jahres. Zum Ende des Geschäftsjahres beschäftigte die Gruppe rund 2.700 Mitarbeitende, mit nach eigenen Angaben steigender Tendenz. Ein Logistikunternehmen, das im Verlustjahr Personal aufbaut, rechnet nicht mit einem Nachfrageeinbruch, sondern mit einem Strukturproblem.
Der Verlust landet im Stadtwerke-Konzern
Die HGK ist die Logistikgesellschaft im Stadtwerke Köln Konzern; ihr Sitz liegt Am Niehler Hafen 2 im Kölner Norden. Das macht die Bilanz zu einem kommunalpolitischen Vorgang: Was die HGK verdient oder verliert, wirkt im städtischen Beteiligungsgeflecht weiter. Zugleich versteht sich die Gruppe als verlässlicher Akteur der Daseinsvorsorge für Köln und die Region – ein Anspruch, der sich schlecht mit rein renditegetriebener Steuerung verträgt. Welche Folgen die Wertberichtigung im Konzernabschluss der Stadtwerke hat, ist der Presse-Information nicht zu entnehmen. Auch die Höhe der Wertberichtigung selbst hat die HGK nicht beziffert.
„Wir haben 2025 die operative Steuerung weiter geschärft – mit Fokus auf Qualität, Effizienz und eine noch engere Verzahnung unserer Leistungen über alle Verkehrsträger hinweg.“
Dr. Jens-Albert Oppel, COO der HGK-Gruppe
Für die kommenden Jahre kündigt die Gruppe eine organisatorische Neuaufstellung an. Begründet wird sie mit dauerhaften Veränderungen von Wirtschaft und Handel, unter anderem einem steigenden Importanteil, und mit der wachsenden Bedeutung integrierter, resilienter Lieferketten für Kunden und Partner. Was das konkret heißt – neue Gesellschaftsstruktur, zusammengelegte Bereiche oder nur neue Berichtswege –, teilte das Unternehmen nicht mit. Details dazu stehen weder in der Mitteilung vom 3. Juli 2026 noch in der ausführlichen Presse-Information zur Unternehmensbilanz.
Zu beantworten bleibt die Frage, ob dieser Einmaleffekt einmalig bleibt. Eine Wertberichtigung korrigiert einen Buchwert; sie verbessert nicht die Trassenlage, die Baustellenplanung oder die Pünktlichkeit im Netz. Solange die strukturellen Engpässe bestehen, die die HGK selbst als Ursache benennt, bleibt der Wertansatz unter Beobachtung – und mit ihm die Frage, wie lange kommunale Eigentümer den Schienengüterverkehr mittragen wollen. Die nächste belastbare Antwort liefert die Bilanz für 2026, die im Sommer kommenden Jahres zu erwarten ist.




