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Museumssanierung

177 Millionen Euro: Kölns Museumsbaustelle startet im Bunker

Die Stadt hat die Generalsanierung des Römisch-Germanischen Museums an ein Generalunternehmen vergeben. Die Kostenprognose liegt bei 177 Millionen Euro brutto – begonnen wird im Bunker von 1941.

Amira Yılmaz, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
Amira Yılmaz
Aktuelles & Stadt

Lesezeit 5 Min.
Flacher Museumsbau hinter hohem Bauzaun, dahinter die Türme einer gotischen Kathedrale
Die gesamte Baustelle am Roncalliplatz wird nach Angaben der Stadt mit einem illustrierten und beleuchteten Bauzaun umschlossen. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Stadt Köln hat die Arbeiten für die Generalsanierung des Römisch-Germanischen Museums am Roncalliplatz an ein Generalunternehmen vergeben. Das teilte die Verwaltung am Freitag, 24. Juli 2026, mit. Die Gesamtkostenprognose liegt bei 177 Millionen Euro brutto; darin enthalten sind Risiko, Nebenkosten, zusätzliche Kosten des Museums und der Zuschlag für das Generalunternehmen. Eine Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau von maximal 2,5 Millionen Euro ist beantragt.

Begonnen wird nicht an der Fassade und nicht in den Ausstellungsräumen, sondern unter dem Haus. Die bauliche Ausführung startet mit der Betonsanierung im Innenbereich eines Bunkers aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, Baujahr 1941/42. Das Museum wurde 1974 auf diesen Bunker errichtet und bildet mit ihm eine bauliche Einheit. Erst danach folgen Gebäudehülle, Dach und Fassaden, anschließend die Arbeiten im Inneren des Museums.

Zuerst wird der Beton im Bunker von 1941 saniert

Die Reihenfolge wirkt ungewöhnlich, ergibt sich aber aus der Konstruktion. Weil Museum und Bunker eine bauliche Einheit bilden, lässt sich das Haus nicht instand setzen, ohne den Bau darunter zu ertüchtigen. Zwischen den beiden Bauteilen liegen 33 Jahre und zwei grundverschiedene Bauaufgaben: hier ein Schutzbau des Krieges, dort ein Museum der Nachkriegsmoderne. Für die Sanierung heißt das, dass der ältere Teil den Takt vorgibt.

Vor allem anderen stehen jedoch Bauzaun und Baustelleneinrichtung. Beides wird nach Angaben der Stadt rund um das Museum für den Start der Arbeiten umgebaut. Die gesamte Baustelle soll mit einem illustrierten und beleuchteten Bauzaun umschlossen werden, analog zu dem bereits bestehenden. Das zweigeschossige Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Welches Unternehmen den Auftrag erhalten hat, nennt die Mitteilung der Stadt nicht. Bei einer Vergabe an ein Generalunternehmen bündelt ein Auftragnehmer die Bauleistungen und vergibt sie an Nachunternehmer weiter; die Stadt hat dann einen Vertragspartner statt vieler Einzelgewerke. Die 177 Millionen Euro sind ausdrücklich eine Prognose einschließlich Risiko, kein Abrechnungsbetrag. Eine Aufschlüsselung der einzelnen Posten hat die Stadt nicht veröffentlicht.

Baucontainer, Absperrgitter und eine markierte Ladezone auf einem innerstädtischen Platz
Die Baustellenlogistik soll über den Kurt-Hackenberg-Platz laufen, wo eine Ladezone eingerichtet wird. · Symbolbild (KI-generiert)

Mosaik und Grabmal bleiben unter klimatisierten Gerüsten im Haus

Zwei Objekte verlassen das Gebäude nicht. Das Dionysos-Mosaik und das Poblicius-Grabmal bleiben während der gesamten Bauzeit an Ort und Stelle. Beide sind durch verkleidete Gerüstkonstruktionen geschützt, die im Inneren klimatisiert werden. Diese Einhausungen müssen im Zuge der Bauausführung mehrfach umgebaut werden, damit die umliegenden Bereiche saniert werden können.

„Die beiden einzigartigen Funde und Herzstücke des Museums verbleiben während der Bauzeit im Haus und sind durch verkleidete Gerüstkonstruktionen geschützt, die im Inneren klimatisiert sind.“

Stadt Köln, Pressemitteilung vom 24. Juli 2026

Der Rest der Sammlung ist beweglich, wenn auch mit erheblichem Aufwand. Rund 250 Ausstellungsstücke sollen im Zuge des musealen Ausbaus nach und nach an ihre endgültigen Orte gebracht werden. Daneben nennt die Stadt mehrere hundert Schwerlast-Exponate, von denen einige mehr als 500 Kilogramm wiegen. Wie sich beide Angaben zueinander verhalten, geht aus der Mitteilung nicht eindeutig hervor.

Auch die Frage, wie die schweren Stücke im Einzelnen bewegt werden, beantwortet die Stadt nicht. Fest steht, dass die Anlieferung über den Kurt-Hackenberg-Platz erfolgen soll und dass die Einhausungen für Mosaik und Grabmal mehrfach umgesetzt werden müssen. Beides zusammen bestimmt, in welcher Reihenfolge die Räume überhaupt bearbeitet werden können. Eine Baustelle ohne Ausweichflächen erzwingt eine strenge Taktung.

Die Baustellenlogistik läuft über den Kurt-Hackenberg-Platz

Für den Materialfluss richtet die Stadt eine Ladezone auf dem Kurt-Hackenberg-Platz ein. Der Zugang von dort zur Römischen Hafenstraße ist für die Dauer der Baumaßnahme gesperrt. Damit fällt eine der Verbindungen weg, über die Fußgängerinnen und Fußgänger bislang durch den Bereich zwischen Dom und Altstadt gewechselt sind. Wie lange die Sperrung im Einzelnen gilt, hängt am Bauablauf; ein Enddatum hat die Stadt nicht genannt.

Auch am Museum selbst ändert sich die Wegeführung. Der Durchgang zwischen dem Museum und dem Studiengebäude steht dem Fuß- und Radverkehr nicht mehr zur Verfügung. Geöffnet bleibt der nördliche Durchgang zwischen dem Römisch-Germanischen Museum und der Dombauhütte. Wer bisher den südlichen Durchgang genutzt hat, muss künftig ausweichen.

Mit Metallgittern gesperrter Durchgang zwischen zwei modernen Gebäuden, Kopfsteinpflaster
Der Durchgang zwischen Museum und Studiengebäude steht Fuß- und Radverkehr nicht mehr zur Verfügung. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Baustelle liegt unmittelbar an der Südseite des Doms, zwischen Roncalliplatz und Kurt-Hackenberg-Platz. Aufgrund der beengten innerstädtischen Lage stellt die Stadt Flächen im leerstehenden Studiengebäude des Museums sowie weitere Flächen am Laurenzplatz als Büro- und Besprechungsräume für die Bauzeit zur Verfügung. Container und Besprechungsräume auf dem Platz vor dem Museum entfallen dadurch. Der Platz selbst bleibt Teil des Wegenetzes zwischen Hauptbahnhof, Dom und Altstadt.

  • Der Durchgang zwischen Museum und Studiengebäude ist für Fuß- und Radverkehr gesperrt.
  • Der nördliche Durchgang zwischen Museum und Dombauhütte bleibt geöffnet.
  • Der Zugang zur Römischen Hafenstraße vom Kurt-Hackenberg-Platz ist für die Dauer der Baumaßnahme gesperrt.
  • Auf dem Kurt-Hackenberg-Platz wird eine Ladezone für die Baustellenlogistik eingerichtet.
  • Die gesamte Baustelle wird mit einem illustrierten und beleuchteten Bauzaun umschlossen.

Die Sammlung ist während der Bauzeit am Neumarkt zu sehen

Geschlossen ist das Haus am Roncalliplatz nicht erst seit dieser Vergabe. Das Römisch-Germanische Museum zeigt seine Sammlung während der Sanierung im Belgischen Haus an der Cäcilienstraße 46 in der Nähe des Neumarkts. Dort ist nach Angaben des Museums unter anderem die weltweit größte Sammlung römischer Gläser zu sehen. Auf seiner Internetseite weist das Haus zudem auf Arbeiten an Wasser- und Fernwärmeleitungen im Umfeld hin, die bis Oktober 2026 andauern können.

Für das Museum bedeutet die Sanierung einen Doppelbetrieb: Ausstellung am Neumarkt, Baustelle am Dom. Die zusätzlichen Kosten des Museums sind in der Prognose von 177 Millionen Euro ausdrücklich enthalten. Wie hoch dieser Anteil ausfällt, hat die Stadt nicht aufgeschlüsselt. Auch wie lange der Interimsbetrieb im Belgischen Haus dauern wird, ist bislang nicht mitgeteilt worden.

Vitrinen mit irisierenden antiken Glasgefäßen in einem dunklen Ausstellungsraum
Im Belgischen Haus an der Cäcilienstraße 46 zeigt das Museum nach eigenen Angaben die weltweit größte Sammlung römischer Gläser. · Symbolbild (KI-generiert)

Ein Termin für die Wiedereröffnung steht nicht fest

Die Mitteilung vom 24. Juli nennt weder eine Bauzeit noch ein Datum für die Wiedereröffnung am Roncalliplatz. Offen ist auch, ob die beantragte KfW-Förderung von bis zu 2,5 Millionen Euro bewilligt wird; gemessen an der Gesamtprognose entspräche sie rund 1,4 Prozent der Summe. Für den Haushalt der Stadt ist das eine überschaubare Größe, für die Bilanz des Projekts dennoch ein Posten. Über den Antrag entscheidet die Förderbank, nicht die Stadt.

Offen ist außerdem, ob über die genannten Sperrungen hinaus weitere Umleitungen für den Fuß- und Radverkehr nötig werden. Die Stadt hat bislang allein den nördlichen Durchgang zwischen Museum und Dombauhütte als Alternative benannt. Weitere Einschränkungen würden sich mit dem Fortschritt der Arbeiten ergeben. Angekündigt hat die Verwaltung sie nicht.

Als Nächstes werden Bauzaun und Baustelleneinrichtung rund um das Museum umgebaut, danach beginnt die Betonsanierung im Bunker. Die Arbeiten an den Wasser- und Fernwärmeleitungen im Umfeld dauern nach Angaben des Museums bis Oktober 2026. Wann die Stadt den nächsten Sachstand zur Sanierung vorlegt, hat sie nicht mitgeteilt. Bis dahin bleibt das Belgische Haus die Adresse für alle, die die Sammlung sehen wollen.

Quellen und Weiterlesen
Amira Yılmaz, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
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