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Niedrigwasser

Rheinpegel Köln bei 78 Zentimetern – Rekordtief von 2018 in Reichweite

Der Pegel Köln meldete am Montagabend 78 Zentimeter – nur 9 über dem Rekordtief von 2018. Was der Wert wirklich misst, warum für die Schifffahrt eine andere Zahl zählt und was die Vorhersage für Freitag nennt.

Amira Yılmaz, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
Amira Yılmaz
Aktuelles & Stadt

Lesezeit 8 Min.
Trockene Kiesbänke und freiliegende Buhnenköpfe am Rheinufer, dahinter Bürohochhäuser
Wenn der Rhein fällt, treten Kiesbänke und Buhnenköpfe hervor, die sonst unter Wasser liegen. · Symbolbild (KI-generiert)

Der amtliche Pegel Köln hat am Montagabend, 27. Juli 2026, einen Wasserstand von 78 Zentimetern gemeldet. Das sind 9 Zentimeter mehr als der niedrigste Wert, der an dieser Messstelle je registriert wurde. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes führt den Zustand des Rheins an dieser Stelle im Verhältnis zu Mittel- und Hochwasser als „low“. Der Pegel trägt die Nummer 2730010, steht bei Rhein-Kilometer 688,0 und wird vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein, Standort Köln, betrieben. Das bisherige Rekordtief stammt vom 23. Oktober 2018 und liegt bei 69 Zentimetern.

Damit liegt der Rhein in Köln an diesem Montag 36 Zentimeter unter dem Mittel der Niedrigwasserstände, das die Verwaltung für den Zeitraum vom 1. November 2010 bis zum 31. Oktober 2020 mit 114 Zentimetern angibt. Vom Mittel aller Tageswasserstände desselben Zeitraums – 297 Zentimeter – trennen ihn 219 Zentimeter. Der Fluss führt also nicht nur wenig Wasser für einen Hochsommer. Er führt wenig Wasser gemessen an allem, was an dieser Stelle in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten gemessen wurde.

Die Vergleichswerte stammen aus zwei verschiedenen Rechenwelten, und das gehört zur Einordnung dazu. Mittlere Niedrigwasser-, Tages- und Hochwasserstände berechnet die Verwaltung aus einem festen Zehnjahreszeitraum, hier vom 1. November 2010 bis zum 31. Oktober 2020. Die Extremwerte dagegen sind Einzelereignisse mit Datum: 69 Zentimeter am 23. Oktober 2018, 1.069 Zentimeter im Jahr 1926. Ein Mittelwert altert also mit jeder neuen Messreihe, ein Rekord bleibt stehen, bis er unterboten oder überboten wird.

Die Zahl an der Pegellatte ist nicht die Tiefe des Flusses

Ein Pegelstand von 78 Zentimetern bedeutet nicht, dass der Rhein bei Köln 78 Zentimeter tief wäre. Der Wert ist ein Abstand über einem festgelegten Bezugspunkt, dem Pegelnullpunkt. Für Köln liegt dieser seit dem 1. November 2019 bei 35,038 Metern über Normalhöhennull. Die Wasseroberfläche lag am Montagabend demnach bei rund 35,82 Metern über NHN. Wie tief das Wasser an einer bestimmten Stelle wirklich steht, hängt von der Höhe der Flusssohle ab – und die ist über den Querschnitt nicht gleich.

Diese Unterscheidung erklärt, warum Bilder von trockengefallenen Kiesbänken in die Irre führen können. Am Ufer liegt der Grund höher als in der Fahrrinne. Wo Spaziergängerinnen über Schlick und Steine laufen, kann in der Flussmitte noch genug Wasser für die Berufsschifffahrt stehen. Umgekehrt sagt ein sichtbar fließender Strom nichts darüber aus, ob ein beladenes Schiff dort passieren darf. Der Pegel misst einen Zustand, keine Erlaubnis.

Der gemeldete Wert gilt zudem nur für einen Punkt. Rhein-Kilometer 688,0 liegt mitten in Köln; wenige Kilometer stromauf oder stromab weicht der Wasserstand ab, weil Gefälle, Querschnitt und Sohle sich ändern. Deshalb führt die Verwaltung entlang des Rheins zahlreiche eigenständige Pegel mit jeweils eigenem Nullpunkt und eigenen Kennwerten. Wer die Pegelstände zweier Orte nebeneinanderstellt, vergleicht deshalb keine Wassertiefen, sondern zwei getrennte Skalen.

Bemerkenswert ist die Spannweite, die die Kennwerte des Pegels Köln aufspannen. Vom niedrigsten je gemessenen Wert bis zum höchsten liegen exakt 1.000 Zentimeter, also 10 Meter. In dieser Spanne bewegt sich alles, was der Rhein an dieser Stelle seit Beginn der Aufzeichnungen getan hat. Der Wert vom Montagabend liegt 9 Zentimeter über dem unteren Ende dieser Skala.

Die beiden Endpunkte der Skala liegen 92 Jahre auseinander. Der Höchstwert von 1.069 Zentimetern stammt aus dem Jahr 1926, der Tiefstwert von 69 Zentimetern vom 23. Oktober 2018. Dass ein 92 Jahre alter Hochwasserrekord unangetastet blieb, während der Niedrigwasserrekord aus dem vergangenen Jahrzehnt stammt und nun wackelt, ist für sich genommen kein Beweis für irgendetwas. Es beschreibt aber, an welchem Ende der Skala sich zuletzt etwas bewegt hat.

Verwitterte Ufertreppe am Rhein mit breitem hellem Band über der Wasserlinie
Der helle Streifen über der Wasserlinie zeigt, wie weit ein Fluss gefallen ist – an Kölns Uferkanten gut ablesbar. · Symbolbild (KI-generiert)

Für die Schifffahrt zählt eine andere Zahl als der Pegelstand

Die für den Güterverkehr entscheidende Bezugsgröße heißt gleichwertiger Wasserstand, kurz GlW. Am Pegel Köln liegt sie seit dem 1. Januar 2023 bei 139 Zentimetern. Auf diesen Bezugswert ist die Fahrrinne gerechnet: Die Verwaltung weist eine Tiefe unter GlW von 250 Zentimetern aus, gültig seit dem 1. Februar 2000. Beide Angaben stehen in den Stammdaten des Pegels Köln.

Am Montagabend lag der Pegel 61 Zentimeter unter dem gleichwertigen Wasserstand. Rechnerisch blieben von den 250 Zentimetern damit rund 189 übrig. Das ist eine Näherung und keine amtliche Angabe, denn die tatsächlich verfügbare Tiefe schwankt über den Querschnitt und über die Flusslänge. Für die Disposition einer Reederei ist trotzdem genau diese Differenz die Rechengröße: Je weniger Tiefgang möglich ist, desto weniger Ladung darf an Bord.

Was ein Zentimeter Pegelstand für die zulässige Ladung bedeutet, lässt sich nicht allgemein beziffern. Breite, Länge und Bauart eines Schiffes bestimmen, wie viel Tonnage ein Zentimeter Tiefgang ausmacht. Eine Umrechnung von Pegelstand auf Ladung enthalten die Kennwerte des Pegels Köln nicht; sie nennen den Wasserstand und die verkehrsgesicherte Fahrrinnentiefe. Alles Weitere ist Sache der Betriebe.

Auffällig ist das unterschiedliche Alter der beiden Bezugsgrößen. Der gleichwertige Wasserstand gilt in seiner heutigen Höhe erst seit Anfang 2023, die Tiefe darunter dagegen seit Februar 2000. Der Bezugspunkt wird also von Zeit zu Zeit nachgeführt, das Tiefenziel darüber bleibt konstant. Wer Fahrrinnentiefen über die Jahre vergleicht, muss deshalb wissen, welcher GlW jeweils galt.

Frachtschiffe können bei niedrigen Pegelständen häufig nicht mehr vollständig beladen werden. Das berichtete t-online am Montag unter Berufung auf die Bundesanstalt für Gewässerkunde; der Bericht verweist außerdem auf Einschränkungen im Fährverkehr. Die wirtschaftliche Folge ist selten ein Stillstand, meist eine Verteuerung: Ein Schiff, das nur zum Teil beladen fahren darf, transportiert dieselbe Menge in mehreren Fahrten, die Kosten je Tonne steigen entsprechend. Wie viele Fahrten in Köln konkret ausgefallen sind und welche Reedereien betroffen waren, geht aus dem Bericht nicht hervor; belastbare Zahlen für den Kölner Umschlag lagen am Montag nicht vor.

Frachtschiff ragt hoch aus dem Rhein, vorn eine breite Kiesbank, dahinter Groß St. Martin und der Kölner Dom im Dunst
Frachtschiffe können bei niedrigen Pegelständen häufig nicht voll beladen werden – sie liegen dann sichtbar höher im Wasser. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Vorhersage führt unter die Marke von 2018

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde erwartet weiter fallende Werte. Nach den Zahlen, die t-online am Montag unter Berufung auf die Bundesanstalt veröffentlichte, stand der Pegel am Morgen noch bei 83 Zentimetern und war bis 13 Uhr auf 81 Zentimeter gefallen. Für die Tage bis zum Wochenende weist die Vorhersage einen durchgehenden Rückgang aus. Der Endpunkt dieser Reihe liegt unter dem bisherigen Rekord.

  • Montag, 27. Juli, morgens: 83 Zentimeter, gemessen
  • Montag, 13 Uhr: 81 Zentimeter, gemessen
  • Nacht zu Dienstag: Rückgang von 81 auf 75 Zentimeter, erwartet
  • Mittwoch, 29. Juli, morgens: 73 bis 74 Zentimeter, erwartet
  • Donnerstag, 30. Juli: morgens rund 71, abends 67 Zentimeter, erwartet
  • Freitag, 31. Juli, morgens: 65 Zentimeter, erwartet – 4 Zentimeter unter dem Rekord von 2018

Für die Einordnung hilft ein Blick auf das Tempo. Zwischen Montagmorgen und Montagmittag fiel der Pegel um 2 Zentimeter. Für die Nacht zu Dienstag sagt die Bundesanstalt einen Rückgang um 6 Zentimeter voraus, das ist der stärkste Einzelschritt der Reihe; für die drei Tage danach zusammen weitere 10 Zentimeter. Ein gleichmäßiges Auslaufen sieht die Vorhersage nicht vor.

Eintreten muss diese Reihe nicht. Vorhersagen dieser Art rechnen mit Abflüssen im Oberlauf, mit Niederschlag und mit den Zuflüssen aus den Nebenflüssen; jede dieser Größen kann sich innerhalb von Tagen ändern. Maßgeblich ist am Ende der gemessene Wert am Pegel, nicht die Prognose. Der Rekordwert von 69 Zentimetern trägt deshalb ein exaktes Datum und keine Spanne.

Die aktuellen Messwerte veröffentlicht die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung fortlaufend über PegelOnline, ohne Anmeldung und ohne Gebühr. Neben dem Messwert führt das Portal für jeden Pegel zwei Einstufungen. Gegenüber Mittel- und Hochwasser steht Köln derzeit auf „low“; gegenüber dem schifffahrtsbezogenen Bereich lautet die Einstufung dagegen „normal“. Beide Angaben widersprechen sich nicht, sie beantworten verschiedene Fragen.

Auffällig ist auch, wo die veröffentlichte Reihe endet. Der letzte Wert der Vorhersage gilt für den Freitagmorgen; was danach kommt, weist sie nicht aus. Für die Woche nach dem 31. Juli liegen damit keine Zahlen vor, auf die sich Reedereien, Häfen oder Behörden stützen könnten. Wer wissen will, wie tief der Rhein im August steht, findet in dieser Vorhersage keine Antwort.

Der Vergleich mit 2018 hat allerdings eine zeitliche Schieflage. Das bisherige Rekordtief wurde am 23. Oktober gemessen, also spät im Jahr. 2026 steht der Pegel bereits Ende Juli in dieser Größenordnung. Ob im August, September oder Oktober noch tiefere Werte folgen, entscheidet der Niederschlag im Einzugsgebiet – eine Größe, die keine Behörde steuert.

In Schollen aufgerissener, getrockneter Schlick an einem Flussufer, im Hintergrund eine stählerne Bogenbrücke
Der Pegel Köln meldete am Montagabend 78 Zentimeter – nur 9 Zentimeter über dem Rekordtief vom Oktober 2018. · Symbolbild (KI-generiert)

Am oberen Ende der Skala stehen Marken, am unteren keine

Die Kennwerte des Pegels Köln reichen weit über das Niedrigwasser hinaus. Der höchste je gemessene Wasserstand beträgt 1.069 Zentimeter und stammt aus dem Jahr 1926. Das Mittel der Hochwasserstände liegt bei 725 Zentimetern, der höchste schifffahrtsbezogene Wasserstand bei 830 Zentimetern, gültig seit 1950. Dazu kommen zwei Hochwassermarken: Marke I bei 620 und Marke II bei 830 Zentimetern, beide gültig seit 1995.

Auffällig ist, was am anderen Ende fehlt. Für das obere Ende der Skala hält die Verwaltung abgestufte Marken bereit, für das untere nicht. Es gibt einen niedrigsten je gemessenen Wert, ein Mittel der Niedrigwasserstände und den gleichwertigen Wasserstand – aber keine mit den Hochwassermarken vergleichbare Schwelle in den Stammdaten. Am oberen Ende geben die Marken einen gemeinsamen Bezugspunkt vor, am unteren muss jeder Betrieb selbst rechnen, wie viel Tiefgang er sich zutraut.

Diese Asymmetrie hat eine praktische Seite. Steigendes Wasser betrifft Menschen und Bauwerke an einem Ort gleichzeitig; fallendes Wasser verteuert Transporte, und zwar für jeden Betrieb unterschiedlich. Der Bund liefert in beiden Fällen die Messwerte. Die Kalkulation bleibt bei den Unternehmen.

Was offen ist – und wer darüber entscheidet

Offen ist erstens, ob der Pegel den Rekord tatsächlich unterbietet. Die Vorhersage der Bundesanstalt für Gewässerkunde weist in diese Richtung, entschieden wird es durch die Messung am Pegel Köln. Offen ist zweitens, wie lange die Lage anhält; darüber entscheidet der Niederschlag der kommenden Wochen. Offen ist drittens, welche Folgen das für den Güterumschlag in den Kölner Häfen hat – Zahlen dazu lagen am Montag nicht vor.

Unklar bleibt auch die Lage in den Hafenbecken. Der Pegel Köln misst den Strom bei Rhein-Kilometer 688,0 und sonst nichts; ob und wann in den Häfen Einschränkungen greifen, geht aus den Daten des Bundes nicht hervor. Auskunft dazu geben die jeweiligen Betreiber. Ein Schiff, das die Fahrrinne passieren kann, muss deshalb nicht zwangsläufig auch an jedem Kai festmachen können.

Nicht beantworten lässt sich aus den Pegeldaten, was das Niedrigwasser für die Kölner Trinkwasserversorgung bedeutet. Der Pegel misst einen Wasserstand, nicht die Verfügbarkeit oder die Beschaffenheit von Rohwasser. Angaben des örtlichen Wasserversorgers zur Lage lagen am Montag nicht vor. Wer belastbare Aussagen dazu sucht, muss sie dort und bei der zuständigen Behörde erfragen.

Der nächste Termin in dieser Sache ist kein Sitzungstermin, sondern ein Morgen. Für Freitag, den 31. Juli, nennt die Vorhersage 65 Zentimeter; erst der an diesem Morgen gemessene Wert zeigt, ob aus der Prognose ein neuer Tiefstand wird. Bis dahin aktualisiert die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung ihre Daten für den Pegel 2730010 fortlaufend. 4 Zentimeter trennen die Vorhersage vom Rekord.

Quellen und Weiterlesen
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Lokaljournalistin durch und durch: Ratspolitik, Verkehr, Stadtentwicklung und alles, was Köln bewegt. Zusätzlich zuständig für Sehenswürdigkeiten und Tourismus.
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