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Basketball

ProA-Lizenz ohne Auflagen: Der zweite Anlauf der RheinStars

Vor einem Jahr rückten die Kölner nur über eine Wildcard in die zweite Liga, jetzt kam die Lizenz ohne Auflagen. Gespielt wird weiter im alten Flugzeughangar am Butzweilerhof.

Thomas Breuer, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Thomas Breuer
Sport

Lesezeit 7 Min.
Basketballfeld mit Parkett und Korbanlagen unter der Stahlkonstruktion einer Hangarhalle
Die RheinStars tragen ihre Heimspiele in der Motorworld am früheren Flughafen Butzweilerhof aus. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Motorworld am Butzweilerhof ist eine Ausstellungshalle für Autos, und vorher war sie ein Flugzeughangar. Zwischen genieteten Stahlbindern und altem Beton liegt seit einem Jahr ein Basketballparkett. Wer zum ersten Mal hineingeht, hält das für eine Notlösung. Nach ein paar Heimspielen hält man es für passend.

Dort werden die RheinStars Köln auch in der kommenden Saison spielen. Am 22. Mai teilte der Klub mit, dass er die Lizenz für die ProA erhalten hat, die zweithöchste deutsche Spielklasse, und zwar ohne Auflagen. Das klingt nach Verwaltung und ist im Profisport eine Nachricht. Vor einem Jahr sah die Lage nämlich anders aus.

„Wir freuen uns sehr darüber, weil es dokumentiert, dass wir in allen Bereichen akkurat arbeiten.“

Tibor Taras, Geschäftsführer Finanzen und Organisation der RheinStars Köln

Lizenzen vergibt die 2. Basketball Bundesliga jedes Frühjahr, nachdem sie die wirtschaftlichen und organisatorischen Unterlagen der Bewerber geprüft hat. Wer die Lizenz mit Auflagen bekommt, muss nachliefern, meist Sicherheiten oder Nachweise. Wer sie ohne Auflagen bekommt, hat die Unterlagen beisammen. Für einen Klub, der ein Jahr zuvor nur über eine Wildcard in die Liga gekommen war, ist genau das der Fortschritt dieses Sommers.

Taras kündigte in derselben Mitteilung an, die Mannschaft werde Köln auch in der kommenden Saison würdig in der zweithöchsten Spielklasse repräsentieren. Das ist die Sorte Satz, die man aus Vereinsmitteilungen kennt. Ungewöhnlich ist nur, dass er nicht auf einen Titel zielt, sondern auf Zugehörigkeit. In der ProA ist das eine ehrliche Zielsetzung.

Vor einem Jahr kamen die Kölner nur über eine Wildcard in die Liga

Am 22. Juni 2025 rückten die RheinStars über eine Wildcard in die ProA. Vorausgegangen war der Lizenzverzicht der Dresden Titans, wodurch der geplanten Liga mit 18 Mannschaften ein Teilnehmer fehlte; anschließend gaben auch die ART Giants Düsseldorf eine Verzichtserklärung ab. Der Aufsichtsrat der 2. Basketball Bundesliga vergab daraufhin zwei Wildcards, eine nach Paderborn und eine nach Köln. Sportlich qualifiziert hatte sich der Klub nicht.

Die Begründung des Aufsichtsrats fiel entsprechend allgemein aus. Man habe „ambitionierte, attraktive und zukunftsfähige Standorte“ gesehen, die über die strukturellen und sportlichen Voraussetzungen verfügten, um sich nachhaltig im Profibasketball zu etablieren. Solche Sätze schreibt man, wenn man nach Aktenlage entscheidet und die Bewerber persönlich vortragen lässt. Die Lizenz ohne Auflagen ein Jahr später ist der erste Beleg dafür, dass die Aktenlage stimmte.

Der Vorgang von 2025 sagt einiges über die Verhältnisse in dieser Liga. Weil zwei Klubs verzichteten, wurde eine Etage tiefer gleich mit umgebaut: Die ProB wuchs auf 27 Mannschaften, aufgeteilt in 14 im Norden und 13 im Süden, die sportlichen Absteiger blieben drin, und neu dazu kamen die Hertener Löwen, die Baskets Juniors der TSG Westerstede und der TV Langen. Spielklassen, in denen Auf- und Abstieg von Verzichtserklärungen abhängen, sind wirtschaftlich fragil. Genau deshalb wiegt eine Lizenz ohne Auflagen mehr, als ihr Name vermuten lässt.

Langgestreckte Backsteinhalle mit gewölbtem Dach und großen Sprossenfenstern, davor eine weite leere Asphaltfläche
Die Heimspiele der RheinStars finden weiter in der Motorworld auf dem Gelände des früheren Flughafens Butzweilerhof statt, einem denkmalgeschützten Hangar im Kölner Norden. · Symbolbild (KI-generiert)

In der Lizenzrunde für die kommende Saison stehen die Kölner in ordentlicher Gesellschaft. Ohne Auflagen kamen unter anderem die Basketball Löwen Braunschweig, die BG Göttingen, die MLP Academics Heidelberg, die HAKRO Merlins Crailsheim, die Nürnberg Falcons und die Tigers Tübingen durch. Andere Klubs erhielten ihre Lizenz nur mit Auflagen, darunter die Paderborn Baskets, der BBC Bayreuth und die VfL SparkassenStars Bochum. Der Unterschied klingt klein und betrifft im Zweifel den Etat.

Der Saisonstart ist für Ende September vorgesehen

Gespielt werden soll ab Ende September. Der Dauerkarten-Vorverkauf lief bereits im Mai an. Die Heimspiele finden in der Motorworld Köln an der Butzweilerstraße 35–39 statt, die Geschäftsstelle sitzt in der Wilhelm-Mauser-Straße 57, beides im Kölner Norden auf dem Gelände des früheren Flughafens Butzweilerhof.

Der Butzweilerhof war bis in die fünfziger Jahre Kölns Flughafen, die alten Hallen stehen heute unter Denkmalschutz und beherbergen eine Ausstellung für Oldtimer. Eine Basketballmannschaft in einem denkmalgeschützten Hangar ist ungewöhnlich genug, um Publikum anzuziehen, das mit dem Sport zunächst nichts zu tun hat. Ob daraus Dauerkarten werden, ist eine andere Frage. Der Vorverkauf dafür läuft seit dem Frühjahr.

Am 15. Juli suchte der Klub öffentlich Volunteers für die Heimspiele der kommenden Saison. Das ist die unaufgeregteste Meldung dieses Sommers und zugleich eine der aufschlussreichsten. Ein ProA-Standort braucht an jedem Spieltag Menschen an Einlass, Kasse und Ausschank, und er bekommt sie in der Regel nicht über Gehalt. Zwischen zweithöchster Spielklasse und Ehrenamt liegt im deutschen Basketball weniger Abstand, als das Wort Profiliga vermuten lässt.

Das ist keine Kölner Besonderheit. Die ProA ist eine Liga mit sehr unterschiedlichen Etats und mit Hallen, die deutlich kleiner ausfallen als im Fußball oder im Eishockey. Wer dort bestehen will, muss günstig arbeiten. Genau das meint der Satz von der akkuraten Arbeit in allen Bereichen.

Korbanlage und dunkle Anzeigetafel in einer leeren Basketballhalle vor dem Spiel
Der Saisonstart in der ProA ist für Ende September vorgesehen. · Symbolbild (KI-generiert)

Im Staff hat der Sommer bereits einen Wechsel gebracht

Am 9. Juli meldete der Klub den Abgang von Athletiktrainer Jorgo Chatzidiamanidis nach fünf Jahren, er wechselt nach Heidelberg. Nachfolger wird der 26 Jahre alte Mauriz Golka, der von den Bayer Giants Leverkusen kommt und künftig das Athletiktraining für ProA, NBBL und JBBL im Basketball Campus Köln verantwortet. Golka hat an der Deutschen Sporthochschule Köln einen Bachelor in Sport und Leistung gemacht und studiert seit 2024 an der IST-Hochschule Düsseldorf Trainingswissenschaft und Sporternährung im Master. In Leverkusen betreute er Mannschaften von der U14 bis zum Profiteam und begleitete die U20-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft auf Kreta.

„Jorgo war immer ein aufmerksamer Begleiter der Mannschaft und hat sehr viel Einfluss darauf gehabt, dass wir über die Jahre hinweg wirklich sehr wenig muskuläre Verletzungen zu verzeichnen hatten.“

Stephan Baeck, Geschäftsführer Sport der RheinStars Köln

Ein Athletiktrainer ist im Basketball keine Randfigur. Eine Saison umfasst neben dem Ligabetrieb Trainingswochen, Reisen und in Köln zusätzlich die Nachwuchsligen NBBL und JBBL. Wenn ein Verein über fünf Jahre kaum muskuläre Verletzungen hatte, ist das ein Wettbewerbsvorteil, den keine Tabelle ausweist. Ob er sich mit dem Personal überträgt, wird man frühestens im Winter sehen.

Streetball-Korb mit ausgefranstem Netz auf einem Kölner Bolzplatz
Neben dem Profiteam betreibt der Klub Nachwuchsmannschaften in NBBL und JBBL. · Symbolbild (KI-generiert)

Der erste bekannte Zugang kommt aus Bochum

Am 16. Juli stellte der Klub Antonio Williams vor, genannt „Booman“, 29 Jahre alt, Point Guard, 1,83 Meter groß, geboren in Chicago. Der US-Amerikaner spielte in der vergangenen Saison für die VfL SparkassenStars Bochum und kam dort auf 16,8 Punkte, 3,8 Assists, 3,0 Rebounds und 1,8 Ballgewinne pro Spiel. Er wechselt also innerhalb der Liga und kennt die Halle bereits von der Gästebank.

16,8 Punkte pro Spiel sind in der ProA ein Wert, mit dem man eine Mannschaft trägt. Williams ist 1,83 Meter groß und damit für einen Aufbauspieler eher klein, was in dieser Liga wenig bedeutet und im Zweikampf viel. Geschäftsführer Stephan Baeck hob in der Mitteilung vor allem die Energie in seinem Spiel hervor, die eine ganze Mannschaft anstecken könne.

Über Köln sagte Williams, die Atmosphäre habe ihm schon gefallen, als er mit Bochum in der Motorworld gespielt habe. Solche Sätze stehen in jeder zweiten Vorstellungsmeldung. Bemerkenswert ist an dieser eher, dass ein Aufbauspieler mit knapp 17 Punkten im Schnitt eine Liga nicht nach oben, sondern zur Seite verlässt. Über die Vertragslaufzeit hat der Klub nichts mitgeteilt.

  • 22. Mai 2026: ProA-Lizenz ohne Auflagen für die kommende Saison
  • 9. Juli 2026: Athletiktrainer Jorgo Chatzidiamanidis geht, Mauriz Golka kommt von den Bayer Giants Leverkusen
  • 15. Juli 2026: Der Klub sucht Volunteers für die Heimspiele
  • 16. Juli 2026: Point Guard Antonio Williams kommt von den VfL SparkassenStars Bochum
  • Ende September 2026: geplanter Saisonstart, Heimspiele in der Motorworld Köln

Die zweite Saison ist im Profisport meist die schwierigere

Damit steht der Sommer der RheinStars bislang auf vier Meldungen: eine Lizenz, ein Wechsel im Staff, ein Aufbauspieler und ein Aufruf an Ehrenamtliche. Das ist wenig für einen Klub, der Ende September in seine zweite ProA-Saison startet. Es ist zugleich mehr, als vor einem Jahr um dieselbe Zeit feststand, als die Kölner noch auf den Verzicht anderer Vereine angewiesen waren.

Was im Kader sonst passiert, ist Ende Juli offen. Über weitere Verpflichtungen oder Abgänge hat der Klub auf seiner Vereinsseite bislang nichts veröffentlicht. Bis Ende September bleibt dafür Zeit, und in der ProA wird ein Kader traditionell spät fertig. Wer im September zum ersten Heimspiel geht, wird also einige Gesichter zum ersten Mal sehen.

Die zweite Saison in einer Liga ist erfahrungsgemäß die unangenehmere. Im ersten Jahr wird ein Neuling unterschätzt, im zweiten kennt man ihn. Die RheinStars haben die Verwaltungsseite geklärt, die sportliche steht aus. Wer wissen will, wie ernst es der Klub meint, sollte auf die nächsten Kadermeldungen achten.

Der Aufruf an die Ehrenamtlichen vom 15. Juli steht dabei nicht zufällig neben den sportlichen Meldungen. Ein Klub, der in der zweiten Liga spielt und gleichzeitig Helfer für den Einlass sucht, sagt damit mehr über seine Lage als jede Mitteilung zur Lizenz. Das ist keine Schwäche, sondern die Betriebsform. Sie funktioniert, solange genug Leute mitmachen.

Bemerkenswert bleibt, wie wenig Kölner Basketball in dieser Stadt vorkommt. Der Fußball füllt ein Stadion mit rund 50.000 Plätzen, zum Eishockey kamen im Schnitt 18.112 Menschen, und der Basketball spielt in einem Hangar am Stadtrand. Das ist keine Wertung, sondern eine Größenordnung. Sie erklärt, warum ein Satz über eine Lizenz ohne Auflagen hier eine Nachricht ist und anderswo eine Fußnote.

Am Spieltag steht in der Motorworld ein Parkett, an den übrigen Tagen eine Ausstellung. Für eine Liga, in der man vor einem Jahr nur geduldet war, ist das kein schlechter Ort.

Quellen und Weiterlesen
Thomas Breuer, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Thomas Breuer
Redakteur · Sport
Seit dem ersten Stadionbesuch 1988 in Müngersdorf zu Hause. Berichtet über den 1. FC Köln, die Haie und den Breitensport in der Stadt — nüchtern, außer nach Derbysiegen.
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