Donnerstag, 6. August 2026 Ausgabe Nr. 240
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Handelskonzern

REWE Group: 100,4 Milliarden Umsatz – und ein halbierter Jahresüberschuss

Die Kölner REWE Group hat 2025 erstmals mehr als 100 Milliarden Euro Außenumsatz erreicht. Im selben Jahr fiel der Jahresüberschuss von 1 Milliarde auf 525 Millionen Euro.

Katharina Esser, Chefredakteurin — KI-generiertes Porträt
Katharina Esser
Business & Unternehmen

Lesezeit 6 Min.
Glas- und Stahlfassade eines großen Bürogebäudes an einer Kölner Innenstadtstraße am Morgen
Die REWE Group hat ihren Sitz in Köln; sie beschäftigte 2025 unverändert 380.000 Menschen. · Symbolbild (KI-generiert)

100,4 Milliarden Euro Gesamtaußenumsatz und 525 Millionen Euro Jahresüberschuss: Diese beiden Zahlen beschreiben dasselbe Geschäftsjahr der Kölner REWE Group. Der Umsatz stieg 2025 um 4,0 Prozent und überschritt erstmals in der Unternehmensgeschichte die Marke von 100 Milliarden Euro. Der Überschuss halbierte sich im selben Zeitraum, im Vorjahr hatte er noch bei 1 Milliarde Euro gelegen. Von 100 Euro, die Kundinnen und Kunden im Konzern ausgeben, bleiben nach allen Kosten und Steuern 60 Cent übrig. Das ist die Rendite, mit der einer der größten Handels- und Touristikkonzerne Europas derzeit arbeitet.

Die Generalversammlung der REWE ZENTRALFINANZ eG hat den Jahresabschluss 2025 am 13. Juni 2026 gebilligt und zugleich den Geschäftsbericht veröffentlicht. Die Rechtsform ist dabei mehr als eine Fußnote: Als Genossenschaft muss die REWE Group keine Quartalszahlen liefern und keinen Aktienkurs verteidigen, sie kann Ergebnisrückgänge über mehrere Jahre in Kauf nehmen. Genau das tut sie gerade. Der Konzernumsatz – also der Umsatz der konsolidierten Gesellschaften ohne die selbstständigen Kaufleute – stieg um 3,7 Prozent auf 91,1 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten blieb mit 380.000 unverändert, davon 272.000 in Deutschland und 108.000 im Ausland.

Das Wachstum kam aus der Touristik und von den Kaufleuten

In Deutschland setzte die Gruppe 69,1 Milliarden Euro um, ein Plus von 4,6 Prozent; international waren es 31,3 Milliarden Euro und 2,7 Prozent mehr. Das Geschäftsfeld Handel Deutschland mit REWE und PENNY wuchs um 2,2 Prozent auf 42,5 Milliarden Euro. Das Vollsortiment REWE legte um 3,0 Prozent auf 32,4 Milliarden Euro zu, PENNY Deutschland behauptete sich im Discounter-Preiskampf mit 0,7 Prozent Plus auf 9 Milliarden Euro. Handel International, also Vollsortiment Österreich mit BILLA, BIPA und ADEG, Vollsortiment Mittel- und Osteuropa mit BILLA und IKI sowie PENNY International, steigerte den Umsatz um 4,8 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro.

Blick durch eine voll bestueckte Supermarktgasse mit leeren Preisschienen unter Deckenlicht
Das Vollsortiment in Deutschland legte 2025 um 3,0 Prozent auf 32,4 Milliarden Euro zu. · Symbolbild (KI-generiert)

Den stärksten Beitrag im Inland lieferten nicht die Konzerngesellschaften, sondern die selbstständigen Kaufleute. 1.620 REWE-Kaufleute erzielten 20,4 Milliarden Euro Umsatz, ein Plus von 7,2 Prozent – mehr als das Doppelte der Wachstumsrate des konzerneigenen Vollsortiments. Das ist ein bemerkenswerter Befund für eine Handelsgruppe, die viele ihrer Märkte selbst betreibt: Der unternehmerisch geführte Markt wächst schneller als der gesteuerte. Der Vorstand bezeichnet den Ausbau des Kaufleute-Modells folgerichtig als essenziellen Teil der Wachstumsstrategie. Für Standorte wie Köln bedeutet das mittelfristig mehr selbstständige Betriebe und weniger Regiemärkte.

Das eigentliche Zugpferd stand 2025 allerdings außerhalb des Lebensmittelhandels. Die Touristik steigerte den fakturierten Umsatz um 18,0 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro. Das Geschäftsfeld Convenience mit der Lekkerland-Gruppe hielt den Umsatz mit 15,3 Milliarden Euro und 0,8 Prozent Plus stabil, obwohl Verkaufsbeschränkungen im Tabakbereich in Belgien und den Niederlanden auf das Geschäft drückten. Nur der Baumarkt gab nach: 2,4 Milliarden Euro bedeuten ein Minus von 2,0 Prozent in einem Markt, den der Konzern selbst als von gedämpfter Konsumstimmung geprägt beschreibt. Wer im Konzernumsatz nach Dynamik sucht, findet sie 2025 im Reisegeschäft, nicht im Regal.

„Dass es uns gerade in diesem herausfordernden Geschäftsjahr erstmals gelungen ist, die 100-Mrd.-Euro-Umsatzmarke zu überspringen, macht uns stolz. Es zeigt das Vertrauen von Millionen von Kund:innen in Europa in uns und die Stärke unseres Geschäftsmodells.“

Lionel Souque, Vorstandsvorsitzender der REWE Group

Die Marge ist auf den niedrigsten Wert seit drei Jahren gefallen

Das operative Ergebnis EBITA lag 2025 bei über 1,5 Milliarden Euro, nach knapp 2 Milliarden Euro im Vorjahr. Gemessen am Umsatz sind das 1,7 Prozent nach 2,3 Prozent im Jahr 2024 und 2,2 Prozent im Jahr 2023. Beim Jahresüberschuss fällt der Rückgang noch deutlicher aus: 0,6 Prozent nach 1,2 Prozent und 0,9 Prozent in den beiden Vorjahren. Der Vorjahreswert von 1 Milliarde Euro war allerdings maßgeblich durch den Einmaleffekt einer Steuerrückerstattung geprägt; der Absturz ist also weniger dramatisch, als der reine Zahlenvergleich nahelegt. Bereinigt bleibt trotzdem ein Rückgang der operativen Marge um mehr als ein Viertel.

Der Konzern erklärt das mit gezielten Investitionen in die eigene Zukunftsfähigkeit und hatte den Rückgang nach eigener Darstellung bereits im Vorjahr angekündigt. Konkret genannt werden die Einführung der eigenen Kunden-Vorteilsprogramme in Deutschland, wettbewerbsfähige Preise sowie Kostensteigerungen bei Personal und allen wesentlichen Sachkosten. Das ist die klassische Handelslogik: Marge gegen Marktanteil. Ob sie aufgeht, entscheidet sich nicht 2025, sondern in den Jahren, in denen die Programme Bestandskunden binden sollen. Bis dahin trägt der Konzern die Kosten und weist eine niedrigere Rendite aus.

Eingang eines kleinen Discountmarkts in einem Kölner Wohnblock aus den 1970er Jahren
Im Discountgeschäft in Deutschland wuchs der Umsatz 2025 nur um 0,7 Prozent auf 9 Milliarden Euro. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Bonusprogramme selbst laufen nach Angaben des Unternehmens besser als geplant. REWE Bonus in der REWE App zählt mehr als 11 Millionen Nutzerinnen und Nutzer, bei PENNY sind weitere 7 Millionen Kundinnen und Kunden registriert; zusammen 18 Millionen. Der REWE App wurde 2025 zusätzlich eine direkte Bezahlfunktion hinzugefügt. Das ist der eigentliche strategische Vorgang hinter der Ergebnisdelle: Ein Handelskonzern kauft sich mit Rabatten Zugang zu individuellen Kaufdaten. Was dieser Zugang wert ist, wird sich erst in der Marge künftiger Jahre zeigen – und ist bislang in keiner Bilanzposition abgebildet.

„Trotz des schwierigen Umfelds: Die REWE Group bleibt finanziell stark. Wir profitieren auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten von unserer nachhaltig stabilen und sehr soliden finanziellen Aufstellung.“

Telerik Schischmanow, Finanzvorstand der REWE Group

18 Milliarden Euro Nettoverschuldung stehen 11,6 Milliarden Eigenkapital gegenüber

Das Eigenkapital lag zum Jahresende bei knapp 11,6 Milliarden Euro nach rund 11 Milliarden Euro im Vorjahr. Die Nettoverschuldung nach IFRS beziffert der Konzern auf rund 18 Milliarden Euro, die zinstragenden Finanzschulden ohne Leasing- und künftige Mietverpflichtungen auf 4,3 Milliarden Euro. Die Differenz zwischen beiden Zahlen ist im Wesentlichen der Barwert der Mietverpflichtungen eines Filialnetzes – bei einem Händler mit tausenden Standorten die größte Verbindlichkeit überhaupt. Die Ratingagentur S&P Global Ratings stuft die Bonität weiterhin mit BBB bei stabilem Ausblick ein. Eine Anleihe vom Sommer 2025 war nach Konzernangaben mehr als dreifach überzeichnet.

Investiert wurde 2025 mit 2,5 Milliarden Euro in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte. Schwerpunkte waren Digitalisierung, KI-Einsatz und Automatisierung, der Ausbau von IT, Lager und Logistik, die Erhöhung des Immobilien-Eigentums sowie die Modernisierung der Märkte. Für 2026 plant der Konzern rund 3 Milliarden Euro. Das ist fast das Sechsfache des vergangenen Jahresüberschusses und wird deshalb nicht aus dem laufenden Ergebnis zu decken sein. Eine Genossenschaft kann das über Jahre durchhalten, solange die Bonität hält. Der Investitionsplan ist damit auch eine Wette darauf, dass die Zinsen kalkulierbar bleiben.

Gestapelte Paletten und Rollcontainer in einer Logistikhalle, Gabelstapler in der Bildmitte
2025 investierte der Konzern 2,5 Milliarden Euro, unter anderem in Lager, Logistik und Automatisierung. · Symbolbild (KI-generiert)

Für Köln ist der Konzern eine Größenordnung ohne Vergleich

100,4 Milliarden Euro Außenumsatz entsprechen rund 275 Millionen Euro an jedem Kalendertag des Jahres. Zum Vergleich: Der gesamte Umsatz des Handwerks im Kammerbezirk Köln liegt nach Hochrechnung der Handwerkskammer bei 28,04 Milliarden Euro im Jahr – die REWE Group erreicht diesen Wert rechnerisch in gut hundert Tagen. Der Konzern hat seinen Sitz in Köln, der weit überwiegende Teil der Umsätze und Arbeitsplätze liegt jedoch außerhalb der Stadt. Was das für die Kölner Gewerbesteuer bedeutet, lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen nicht ablesen: Die Verteilung zwischen Konzernsitz und Betriebsstätten regelt das Zerlegungsverfahren, belastbare Angaben dazu hat der Konzern nicht veröffentlicht.

In den Aufsichtsgremien gab es 2026 turnusgemäße Neuwahlen. Die Anteilseignerseite des Aufsichtsrats der REWE-ZENTRALFINANZ eG wurde in ihrer bisherigen Zusammensetzung bestätigt und geht unverändert in die neue Wahlperiode. Auf der Arbeitnehmerseite gehören Emilie Bourgoin, Silke Zimmer und Manfred Eßmajor dem Gremium neu an. Aufsichtsratsvorsitzender ist Stefan Lenk. Personelle Kontinuität an der Spitze ist bei einer Genossenschaft der Normalfall – und sie erklärt, warum ein mehrjähriges Investitionsprogramm mit sinkender Marge hier überhaupt beschlossen werden kann.

Offen bleibt die Frage, wann die Rendite zurückkehrt. Der Konzern hat 2025 Marktanteile und Reichweite gekauft und dafür rund die Hälfte des Jahresüberschusses eingesetzt; für 2026 sind noch höhere Investitionen angekündigt. Die Zahl, auf die zu achten ist, steht deshalb nicht in der Umsatzzeile, sondern in der EBITA-Marge: Bleibt sie bei 1,7 Prozent oder fällt sie weiter, wird aus einer bewussten Investitionsentscheidung ein struktureller Ertragsrückgang. Die Belege dazu finden sich in den Meldungen zur Bilanz 2025 und zur Generalversammlung im Juni. Der nächste Zwischenstand ist die Bilanzvorlage im Frühjahr 2027.

Quellen und Weiterlesen
Katharina Esser, Chefredakteurin — KI-generiertes Porträt
Katharina Esser
Chefredakteurin · Business & Unternehmen
Leitet die Kölner Zeit seit der Gründung 2022. Zuvor zehn Jahre Wirtschaftsredakteurin in Düsseldorf und Frankfurt. Schreibt über Mittelstand, Startups und Strukturwandel im Rheinland.
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