Sportplätze statt Wiese: Streit um die letzte Grüngürtel-Lücke
Der Stadtentwicklungsausschuss hat am 30. Juni die Nutzung der Fläche am Südstadion beschlossen. Volt scheiterte mit einem Gegenantrag. Die Auswertung der zweiten Bürgerbeteiligung läuft noch.
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Der Ausschuss für Stadtentwicklung hat am 30. Juni 2026 entschieden, wie die Fläche am Südstadion im Rahmen des Projekts Parkstadt Süd genutzt werden soll. Beschlossen wurde der Antrag AN/0677/2025, den SPD, CDU, FDP/Kölner Studierende und Graduierte sowie Die Linke gemeinsam eingebracht hatten. Der Änderungsantrag AN/0123/2026 der Volt-Fraktion fand keine Mehrheit; er hatte ein Kleinspielfeld für den Fußballverein Fortuna Köln e.V. und ein zweites, öffentlich nutzbares Kleinspielfeld mit ausreichender Begrünung vorgesehen. Einen Tag später, am 1. Juli, erklärte die Fraktion in einer Mitteilung, der Beschluss bilde die Vielfalt der Bürgerinteressen nicht ab und berücksichtige das Sporthof-Konzept unzureichend.
Die Entscheidung ist mehr als eine Detailfrage der Sportstättenplanung. Am Südstadion zeigt sich im Kleinen, was die Parkstadt Süd im Großen zu klären hat: Wie viel der rund 115 Hektar Planungsgebiet wird frei zugängliche Grünfläche, und wie viel entfällt auf Vereinsflächen, Wohnungen und Gewerbe. Vorgesehen sind auf dem Gebiet drei nutzungsgemischte Quartiere, die Neustrukturierung des Sportparks Jean-Löring und der Lückenschluss des Inneren Grüngürtels. Der überwiegende Teil der Flächen liegt auf dem früheren Großmarktgelände in Raderberg.
Das Südstadion liegt in Köln-Zollstock und gehört zu diesem Sportpark, der nach den Planungen der Stadt im Zuge der Parkstadt Süd neu strukturiert werden soll. In dem am 30. Juni beschlossenen Antrag ist der Fußballverein Fortuna Köln e.V. ausdrücklich genannt: Für ihn sollen dort zwei Kleinspielfelder entstehen. Auf demselben Gebiet soll zugleich der Grüngürtel vervollständigt werden. Beide Ansprüche auf derselben Fläche zusammenzubringen, ist der Kern des Streits.
Der Streit entzündet sich an zwei Kleinspielfeldern
Nach dem beschlossenen Antrag sollen auf der Fläche zwei Kleinspielfelder für Fortuna Köln entstehen. Die Öffentlichkeit soll sie außerhalb der Vereinszeiten mitnutzen dürfen. Volt hatte eine andere Aufteilung beantragt: ein Feld für den Verein, ein zweites ohne Vereinsbindung, dazu ausreichend Begrünung. Jerry Dyllong, sportpolitischer Sprecher der Volt-Fraktion im Kölner Rat, begründete die Kritik in der Mitteilung vom 1. Juli 2026.
„Mit dem nun gefassten Beschluss werden die unterschiedlichen Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger leider nicht ausreichend berücksichtigt. Die Schaffung von zwei Kleinspielfeldern für den Fußballverein Fortuna Köln e.V., die lediglich eine Mitnutzung durch die Öffentlichkeit außerhalb der Vereinszeiten beinhaltet, entspricht nicht der Idee eines Sporthofs als Ort der Bewegung, Begegnung und gemeinsamer Aktivität für alle.“
Jerry Dyllong, sportpolitischer Sprecher der Volt-Fraktion im Kölner Rat
Der Begriff Sporthof steht in dieser Debatte für eine Anlage, die keinem Verein zugeordnet ist. Volt beschreibt sie als Ort der Bewegung, Begegnung und gemeinsamen Aktivität für alle und wirft dem beschlossenen Antrag vor, dieses Konzept nur unzureichend zu berücksichtigen. Ob und in welcher Form ein solcher Sporthof an anderer Stelle im Projektgebiet vorgesehen ist, geht aus den öffentlich zugänglichen Unterlagen nicht hervor. Auch die Größe der beiden Kleinspielfelder ist bislang nicht beziffert.
Eine eigene öffentliche Begründung der vier antragstellenden Fraktionen lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags nicht vor. Die Darstellung des Verfahrens stützt sich deshalb auf die Mitteilung der unterlegenen Fraktion und auf die Antragsnummern. Aus den Projektunterlagen der Stadt geht lediglich hervor, dass der Sportpark Jean-Löring im Zuge der Parkstadt Süd neu strukturiert werden soll. Wie viele Quadratmeter am Südstadion am Ende auf Vereinssport und wie viele auf frei zugängliches Grün entfallen, ist den bislang veröffentlichten Unterlagen nicht zu entnehmen.
Der Grüngürtel ist im Süden seit hundert Jahren unvollendet
Vor rund hundert Jahren entwickelte der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer gemeinsam mit Fritz Schumacher die Planung eines zusammenhängenden Grüngürtels, der die Innenstadt umspannen und gliedern sollte. Im Süden blieb der Ring unfertig. Die Wiesenflächen des Inneren Grüngürtels enden dort an der Rudolf-Amelunxen-Straße; dahinter liegen Bahnanlagen und Gewerbebauten. Genau diese Lücke soll die Parkstadt Süd schließen.
Der Innere Grüngürtel zieht sich als Freiraumring um die Kölner Innenstadt, der Anschluss an den Rhein fehlt ihm im Süden bis heute. Dass die Lücke überhaupt geschlossen werden kann, liegt an Flächen, die über Jahrzehnte anders genutzt wurden: Großmarkt, Bahnanlagen, Gewerbe. Mit dem Ende des Großmarkts wurde der größte Teil davon frei. Das Projekt ist damit auch die Folge einer wirtschaftlichen Entscheidung und nicht allein einer städtebaulichen.
Nach den Angaben auf dem Beteiligungsportal der Stadt entsteht ein rund 2,5 Kilometer langer innerstädtischer Grünzug, der von der Luxemburger Straße bis an den Rhein reicht. Die Stadt beschreibt das Ziel in ihrer Mitteilung vom 15. Mai 2026 als „attraktive Orte zum Spielen und zur sportlichen Betätigung“ sowie als „ansprechende Bereiche, um sich zu treffen und aufzuhalten, zum Picknicken und um sich zu erholen“. Federführend ist das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen. Die Entscheidung über die weitere Planung trifft der Rat der Stadt Köln.
Die zweite Beteiligungsrunde lief vom 18. Mai bis zum 7. Juni
Parallel zum politischen Verfahren lief die zweite Runde der Öffentlichkeitsbeteiligung. Sie startete am Montag, 18. Mai 2026, auf dem städtischen Portal meinungfuer.koeln und endete online am 7. Juni; im Juni folgten Werkstätten vor Ort. Eine erste Runde hatte es 2022 gegeben, damals von April bis Juni, mit Online-Beteiligung, einem Briefkasten für schriftliche Hinweise und geführten Spaziergängen. Die zweite Runde sollte nach Angaben der Stadt gezielt weitere Bevölkerungsgruppen erreichen, um unterschiedliche Nutzerbedarfe zu erfassen und mögliche Konflikte zwischen den Parknutzungen auszuloten.
Genutzt wurden mehrere Formate: Online-Umfragen, Pop-up-Werkstätten an ausgewählten Orten, öffentliche Veranstaltungen mit Planerinnen und Architekten, eigene Termine mit Vertretungen von Menschen mit Behinderung sowie eine im Livestream übertragene Präsentation mit Chatfunktion. Das Verfahren ist auf der Stufe des Beratens angesiedelt. Die Beiträge fließen also in die Entwurfsarbeit ein, entschieden wird an anderer Stelle. Die Auswertung läuft nach Angaben der Stadt derzeit noch.
Ohne die Schließung des Großmarkts gäbe es die Fläche nicht
Voraussetzung für das gesamte Projekt ist der Abzug des Großhandels aus Raderberg. Der Großmarkt wurde zum 31. Dezember 2025 geschlossen, die Marktordnung wurde außer Kraft gesetzt. Die denkmalgeschützte Großmarkthalle bleibt erhalten und soll nach den Planungen der Stadt zum Mittelpunkt eines der neuen Quartiere werden. Damit ist im Kölner Süden eine zusammenhängende innerstädtische Fläche verfügbar geworden, auf der Wohnungsbau, Gewerbe und Park zugleich untergebracht werden sollen.
Auch die Organisation hat die Stadt umgestellt. Zum 1. Januar 2026 nahm eine städtische Einrichtung ihre Arbeit auf, die gemeinsam mit der moderne stadt GmbH aufgestellt wurde und Planung wie Umsetzung des Projekts bündeln soll; die Stadt spricht von einer eigenbetriebsähnlichen Einrichtung. Im Mai 2026 wurde der Geschäftsbesorgungsvertrag geschlossen. Der Zweck dieser Konstruktion ist erklärtermaßen, ein Vorhaben handhabbar zu halten, das sich über Jahrzehnte und über mehrere Ratsperioden erstrecken wird.
Erste Bausteine sind bereits sichtbar. Auf einem Teil des Großmarktgeländes liegt der Pionierpark, dazu kommt der Sportpionierpark; beide sind als Vorläufer angelegt und sollen zeigen, wie die späteren Freiflächen genutzt werden könnten. An der Sechtemer Straße entstehen 210 Wohnungen, darunter 74 öffentlich geförderte. Dieses Vorhaben gilt der Stadt als Pilotprojekt für die weitere Quartiersentwicklung.
Wie viele Wohnungen im gesamten Projektgebiet entstehen sollen, ist den öffentlich zugänglichen Unterlagen nicht zu entnehmen; genannt wird dort als Beispiel allein das Vorhaben an der Sechtemer Straße. Auch ein Fertigstellungstermin für die Parkstadt Süd ist bislang nicht veröffentlicht. Die Stadt beschreibt das Projekt selbst als langfristiges Vorhaben, für dessen Umsetzung sie eigens eine Einrichtung geschaffen hat. Wer heute über Kleinspielfelder streitet, streitet damit über eine Fläche, die in ihrer Endgestalt noch niemand gesehen hat.
- Planungsgebiet: rund 115 Hektar im Kölner Süden, überwiegend auf dem früheren Großmarktgelände
- Vorgesehen: drei nutzungsgemischte Quartiere, Neustrukturierung des Sportparks Jean-Löring, Lückenschluss des Inneren Grüngürtels
- Grünzug: rund 2,5 Kilometer von der Luxemburger Straße bis zum Rhein
- Pilotprojekt Sechtemer Straße: 210 Wohnungen, davon 74 öffentlich gefördert
- Beteiligung: erste Runde 2022, zweite Runde online vom 18. Mai bis 7. Juni 2026
- Beschluss vom 30. Juni 2026: Antrag AN/0677/2025 angenommen, Änderungsantrag AN/0123/2026 abgelehnt
Offen ist, wie viel Fläche am Ende wirklich allen offensteht
Der Beschluss vom 30. Juni legt eine Richtung fest, aber keine Quadratmeterzahlen im Detail. Weder die Größe der beiden Kleinspielfelder noch der Umfang der Vereinszeiten, in denen die Öffentlichkeit ausgeschlossen bleibt, sind bislang öffentlich beziffert. Auch ein Zeitplan für den Bau am Südstadion liegt nicht vor. Volt hält die getroffene Lösung für keinen guten Kompromiss; die vier antragstellenden Fraktionen haben sich dazu bislang nicht öffentlich geäußert.
Ungeklärt ist zudem das Verhältnis der beiden Verfahren zueinander. Der Ausschuss hat am 30. Juni entschieden, während die Auswertung der zweiten Beteiligungsrunde noch lief. Welche Anregungen aus der Beteiligung sich in der weiteren Planung wiederfinden, wird sich erst in den Rückkopplungswerkstätten zeigen. Die Stadt hat angekündigt, die Ergebnisse der Beteiligung vorher zu veröffentlichen.
Wie es weitergeht, hängt damit an zwei Strängen. Die Ergebnisse der zweiten Beteiligungsrunde sollen in die Entwurfsarbeit einfließen; Rückkopplungswerkstätten sind nach Angaben der Stadt für den Herbst 2026 vorgesehen. Parallel arbeitet die zum Jahresbeginn geschaffene städtische Einrichtung an den Planungs- und Umsetzungsschritten. Die abschließende Entscheidung über die Planung trifft der Rat der Stadt Köln.
- Stadt Köln: Öffentlichkeitsbeteiligung zum „GRÜNGÜRTEL Parkstadt Süd“ (15. Mai 2026)
- Volt-Fraktion im Kölner Rat: Volt kritisiert Beschluss zu Sportplätzen in Parkstadt-Süd (1. Juli 2026)
- Parkstadt Süd: Planung – Projektzahlen und Quartiere
- Beteiligungsportal der Stadt Köln: GRÜNGÜRTEL Parkstadt Süd




