Donnerstag, 6. August 2026 Ausgabe Nr. 240
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Handball

450 Plätze, zwei Weltmeister: Der Longericher SC vor dem Pokalspiel

Kölns einziger Handball-Drittligist empfängt am 23. August den Zweitligisten HSG Nordhorn-Lingen. Gespielt wird in einer Schulturnhalle mit 450 Plätzen – im Mai kamen 1.200 in einen Flugzeughangar.

Thomas Breuer, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Thomas Breuer
Sport

Lesezeit 6 Min.
Handballfeld in einer Schulsporthalle, an der Längsseite eine ausgeklappte Zuschauertribüne
Der Longericher SC trägt seine Drittligaspiele in einer Schulturnhalle mit 450 Plätzen aus. Die Aufnahme zeigt eine vergleichbare Sporthalle. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Sporthalle der Carl-von-Ossietzky-Gesamtschule an der Ossietzkystraße in Longerich ist eine Schulturnhalle. Das ist kein Understatement, sondern eine Beschreibung: Prallwände, Kletterseile unter der Decke, eine ausklappbare Holztribüne an der Längsseite, 450 Plätze. Hier spielt der einzige Handball-Drittligist dieser Stadt. Und hier wird am 23. August ein Zweitligist antreten.

Der Longericher SC hat die Saison 2025/26 als Dritter der 3. Liga Südwest beendet. Das reichte für die Qualifikation zum DHB-Pokal, dem nationalen Pokalwettbewerb, an dem neben Erst- und Zweitligisten auch die besten Drittligisten teilnehmen. Der letzte Spieltag am 9. Mai fiel dabei nicht mehr ins Gewicht: 25:37 gegen HLZ Friesenheim. Zwölf Tore Unterschied, und trotzdem Platz drei – so etwas gibt es, wenn eine Saison im Mai bereits entschieden ist.

Die 3. Liga Südwest ist für einen Kölner Klub eine Reiseliga. Sie reicht weit über das Rheinland hinaus; Friesenheim, gegen das der LSC zum Abschluss verlor, gehört zu Ludwigshafen. Drittligahandball heißt lange Fahrten für alle Beteiligten, und es heißt, dass am Montag die meisten wieder arbeiten gehen.

Die Auslosung am 24. Juni brachte einen Gegner aus der 2. Bundesliga

Am 24. Juni wurde die erste Runde des DHB-Pokals ausgelost. Der LSC lag in Lostopf 1 Nord und bekam die HSG Nordhorn-Lingen zugewiesen, einen Zweitligisten aus Niedersachsen, der die vergangene Saison mit 44:24 Punkten auf Platz sechs der 2. Bundesliga beendet hat. Trainer der HSG ist Mark Bult, ein ehemaliger niederländischer Nationalspieler, der zuvor als Co-Trainer bei der SG Flensburg-Handewitt gearbeitet hat. Für Longerich ist das ein guter Gegner: bekannt genug, um Zuschauer zu bringen, nicht so übermächtig, dass die Sache vorher entschieden wäre.

Lostopf 1 Nord bedeutet zweierlei: nördliche Zuordnung und Heimrecht für den Klassentieferen. Für Longerich hieß das, dass der Gegner nach Köln kommt und nicht umgekehrt. Gespielt wird am Sonntag, 23. August, um 17 Uhr in der eigenen Halle. Der Vorverkauf läuft seit Anfang Juli.

Die Karten kosten je nach Kategorie zwischen 12 und 16 Euro, Stehplätze durchgehend 12 Euro, Kinder bis sechs Jahre kommen kostenlos hinein. Das sind Preise, die man aus der 3. Liga kennt und bei einem Pokalspiel gegen einen Profiklub nicht unbedingt erwartet. Wer hin will, sollte sich trotzdem nicht auf die Abendkasse verlassen.

Stahlbinder und Hallendach eines historischen Hangars über einem Handballfeld
Für den Cologne Handball Day wich der Verein am 1. Mai in einen historischen Flugzeughangar am Butzweilerhof aus. · Symbolbild (KI-generiert)

450 Plätze sind das eigentliche Thema dieses Vereins

Damit ist das eigentliche Problem benannt. 450 Plätze sind für einen Drittligisten wenig und für ein Pokalspiel gegen einen Zweitligisten sehr wenig. Zum Vergleich: Das Finalturnier der Champions League füllte im Juni eine Halle in Deutz mit mehr als 20.000 Zuschauern. Handball in Köln findet also in zwei Aggregatzuständen statt, und zwischen ihnen liegt mehr als das Vierzigfache.

Eine kleine Halle hat aber auch Vorteile, und Handballer wissen das. 450 Menschen auf engem Raum machen mehr Lärm als das Dreifache in einer Mehrzweckarena mit Laufwegen und Getränkeständen. Auf dem Feld hört man jeden Zuruf. Wer als Gast aus der 2. Bundesliga in eine solche Halle kommt, wird sich beim Anwurf nicht wie zu Hause fühlen. Das ist der einzige Vorteil, den ein Drittligist in einem Pokalspiel hat.

Auf die Enge hat der Verein im Frühjahr eine Antwort gefunden, die man erst einmal haben muss. Am 1. Mai richtete er den Cologne Handball Day aus – nicht in der Schulturnhalle, sondern in der Motorworld Köln, einem historischen Flugzeughangar am Butzweilerhof mit Platz für bis zu 1.200 Zuschauer. Gespielt wurde ein Drittliga-Derby gegen interaktiv.Handball Ratingen/Düsseldorf. Der LSC gewann vor rund 1.200 Zuschauern mit 32:28.

Der Butzweilerhof ist das historische Flugplatzgelände im Kölner Norden, der Hangar heute eine Halle für Oldtimer und Veranstaltungen. Ein Handballfeld dort hineinzustellen ist keine naheliegende Idee. Genau deshalb hat sie funktioniert. Wer ein Drittligaspiel in eine Halle mit Stahlbindern und Bandenwerbung verlegt, macht aus einem Pflichtspiel einen Termin.

Zum Tag gehörte mehr als das Spiel. Eine Kids-Area mit Zielwurf- und Koordinationsstationen, aufgebaut mit einer Volksbank als Partner, sollte Kinder an den Ball bringen. Das Konzept dahinter hat der Geschäftsführer des Vereins in einem Satz zusammengefasst, der für eine Vereinsmitteilung ungewöhnlich klar ist.

„Wir wollten ein Format schaffen, das den Handball in Köln ganzheitlich abbildet – vom ersten Ballkontakt bis zum leistungsorientierten Spitzensport.“

Christian Stark, Geschäftsführer des Longericher SC

Der Satz beschreibt eine Lücke. Zwischen dem ersten Ballkontakt in einer Schulturnhalle und dem Spitzensport in der Arena gibt es in Köln wenig. Einen Handball-Bundesligisten hat die Stadt nicht. Der höchstklassige Klub ist der LSC, und der spielt zwei Ligen unter der Bundesliga.

Drei abgegriffene Lederbälle auf blauem Hallenboden neben einer Holzbank mit Harzglas, Trinkflaschen und Handtuch
Haftharz gehört zum Handball wie die Hallenschuhe. Am 23. August empfängt der Longericher SC den Zweitligisten HSG Nordhorn-Lingen im Pokal. · Symbolbild (KI-generiert)

Zwei Longericher wurden im Juli Weltmeister – im Sand

Und dann kam der 2. Juli. An diesem Tag meldete der Verein, dass zwei seiner Spieler Weltmeister geworden sind. Lennart Wörmann und Severin Henrich gehörten zur deutschen Nationalmannschaft, die bei der Beachhandball-Weltmeisterschaft in Zagreb im Finale gegen Brasilien mit 2:0 gewann. Wörmann erzielte im Endspiel 13 Punkte und war damit bester deutscher Werfer der Partie. Henrich wurde als Abwehrspieler ins All-Star-Team des Turniers gewählt.

Beachhandball ist nicht Hallenhandball. Gespielt wird zu viert auf Sand, in Sätzen statt Halbzeiten, gezählt werden Punkte statt Tore, spektakuläre Würfe zählen doppelt. Wer die Sportart nicht kennt, sollte sie trotzdem nicht kleinreden: Sie hat eine eigene Weltmeisterschaft und einen eigenen Kalender. Und sie ist die Sorte Erfolg, die einem Drittligisten aus dem Kölner Norden sonst nicht passiert.

Wörmanns 13 Punkte im Finale sind die einzige Statistik, die dieser Text wirklich braucht. Der Verein schrieb dazu von außergewöhnlicher Qualität im Angriff. Bei Henrich hob er die Defensivstärke und das Spielverständnis über das gesamte Turnier hervor. Beides sind Vereinsformulierungen, aber das All-Star-Team wird nicht vom eigenen Klub gewählt.

Für den Verein ist so etwas Werbung, die man nicht kaufen kann. Für die beiden Spieler ist es ein Titel, der sie in der 3. Liga Südwest nicht langsamer macht. Und für die Halle an der Ossietzkystraße bedeutet es, dass am 23. August zwei amtierende Weltmeister auflaufen könnten – falls beide fit sind und der Trainer sie aufstellt.

Der Verein wird in diesem Jahr 100 Jahre alt

Nebenbei hat der Longericher SC ein Jubiläum. Gegründet wurde er 1926, also vor 100 Jahren. Vereine dieses Alters gibt es in Köln viele; Drittligisten mit zwei Weltmeistern und einem Pokalspiel gegen einen Zweitligisten im Jubiläumsjahr eher nicht. Man muss kein Freund runder Zahlen sein, um das für einen brauchbaren Zufall zu halten.

Vereinsheim und Sportplatz eines Amateurvereins am Abend, dahinter Flutlichtmasten
Der Longericher SC wurde 1926 gegründet und feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Symbolbild einer Vereinsanlage. · Symbolbild (KI-generiert)

Was dem Klub fehlt, ist die Halle. 450 Plätze sind eine harte Grenze, und sie ist keine sportliche. Ein Aufstieg in die 2. Bundesliga würde Fragen aufwerfen, die auf keinem Spielberichtsbogen stehen. Der Cologne Handball Day war insofern auch ein Test: ob es in dieser Stadt einen Ort gibt, an dem 1.200 Menschen ein Drittligaspiel sehen wollen. Die Antwort lautete ja.

Ob daraus mehr wird, ist offen. Zu einem dauerhaften Umzug oder einem Hallenneubau hat der Verein nichts mitgeteilt, und die Motorworld ist ein Veranstaltungsort, kein Spielort. Für die kommende Saison bleibt es bei der Schulturnhalle.

Ein Pokalspiel Ende August ist für einen Drittligisten trotzdem der beste denkbare Start in eine Saison. Ein Zweitligist als Gegner, Heimrecht, ein volles Haus – mehr kann eine Auslosung für einen Klub dieser Größe kaum hergeben. Beschweren wird sich darüber in Longerich niemand.

Der Rest ist eine Schulturnhalle.

Quellen und Weiterlesen
Thomas Breuer, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Thomas Breuer
Redakteur · Sport
Seit dem ersten Stadionbesuch 1988 in Müngersdorf zu Hause. Berichtet über den 1. FC Köln, die Haie und den Breitensport in der Stadt — nüchtern, außer nach Derbysiegen.
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