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Arena-Bilanz

1,3 Millionen Gäste: Was die LANXESS arena Köln der Stadt einbringt

Die LANXESS arena liegt im Pollstar-Halbjahresranking auf Platz fünf weltweit. Eine Studie der Sporthochschule beziffert, was ihre Gäste jedes Jahr in Köln ausgeben – und woher sie kommen.

Thomas Breuer, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Thomas Breuer
Sport

Lesezeit 6 Min.
Beleuchteter Stahlbogen ragt abends über die Dächer am Flussufer, davor Spaziergänger auf einer Uferpromenade
Der beleuchtete Dachbogen der LANXESS arena gehört zum rechtsrheinischen Panorama. Im ersten Halbjahr 2026 zählte die Halle mehr als 1,3 Millionen Gäste. · Symbolbild (KI-generiert)

An einem Veranstaltungsabend erkennt man Deutz schon am Bahnsteig. Der Bahnhof Messe/Deutz füllt sich gegen 18 Uhr mit Leuten, die alle in dieselbe Richtung schauen, und wer dort aussteigt, geht nicht in die Stadt, sondern die Treppe hinunter und über den Willy-Brandt-Platz. Wenige Minuten später steht man vor einer Halle mit einem Stahlbogen über dem Dach. Diesen Weg haben im ersten Halbjahr 2026 mehr als 1,3 Millionen Menschen genommen.

Die LANXESS arena hat am 17. Juli ihre Halbjahresbilanz vorgelegt. Über 1,3 Millionen Gäste in sechs Monaten, dazu eine Platzierung, die in Köln gern zitiert wird: Im Mid-Year-Ranking des US-Fachmagazins Pollstar liegt die Halle bei den Ticketverkäufen für Konzerte und Entertainment-Formate weltweit auf Platz fünf – vor dem Madison Square Garden in New York und der 2024 eröffneten Co-op Live in Manchester.

Das Pollstar-Ranking misst nichts weiter als verkaufte Karten für Konzerte und vergleichbare Formate, und es misst sie halbjährlich. Es ist kein Qualitätsurteil und keine Auszeichnung, sondern eine Liste. Für eine Halle in einer Stadt mit gut einer Million Einwohnern ist Platz fünf trotzdem eine Aussage.

„Über 1,3 Millionen Gäste im ersten Halbjahr sind ein herausragendes Signal für den Live-Entertainment-Standort Köln und die Lanxess Arena.“

Stefan Löcher, Geschäftsführer der LANXESS arena

Solche Sätze sind das Handwerk von Geschäftsführern, und man darf sie skeptisch lesen. Die Zahl dahinter ist trotzdem bemerkenswert, weil sie nicht aus einem Rekordmonat stammt, sondern aus sechs. Karneval, Eishockey, Handball, Comedy, Konzerte: In dieser Halle wird der Innenraum in kurzer Folge umgebaut. Was für Zuschauer ein Abend ist, ist für den Betreiber eine Logistikaufgabe mit Lastwagen, Bodenplatten und Zeitplan.

Der Sport liefert die verlässlichen Termine, nicht die spektakulären

Für die Sportseite dieser Bilanz stehen vier Posten. Zwei Handball-Finalturniere: im April das Final4 des DHB-Pokals, im Juni das Finalturnier der Champions League. Dazu ein Länderspiel der deutschen Männer gegen Dänemark im Mai. Und, über die ganze Saison verteilt, die Heimspiele der Kölner Haie samt Playoffs.

Diese Posten unterscheiden sich in einem Punkt von den Konzerten: Sie sind planbar. Ein Eishockeyklub spielt jede Saison eine feste Zahl von Heimspielen, ein Finalturnier kommt in festem Rhythmus wieder, ein Länderspiel wird Jahre vorher terminiert. Ein Konzert dagegen hängt an einer Tourplanung, die in Los Angeles gemacht wird und Köln auch auslassen kann.

Die Kölner Haie sind dabei der Dauermieter. Ein Eishockeyklub bespielt eine Arena vom Spätsommer bis in den Frühling und bringt ein Publikum, das nicht wegen eines einzelnen Abends kommt, sondern wegen einer Saison. Für den Betreiber ist das planbarer Umsatz. Für die Halle ist es der Grund, warum unter dem Boden eine Eisfläche liegt, die bei jedem Umbau berücksichtigt werden muss.

Leerer Innenraum einer Großarena während des Umbaus zwischen zwei Veranstaltungen
Zwischen zwei Veranstaltungen wird der Innenraum umgebaut. Die Aufnahme zeigt eine leere Mehrzweckarena. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Karnevalssession brachte einen einzelnen Rekordabend

Der größte Einzelposten der ersten Jahreshälfte kam nicht aus dem Sport. Die Lachende Kölnarena kam in dieser Session auf 16 Termine, darunter eine Lachende PÄNZarena für Kinder. Am 7. Februar kamen 18.500 Feiernde zu einem einzelnen Termin – so viele wie nie zuvor bei diesem Traditionsformat. Eine Sitzung mit 18.500 Menschen ist, akustisch betrachtet, kein kleineres Ereignis als ein Playoffspiel.

Auf der Konzertseite traten unter anderem Eric Clapton, Florence + The Machine, Rosalía, Olivia Dean, Sarah Connor, Kool Savas, Clueso und Bushido auf; Apache 207 spielte gleich fünf Shows. Fünf Abende eines einzigen Künstlers in einer Halle dieser Größe sind der eigentliche Maßstab dafür, wie groß Köln als Konzertstadt inzwischen ist. Für den Sportteil dieser Zeitung ist das eine Randnotiz. Für die Bilanz ist es der Hauptposten.

Zwischen einem Konzert und einem Heimspiel liegen technisch Welten. Bühnenbau und Soundcheck brauchen Stunden, eine Eisfläche will erhalten und abgedeckt werden, ein Handballboden wird verlegt und wieder aufgenommen. Dass in sechs Monaten mehr als 1,3 Millionen Menschen durch dieselben Türen gegangen sind, ist deshalb weniger eine Marketingleistung als eine Frage der Terminplanung.

Eine Studie beziffert, was die Gäste in der Stadt lassen

Interessanter als die Besucherzahl ist, was diese Besucher tun, bevor und nachdem sie in der Halle waren. Dazu gibt es eine Untersuchung der Deutschen Sporthochschule Köln. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Arena-Gäste jährlich rund 341 Millionen Euro in Köln ausgeben. 90 Prozent der Besucher kommen demnach von außerhalb der Stadt. Befragt wurden 5.219 Gäste bei 14 Veranstaltungen.

Die Stichprobengröße ist ordentlich, die Hochrechnung auf 341 Millionen Euro bleibt eine Hochrechnung. Was jemand angibt, ausgegeben zu haben, und was er tatsächlich ausgegeben hat, sind in solchen Befragungen selten dasselbe. Die Richtung stimmt aber, und sie ist für die Stadt relevant: Neun von zehn Gästen bringen Geld von außerhalb mit. Das ist der Unterschied zwischen einer Halle und einer Wirtschaftsansiedlung.

Der zweite Wert ist dabei der wichtigere. Wenn 90 Prozent von außerhalb kommen, funktioniert die Halle nicht als Kölner Freizeitangebot, sondern als überregionaler Anziehungspunkt. Es heißt aber auch, dass diese 341 Millionen Euro an der Verkehrsanbindung hängen. Wenn die Bahn nicht fährt, fährt das Geld nicht mit.

Warteschlange und Einlasskontrolle am Eingang einer Großarena am Abend
Rund 90 Prozent der Arena-Gäste kommen laut der Studie von außerhalb Kölns. Symbolbild einer Einlasssituation. · Symbolbild (KI-generiert)

Wer profitiert, lässt sich an einem Veranstaltungsabend in Deutz ablesen. Die Hotels rund um den Bahnhof, die Gastronomie an der Deutzer Freiheit, die Taxistände, die KVB. Wer zahlt, ebenfalls: die Anwohner, die an solchen Abenden keinen Parkplatz finden, und alle, die zur selben Zeit mit der Linie 1 nach Hause wollen. Beides gehört zu dieser Bilanz, auch wenn nur eine Seite davon in Pressemitteilungen steht.

Im Januar 2027 kommt die Handball-Weltmeisterschaft nach Deutz

Der nächste große Sporttermin steht fest. Im Januar 2027 werden in der LANXESS arena die Hauptrunde und die Finalrunde der Handball-Weltmeisterschaft der Männer gespielt. Das wäre nach den beiden Final4-Turnieren dieses Jahres der nächste Handball-Großtermin in der Halle. Januar ist dort ohnehin ein voller Monat: Eishockey läuft, die Karnevalssession auch.

Zwanzig Jahre zuvor, 2007, hatte Deutschland eine Heim-Weltmeisterschaft und gewann sie. Wer damals dabei war, wird diese Jahreszahl in den kommenden Monaten öfter hören, als ihm lieb ist. Ob daraus wieder ein Titel wird, ist eine Frage für den Januar. Ob die Halle voll wird, ist keine.

Und danach? Sollte sich die Region KölnRheinRuhr im DOSB-Verfahren durchsetzen, wäre die Arena auch Olympia-Spielstätte – für Turnen, Rhythmische Sportgymnastik und Trampolin sowie paralympisch für Sitzvolleyball, Rollstuhlbasketball und Rollstuhlrugby. Bis dahin wären es allerdings mindestens zehn Jahre und mehrere Entscheidungen. Der DOSB wählt am 26. September lediglich den deutschen Kandidaten.

Gäste sitzen abends an Tischen vor einem beleuchteten Lokal in einem Backsteinbau, im Hintergrund ein Brückenbogen
Rund 341 Millionen Euro geben Arena-Gäste einer Studie der Sporthochschule zufolge jährlich in Köln aus – auch in Gastronomie und Hotellerie. · Symbolbild (KI-generiert)

Was diese Bilanz nicht sagt, ist mindestens so interessant wie das, was drinsteht. Zur Auslastung einzelner Veranstaltungen steht nichts, zu Ticketpreisen nichts, zu den Betriebskosten nichts. Eine Halle, die 1,3 Millionen Menschen zählt, ist nicht automatisch eine Halle, die gut verdient. Betreiber veröffentlichen Besucherzahlen, weil Besucherzahlen gut aussehen.

Auch die Verteilung fehlt. 1,3 Millionen Gäste in sechs Monaten sind im Schnitt gut 7.000 pro Tag, aber so verteilt sich das natürlich nicht: Es gibt Tage mit 18.500 Menschen und Wochen ohne Veranstaltung. Wer wissen will, wie stark eine Halle ausgelastet ist, muss die Zahl der Veranstaltungstage kennen. Sie steht nicht in der Mitteilung.

Für die Stadt ist die Rechnung trotzdem einfach. Eine Veranstaltungshalle dieser Größe zieht Menschen an, die sonst nicht kämen, und sie hält Termine in Köln, die sonst in Düsseldorf, Mannheim oder Hamburg stattfänden. Die 341 Millionen Euro der Sporthochschule sind dabei die einzige Zahl, die den Nutzen überhaupt greifbar macht. Eine bessere gibt es bislang nicht.

Die zweite Jahreshälfte wird die Zahl kaum halten. Sommerpause und Umbauten gehören dazu, und die großen Sporttermine liegen in diesem Jahr hinter uns. Die 1,3 Millionen sind eine Halbjahreszahl, nicht die Hälfte einer Jahreszahl.

Am Ende zählt in Deutz ohnehin nur, ob die Bahn zurück fährt.

Quellen und Weiterlesen
Thomas Breuer, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Thomas Breuer
Redakteur · Sport
Seit dem ersten Stadionbesuch 1988 in Müngersdorf zu Hause. Berichtet über den 1. FC Köln, die Haie und den Breitensport in der Stadt — nüchtern, außer nach Derbysiegen.
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