142.452 Fälle: Was Kölns Kriminalstatistik zeigt – und was nicht
Die Polizei Köln registrierte 2025 rund 2,4 Prozent weniger Straftaten und klärte erstmals seit drei Jahren mehr als die Hälfte auf. Sexualdelikte und Betrug stiegen, der Taschendiebstahl brach ein.
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Die Polizei Köln hat für das Jahr 2025 insgesamt 142.452 Straftaten registriert und damit 3.487 Fälle weniger als im Vorjahr – ein Rückgang um 2,39 Prozent. Die Aufklärungsquote stieg auf 50,38 Prozent nach 49,06 Prozent im Jahr 2024 und liegt damit erstmals seit drei Jahren wieder über der Marke von 50 Prozent. Veröffentlicht wurden die Zahlen am Montag, 2. März 2026, ab 13 Uhr, und zwar zum ersten Mal ausschließlich digital, ohne Pressekonferenz. Der Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums umfasst die Stadtgebiete Köln und Leverkusen; die Zahlen lassen sich deshalb nicht eins zu eins auf die Stadt Köln allein beziehen.
Statt eines Termins mit Kamerateams stellte die Behörde zwei Dateien ins Netz: einen 86 Seiten starken Auswertebericht und eine achtseitige Anlage zur Pressemitteilung mit einem Vorwort des Leitenden Kriminaldirektors Michael Esser, den die Behörde in ihrer Ankündigung vom 27. Februar als Kripochef bezeichnet. Für Nachfragen und O-Töne verwies die Polizei auf ihre Pressestelle. Auf 100.000 Einwohner gerechnet – diese Größe heißt in der Statistik Kriminalitätshäufigkeitszahl – sank der Wert von 11.670 auf 11.362.
Erfasst wurden 43.972 Tatverdächtige ohne Verstöße gegen das Aufenthalts-, das Asyl- und das Freizügigkeitsgesetz, 797 weniger als 2024. Davon waren 26.087 deutsche und 17.885 nichtdeutsche Tatverdächtige, ein Verhältnis von 59,33 zu 40,67 Prozent. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger ging damit um 1,67 Prozentpunkte zurück. Drei Viertel der Tatverdächtigen, genau 75,88 Prozent, waren männlich. Als Opfer registrierte die Behörde 31.129 Personen und damit 41 weniger als im Jahr zuvor; die Opfergefährdungszahl stieg dennoch auf 2.609.
In zwei von sieben Inspektionen stiegen die Zahlen entgegen dem Trend
Der Rückgang verteilt sich nicht gleichmäßig über den Bezirk. In der Polizeiinspektion 1, die Altstadt-Nord, Altstadt-Süd, Neustadt-Nord und Neustadt-Süd umfasst, wurden 32.100 Fälle gezählt, 2,03 Prozent weniger als 2024. Die Kriminalitätshäufigkeitszahl liegt dort bei 34.056 und damit rund dreimal so hoch wie im Durchschnitt des gesamten Präsidiumsbezirks. Der Bericht liefert die Erklärung gleich mit: Auf 7,44 Quadratkilometern leben in diesem Bereich etwa 94.240 Menschen, das sind 12.667 Einwohner pro Quadratkilometer. Zum Vergleich zieht die Polizei Paris mit rund 9.000 Einwohnern je Quadratkilometer heran.
Gegen den Trend stiegen die Fallzahlen in zwei Inspektionen. In der Inspektion 6 (Südost) mit Kalk, Porz, Vingst und Höhenberg nahmen sie um 1,63 Prozent auf 24.506 Fälle zu, in der Inspektion 7 (Leverkusen) um 1,74 Prozent auf 11.856 Fälle. Die Behörde führt den Anstieg im Südosten vor allem auf mehr Diebstähle von Mopeds und Krafträdern, auf Diebstähle in und aus Kellerräumen sowie auf sonstige Betrugsdelikte zurück. In Leverkusen kamen Diebstähle von Baustellen sowie Betrugs- und Beleidigungsdelikte hinzu. Die niedrigste Kriminalitätshäufigkeitszahl weist mit 6.899 die Inspektion 4 im Nordwesten auf, zu der Chorweiler, Nippes und Riehl gehören.
Für jede Inspektion listet der Bericht die fünf auffälligsten Deliktsfelder auf. In der Innenstadt stehen dort Körperverletzungen mit 4.043 Fällen an der Spitze, ein Plus von 5,2 Prozent, gefolgt von 3.654 Ladendiebstählen (minus 15,32 Prozent), 1.776 Fahrraddiebstählen und 1.663 Rauschgiftdelikten. In der Inspektion 2, die von Rodenkirchen über Zollstock bis Sülz und Klettenberg reicht, führt die Sachbeschädigung mit 1.778 Fällen die Liste an. Solche Ranglisten sagen wenig über das Risiko einer einzelnen Person aus – sie zeigen, womit die Dienststellen ihre Arbeitszeit verbringen.
Bei den Sexualdelikten geht die Kurve wieder nach oben
Die Sexualdelikte stiegen um 6,84 Prozent auf 2.624 Fälle. 2024 waren es 2.456, 2023 bereits 2.762 – der Anstieg holt also einen Teil des Vorjahresrückgangs wieder ein. Auf die schweren Sexualstraftaten nach den Paragrafen 177 und 178 des Strafgesetzbuchs entfielen 417 Fälle, 73 mehr als im Vorjahr und ein Plus von 21,22 Prozent. Der sexuelle Missbrauch von Kindern nahm um 9,33 Prozent auf 293 Fälle zu, die Verbreitung, der Erwerb, der Besitz und die Herstellung kinderpornografischer Schriften um 16,36 Prozent auf 569 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt in diesem Feld mit 76,60 Prozent deutlich über dem Durchschnitt, bei den Missbrauchsfällen sogar bei 84,64 Prozent.
„Die Zahl der registrierten Sexualstraftaten ist gestiegen, maßgeblich bei schweren Sexualdelikten und beim sexuellen Missbrauch von Kindern. Diese Entwicklung nehmen wir sehr ernst. Hierbei ist davon auszugehen, dass eine zunehmende Sensibilisierung und eine höhere Anzeigebereitschaft der Betroffenen zu einem Fallzahlenanstieg beitragen.“
Michael Esser, Leitender Kriminaldirektor beim Polizeipräsidium Köln, im Vorwort des Auswerteberichts
Der Bericht schlüsselt auch auf, in welchem Verhältnis Tatverdächtige und Geschädigte zueinander standen. Von 1.980 geschädigten Personen bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung hatten 53,23 Prozent keine Vorbeziehung zu den Tatverdächtigen. Bei den 310 erfassten Opfern sexuellen Missbrauchs von Kindern bestand dagegen in 79 Fällen ein verwandtschaftliches Verhältnis, 44 Kinder lebten mit der oder dem Tatverdächtigen im selben Haushalt. Bei den schweren Sexualdelikten standen 89 von 423 Geschädigten in keiner Vorbeziehung zum Tatverdächtigen, ein Anteil von 21,04 Prozent.
Beim Taschendiebstahl verschwindet fast ein Drittel der Fälle
Die Diebstahlsdelikte gingen um 6.106 auf 57.226 Fälle zurück; die Deliktstabelle des Jahresberichts weist dafür ein Minus von 9,64 Prozent aus. Den stärksten Einbruch verzeichnet der Taschendiebstahl: von 8.002 auf 5.548 Fälle, ein Minus von 30,67 Prozent. Der Wohnungseinbruchdiebstahl sank um 20,33 Prozent auf 2.621 Fälle, wobei 50,32 Prozent im Versuch stecken blieben. Diebstähle an und aus Kraftfahrzeugen gingen um 17,81 Prozent auf 8.135 Fälle zurück, Fahrraddiebstähle um 6,68 Prozent auf 6.858 Fälle. Die Aufklärungsquoten bleiben in diesem Feld dennoch niedrig: 12,67 Prozent beim Taschendiebstahl, 8,05 Prozent beim Wohnungseinbruch, 7,20 Prozent beim Fahrraddiebstahl.
Nicht alle Diebstahlsarten folgen dem Trend. Der Diebstahl von Mopeds und Krafträdern legte um 23,59 Prozent auf 1.561 Fälle zu, der Boden- und Kellereinbruch um 25,24 Prozent auf 3.756 Fälle, der Diebstahl von Kraftwagen um 16,91 Prozent auf 636 Fälle. Der Ladendiebstahl sank um 12,37 Prozent auf 10.196 Fälle – ein Feld, dessen Zahlen stark davon abhängen, wie viele Ladendetektive im Einsatz sind und wie konsequent angezeigt wird. Insgesamt schrumpfte die Straßenkriminalität um 9,79 Prozent auf 35.779 Fälle, ihre Aufklärungsquote stieg auf 18,42 Prozent.
- Landfriedensbruch: 85 Fälle, plus 150,00 Prozent
- Nötigung: 691 Fälle, plus 14,98 Prozent
- Sexualdelikte: 2.624 Fälle, plus 6,84 Prozent
- Sachbeschädigung: 11.501 Fälle, plus 5,21 Prozent
- Taschendiebstahl: 5.548 Fälle, minus 30,67 Prozent
- Wohnungseinbruch: 2.621 Fälle, minus 20,33 Prozent
- Raubdelikte: 1.264 Fälle, minus 13,01 Prozent
Bei den Rauschgiftdelikten setzt sich ein Rückgang fort, der weniger mit Kriminalität als mit Gesetzgebung zu tun hat. 3.924 Fälle registrierte die Polizei 2025, 1.262 weniger als im Vorjahr und ein Minus von 24,33 Prozent. 2023, im letzten vollen Jahr vor dem Konsumcannabisgesetz, waren es noch 7.843 Fälle. Der Auswertebericht hält ausdrücklich fest, dass die Cannabis-Fallzahlen seit dem 1. April 2024 nicht mehr direkt mit den Vorjahreszahlen vergleichbar sind. Gegen den Trend stiegen Handel und Schmuggel von Kokain einschließlich Crack um 30,16 Prozent auf 246 Fälle.
Die Statistik zählt nicht die Taten, sondern die bekannt gewordenen Fälle
Der Bericht benennt die Grenzen seiner Aussagekraft in den Vorbemerkungen selbst. Abgebildet werden ausschließlich Straftaten, die der Polizei bekannt werden; ein nicht unerheblicher Teil bleibt im sogenannten Dunkelfeld. Als Einflussgrößen nennt das Präsidium das Anzeigeverhalten von Bevölkerung und Unternehmen, gesetzliche Änderungen, die Bevölkerungsstruktur, die mediale Thematisierung einzelner Deliktsbereiche und das Ausmaß polizeilicher Kontrollmaßnahmen. Bei der Rauschgiftkriminalität hängen die Fallzahlen deshalb unmittelbar am Kontrolldruck. Auch Sammelverfahren können einzelne Kurven verzerren.
„Obwohl die PKS wegen der eingeschränkten Aussagekraft kein getreues Spiegelbild der Kriminalitätswirklichkeit bietet, sondern eine je nach Deliktsart mehr oder weniger starke Annäherung an die Realität abbildet, ist sie doch aufgrund ihrer bundeseinheitlich geltenden Regelungen zur Erfassung der Kriminalität das einzige zurzeit bestehende Instrument, Tendenzen der Kriminalitätsentwicklung zu erkennen, zu analysieren und regionale sowie länderübergreifende Vergleiche vorzunehmen.“
Polizeipräsidium Köln, Direktion Kriminalität, in den Vorbemerkungen zum Auswertebericht 2025
Ein Wert, der in der öffentlichen Debatte regelmäßig auftaucht, ist die Zahl der Messerangriffe. Sie sank 2025 auf 586 Fälle nach 710 im Jahr 2024, ein Rückgang um 17,46 Prozent. Der längere Verlauf sieht anders aus: 2021 zählte die Polizei 397 solcher Fälle, 2022 dann 496, 2023 schließlich 552. In 41,47 Prozent der Fälle handelte es sich um Bedrohungen, in 33,10 Prozent um Körperverletzungs- und in 22,70 Prozent um Raubdelikte. Unter dem Begriff Tatmittel Messer wurden 610 Fälle und 771 Opfer erfasst; 511 Opfer wurden nicht verletzt, drei Menschen kamen ums Leben. Von den 689 ermittelten Tatverdächtigen waren 89,11 Prozent männlich, ein Viertel war jünger als 21 Jahre.
Die Gewaltkriminalität insgesamt umfasste 6.033 Fälle, davon 4.312 gefährliche und schwere Körperverletzungen. Mord und Totschlag wurden 28 Mal erfasst, genauso oft wie 2024; 18 dieser Fälle blieben im Versuch, die Aufklärungsquote lag bei 96,43 Prozent. Die Raubdelikte sanken um 13,01 Prozent auf 1.264 Fälle, der Straßenraub um 21,33 Prozent auf 653 Fälle – der Handtaschenraub stieg dagegen um 54,55 Prozent auf 68 Fälle. Bei 966 Fällen von Widerstand gegen und tätlichem Angriff auf Vollstreckungsbeamte wurden 1.995 Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte Opfer einer Widerstandshandlung.
Gesondert ausgewiesen wird die häusliche Gewalt mit 4.787 Fällen, von denen 98,96 Prozent aufgeklärt wurden. Unter den 5.202 Opfern waren 72,57 Prozent weiblich. In 1.408 Straftaten stand die Tathandlung in unmittelbarem schulischen Bezug; gut ein Drittel davon waren Diebstähle, 328 Fälle Körperverletzungen. Die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren sank um 5,53 Prozent auf 7.884. Bei einem Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung von 18,99 Prozent stellten sie 17,93 Prozent aller Tatverdächtigen – ein Befund, den der Kriminaldirektor in seinem Vorwort ausdrücklich hervorhebt.
Zugenommen haben die Betrugsdelikte: 16.882 Fälle bedeuten ein Plus von 8,96 Prozent. Die Sachbeschädigungen stiegen um 5,21 Prozent auf 11.501 Fälle, davon 2.195 durch Graffiti. Im Bereich Cybercrime registrierte die Behörde 3.272 Inlandsstraftaten, 17,36 Prozent mehr als 2024, bei einer gesunkenen Aufklärungsquote von 27,87 Prozent. Bei 109 vollendeten Inlandstaten zum Nachteil älterer Menschen summierte sich der Schaden auf 2.433.837 Euro, nach 3.409.770 Euro bei 120 vollendeten Taten im Vorjahr. Unter den bekannten Maschen wurden 35 Fälle falscher Amtsträger und 29 Fälle des Enkeltricks oder von Schockanrufen registriert.
Ob der Rückgang eine Trendwende ist, klärt erst der nächste Bericht
Aus einem einzelnen Jahr lässt sich keine Wende ablesen. 2021, im letzten Jahr mit Pandemiebeschränkungen, lag die Gesamtzahl bei 119.473 Fällen, 2023 mit 149.970 auf dem höchsten Wert der vergangenen fünf Jahre; der aktuelle Wert liegt dazwischen. Auffällig ist zudem, dass sich die beiden Veröffentlichungen an einer Stelle widersprechen: Die Anlage zur Pressemitteilung nennt für die Diebstahlsdelikte ein Minus von 9,46 Prozent, die Deliktstabelle des Jahresberichts 9,64 Prozent. Die absolute Zahl von 6.106 weniger erfassten Fällen ist in beiden Dokumenten identisch.
Einen Termin für die Zahlen des laufenden Jahres hat das Polizeipräsidium bislang nicht genannt; der Bericht für 2025 erschien Anfang März. Für die Bewertung der Daten verweist die Behörde in ihren Vorbemerkungen auf die Direktion Kriminalität, Fallzahlen und Aufklärungsquoten seien „regelmäßig nicht selbsterklärend“. Wer wissen will, wie sicher Köln ist, findet in diesen 86 Seiten deshalb keine Antwort – wohl aber die Grundlage, auf der Polizeiführung und Politik in den kommenden Monaten über Personal, Präsenz und Prävention verhandeln werden.
- Polizei Köln: Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 – Auswertebericht für das Polizeipräsidium Köln (PDF)
- Polizei Köln: Anlage zur PKS-Pressemitteilung vom 2. März 2026, mit Vorwort von Michael Esser (PDF)
- Polizei Köln: Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 – Downloadseite
- Polizei Köln: Polizei Köln veröffentlicht Zahlen und Daten zur Polizeilichen Kriminalstatistik (27. Februar 2026)




