Donnerstag, 6. August 2026 Ausgabe Nr. 240
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Aufsichtswechsel

30,9 Milliarden Euro: Die Kreissparkasse Köln wartet auf die EZB

Deutschlands größte kommunale Sparkasse hat die Schwelle gerissen, ab der die Notenbank prüft. Entschieden wird im zweiten Halbjahr – das Wachstum kostete 58 Millionen Euro Ergebnis.

Markus Schmitz, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Markus Schmitz
Banken & Finanzen

Lesezeit 8 Min.
Eingangsbereich eines Bankgebäudes am Kölner Neumarkt mit vorbeifahrender Stadtbahn
Am Neumarkt sitzt die Zentrale der Kreissparkasse Köln. · Symbolbild (KI-generiert)

Ein Sparbuch, das es nur in der App gibt, hat im vergangenen Jahr 385 Millionen Euro eingesammelt. Das im September 2024 eingeführte Sparbuch Digital der Kreissparkasse Köln wuchs damit auf einen Bestand von 514 Millionen Euro – und zwar gegen den Trend, denn die klassischen Spareinlagen des Hauses gingen im selben Zeitraum um 114 Millionen Euro zurück. Solche Verschiebungen wirken klein, summieren sich aber. Am Ende des Jahres stand die Kreissparkasse Köln über jener Schwelle, an der für deutsche Sparkassen die Zuständigkeit der Bankenaufsicht zur Prüfung gestellt wird.

Die Bilanzsumme stieg 2025 auf 30,9 Milliarden Euro nach 29,6 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Damit erfüllt das Haus ein quantitatives Kriterium der Europäischen Zentralbank, um in die Prüfung auf einen Wechsel der aufsichtsrechtlichen Zuständigkeit einzusteigen. Nach eigenen Angaben ist die Kreissparkasse Köln die größte kommunale Sparkasse Deutschlands; ihr Geschäftsgebiet umfasst 3.650 Quadratkilometer und vier Kreise – den Rhein-Erft-Kreis, den Rhein-Sieg-Kreis, den Rheinisch-Bergischen und den Oberbergischen Kreis.

Das Umfeld, in dem diese Schwelle gerissen wurde, war kein einfaches. Die Weltwirtschaft wuchs 2025 um rund 3 Prozent, die deutsche kam nach zwei Rezessionsjahren nur auf ein Plus von 0,2 Prozent. Die jahresdurchschnittliche Inflation im Euroraum sank auf 2,1 Prozent und gab der EZB Raum für vier Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte auf einen Einlagesatz von 2 Prozent. An der Börse lief es besser: Der Dax schloss das Jahr mit 24.500 Punkten und damit 23 Prozent über dem Jahresanfang.

In eigener Sache verweist das Haus auf Auszeichnungen. Zum fünften Mal in Folge sei es als „Beste Regionalbank NRW“ ausgezeichnet worden, ermittelt von Börse Online und dem Deutschen Kundeninstitut im Oktober 2025, dazu kämen hohe Werte bei Kundenzufriedenheitsumfragen. Solche Titel sagen etwas über Konditionen und Service aus, aber nichts über die Ertragslage. Wer wissen will, wie es einem Institut geht, muss die Zahlen lesen, nicht die Urkunden.

Ob die EZB übernimmt, entscheidet sie erst im zweiten Halbjahr

Gemeldet hat das Institut die Überschreitung am 2. Januar 2026, also unmittelbar nach dem Stichtag. Sollte die EZB im zweiten Halbjahr 2026 entscheiden, die Kreissparkasse Köln als „bedeutendes Institut“ einzustufen, würde diese damit die erste kommunale Sparkasse unter EZB-Aufsicht, heißt es in der Presseinformation. Der Konjunktiv ist wichtig: Das Überschreiten der Bilanzsumme löst eine Prüfung aus, nicht automatisch den Wechsel. Eine Frist, bis wann die Notenbank entscheiden muss, nennt das Institut nicht.

Was sich mit einem solchen Wechsel ändert, ist zunächst eine Frage der Adresse. Bislang beaufsichtigen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und die Deutsche Bundesbank das Haus; künftig wäre die EZB unmittelbar zuständig. Für die Kundschaft ändert das an Einlagensicherung und Kontoführung nichts, für das Institut an Berichtspflichten, Prüfungsdichte und Kosten eine Menge. Die Kreissparkasse Köln teilt mit, sie habe sich in den vergangenen Jahren auf diese Anforderungen vorbereitet.

„Wir sehen uns hierfür gut gerüstet. Sowohl die nationale als auch die europäische Aufsicht verfolgen die gleichen Ziele, die sich auch mit unseren decken.“

Thomas Pennartz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln
Detail einer Glasfassade am Neumarkt mit gespiegeltem Kölner Straßenbild
Wächst eine Sparkasse über 30 Milliarden Euro Bilanzsumme, prüft die EZB die Zuständigkeit. · Symbolbild (KI-generiert)

Das Wachstum hat 58 Millionen Euro Ergebnis gekostet

Die Ertragsrechnung zeigt, was dieses Wachstum wert war. Der Zinsüberschuss ging um 30 Millionen Euro auf 619 Millionen Euro zurück, Provisionsüberschuss und sonstiger ordentlicher Ertrag legten um 14 Millionen Euro auf 237 Millionen Euro zu. Unter dem Strich sank der Bruttoertrag von 872 auf 856 Millionen Euro. Der Rückgang ist gemessen an vier Leitzinssenkungen im Jahresverlauf moderat ausgefallen.

Auf der Aufwandsseite zog es an. Der Personalaufwand stieg wegen der Tarifsteigerung und eines größeren Personalbestands um 20 Millionen Euro auf 305 Millionen Euro; zum 31. Dezember 2025 beschäftigte das Haus 3.485 Menschen nach 3.417 im Vorjahr. Sach- und sonstiger ordentlicher Aufwand kletterten um 5 Millionen Euro auf 236 Millionen Euro, was die Sparkasse mit Investitionen in die Digitalisierung und der Umsetzung regulatorischer Anforderungen begründet. Das Betriebsergebnis vor Bewertung fiel damit von 356 auf 315 Millionen Euro.

Darunter kommt die Risikovorsorge ins Spiel. Bewertungs- und neutrales Ergebnis verschlechterten sich von minus 29 auf minus 46 Millionen Euro – gemessen an der Wirtschaftslage nennt die Sparkasse das eine nur moderate Erhöhung. Das Ergebnis vor Steuern sank von 327 auf 269 Millionen Euro, ein Minus von 58 Millionen Euro. Nach gewinnabhängigen Steuern von 85 Millionen Euro blieben 184 Millionen Euro nach 238 Millionen Euro im Vorjahr. Die Cost-Income-Ratio, also der Anteil des Aufwands am Ertrag, stieg von 58,75 auf 62,58 Prozent.

„Mit ihrer regionalen Verankerung, der engen Verzahnung mit der lokalen Wirtschaft und ihrer Nähe zu 1 Million Kundinnen und Kunden war die Kreissparkasse Köln im vergangenen Jahr wieder ein Garant für Stabilität und Verlässlichkeit.“

Thomas Pennartz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln

Ein Detail verdient Präzision, weil es leicht verrutscht. Als „drittbestes Ergebnis in der Geschichte der Kreissparkasse Köln“ bezeichnet das Haus ausdrücklich das Ergebnis nach Steuern von 184 Millionen Euro, nicht das Vorsteuerergebnis. In welchen Jahren es besser war, teilt die Sparkasse nicht mit. Und ein zweiter Hinweis steht kleingedruckt unter dem Pressetext zur Geschäftsentwicklung: Sämtliche Angaben sind vorläufige Geschäftszahlen mit Stand 19. März 2026.

Rohbau eines Wohnprojekts im Kölner Umland mit Turmdrehkran, Weitwinkel
Zusagen für private Immobilienkredite legten 2025 um 21,1 Prozent zu. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Kernkapitalquote sinkt, weil sich die Rechenregeln geändert haben

Die Kernkapitalquote vor Gewinnzuführung ging leicht von 15,76 auf 15,27 Prozent zurück, die Gesamtkapitalquote von 18,67 auf 17,68 Prozent. Als Grund nennt die Sparkasse die neuen Bestimmungen der Kapitaladäquanzverordnung CRR III, die vorschreibt, mit wie viel Eigenkapital Banken ihre Risiken unterlegen müssen. Ein Rückgang aus Rechenregeln ist etwas anderes als ein Rückgang aus Verlusten – die absolute Kapitalausstattung hat sich dadurch nicht verringert. Das Institutsrating von Moody's liegt weiterhin bei Aa3 mit stabilem Ausblick.

Der Kredit fließt wieder, vor allem in Bestandsimmobilien

Im Kreditgeschäft war 2025 ein gutes Jahr. Neu zugesagt wurden 3,8 Milliarden Euro nach 3,2 Milliarden Euro, ein Plus von rund 20 Prozent. Die Ausleihungen an Unternehmen und Selbstständige zogen um 7,2 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro an, wobei die Sparkasse einschränkt, dass Kreditmittel vorrangig für Ersatzinvestitionen eingesetzt wurden und Neu- oder Erweiterungsinvestitionen die Ausnahme blieben. Zusagen für private Immobilienkredite legten um 21,1 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zu. Deutlich gewachsen sind auch die Kredite an öffentliche Haushalte, von 195 auf 462 Millionen Euro.

„Aktuell werden vorrangig Bestandsimmobilien erworben. Für die Schaffung von dringend benötigtem neuem Wohnraum sind beschleunigte Verwaltungsverfahren, eine Reduzierung der Bau- und Baunebenkosten sowie eine verbesserte staatliche Förderung wichtige Voraussetzungen.“

Thomas Pennartz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln

Der gesamte Kreditbestand nahm um 3,3 Prozent auf 24,4 Milliarden Euro zu. Davon entfielen 12,7 Milliarden Euro auf Firmenkunden, 9,8 Milliarden Euro auf Privatkunden und 1,9 Milliarden Euro auf kommunale Kunden nach 1,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Rückläufig war dagegen das Gründungsgeschäft: 154 Vorhaben nach 188 im Jahr davor, mit einem Darlehensvolumen von 17,7 Millionen Euro und 523 neuen Arbeitsplätzen. Als Bremsen nennt die Sparkasse Bürokratie, langsame Verfahren und komplexe Vorgaben.

Auf der Einlagenseite wuchsen die bilanzwirksamen Kundengelder um 4,1 Prozent auf 24,0 Milliarden Euro. Den Großteil davon halten Privatkunden mit 18,0 Milliarden Euro, gefolgt von Unternehmen und Selbstständigen mit 5,4 Milliarden Euro und Kommunen mit 0,6 Milliarden Euro. Täglich fällige Gelder legten um 922 Millionen Euro zu, Termingelder um 156 Millionen Euro. Neues Geld legten Kundinnen und Kunden in Höhe von 1,5 Milliarden Euro an, doppelt so viel wie im Vorjahr.

Dunkles Büro mit Bildschirmreihen, Tastaturen und Headsets auf leeren Schreibtischen, vor dem Fenster Regen
30,9 Milliarden Euro Bilanzsumme: Ob die EZB die Aufsicht über die Kreissparkasse übernimmt, entscheidet sich im zweiten Halbjahr. · Symbolbild (KI-generiert)

Im Wertpapiergeschäft setzte sich der Trend zum Fondssparen fort. Die Nettozuflüsse in die Kundendepots stiegen um 44 Prozent auf 512 Millionen Euro, der Wertpapierumsatz auf 9,5 Milliarden Euro nach 8,6 Milliarden Euro. Gefragt waren vor allem Investmentfonds mit 4,6 Milliarden Euro; die darin enthaltenen börsengehandelten Indexfonds legten um 52 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zu. Die Depotbestände kletterten einschließlich Kursveränderungen um 3,3 Milliarden Euro auf 30,3 Milliarden Euro – mehr, als die Bilanzsumme ausweist.

Auch die hauseigene Vermögensverwaltung wuchs. Die Zahl der betreuten Mandate stieg im 50. Jahr ihres Bestehens von 5.032 auf 6.685, das Gesamtvolumen von 2,6 auf 3,3 Milliarden Euro; über die individuelle Depotbetreuung werden weitere 1,8 Milliarden Euro betreut. Parallel verschiebt sich der Alltag ins Digitale: 351.412 Kundinnen und Kunden nutzten die App fürs Mobile Banking, ein Plus von 10,7 Prozent, rund 600.000 Giro- und Geschäftskonten wurden online geführt. Mit der Sparkassen-Card wurde 87,5 Millionen Mal gezahlt, davon rund 94 Prozent kontaktlos.

Zum Alltag gehört seit November 2025 auch das europäische Bezahlsystem Wero, das direkt in der Sparkassen-App liegt und neben Überweisungen von Konto zu Konto inzwischen das Bezahlen im Online-Handel erlaubt. Über 6,7 Millionen Kundinnen und Kunden teilnehmender Banken in Deutschland hatten es zuletzt aktiviert, europaweit waren es 51,6 Millionen Aktivierungen. Ob daraus ein tragfähiges Gegengewicht zu den amerikanischen Kartensystemen wird, ist offen. Für die Sparkassen ist es der Versuch, den Zahlungsverkehr nicht vollständig aus der Hand zu geben.

Beim gesellschaftlichen Engagement nennt das Haus über 2.500 Fördermaßnahmen mit einem Volumen von rund 4 Millionen Euro. Davon entfielen 1,7 Millionen Euro auf Stiftungsausschüttungen, 1,4 Millionen Euro auf das PS-Sparen, 559.000 Euro auf Spenden und 233.000 Euro auf die Förderung der Schuldnerberatung. Hinter dem Engagement stehen 16 Sparkassenstiftungen mit einem Stiftungskapital von 93 Millionen Euro. Erstmals vergeben wurde 2025 ein Nachhaltigkeitspreis an 133 Vereine und 43 Betriebe, dotiert mit Preisen im Wert von 184.000 Euro.

Was der Aufsichtswechsel für das eigene Konto bedeutet

Ein Produkt lohnt den genauen Blick. Für das erste Halbjahr 2026 war die Freischaltung des mobilen Wertpapierdepots S-Neo in der Sparkassen-App geplant, ein rein digitales Depot für Selbstentscheider. Ob es freigeschaltet wurde, geht aus den seither veröffentlichten Mitteilungen der Kreissparkasse nicht hervor; das Depot taucht in der Produktübersicht auf, ein Starttermin wird nicht genannt. Wer wechseln will, sollte vor der Kontoeröffnung nach Transaktionspreisen, Fremdkosten und Sparplanentgelten fragen.

Wichtiger für die meisten ist die Zinsseite, und die hat sich gedreht. Nach der Zinserhöhung im Juni hat der EZB-Rat am 23. Juli die Leitzinsen unverändert gelassen. Prof. Dr. Carsten Wesselmann, seit 2001 Chefvolkswirt der Kreissparkasse Köln, hält den Inflationsdruck für noch nicht gebrochen und rechnet mit einer weiteren Erhöhung im September. Für Sparerinnen heißt das: Tages- und Festgeldkonditionen sind derzeit in Bewegung und lohnen einen Vergleich. Wer dagegen in den nächsten Monaten eine Immobilie finanziert, sollte sich nicht darauf verlassen, dass es günstiger wird.

„Die EZB legt erwartungsgemäß eine Zinspause ein – nicht aus Entwarnung, sondern um sich zunächst Zeit für eine vertiefte Bewertung der bisherigen geldpolitischen Maßnahmen zu nehmen.“

Prof. Dr. Carsten Wesselmann, Chefvolkswirt der Kreissparkasse Köln
Quellen und Weiterlesen
Markus Schmitz, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Markus Schmitz
Redakteur · Banken & Finanzen
Gelernter Bankkaufmann, dann Journalistenschule. Beobachtet den Finanzplatz Köln, Sparkassen, Volksbanken und die Fintech-Szene zwischen Mediapark und Rheinauhafen.
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