Flughafen Köln/Bonn: Viertes Gewinnjahr – und 400 Millionen für den Umbau
13,5 Millionen Euro Überschuss, aber ein um 14 Prozent gesunkenes EBITDA: Der Flughafen Köln/Bonn verdient Geld — und muss in fünf Jahren mehr als 400 Millionen Euro investieren.
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13,5 Millionen Euro Jahresüberschuss bei 444,2 Millionen Euro Umsatz: Der Flughafen Köln/Bonn hat 2025 zum vierten Mal in Folge Gewinn gemacht und seine Bilanz am 8. Mai 2026 vorgelegt. Die Zahl eine Zeile darunter fällt weniger freundlich aus. Das EBITDA – das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – sank von 66,9 auf 57,4 Millionen Euro, ein Minus von gut 14 Prozent, und das in einem Jahr, in dem der Umsatz um mehr als 80 Millionen Euro wuchs. Umsatz und Ertragskraft laufen am Standort derzeit auseinander. Wer die Bilanz des Airports lesen will, muss deshalb an der Gewinnzeile vorbeischauen.
Der Umsatzsprung von 363,8 auf 444,2 Millionen Euro hat einen erklärbaren Grund: Zu Jahresbeginn hat die Flughafengesellschaft die Passagierkontrollen übernommen. Das ist kein gewonnenes Geschäft, sondern eine übertragene Aufgabe, die Erlöse und Personalkosten gleichzeitig in die Bücher bringt. Rechnet man beides gegeneinander, bleibt vom nominalen Wachstum von 22 Prozent wenig Ertrag übrig. Die EBITDA-Marge fiel von 18,4 auf 12,9 Prozent, die Umsatzrendite nach Steuern von 3,5 auf 3,0 Prozent. Als Gründe für den EBITDA-Rückgang nennt die Gesellschaft geplante Tarifsteigerungen sowie die schwierigen Wettbewerbsbedingungen im deutschen Luftverkehrsmarkt.
Zehn Millionen Passagiere sind für diesen Standort die Untergrenze
Im Passagierverkehr zählte der Flughafen 10,1 Millionen Fluggäste nach 10,0 Millionen im Jahr zuvor. Gefragt waren vor allem touristische Ziele in Spanien, der Türkei und Griechenland sowie Besuchsreisen zu Familie und Freunden im Ausland. Gedämpft wurde die Entwicklung nach Angaben der Gesellschaft vom rückläufigen innerdeutschen Verkehr. Das ist die strukturell wichtigere Nachricht: Der Geschäftsreiseverkehr, der an einem Standort mit Bundesbehörden und Konzernzentralen im Rheinland eigentlich Grundlast liefern müsste, trägt weniger. Für 2026 hat sich die Geschäftsführung vorgenommen, die Marke von zehn Millionen Reisenden erneut zu übertreffen.
Im Frachtgeschäft blieb das Aufkommen mit rund 840.000 Tonnen stabil auf Vorjahresniveau. Köln/Bonn ist damit nach Darstellung des Unternehmens eines der wichtigsten Luftfrachtdrehkreuze in Deutschland und Europa, und diese Position ist für die Region wirtschaftlich belastbarer als der Ferienverkehr: Fracht fliegt nachts und ist an Industriezyklen gekoppelt, nicht an Buchungsverhalten. Der Flughafen arbeitet rund um die Uhr und verfügt über ein Drei-Bahn-System mit einer Interkontinentalbahn von 3.815 Metern, einer parallelen Bahn von 1.863 Metern und einer Querwindbahn von 2.459 Metern. Genau diese Betriebszeit ist zugleich der Grund für den dauerhaften Konflikt mit den Anwohnergemeinden.
„Wir sind ein verlässlicher Partner für Industrie und Handel und die Unternehmen in der gesamten Region, die auf schnelle und effiziente Logistikketten angewiesen sind. Wir erfüllen damit eine Schlüsselfunktion für die Wirtschaft in NRW.“
Thilo Schmid, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Köln/Bonn GmbH
Die Investitionsplanung liegt über der jährlichen Ertragskraft
In den vergangenen vier Jahren hat der Flughafen nach eigenen Angaben rund 180 Millionen Euro in die Standortqualität investiert. Für die kommenden fünf Jahre sind mehr als 400 Millionen Euro vorgesehen – im Jahresdurchschnitt also gut 80 Millionen Euro gegenüber rund 45 Millionen Euro in der Vergangenheit. Zum Vergleich: Das EBITDA des vergangenen Jahres lag bei 57,4 Millionen Euro. Die geplanten Investitionen übersteigen damit rechnerisch das, was das operative Geschäft derzeit pro Jahr an liquiden Mitteln erwirtschaftet. Wie die Differenz finanziert werden soll, teilte die Gesellschaft in ihrer Bilanzmeldung nicht mit.
Ein Teil der Summe ist bereits zugeordnet. Mehr als 30 Millionen Euro fließen derzeit in die weitere Elektrifizierung der Vorfelder und den Ausbau der Ladeinfrastruktur auf dem luftseitigen Gelände; rund 10 Millionen Euro davon fördert die Europäische Union. Ein neues Parkhaus für Mitarbeitende erhält in der ersten Ausbaustufe rund 60 Ladesäulen, ein Holzheizwerk zur Wärmeversorgung stand im Mai kurz vor dem Abschluss. Klimafreundliche Infrastruktur ist an einem Flughafen kein Imageprojekt, sondern eine Kostenposition mit langer Amortisation. Sie erklärt, warum der Investitionsbedarf steigt, während die Marge sinkt.
Das sichtbarste Projekt ist der Umbau der Sicherheitskontrolle auf CT-Technik, bei der Flüssigkeiten und elektronische Geräte im Handgepäck bleiben können und mehrere Passagiere gleichzeitig auflegen. Elf neue Kontrollspuren entstehen; Anfang Mai war nach Angaben der Gesellschaft mehr als die Hälfte davon kurz vor der Inbetriebnahme, bis zum Sommer soll die Anlage vollständig umgestellt sein. Hinzu kommen ein neues Gastronomiekonzept, modernes Mobiliar in den Aufenthaltsbereichen, eine „Kids Lane“ an der Kontrollstelle und ein Fotospot im Dom-Design. Das sind Maßnahmen, die auf Verweildauer und Nebenerlöse zielen – jenen Teil des Geschäfts, der nicht von Flugbewegungen abhängt.
„Auf der Basis unserer wirtschaftlichen Entwicklung können wir unseren Flughafen aktiv gestalten und in Produkt und Prozesse investieren.“
Cenk Özöztürk, Geschäftsführer der Flughafen Köln/Bonn GmbH
Sechs öffentliche Eigentümer tragen das Risiko der Ausbaupläne
Der Flughafen ist vollständig in öffentlicher Hand: Die Stadt Köln hält 31,12 Prozent, das Land Nordrhein-Westfalen und der Bund je 30,94 Prozent, die Stadt Bonn 6,06 Prozent, der Rhein-Sieg-Kreis 0,59 und der Rheinisch-Bergische Kreis 0,35 Prozent. Wer über Investitionsprogramme entscheidet, entscheidet damit auch über kommunale Risiken – und über Gewinne, die theoretisch ausgeschüttet werden könnten. Die Flughafengesellschaft selbst beschäftigte zum 31. Dezember 2024 insgesamt 1.905 Mitarbeitende. Am gesamten Standort arbeiten nach Angaben des Unternehmens rund 15.000 Menschen in 130 Unternehmen und Behörden, die jährlich Einkommen von über 560 Millionen Euro sichern.
Diese 15.000 Arbeitsplätze sind das eigentliche Argument in jeder Debatte über den Airport. Sie entsprechen etwa acht Prozent dessen, was das gesamte Handwerk im Kammerbezirk Köln beschäftigt – konzentriert auf ein Gelände in Porz. Ein Standort dieser Größe ist deshalb nicht nur Verkehrsinfrastruktur, sondern ein Arbeitgeberkomplex, dessen Tarifentwicklung unmittelbar in die Bilanz durchschlägt. Genau das ist 2025 passiert: Die Übernahme der Kontrollen erhöhte Umsatz und Personalstamm gleichzeitig. Zusätzliche Beschäftigung ist am Flughafen also nicht automatisch zusätzlicher Ertrag.
Das Streckennetz wächst nach Südosteuropa
Im Sommerflugplan verbinden 26 Airlines Köln/Bonn mit 115 Zielen in 38 Ländern. Zwölf Destinationen sind neu, darunter mit Belgrad, Tiflis und Bukarest weitere Hauptstadtverbindungen. Das Muster ist eindeutig: Der Zuwachs kommt aus Südosteuropa und dem Kaukasus, also aus Märkten mit starkem Besuchsreiseverkehr, nicht aus dem Geschäftssegment. Für die Auslastung ist das gut, für die durchschnittlichen Erlöse je Passagier weniger. Ein Flughafen, der auf touristischem Punkt-zu-Punkt-Verkehr wächst, verdient je Fluggast in der Regel weniger als einer mit Umsteige- und Geschäftsverkehr.
„Gleichzeitig ist aber klar: Damit wir weiterhin erfolgreich wirtschaften und unserer Rolle als Mobilitätshub mit besten Verbindungen in die ganze Welt gerecht werden können, brauchen wir in Deutschland niedrigere Standortkosten und damit wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.“
Thilo Schmid, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Köln/Bonn GmbH
Die Forderung nach niedrigeren Standortkosten zielt auf Bundespolitik, nicht auf die Region. Sie ist an deutschen Flughäfen seit Jahren Standard und sagt nichts darüber, ob sie erfüllt wird. Bemerkenswert an der Kölner Bilanz ist etwas anderes: Der Flughafen hat 2025 seine vierte Gewinnzeile in Folge geschrieben, ohne dass sich an diesen Rahmenbedingungen etwas geändert hätte. Das Geschäftsmodell funktioniert also auch ohne politische Entlastung – nur mit sinkender Marge. Details der Bilanz stehen in der Pressemitteilung des Flughafens vom 8. Mai 2026, die Standortzahlen auf der Seite Wirtschaftsfaktor.
Zu klären bleibt die Finanzierungsfrage. Über fünf Jahre mehr als 400 Millionen Euro zu investieren, während das EBITDA sinkt und die Passagierzahlen kaum wachsen, geht nur über Fremdkapital, über Zuschüsse oder über einen Verzicht der Gesellschafter auf Ausschüttungen. Welcher Weg gewählt wird, hat die Gesellschaft bislang nicht öffentlich beschrieben. Der nächste Prüfstein ist die Verkehrsbilanz des laufenden Jahres: Bleibt der Flughafen über zehn Millionen Passagieren, trägt der Plan. Bleibt er darunter, wird aus einem Investitionsprogramm eine Finanzierungsfrage für sechs öffentliche Eigentümer.
- Viertes Gewinnjahr in Folge: Flughafen setzt Erfolgskurs fort (Köln Bonn Airport, 08.05.2026)
- Flughafen Köln/Bonn erzielt 2025 Gewinn von 13,5 Millionen Euro (airportzentrale.de, 08.05.2026)
- Daten & Fakten: Gesellschafter, Beschäftigte und Bahnsystem (Köln Bonn Airport)
- Wirtschaftsfaktor Köln Bonn Airport (Köln Bonn Airport)




