Gelb im Hitze-Check: Kölns Kronendach schrumpft um 19.548 Bäume
Die Deutsche Umwelthilfe bewertet Köln in allen drei Kategorien gelb, der Hitzeindex liegt 0,17 Punkte unter Rot. Der geplante Ausbau des Förderprogramms GRÜN hoch 3 ist derweil vertagt.
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Köln erhält im Hitze-Check 2026 der Deutschen Umwelthilfe eine gelbe Gesamtwertung – in allen drei Einzelkategorien. Der Beschirmungsgrad, also der Anteil der Bodenfläche, der von Vegetation über 2,5 Meter Höhe bedeckt ist, liegt bei 23,80 Prozent. Die versiegelte Fläche innerhalb der Verkehrs- und Siedlungsfläche nahm zwischen 2018 und 2025 um 0,42 Prozent zu. Der Hitzebetroffenheitsindex, kurz HBI, beträgt 15,99. Untersucht wurden alle 195 deutschen Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern; die Übersicht trägt den Stand Mai 2026, über die Kölner Werte berichtete t-online am 22. Juni 2026.
Die Schwellenwerte stehen in der Fußzeile der Tabelle. Beim Beschirmungsgrad gilt weniger als 20 Prozent als rot, 20 bis 29,99 Prozent als gelb und mindestens 30 Prozent als grün. Beim Versiegelungstrend ist ein Plus von 0,5 Prozent oder mehr rot, ein Plus von 0,01 bis 0,49 Prozent gelb und nur ein Wert von null oder darunter grün. Beim Hitzebetroffenheitsindex beginnt Rot oberhalb von 16,16, Grün unterhalb von 13,74. Eine rote Gesamtwertung vergibt die Umwelthilfe erst, wenn mindestens zwei der drei Indikatoren rot sind.
Damit fällt Köln in jeder Kategorie in das mittlere Feld, im Fall des Hitzebetroffenheitsindex allerdings knapp. Der Wert von 15,99 liegt 0,17 Punkte unter der Marke von 16,16, ab der die Umwelthilfe rot bewertet. Der HBI ist nach Angaben der Organisation der Mittelwert aller bewohnten Rasterzellen von 100 mal 100 Metern und setzt sich zu gleichen Teilen aus vier Faktoren zusammen: Versiegelung, Grünvolumen, durchschnittliche Oberflächentemperatur der Sommermonate und Bevölkerungsdichte. Bundesweit überschreiten 37 der 195 Städte diese Schwelle, 21 Städte liegen im grünen Bereich.
Die 19.548 verlorenen Bäume sind eine Hochrechnung, keine Zählung
Die Zahl, die von diesem Zahlenwerk hängen bleibt, ist eine andere: 19.548 Bäume soll Köln zwischen 2018 und 2025 verloren haben. Wie die Umwelthilfe zu ihr kommt, erklärt sie in einer Fußnote der Städteübersicht. Grundlage ist der fernerkundlich gemessene Rückgang des Beschirmungsgrades, der anhand einer durchschnittlichen Kronengröße von 70 Quadratmetern je Stadtbaum in eine absolute Baumzahl umgerechnet wird. Neupflanzungen werden dabei grundsätzlich nicht berücksichtigt – es sei denn, sie gleichen den Verlust der Krone am selben Standort aus. Die Zahl fließt ausdrücklich nicht in die Gesamtwertung ein.
Einordnen lässt sie sich trotzdem. Der Kölner Wert ist der fünfthöchste unter allen 195 untersuchten Städten. Vor Köln liegen Berlin mit 57.157 und Hamburg mit 43.157 rechnerisch verlorenen Bäumen, Duisburg mit 22.058 und Bremen mit 19.714. In Nordrhein-Westfalen weist damit nur Duisburg einen höheren absoluten Verlust aus als Köln. Zusammengenommen summieren sich die Werte aller 195 Städte auf 900.941 Bäume – die von der Umwelthilfe genannte Größenordnung von über 900.000 lässt sich aus der Tabelle nachrechnen.
- Beschirmungsgrad 2025: 23,80 Prozent – gelb, grün wäre ab 30 Prozent
- Versiegelungstrend 2018 bis 2025: plus 0,42 Prozent – gelb, rot ab plus 0,5 Prozent
- Hitzebetroffenheitsindex: 15,99 – gelb, rot oberhalb von 16,16
- Baumverlust 2018 bis 2025: 19.548 – rechnerisch, fließt nicht in die Wertung ein
- Gesamtwertung: gelb
Beim Versiegelungstrend vergibt die Umwelthilfe kein einziges Grün
Einen Befund liefert die Tabelle, der nicht Köln allein betrifft: Keine einzige der 195 Städte erreicht beim Versiegelungstrend eine grüne Bewertung, weil dafür die versiegelte Fläche gleich geblieben oder geschrumpft sein müsste. In 87 Städten stieg sie um mindestens 0,5 Prozent, was eine rote Bewertung auslöst. Kölns Plus von 0,42 Prozent liegt knapp darunter. Zum Vergleich: Düsseldorf kommt auf plus 0,09 Prozent, Bonn auf plus 0,26, Leverkusen auf plus 0,36 Prozent.
Im nordrhein-westfälischen Vergleich liegt Köln im unteren Mittelfeld. Essen kommt auf 28,94 Prozent Beschirmungsgrad, Bochum auf 29,71, Dortmund auf 27,70, Bergisch Gladbach auf 28,06 und Aachen auf 25,80 Prozent. Schlechter als Köln schneiden unter den größeren Städten des Landes Düsseldorf mit 22,79 Prozent und Duisburg mit 23,39 Prozent ab. Beim Hitzebetroffenheitsindex ist Düsseldorf mit 16,23 die einzige der 77 untersuchten NRW-Städte im roten Bereich; 16 Städte des Landes liegen im grünen, darunter Bergisch Gladbach mit 13,26 und Lüdenscheid mit 13,10. Beim Versiegelungstrend bekommen 36 der 77 NRW-Städte eine rote Bewertung, bei zehn Städten liegt der Beschirmungsgrad unter 20 Prozent – im Kölner Umland trifft das auf Dormagen, Kerpen, Pulheim, Grevenbroich und Bergheim zu.
Beim Beschirmungsgrad erreichen genau sieben Städte die von der Umwelthilfe als wissenschaftlich empfohlen bezeichnete Marke von 30 Prozent: Potsdam mit 33,80 Prozent, Oldenburg mit 32,33, Berlin mit 32,07, Kiel mit 31,90, Hamburg mit 30,99, Wuppertal mit 30,73 und Solingen mit 30,55 Prozent. Am unteren Ende stehen Offenburg mit 12,78 Prozent, Lahr mit 13,97 und Mannheim mit 14,14 Prozent. Köln liegt mit 23,80 Prozent dazwischen: 109 Städte haben weniger Kronendach, 85 haben mehr. Von den 77 untersuchten Städten in Nordrhein-Westfalen schneiden 29 schlechter ab als Köln.
Den Wärmeinseleffekt hat die Stadt 2013 selbst vermessen lassen
Neu ist der Befund für die Verwaltung nicht. Auf ihrer Seite zu den Klimawandelfolgen verweist die Stadt auf den Fachbericht 50 „Klimawandelgerechte Metropole Köln“, der 2013 gemeinsam mit dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, dem Deutschen Wetterdienst und den Stadtentwässerungsbetrieben vorgelegt wurde. Der Wärmeinseleffekt im dicht bebauten Innenstadtbereich wurde damals durch Messfahrten belegt: Bei Wetterlagen mit intensiver Sonneneinstrahlung und geringem Luftaustausch tritt zwischen der dicht bebauten Kernstadt und den Freiflächen im Umland ein Temperaturunterschied von 10 Grad Celsius auf.
Seit 2024 gibt es dafür eine eigene Organisationseinheit. Das KlimawandelAnpassungsManagement, abgekürzt KAM, übernimmt nach Darstellung der Stadt die gesamtstädtische Koordination der Klimaanpassung, die konzeptionelle Fortschreibung und die Begleitung laufender Projekte. Als aktuelle Schwerpunkte nennt die Verwaltung die Fortschreibung des Hitzeaktionsplans, die Planung und Umsetzung multifunktionaler Flächen, Stadtklimasimulationen und die Initiierung von Förderprojekten. Für die Kaltluftversorgung setzt die Stadt auf das Rheintal als Hauptventilationsachse sowie auf Verbindungen aus dem Bergischen Land und von der Ville.
Der geplante Ausbau von GRÜN hoch 3 ist vertagt
Das sichtbarste Instrument gegen versiegelte Flächen im Privatbesitz ist das Förderprogramm „GRÜN hoch 3 Dächer | Fassaden | Höfe“. Seit dem Start im Oktober 2018 wurden nach Angaben der Stadt rund 800 Begrünungsmaßnahmen gefördert und umgesetzt; pro Jahr und Objekt sind bis zu 20.000 Euro möglich. Gefördert werden Dach- und Fassadenbegrünungen sowie Bodenentsiegelung mit Wiederbegrünung. Am 3. Juni 2026 kündigte die Stadt an, die Förderrichtlinie zu überarbeiten und zu erweitern.
Vorgesehen ist, die maximalen Zuschüsse zu erhöhen und neue Fördertatbestände aufzunehmen. Künftig soll unter anderem die zusätzliche Pflanzung eines großkronigen Baumes oder die Begrünung bestehender Teichrandbepflanzungen bezuschusst werden können, wenn zugleich eine förderfähige Begrünungsmaßnahme umgesetzt wird. Stärker in den Blick rückt außerdem die Regenwasserspeicherung: Die Reaktivierung und Sanierung bestehender Zisternen soll ebenso förderfähig werden wie der fachmännische Umbau geeigneter Speichermedien, etwa ehemaliger Tanks.
„Begrünung ist ein wesentlicher und sehr effektiver Schutz vor Hitze. Regenwasserspeicherung ermöglicht es, überschüssiges Wasser sinnvoll für den Garten zu nutzen. Mit den neuen Fördermöglichkeiten möchten wir Gebäudeeigentümer*innen in Köln noch stärker dabei unterstützen, Klimaanpassungen im privaten Bereich umzusetzen.“
William Wolfgramm, Beigeordneter für Klima, Umwelt, Grün und Liegenschaften der Stadt Köln
Nur beschlossen ist davon bislang nichts. Die Beschlussvorlage 1382/2026 wurde am 18. Juni 2026 im Ausschuss Klima, Umwelt und Grün unter Tagesordnungspunkt 4.1.6 behandelt und dort vertagt. Die von der Verwaltung in ihrer Mitteilung für den 2. Juli 2026 angekündigte Beschlussfassung durch den Rat fand damit nicht statt. Nach dem Ratsinformationssystem steht die Vorlage nun für die Sitzung des Ausschusses am 24. September 2026 erneut auf der Beratungsfolge; die Entscheidung trifft danach der Rat, ein Termin dafür ist nicht hinterlegt.
„Mit der Weiterentwicklung von 'GRÜN hoch 3' machen wir es den Kölnerinnen und Kölnern noch leichter, aktiv mitzuwirken. Klimaanpassung gelingt am besten, wenn Stadt und Bürgerschaft Hand in Hand gehen. Indem wir die Zuschüsse erhöhen und neue Anreize schaffen, investieren wir gezielt in die Zukunft unserer Stadt.“
Torsten Burmester, Oberbürgermeister der Stadt Köln
Mit dem Thema befasst war der Rat am 2. Juli trotzdem. Die Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD, Die Linke, Volt und FDP/KSG hatten am Vortag gemeinsam einen Antrag auf eine aktuelle Stunde unter dem Titel „Extreme Hitze in Köln – Hitzeschutzmaßnahmen, Klimaschutz und Klimafolgenanpassung konsequent fortsetzen und weiter vorantreiben“ eingebracht. Der Antrag wurde nach dem Beschlussstand zur weiteren Bearbeitung in die Verwaltung überwiesen. Eine Anfrage der Gruppe Die PARTEI nach den Kosten der kommunalen Gefahrenabwehr infolge der Hitzewelle im Juni 2026 wurde vertagt.
Was der Hitze-Check misst und was nicht
Bei aller Genauigkeit der Tabelle bleibt offen, was sie über die Lage vor Ort aussagt. Der Beschirmungsgrad ist ein Flächenmittel über das gesamte Stadtgebiet; er unterscheidet nicht zwischen dem Grüngürtel und einem Hinterhof in Kalk. Der Baumverlust ist eine Fernerkundungsrechnung, kein Abgleich mit dem Baumkataster der Stadt. Und der Versiegelungstrend erfasst Veränderungen innerhalb der Verkehrs- und Siedlungsfläche, nicht deren Ausdehnung ins Umland. Umgekehrt gilt: Die Werte sind für alle 195 Städte nach demselben Verfahren erhoben und deshalb untereinander vergleichbar.
Aus ihren Daten leitet die Umwelthilfe politische Forderungen ab. Sie verlangt unter anderem verbindliche Versiegelungsgrenzen im Raumordnungsrecht, verpflichtende kommunale Instrumente wie Grünflächenfaktoren, eine Reform des Baurechts zugunsten blau-grüner Infrastruktur, flächendeckende Baumschutzsatzungen, eine auskömmliche Finanzierung der Grünflächenämter und die Anerkennung von Stadtgrün als Gesundheitsinfrastruktur. Auf ihrer Projektseite zum Hitze-Check hält die Organisation fest, dass alle untersuchten Städte große Bäume und Grünflächen verlieren, während die Versiegelung weiter zunimmt.
Warum das medizinisch relevant ist, beschreibt die Stadt Köln auf ihrer Seite zum Stadtklima selbst: Oberflächenversiegelung, Bebauung und die Wärmeerzeugung durch den Menschen führen zu Temperaturerhöhungen, während Parkanlagen und Grünflächen kühlend wirken. Auf heiße Sommertage reagierten insbesondere Menschen mit Herz- und Kreislauferkrankungen sehr empfindlich. Die Freiflächen im Umland sollten deshalb für die Kaltluftversorgung erhalten bleiben.
Für Köln steht als nächster Termin im Verfahren der 24. September 2026. Dann soll der Ausschuss Klima, Umwelt und Grün erneut über die überarbeitete Förderrichtlinie beraten. Ob die höheren Zuschüsse und die neuen Fördertatbestände noch in diesem Jahr in Kraft treten, hängt davon ab, wann der Rat danach entscheidet. Ob und wann die Deutsche Umwelthilfe ihren Hitze-Check fortschreibt, hat die Organisation nicht mitgeteilt.
- Deutsche Umwelthilfe: Hitze-Check 2026 – Übersicht der untersuchten Städte in Deutschland (PDF, Stand Mai 2026)
- Deutsche Umwelthilfe: Hitze-Check – Methodik, Ergebnisse und Forderungen
- Stadt Köln: „GRÜN hoch 3“ soll angepasst und erweitert werden (3. Juni 2026)
- Stadt Köln, Ratsinformationssystem: Beschlussvorlage 1382/2026 – Überarbeitung und Erweiterung der Förderrichtlinie „GRÜN hoch 3“ mit Beratungsfolge
- Stadt Köln: Klimawandelfolgen – Fachbericht 50 und KlimawandelAnpassungsManagement




