46.064 in Müngersdorf: Köln bleibt die Bühne des Frauenfußballs
Zum 17. Mal war das Pokalfinale der Frauen in Köln zu Gast, der FC Bayern gewann 4:0. Der Standort ist bis 2030 gesichert, und die FC-Frauen haben ihre punktbeste Bundesligasaison gespielt.
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Ein Donnerstagnachmittag im Mai, Anpfiff um 16 Uhr, und die Ränge in Müngersdorf waren voll. 46.064 Zuschauer sahen das DFB-Pokalfinale der Frauen, das zum 17. Mal in Köln ausgetragen wurde. Sportlich war der Nachmittag früh entschieden. Der FC Bayern München gewann 4:0 gegen den VfL Wolfsburg, und wer den Tag im Gedächtnis behalten hat, behält vor allem die Kulisse.
Der 14. Mai 2026 war Christi Himmelfahrt, daher der Anpfiff am frühen Nachmittag eines Werktags. Georgia Stanway traf in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit per Foulelfmeter, Pernille Harder erhöhte in der 59. Minute, Momoko Tanikawa in der 77. und Arianna Caruso in der 84. Geleitet wurde die Partie von Franziska Wildfeuer aus Viechtach. Der 1. FC Köln hatte das Endspiel im Vorfeld als Duell des Double-Siegers mit dem Rekordpokalsieger angekündigt, und einseitig war es dann auch.
46.064 Zuschauer bedeuten bei einem Stadion mit rund 50.000 Plätzen eine Auslastung von gut 92 Prozent. Für ein Spiel ohne Beteiligung einer Kölner Mannschaft ist das eine Hausnummer. Die Preise waren dabei nie das Hindernis: Sitzplätze kosteten ab 15 Euro, ermäßigt ab 12 Euro, Kinder bis 14 Jahre zahlten in allen Kategorien 10 Euro. Vor dem Finale meldete der Klub über 40.000 verkaufte Tickets.
Köln ist seit 2010 der feste Ort für dieses Endspiel
Das Finale der Frauen wird seit 2010 getrennt vom Wettbewerb der Männer gespielt, und seither immer im selben Stadion. Im Dezember 2009 war Köln als Austragungsort für 2010 präsentiert worden, geblieben ist es bis heute. Am 23. April 2025 teilten der DFB, die Stadt Köln und die Kölner Sportstätten GmbH mit, dass das Endspiel samt Fan- und Familienfest auf den Vorwiesen fünf weitere Jahre bis 2030 in Köln bleibt. Damit ist der Standort länger gesichert als die meisten Trainerverträge in dieser Stadt.
Der Standortvorteil ist kein Zufall, sondern Infrastruktur. Das Stadion ist mit der Stadtbahn erreichbar, es fasst rund 50.000 Zuschauer, und die Vorwiesen bieten Platz für das Rahmenprogramm, das der Verband an Finaltagen aufbaut. Dazu kommt ein Verein, der eigene Spiele der Frauenmannschaft dorthin verlegt, statt sie auf dem eigenen Gelände zu belassen. Diese Kombination ist selten.
Dass ein Endspiel 17 Jahre lang am selben Ort bleibt, ist im deutschen Fußball ungewöhnlich. Das Endspiel der Männer wandert seit Jahrzehnten nicht, es steht in Berlin, aber alle anderen großen Termine des Verbandes werden verteilt. Für Köln bedeutet die Festlegung Planungssicherheit über fünf weitere Jahre. Für die anderen Bewerber bedeutet sie, dass sie sich das Rechnen sparen können.
Bezahlt wird das nicht allein aus Eintrittsgeldern. Die Kölner Sportstätten GmbH ist eine städtische Gesellschaft, und die Stadt tritt bei der Vergabe des Finales als Partner auf. Was die Verlängerung bis 2030 die Stadt kostet, geht aus der Mitteilung vom April 2025 nicht hervor. Zahlen dazu wurden nicht veröffentlicht.
Zum Finaltag gehört seit Jahren ein Fan- und Familienfest auf den Vorwiesen westlich des Stadions. Es beginnt Stunden vor dem Anpfiff, und es erklärt einen Teil der Zuschauerzahl: Wer mit zwei Kindern anreist, kommt nicht wegen 90 Minuten. Der Verband hat dieses Format ausdrücklich in die Verlängerung bis 2030 aufgenommen. Das ist kein Beiwerk, sondern Kalkül.
Viermal in Folge kamen mehr als 30.000 zu den FC-Frauen
Der zweite große Termin dieses Frühjahrs gehörte den Kölnerinnen selbst. Am Samstag, 2. Mai, um 13 Uhr trugen die FC-Frauen ihr Highlightspiel gegen den SV Werder Bremen im RheinEnergieSTADION aus, zum vierten Mal überhaupt. Die Tickets kosteten zwischen 5 und 25 Euro in sechs Kategorien, ein Stehplatz war für 7 Euro zu haben, ermäßigt für 5 Euro. Viermal in Folge kamen zu diesen Spielen mehr als 30.000 Zuschauer.
Die dokumentierten Zahlen der Vorjahre lesen sich so: 38.365 gegen Eintracht Frankfurt im Jahr 2023, damals Bundesligarekord, 30.123 gegen Werder Bremen 2024 und 35.711 beim Spiel gegen den FC Bayern München. Solche Werte kommen im normalen Ligabetrieb der Frauen-Bundesliga nicht vor. Sie kommen allerdings auch nur an einem Tag im Jahr vor. Den Rest der Saison spielen die FC-Frauen im Franz-Kremer-Stadion am Geißbockheim, das 5.457 Zuschauer fasst.
„Wir freuen uns sehr darauf, dass unsere Kölsche Mädche zum vierten Mal im RheinEnergieSTADION antreten.“
Philipp Liesenfeld, Geschäftsführer des 1. FC Köln, vor dem Highlightspiel am 2. Mai 2026
Der Ausdruck „Kölsche Mädche“ ist inzwischen Vereinssprache und wird ohne Anführungszeichen benutzt. Man kann das albern finden oder praktisch, es hat jedenfalls dafür gesorgt, dass die Mannschaft in der Stadt einen Namen hat. Auch der DFB griff die Ankündigung des Spiels auf. Nicole Bender-Rummler, beim FC Bereichsleiterin Frauenfußball und weibliche Akademie, warb mit einem Versprechen, das man erst einmal einlösen muss.
„Gänsehaut ist von der ersten bis zur letzten Minute garantiert.“
Nicole Bender-Rummler, Bereichsleiterin Frauenfußball und FC-Akademie weiblich
Der Satz gehört zur Gattung der Ankündigungen, die kein Verein einhalten kann. Was sich dagegen einhalten lässt, ist ein Preisgefüge, das Familien nicht abschreckt. 5 Euro für einen ermäßigten Stehplatz sind in einem Bundesligastadion die Ausnahme, und sie sind der Grund, warum an solchen Tagen Leute kommen, die sonst nicht kommen. Ob sie zwei Wochen später auch ins Franz-Kremer-Stadion gehen, ist die eigentliche Frage.
Sportlich war es die punktbeste Saison dieser Mannschaft
Hinter der Kulissendebatte steht eine Mannschaft, die sich sortiert hat. Die FC-Frauen beendeten die Bundesliga-Saison 2025/26 auf Platz sieben mit 37 Punkten, dem bislang höchsten Wert der Vereinsgeschichte. Trainerin ist seit Januar 2025 Britta Carlson. Das letzte Saisonspiel bestritt die Mannschaft am 17. Mai beim FC Carl Zeiss Jena, drei Tage nach dem Pokalfinale im eigenen Stadion und vor erheblich weniger Publikum.
Platz sieben klingt unspektakulär. Die 37 Punkte sind trotzdem der beste Wert, den eine Kölner Frauenmannschaft in der Bundesliga erreicht hat, und sie sind in einer Liga entstanden, in der oben wenig Bewegung ist. Der Klub unterhält für diesen Bereich eine eigene Bereichsleitung und eine weibliche Akademie. Die Richtung stimmt also. Das Tempo ist eine andere Frage.
Die Differenz zwischen 46.064 an einem Finaltag und den üblichen Zuschauerzahlen einer Bundesligapartie der Frauen ist der Kern der ganzen Angelegenheit. Ein einzelnes Spiel im großen Stadion füllt die Kasse und die Zeitungen. Es baut keine Dauerkartenbasis auf. Wer den Frauenfußball in Köln dauerhaft größer machen will, muss die 5.457 Plätze am Geißbockheim regelmäßig gefüllt bekommen, und das ist die mühsamere Aufgabe.
Britta Carlson hat die Mannschaft im Januar 2025 übernommen und damit die vergangene Saison als erste vollständige verantwortet. 37 Punkte in einer Liga, in der die Spitze seit Jahren dieselbe ist, sind dafür ein ordentlicher Ertrag. Über Vertragslaufzeiten und Kaderplanung hat der Klub bislang nichts veröffentlicht. Das ist im Frauenfußball weniger ein Versäumnis als der übliche Zustand.
Auch die Nationalmannschaft kam im Juni nach Köln
Am 5. Juni 2026 trug die deutsche Frauen-Nationalmannschaft in Köln ein Spiel der WM-Qualifikation gegen Norwegen aus. Damit standen in dieser Spielzeit drei große Termine des Frauenfußballs im selben Stadion: das Highlightspiel des Vereins, das Pokalfinale und ein Länderspiel. Drei Anlässe dieser Größenordnung in einer Saison sind für einen Standort eine Menge.
- 2. Mai 2026, 13 Uhr: Highlightspiel 1. FC Köln gegen SV Werder Bremen, Tickets von 5 bis 25 Euro in sechs Kategorien
- 14. Mai 2026, 16 Uhr: DFB-Pokalfinale VfL Wolfsburg gegen FC Bayern München 0:4, 46.064 Zuschauer
- 5. Juni 2026: WM-Qualifikationsspiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft gegen Norwegen
- 17. Mai 2026: Saisonabschluss der FC-Frauen beim FC Carl Zeiss Jena, Endstand Platz sieben mit 37 Punkten
- Bis 2030: Das Pokalfinale der Frauen bleibt nach Angaben von DFB und Stadt in Köln
Für die Stadt ist das ein Geschäft, das sich nicht nur in Eintrittskarten rechnet. Ein Finaltag mit mehr als 46.000 Besuchern füllt Hotels, Bahnen und Gastronomie, und er tut es an einem Feiertag, an dem sonst wenig los ist. Belastbare Zahlen dazu liegen nicht vor. Wer am Finalabend am Hauptbahnhof stand, braucht sie auch nicht.
Es lohnt sich, die Größenordnung einmal auszurechnen. 46.064 Zuschauer sind mehr, als das Südstadion und der Sportpark Höhenberg zusammen fassen, und es sind gut achtmal so viele, wie in das Franz-Kremer-Stadion passen. Ein einziger Nachmittag im Jahr bringt dem Frauenfußball in dieser Stadt also mehr Publikum als eine halbe Ligasaison. Das ist beeindruckend und zugleich das Problem.
Dass in Müngersdorf wieder dieselben zwei Vereine spielten, ist dabei kein Kölner Problem, sondern eines der Liga. Der VfL Wolfsburg ist Rekordpokalsieger, der FC Bayern wurde vom Ausrichter als Double-Sieger angekündigt. Solange sich an dieser Ordnung nichts ändert, lebt der Finaltag von der Veranstaltung und nicht von der Spannung. Ein 4:0 ist dafür ein brauchbarer Beleg.
Die Frage ist, was nach dem Finaltag bleibt
Die nächste Ausgabe des Endspiels wird im Frühjahr 2027 wieder in Müngersdorf gespielt werden. Ob dann erneut mehr als 46.000 kommen, hängt weniger vom Standort ab als von den beteiligten Mannschaften, und die kamen zuletzt meistens aus München und Wolfsburg. Der Kölner Anteil an diesen Tagen bleibt die Organisation, das Publikum und ein Stadion, das groß genug ist. Das ist nicht wenig und es ist auch nicht alles.
Ob es in der kommenden Spielzeit ein fünftes Highlightspiel im großen Stadion geben wird, hat der Verein bislang nicht mitgeteilt. Sportlich wird sich zeigen, ob aus Platz sieben mehr wird. Britta Carlson arbeitet dann im zweiten vollen Jahr, die Mannschaft hat gerade ihre punktbeste Saison gespielt, und die Liga wird nicht schwächer werden.
17 Endspiele, ein Länderspiel, vier eigene Großveranstaltungen: Diese Rolle hat sich die Stadt über anderthalb Jahrzehnte erarbeitet. Gewonnen hat den Pokal trotzdem jemand anderes.




