Donnerstag, 6. August 2026 Ausgabe Nr. 240
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Aufstieg

Fortuna Köln steigt auf: Zwei Kölner Klubs in der 3. Liga

Mit einem 2:1 gegen die Sportfreunde Siegen holte die Fortuna am 9. Mai den Titel in der Regionalliga West. Nach sieben Jahren spielt die Südstadt wieder Profifußball – und trifft auf Höhenberg.

Thomas Breuer, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Thomas Breuer
Sport

Lesezeit 7 Min.
Luftaufnahme eines älteren Stadions mit offenen Stufenrängen und überdachter Tribüne, umgeben von Kleingärten und Wohnblocks
Mit dem 2:1 gegen die Sportfreunde Siegen machte Fortuna Köln am 9. Mai die Meisterschaft in der Regionalliga West perfekt – nach sieben Jahren kehrt die Südstadt in den Profifußball zurück. · Symbolbild (KI-generiert)

Das Südstadion ist ein Stadion mit Laufbahn, und das merkt man auf jedem Platz. Zwischen Tribüne und Seitenlinie liegen ein paar Meter zu viel, hinter der Gegengeraden steigt ein begrünter Wall an, und trotzdem hat die Kurve dort ihre guten Tage. Der 9. Mai war so einer. Der S.C. Fortuna Köln schlug die Sportfreunde Siegen mit 2:1, wurde Meister der Regionalliga West und kehrt nach sieben Jahren in den Profifußball zurück.

Das Spiel selbst war kein Fest. Ein 2:1 gegen die Sportfreunde Siegen ist ein Ergebnis, wie es an Titeltagen häufig zustande kommt: knapp, zäh, am Ende egal. Entscheidend war, dass es reichte. Alles Weitere klärte sich unmittelbar danach bei der Meisterehrung.

Für die Südstadt ist das mehr als ein Tabellenplatz. Die Fortuna hat von 1974 bis 2000 durchgehend in der 2. Bundesliga gespielt, 26 Jahre am Stück, und danach fast alles, was darunter kommt. 2019 stieg sie aus der 3. Liga in die Regionalliga West ab. Sieben Spielzeiten hat der Weg zurück gedauert.

Sieben Jahre vierte Liga sind eine lange Zeit für einen Klub mit dieser Vergangenheit

Die Regionalliga West ist die vierthöchste Spielklasse und umfasst die Verbandsgebiete Westfalen, Mittelrhein und Niederrhein. Der Meister steigt direkt auf, für alle anderen beginnt im August dasselbe von vorn. Die Fortuna hat sechs Anläufe gebraucht, bis der siebte saß. In dieser Liga ist das keine Auffälligkeit, sondern der Normalfall.

Die Meisterschaft bedeutete nach Verbandsangaben den Aufstieg in die 3. Liga. Die Ehrung fand im Anschluss an das Spiel im Südstadion statt. Der Westdeutsche Fußballverband berichtete darüber und gratulierte der Mannschaft zur Meisterschaft und zum Aufstieg. Wörtliche Statements enthält die Verbandsmeldung nicht.

An der Ehrung nahmen Schatzmeister Sascha Hendrich-Bächer für den Westdeutschen Fußballverband teil, dazu Oberbürgermeister Torsten Burmester, Gerald von Gorrissen für WestLotto und Wolfgang Jades, der Vorsitzende des Fußball-Ausschusses. Dass ein Oberbürgermeister zu einer Meisterehrung in der vierten Liga erscheint, ist nicht selbstverständlich. Für die Stadt ist die Fortuna ein Verein mit Geschichte und ein Standortfaktor im Kleinen. Zwei Profiklubs unterhalb des 1. FC Köln bedeuten mehr Spieltage, mehr Betrieb an Wochenenden und mehr Arbeit für Ordnungsdienste und Verkehrsbetriebe.

Beim großen Nachbarn fiel die Reaktion herzlicher aus, als es das Verhältnis zweier Vereine in einer Stadt nahelegt. Der 1. FC Köln gratulierte noch am Spieltag. Vizepräsident Ulf Sobek sprach von einem verdienten Aufstieg und stellte ihn ausdrücklich in den Zusammenhang der Fußballstadt Köln.

„Herzlichen Glückwunsch in die Südstadt. Wir freuen uns sehr für die Fortuna und für unsere gesamte Fußballstadt über diesen verdienten Aufstieg als Meister.“

Ulf Sobek, Vizepräsident des 1. FC Köln, in der Mitteilung vom 9. Mai 2026
Rot-weiße Fahnen und Stoffbanner am Zaun einer Stehplatzkurve
Rot-Weiß sind die Vereinsfarben der Fortuna seit der Gründung im Februar 1948. · Symbolbild (KI-generiert)

Köln stellt künftig zwei Drittligisten

Sportlich interessanter als der Aufstieg selbst ist seine Nebenwirkung. In der 3. Liga spielt seit 2019 der FC Viktoria Köln, der seine Heimspiele im Sportpark Höhenberg austrägt, 8.343 Plätze, rechtsrheinisch. Die Viktoria beendete die vergangene Saison auf Platz zehn mit 51 Punkten. Damit stellt die Stadt künftig zwei Drittligisten.

Die beiden Klubs haben sich zuletzt konsequent verfehlt. Die Viktoria stieg am 18. Mai 2019 erstmals in die 3. Liga auf, im selben Jahr stieg die Fortuna aus ihr ab. Seither haben sie nicht mehr in derselben Liga gespielt. Nun tun sie es wieder.

Die Konstellation zweier Kölner Klubs in einer bezahlten Liga ist nicht neu, aber lange her. 1973/74 spielten der 1. FC Köln und die Fortuna gemeinsam in der Bundesliga. 1983 standen sich beide im DFB-Pokalfinale gegenüber, der FC gewann mit 1:0. Wer dieses Endspiel live gesehen hat, hat inzwischen Enkel.

Bemerkenswert an diesem Finale ist aus heutiger Sicht weniger das Ergebnis als die Konstellation. Die Fortuna spielte damals in der 2. Bundesliga und stand trotzdem im Endspiel um den DFB-Pokal, gegen den Nachbarn aus derselben Stadt. Solche Wege gibt es weiterhin, sie sind nur seltener geworden. Für einen Klub, der gerade erst wieder in die dritte Liga zurückgekehrt ist, liegt dieser Nachmittag weit genug zurück, um Vereinsgeschichte zu sein.

Die Fortuna ist am 21. Februar 1948 gegründet worden, spielt in Rot-Weiß und trägt ihre Heimspiele im Südstadion aus, das 11.748 Zuschauer fasst. Präsident ist Hanns-Jörg Westendorf, Trainer der Mannschaft ist Matthias Mink. Nach den Jahren um 2003 bis 2005, in denen der Klub wirtschaftlich schwer angeschlagen war, ist der jetzige Zustand bemerkenswert unaufgeregt.

Leere Haupttribüne eines kleinen Fußballstadions am Vormittag
Der Sportpark Höhenberg, Heimstätte des FC Viktoria Köln, fasst 8.343 Zuschauer. · Symbolbild (KI-generiert)

Die 3. Liga ist eine andere Betriebsgröße als die Regionalliga

Der Unterschied zwischen vierter und dritter Liga ist kein sportlicher allein. Die 3. Liga wird vom Deutschen Fußball-Bund organisiert, ihre Spiele werden übertragen, die Zulassung verlangt Etat, Infrastruktur und Personal. Für einen Klub, der sieben Jahre lang in der Regionalliga gewirtschaftet hat, ist das ein Sprung. Was der Aufstieg im Einzelnen für das Südstadion bedeutet, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Rein rechnerisch ist das neue Kölner Drittliga-Duell ein kleines. 11.748 Plätze im Südstadion, 8.343 im Sportpark Höhenberg, zusammen also gut 20.000. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was der 1. FC Köln an einem gewöhnlichen Samstag füllt. Größe ist in der 3. Liga allerdings nicht die entscheidende Kategorie. Punkte sind es.

  • S.C. Fortuna Köln: gegründet am 21. Februar 1948, Vereinsfarben Rot-Weiß, Südstadion mit 11.748 Plätzen
  • Präsident Hanns-Jörg Westendorf, Trainer Matthias Mink
  • FC Viktoria Köln: in heutiger Form 2010 entstanden, Wurzeln bis 1904, Sportpark Höhenberg mit 8.343 Plätzen
  • Präsident Holger Kirsch, Trainer Marian Wilhelm, Vereinsfarben Schwarz-Weiß-Rot
  • Viktoria seit 2019 in der 3. Liga, Saison 2025/26 auf Platz zehn mit 51 Punkten

In der Südstadt ist der Aufstieg an Laternenmasten und Kioskscheiben zu sehen, in Zollstock ebenso. Das ist die übliche Form Kölner Vereinsfolklore: ein Aufkleber, ein Banner am Zaun, ein Transparent an einem Balkon. Die Fortuna hat nie die Größe des FC gehabt und auch nie den Anspruch. Sie hat dafür etwas, das dem Nachbarn in manchen Jahren fehlte, nämlich überschaubare Erwartungen.

Straßenzug in der Kölner Südstadt mit Kiosk und beklebten Laternenmasten
In der Südstadt ist die Fortuna seit 1948 zu Hause. · Symbolbild (KI-generiert)

Zwei Drittligisten teilen sich künftig denselben Zuschauermarkt

Die Viktoria ist in ihrer heutigen Form am 22. Juni 2010 entstanden, mit Wurzeln, die bis 1904 zurückreichen. Präsident ist Holger Kirsch, Trainer Marian Wilhelm, die Vereinsfarben sind Schwarz-Weiß-Rot. Sieben Jahre in der 3. Liga haben dem Klub sportliche Stabilität gebracht. Was ein Gegner aus derselben Stadt für die Zuschauerzahlen bedeutet, wird die kommende Saison zeigen.

Beide Klubs bewegen sich in einem Markt, den ein Verein mit rund 170.000 Mitgliedern dominiert. Wer in Köln sonntags ins Stadion geht, entscheidet sich in der Regel für Müngersdorf. Der Rest verteilt sich auf Zollstock, Höhenberg und die Plätze der Amateurligen. Ein Stadtduell in der 3. Liga ist deshalb vor allem eine Chance, Leute zu erreichen, die noch keine Karte haben.

Für den Kölner Fußball unterhalb der Bundesliga ist der Aufstieg eine Verschiebung. Der Mittelrhein stellt nun zwei Vertreter in der 3. Liga, beide aus derselben Stadt. Für die Vereine der Regionalliga West bedeutet das im Gegenzug, dass ein zuschauerstarker Gegner aus ihrem Spielplan verschwindet. Der Aufstieg des einen ist immer auch der Verlust eines Gegners für die anderen.

Platz zehn mit 51 Punkten ist für die Viktoria eine ordentliche Saison, aber keine, über die lange geredet wird. Genau darin liegt der Unterschied zur Fortuna: Die eine Mannschaft hat sich in der Liga eingerichtet, die andere kommt gerade erst an. Wie sich das auf dem Platz auswirkt, entscheidet sich in zwei Spielen im Jahr und in allen anderen.

Die genauen Termine der beiden Begegnungen werden erst mit dem Spielplan feststehen. Fest steht bislang nur, dass es sie geben wird, eines im Süden der Stadt und eines im Osten. Wer beide Anlagen kennt, weiß, dass sie unterschiedlicher kaum sein könnten: hier eine weitläufige Arena mit Laufbahn und begrüntem Wall, dort ein kompaktes Fußballstadion in einem Wohnquartier.

Auch für das Publikum ändert sich etwas. Wer bisher am Wochenende zwischen Müngersdorf und Zollstock wählen musste, hat künftig drei Adressen in drei Ligen, und zwei davon liegen im bezahlten Fußball. Für eine Stadt dieser Größe ist das wenig spektakulär. Für Köln ist es ungewohnt.

Für die Fortuna beginnt jetzt der schwierigere Teil

Ich habe die Fortuna in diesen sieben Jahren ein paarmal gesehen, meist bei Wind und meist mit viel Platz auf der Gegengeraden. Wer aus Müngersdorf kommt, empfindet das zunächst als Verlust und dann als Erholung. Fußball ohne Erwartungsdruck hat seine Vorzüge. Ab der kommenden Saison dürfte damit Schluss sein.

Aufstiege sind der einfache Teil. Die Fortuna hat in ihrer Geschichte mehrfach erlebt, wie schnell aus einer guten Saison eine dünne wird, zuletzt im Jahrzehnt nach 2000. Für die kommende Spielzeit wird der Klub einen Kader stellen müssen, der drittligatauglich ist, und einen Etat, der ihn trägt. Zahlen dazu hat der Verein bislang nicht veröffentlicht.

Große Ansagen für die kommende Saison braucht es dabei nicht. Wer nach sieben Jahren zurückkommt, kann sie sich sparen, weil die Liga sie ohnehin beantwortet. Für die meisten Aufsteiger geht es in der 3. Liga zunächst um eines, und das ist der Verbleib.

Was der Klub hat, ist ein Stadion, das für diese Liga groß genug ist, eine Stadt, die Fußball mag, und einen Nachbarn, der sich öffentlich freut. Das ist keine schlechte Ausgangslage. Es ist auch keine, aus der sich Punkte ableiten lassen.

Der Aufstieg ist gefeiert, die Ehrung gelaufen, die Fahnen sind wieder eingerollt. Was bleibt, ist die Aufgabe, in einer Liga zu bestehen, aus der die Fortuna vor sieben Jahren abgestiegen ist. Für die Südstadt ist das trotzdem der beste Sommer seit Langem. Man wird sehen, wie lange er hält.

Quellen und Weiterlesen
Thomas Breuer, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Thomas Breuer
Redakteur · Sport
Seit dem ersten Stadionbesuch 1988 in Müngersdorf zu Hause. Berichtet über den 1. FC Köln, die Haie und den Breitensport in der Stadt — nüchtern, außer nach Derbysiegen.
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