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Standort

94 Prozent denken an Medien: 25 Konzerne wollen Kölns Bild ändern

Koelnmesse, RheinEnergie, NetCologne und igus haben mit 21 weiteren Unternehmen die Allianz Exzellent Köln gegründet. Anlass ist eine Umfrage, die dem Standort ein Wahrnehmungsproblem bescheinigt.

Katharina Esser, Chefredakteurin — KI-generiertes Porträt
Katharina Esser
Business & Unternehmen

Lesezeit 5 Min.
Glasfassade eines Bürogebäudes mit Himmelsspiegelung
Bürogebäude in Braunsfeld: Die Allianz wurde Mitte Juni im InnoDom Cologne gegründet. · Symbolbild (KI-generiert)

94 Prozent der Befragten verbinden Köln mit Medien und Entertainment: Mit dieser Zahl aus einer Untersuchung der Marktforschung rheingold begründen 25 Unternehmen, warum sie Mitte Juni im InnoDom Cologne die Wirtschaftsallianz Exzellent Köln gegründet haben. Die breite Unternehmensvielfalt, die Hidden Champions und Technologieführer der Region blieben dagegen weitgehend unsichtbar, heißt es in der Mitteilung der RheinEnergie. Eine kommunale Wirtschaftsförderung hat die Stadt seit Jahren; was hier entsteht, ist etwas anderes: ein Zusammenschluss großer Arbeitgeber, die die Vermarktung ihres Standorts selbst in die Hand nehmen.

Initiiert haben die Allianz vier Unternehmen: Koelnmesse, RheinEnergie, NetCologne und igus. Dem Vorstand gehören Gerald Böse, Präsident und CEO der Koelnmesse, Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender der RheinEnergie, Timo von Lepel, Geschäftsführer von NetCologne, Frank Blase, Chairman of the Board von igus, sowie Dr. Daniela Büchel, Vorstand Personal und Nachhaltigkeit der REWE Group, an. Zur Mitgliederliste zählen neben privaten Konzernen auch die städtische Wirtschaftsförderung KölnBusiness, die Stadtentwässerungsbetriebe Köln, die Sparkasse KölnBonn, die Kreissparkasse Köln und der Köln Bonn Airport. Die Trennlinie zwischen Wirtschaft und öffentlicher Hand verläuft in dieser Allianz also nicht besonders scharf.

Die Mitgliederliste ist der eigentliche Inhalt der Gründung

Wer dabei ist, sagt mehr über den Anspruch als jede Absichtserklärung. Neben den vier Initiatoren gehören der Allianz nach übereinstimmenden Angaben der RheinEnergie und von DIE WIRTSCHAFT KÖLN 21 weitere Gründungsmitglieder an.

  • BarmeniaGothaer, Felix Böttcher, Köln Bonn Airport, Griesemann Gruppe, Hottgenroth Software
  • HONESTIS, HRS Group, INDUS Holding, Kienbaum, KölnBusiness Wirtschaftsförderung
  • Kreissparkasse Köln, Labor Dr. Wisplinghoff, pfm medical, PROXIMUS Real Estate, REWE Group
  • RSM Ebner Stolz, smartvélo mobility, Sparkasse KölnBonn, Stadtentwässerungsbetriebe Köln, Ströer, TÜV Rheinland

Auffällig ist die Bandbreite der Namen: Sie reicht von einem Flughafen über eine Holding und ein medizinisches Labor bis zu einem Softwarehaus und zwei Sparkassen. Genau diese Streuung ist die Botschaft. Wer belegen will, dass eine Stadt mehr ist als ihre bekannteste Branche, braucht dafür keine Kampagne, sondern eine Liste – und die Liste ist hier das eigentliche Argument.

Luftaufnahme des Rheins mit einer Brücke, links die Kranhäuser, in der Ferne Dom und Fernsehturm im Dunst
Blick über den Rhein: 25 Unternehmen von Koelnmesse bis igus wollen mit der Allianz Exzellent Köln das Bild des Wirtschaftsstandorts geraderücken. · Symbolbild (KI-generiert)

Drei Handlungsfelder, aber keine Angabe zum Budget

Inhaltlich hat sich die Allianz drei Handlungsfelder gegeben: Exzellenz zeigen, Exzellenz fördern und Exzellenz entfalten. Geplant sind eine Kampagne zur Sichtbarkeit des Standorts, ein Wirtschaftssymposium sowie neue Netzwerk- und Dialogformate. Angaben zu Budget, Rechtsform, Geschäftsstelle und Zeitplan enthalten die veröffentlichten Mitteilungen nicht. Was eine solche Initiative kostet und wer den Anteil trägt, ist damit die erste offene Frage.

„Köln verfügt über hervorragende Voraussetzungen, um sich national und international noch stärker als innovative Exzellenzmetropole zu entwickeln.“

Gerald Böse, Präsident und CEO der Koelnmesse GmbH

Sätze wie dieser sind das Genre und tragen wenig aus. Aufschlussreicher ist, wie Andreas Feicht die Rolle beschreibt, die sich der Zusammenschluss gegenüber Rathaus und Landespolitik selbst zuschreibt.

„Ein starker Wirtschaftsstandort ist die Grundlage für Wohlstand, Beschäftigung und Investitionen in die Zukunft. Exzellent Köln versteht sich dabei als konstruktiver Sparringspartner für Stadt und Politik.“

Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender der RheinEnergie AG

Sparringspartner ist ein freundliches Wort für Interessenvertretung. Die Industrie- und Handelskammer, die diese Rolle im Rheinland traditionell ausfüllt, steht nicht auf der Gründungsliste; die städtische Wirtschaftsförderung dagegen schon. Damit entsteht neben der Kammer ein zweiter Kanal, über den große Arbeitgeber ihre Anliegen adressieren – und dieser Kanal ist exklusiver, weil die Mitgliedschaft nicht wie bei der Kammer per Gesetz zustande kommt, sondern über die Zugehörigkeit zu einem ausgewählten Kreis.

Damit ist die Kostenfrage nicht erledigt, und sie ist nicht rhetorisch: Mit der Sparkasse KölnBonn, der Kreissparkasse Köln, den Stadtentwässerungsbetrieben, dem Köln Bonn Airport und KölnBusiness gehören mehrere Mitglieder in öffentlicher Trägerschaft oder öffentlichem Eigentum dazu. Fließen deren Mittel in eine Standortkampagne, ist das Geld der Allgemeinheit, über dessen Verwendung ein privat organisierter Zusammenschluss mitentscheidet. Ob und in welcher Höhe das geschieht, geht aus den Mitteilungen nicht hervor.

Regalreihen mit gelben Kunststoffbauteilen in einer Produktionshalle
Fertigung in Porz: Das verarbeitende Gewerbe zählte in Köln Mitte 2025 noch 48.341 Beschäftigte. · Symbolbild (KI-generiert)

Das Wahrnehmungsproblem ist real, die Zahlen dahinter sind es auch

Dass Köln unter Wert wahrgenommen wird, lässt sich mit der Beschäftigtenstatistik belegen. Zur Jahresmitte 2025 arbeiteten in der Stadt 631.907 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, davon 56.706 im Bereich Information und Kommunikation – also in dem Sektor, aus dem das Medienimage stammt. Deutlich mehr Menschen arbeiteten im Handel mit 75.446, im Gesundheits- und Sozialwesen mit 86.982, in Verkehr und Lagerei mit 47.059 sowie in Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit 39.858. Allein das Versicherungsgewerbe kam auf 25.313 Beschäftigte, mehr als dreimal so viele wie die Rundfunkveranstalter mit 7.863.

Die Zahlen erklären, warum ausgerechnet Versicherer, Energieversorger und Industriebetriebe die Initiative ergreifen: Sie stellen die Arbeitsplätze, über die in der Außenwahrnehmung nicht gesprochen wird. Das verarbeitende Gewerbe zählte Mitte 2025 noch 48.341 Beschäftigte, 1.888 weniger als ein Jahr zuvor. Wer Sichtbarkeit will, will damit in der Regel etwas erreichen: Fachkräfte, politische Aufmerksamkeit, Ansiedlungen.

Der Vergleich mit anderen Standorten fällt für Köln dabei nicht schlecht aus, jedenfalls nicht bei der Beschäftigung: Von Mitte 2024 bis Mitte 2025 legte die Stadt um 0,7 Prozent zu und lag damit unter den deutschen Großstädten auf Platz drei hinter Frankfurt am Main mit 1,4 Prozent und Hamburg mit 1,1 Prozent; Düsseldorf und Berlin verloren jeweils 0,2 Prozent. Das Wahrnehmungsproblem, das die Allianz beheben will, ist also tatsächlich eines – nur beschreibt es einen Zustand, der bereits kippt.

Der Zeitpunkt der Gründung ist kein Zufall

Gegründet wurde die Allianz in einer Phase, in der die Kölner Wirtschaftsdaten in fast allen Reihen nach unten zeigen. Der Konjunkturklimaindikator der Industrie- und Handelskammer zu Köln fiel im Frühjahr 2026 auf 85,2 Punkte, die Kapazitätsauslastung der Industrie im Kammerbezirk lag bei 73,1 Prozent, und die Stadt erwartet für 2026 118,2 Millionen Euro weniger Gewerbesteuer als geplant. Eine Standortkampagne ändert an keiner dieser Zahlen etwas. Sie ändert bestenfalls, wer sich für den Standort überhaupt noch interessiert.

Beleuchtete Bürotürme am Kölner Rheinufer bei Nacht
Bürotürme bei Nacht: 94 Prozent der Befragten verbinden Köln mit Medien und Entertainment. · Symbolbild (KI-generiert)

Woran sich eine solche Initiative messen lassen muss, ist absehbar: an Ansiedlungen, an Investitionsentscheidungen, an der Zahl der Bewerbungen auf offene Stellen. Für Köln liegt zumindest ein Maßstab bereits vor. Nach der IAB-Regionalprognose vom März 2026 soll die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Stadt im Jahresdurchschnitt 2026 um 1,0 Prozent auf rund 624.200 sinken. Wenn Exzellent Köln in einigen Jahren etwas belegen will, ist das die Reihe, in der es sichtbar werden müsste.

„Gerade junge Menschen, Talente und Start-ups sollen erleben, welche wirtschaftliche Dynamik und welche Zukunftschancen Köln und die gesamte Metropolregion bieten.“

Timo von Lepel, Geschäftsführer von NetCologne

Der Verweis auf Start-ups trifft einen wunden Punkt. Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Köln zwar 76 Neugründungen registriert, doch das öffentlich bekannt gewordene Kapital sank auf 47,3 Millionen Euro in 28 Runden – nach 186 Millionen Euro in 37 Runden im Vorjahreszeitraum. Ob Sichtbarkeit dort der Engpass ist, darf man bezweifeln: Kapitalgeber entscheiden nach Geschäftsmodell und Bewertung, nicht nach dem Image einer Stadt.

Was die Allianz konkret vorhat, wird sich zuerst am angekündigten Wirtschaftssymposium ablesen lassen, für das die Gründer bislang weder Termin noch Ort genannt haben. Festhalten lässt sich bis dahin: 25 Unternehmen haben sich darauf verständigt, dass Köln ein Wahrnehmungsproblem hat. Die Zahlen der vergangenen Monate legen nahe, dass daneben ein Ertragsproblem besteht – und das lässt sich mit einer Kampagne nicht adressieren.

Quellen und Weiterlesen
Katharina Esser, Chefredakteurin — KI-generiertes Porträt
Katharina Esser
Chefredakteurin · Business & Unternehmen
Leitet die Kölner Zeit seit der Gründung 2022. Zuvor zehn Jahre Wirtschaftsredakteurin in Düsseldorf und Frankfurt. Schreibt über Mittelstand, Startups und Strukturwandel im Rheinland.
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