Mittwoch, 12. August 2026 Ausgabe Nr. 241
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Zweiter Vorfall binnen einer Woche

3.45 Uhr, Breite Straße: Wieder Schüsse auf das Uhrengeschäft

In der Nacht zu Mittwoch haben Unbekannte erneut auf ein Uhrengeschäft in der Kölner Innenstadt geschossen. Streifenbeamte fanden Einschusslöcher und Patronenhülsen – das Kriminalkommissariat 15 prüft den Zusammenhang mit den Schüssen der Vorwoche und sucht Zeugen.

Thomas Breuer, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Thomas Breuer
Sport

Lesezeit 6 Min.
Polizeiabsperrband vor einem Geschäft in der Kölner Innenstadt am frühen Morgen
Gegen 3.45 Uhr meldeten Anwohner schussähnliche Geräusche – Streifenbeamte fanden Einschusslöcher in Scheibe und Fassade des Uhrengeschäfts. · Symbolbild (KI-generiert)

Um 3.45 Uhr ist die Breite Straße gewöhnlich still. In der Nacht zu Mittwoch, 12. August, war sie es nicht: Mehrere Anwohner wählten den Notruf, weil sie schussähnliche Geräusche gehört hatten, nach Polizeiangaben aus dem Bereich der Ringe. Ein Streifenteam fand wenig später die Erklärung – mehrere Einschusslöcher in einer Scheibe und in der Gebäudefassade eines Uhrengeschäfts an der Breite Straße, dazu Patronenhülsen, die die Einsatzkräfte sicherstellten. Es ist dasselbe Geschäft, auf das bereits in der Vorwoche geschossen worden war. Das Kriminalkommissariat 15 hat die Ermittlungen übernommen, prüft den Zusammenhang beider Taten und sucht Zeugen.

Die Polizei Köln machte den Vorfall am Mittwochmorgen um 8.47 Uhr öffentlich, ausdrücklich als Nachtrag zu ihrer Meldung vom 5. August. Viel steht nicht darin. Die Notrufe gingen gegen 3.45 Uhr ein, das alarmierte Streifenteam entdeckte die Beschädigungen an Scheibe und Fassade, die Hülsen wurden gesichert und gehen nun in die kriminaltechnische Untersuchung. Über Verletzte macht die Mitteilung keine Angaben, über die Zahl der abgegebenen Schüsse ebenfalls nicht. Den Namen des betroffenen Geschäfts nennt die Polizei nicht. Auch t-online berichtete noch am Morgen über den Einsatz in der Innenstadt – unter einer Überschrift, die inzwischen zur Chronik taugt: schon wieder Schüsse auf ein Geschäft.

Zum zweiten Mal binnen einer Woche trifft es dasselbe Geschäft

Die Vorgeschichte ist keine zwei Wochen alt. Am Morgen des 4. August bemerkte ein Mitarbeiter beim Öffnen des Ladens mehrere Einschusslöcher in der Eingangstür und rief die Polizei. Der Tatzeitraum ließ sich damals nur grob eingrenzen: irgendwann zwischen Samstag, 1. August, 23 Uhr, und jenem Dienstagmorgen. Fast drei Tage, in denen offenbar niemand etwas gehört oder zumindest niemand etwas gemeldet hatte. Kriminalbeamte sicherten Spuren am Tatort; in der beschädigten Glasscheibe und auf dem Boden fanden sie mehrere Projektile.

Gestohlen wurde nach ersten Erkenntnissen nichts, keine einzige Uhr. Die Täter versuchten offenbar gar nicht erst, in das Geschäft einzudringen – beschossen wurde die verschlossene Tür. Eine naheliegende Vermutung räumte die Polizei früh ab: Hinweise auf Zusammenhänge mit Rocker- oder Clankriminalität lägen derzeit nicht vor, teilte sie am 5. August mit. Der damalige Zeugenaufruf galt dem Bereich des Willy-Millowitsch-Platzes, an dem das Geschäft liegt. Wer dort geschossen hat und warum, ist seither offen geblieben. Eine Woche später kamen neue Einschusslöcher dazu.

Nummerierte Spurenmarker der Polizei auf dem Pflaster einer Einkaufsstraße
Die Einsatzkräfte stellten mehrere Patronenhülsen sicher; nach dem ersten Beschuss waren Projektile in Tür und Scheibe gefunden worden. · Symbolbild (KI-generiert)

Der zweite Vorfall unterscheidet sich vom ersten in einem entscheidenden Punkt: Diesmal gibt es eine Tatzeit auf die Minute genau und Anwohner als Ohrenzeugen. Beim ersten Beschuss blieb den Ermittlern nur das Zeitfenster von fast drei Tagen. Hinzu kommt die Spurenlage. In der Nacht zu Mittwoch blieben Patronenhülsen zurück, beim ersten Mal wurden Projektile gefunden. Hülsen tragen Abdrücke von Schlagbolzen und Auszieher, Projektile die Riefen des Laufs – solche Spuren erlauben es Waffengutachtern grundsätzlich, verschiedene Taten einer einzigen Waffe zuzuordnen. Ob hier zweimal dieselbe Waffe benutzt wurde, sagt die Polizei bislang nicht. Sie formuliert vorsichtiger: Geprüft werde, ob ein Zusammenhang mit den Schüssen der vergangenen Woche besteht.

Auch die beiden Mitteilungen der Polizei lesen sich unterschiedlich. Die erste vom 5. August war ausführlich: Zeugensuche, Tatzeitraum, Fundort der Projektile, dazu der ausdrückliche Hinweis, dass nichts auf Rocker- oder Clankriminalität deute. Die zweite vom Mittwochmorgen ist ein knapper Nachtrag von wenigen Zeilen. Das kann Routine sein – ein laufendes Verfahren, zu dem es schlicht nichts Neues zu sagen gibt. Es kann auch heißen, dass die Ermittler inzwischen genauer wissen, wonach sie suchen, und es für sich behalten. Beides ist von außen nicht zu unterscheiden.

Kein Verdächtiger, keine Schadenssumme, kein Motiv – vieles bleibt offen

Was die Ermittler öffentlich machen, ist wenig. Kein Tatverdächtiger, keine Personenbeschreibung, kein Fluchtweg, keine Schadenshöhe. Auch zum Motiv äußert sich das Kriminalkommissariat 15 nicht. Auffällig ist das Muster trotzdem: Zweimal binnen einer Woche wird auf denselben geschlossenen Laden geschossen, zweimal wird nichts entwendet, zweimal verschwinden die Schützen unerkannt. Man kann darin vieles sehen. Belegt ist davon nichts – und solange die Polizei schweigt, bleibt als gesicherter Bestand das, was am Tatort lag: Hülsen, Projektile, beschädigtes Glas.

Die Schüsse fallen in eine Woche, in der die Kölner Kripo ohnehin viel zu tun hat. Am 1. August war in Vingst an der Würzburger Straße ein E-Scooter-Fahrer beschossen worden, die Polizei suchte anschließend Zeugen. In der Nacht zum 4. August wurden bei Schüssen und Messerstichen auf der Berliner Straße in Mülheim vier Menschen verletzt, eine Mordkommission ermittelt – die Kölner Zeit berichtete über beide Fälle. Und erst am Dienstag meldete die Polizei einen Einbruch in ein Juweliergeschäft; dort wurde immerhin ein Tatverdächtiger festgenommen. An der Breite Straße ist es so weit noch nicht. Ob zwischen irgendeinem dieser Fälle und den Schüssen auf das Uhrengeschäft eine Verbindung besteht, hat die Polizei mit keinem Wort angedeutet – es sind, Stand jetzt, getrennte Verfahren mit getrennten Aktenzeichen.

Das Kriminalkommissariat 15 taucht in diesen Tagen auffällig oft in den Meldungen auf. Es bearbeitet auch die Brandserie von Westhoven, wo in der Nacht zu Dienstag fünf Fahrzeuge angezündet und stark beschädigt wurden. Zwei Serien in einer Woche, zwei Stadtteile, ein Kommissariat. Ob die Fälle die Dienststelle an Grenzen bringen, lässt sich von außen nicht beurteilen; die Polizei äußert sich zu internen Abläufen grundsätzlich nicht.

Passanten in einer belebten Kölner Einkaufsstraße im Sommer, von hinten gesehen
Tagsüber Einkaufsstraße, nachts Tatort: Binnen einer Woche wurde zweimal auf dasselbe Geschäft an der Breite Straße geschossen. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Breite Straße ist keine Nebenlage, sondern eine der zentralen Einkaufsstraßen der Stadt, wenige Schritte nördlich der Schildergasse, mit Passagen, Cafés und eben auch Uhren- und Schmuckgeschäften. Am Willy-Millowitsch-Platz erinnert eine Bronzefigur an den Kölner Volksschauspieler, tagsüber schieben sich hier Passanten an den Schaufenstern vorbei. Nachts um 3.45 Uhr ist davon nichts übrig. Genau diese Leere könnte den Ermittlern nun helfen: Wer sich zu dieser Stunde in der Fußgängerzone aufhält, fällt auf – einem Taxifahrer, einem Zeitungsboten, einer Streife, irgendwem. Dass die Anwohner die Geräusche sofort als das einordneten, was sie mutmaßlich waren, und den Notruf wählten, war bereits die erste brauchbare Zeugenleistung dieser Nacht.

Die Polizei setzt jetzt auf Beobachtungen aus zwei Nächten

Der Zeugenaufruf des Kriminalkommissariats 15 umfasst deshalb inzwischen beide Taten. Gesucht werden Hinweise auf verdächtige Personen oder Fahrzeuge rund um die Breite Straße – aus der Nacht zu Mittwoch ebenso wie aus dem ersten Tatzeitraum Anfang August. Wer in einer der beiden Nächte im Umfeld der Breite Straße unterwegs war und sich an Personen, Fahrzeuge oder Geräusche erinnert, kann sich direkt an die Ermittler wenden. Die wichtigsten Eckdaten im Überblick:

  • Jüngste Tat: Nacht zu Mittwoch, 12. August 2026, gegen 3.45 Uhr, Uhrengeschäft an der Breite Straße (Innenstadt)
  • Erster Vorfall: zwischen Samstag, 1. August, 23 Uhr, und Dienstagmorgen, 4. August, Bereich Willy-Millowitsch-Platz
  • Spuren: Einschusslöcher in Tür, Scheibe und Fassade; Patronenhülsen und Projektile sichergestellt
  • Hinweise an das Kriminalkommissariat 15: Telefon 0221 229-0 oder E-Mail an [email protected]
Streifenwagen mit Blaulicht bei Nacht in einer Innenstadtstraße
Hinweise nimmt das Kriminalkommissariat 15 unter 0221 229-0 oder per E-Mail an die Polizei Köln entgegen. · Symbolbild (KI-generiert)

Das Uhrengeschäft wird die Schäden beheben lassen müssen, zum zweiten Mal in kurzer Zeit. Die Ermittler haben jetzt Hülsen, Projektile, zwei Tatzeiten und einen doppelten Zeugenaufruf – was fehlt, ist derjenige, der abgedrückt hat. Vielleicht macht die exakte Tatzeit diesmal den Unterschied, denn 3.45 Uhr ist eine Stunde, in der jeder Mensch auf der Breite Straße eine Beobachtung wert ist. Bis dahin gilt dort, was immer galt: Um diese Zeit sollte es still sein.

Quellen und Weiterlesen
Thomas Breuer, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Thomas Breuer
Redakteur · Sport
Seit dem ersten Stadionbesuch 1988 in Müngersdorf zu Hause. Berichtet über den 1. FC Köln, die Haie und den Breitensport in der Stadt — nüchtern, außer nach Derbysiegen.
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