Donnerstag, 6. August 2026 Ausgabe Nr. 240
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Bombenfund

400 Meter Sperrkreis am Rheinpark: 360 Menschen mussten raus

Das Niedrigwasser legte sie frei: Im Rhein vor dem Kölner Rheinpark liegt eine Fünf-Zentner-Bombe. Rund 360 Menschen mussten ihre Wohnungen räumen.

Amira Yılmaz, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
Amira Yılmaz
Aktuelles & Stadt

Lesezeit 6 Min.
Freiliegende Kiesbank am rechten Rheinufer in Köln-Deutz bei extremem Niedrigwasser
Das Rekord-Niedrigwasser legt am rechten Rheinufer vor dem Rheinpark breite Kiesbänke frei. Dort wurde der Blindgänger entdeckt. · Symbolbild (KI-generiert)

Im Rhein auf Höhe des Rheinparks in Köln-Deutz liegt seit Mittwochabend nachweislich ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Stadt Köln richtete am Donnerstag, 6. August 2026, einen Sperrkreis von 400 Metern um den Fundort ein und ließ ihn räumen. Betroffen waren nach Angaben der Verwaltung rund 360 Menschen, der weit überwiegende Teil davon Bewohnerinnen und Bewohner des St.-Vincenz-Hauses am Konrad-Adenauer-Ufer auf der linken Rheinseite. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst Rheinland der Bezirksregierung Düsseldorf sollte die Bombe noch am selben Tag entschärfen; einen genauen Zeitpunkt nannte die Stadt in ihrer ersten Mitteilung ausdrücklich nicht.

Nach Mitteilung der Stadt handelt es sich um eine amerikanische Fünf-Zentner-Bombe mit Heckaufschlagzünder – also mit einem Zünder, der am hinteren Ende des Körpers sitzt und beim Aufprall hätte auslösen sollen. Solche Zünder gelten unter Fachleuten als vergleichsweise berechenbar, solange der Körper nicht bewegt wird; das unterscheidet sie von den chemisch-mechanischen Langzeitzündern, die bei Kölner Funden regelmäßig für deutlich größere Sperrkreise sorgen. Gefunden wurde der Blindgänger am Mittwochabend, dem 5. August. Den endgültigen Radius von 400 Metern legte der Kampfmittelbeseitigungsdienst fest, über Absperrung und Evakuierung entschied das Ordnungsamt.

Erst das Rekord-Niedrigwasser machte den Fund möglich

Dass der Blindgänger überhaupt sichtbar wurde, hat mit dem Zustand des Flusses zu tun. Der Kölner Rheinpegel ist in dieser Woche auf den tiefsten je gemessenen Stand gefallen: Am Donnerstagnachmittag wies die Messreihe der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung 61 Zentimeter aus, der bisherige Rekord vom 23. Oktober 2018 lag bei 69 Zentimetern. Gemessen wird in der Altstadt bei Rheinstromkilometer 688; zuständig dafür ist nach Angaben der Stadtentwässerungsbetriebe das Wasser- und Schifffahrtsamt Köln. Die Stadtentwässerungsbetriebe selbst betreiben die Hochwasserzentrale und veröffentlichen die Vorhersage.

Wo sonst Wasser steht, liegen derzeit Kiesbänke, Uferbefestigungen und Fahrrinnenränder frei. Bombenfunde in Flussbetten sind in diesem Sommer deshalb kein Zufall: Was seit acht Jahrzehnten unter Wasser lag, wird sichtbar, sobald der Pegel weit genug fällt. Die Skala, an der in Köln sonst gemessen wird, ist auf das andere Extrem ausgelegt – Sperrungen des Rheinboulevards beginnen laut Stadtentwässerungsbetrieben erst ab fünf Metern, die Schifffahrt wird ab 8,30 Metern eingestellt. Die aktuellen Pegelwerte und Vorhersagen ändern sich derzeit von Tag zu Tag.

Abgesperrte Uferstraße mit rot-weißen Barken und Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr
Das Konrad-Adenauer-Ufer war auf der linken Rheinseite über weite Strecken gesperrt, ebenso der nördliche Fußweg der Hohenzollernbrücke. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Stadt dokumentierte den Ablauf in einem eigenen Evakuierungsticker. Um 12.57 Uhr begann die Evakuierung, um 13.42 Uhr lief der erste Klingelrundgang; parallel forderte die Verwaltung Passantinnen und Passanten auf, das Evakuierungsgebiet zu meiden. Um 14.21 Uhr meldete die Stadt umfangreiche Sperrungen für Fuß-, Rad- und Autoverkehr auf beiden Rheinseiten. Um 15.43 Uhr war der erste Klingelrundgang abgeschlossen und das St.-Vincenz-Haus geräumt. Drei Bewohner mussten in ein Krankenhaus verlegt werden.

Für die Einrichtung war von vornherein eine Verlegung innerhalb des Gebäudekomplexes vorgesehen – ein Verfahren, für das die Stadt bis zu drei Stunden veranschlagt hatte. Als Anlaufstelle für alle, die nicht privat unterkommen konnten, öffnete die Stadt die Cafeteria des Marienhospitals am Kunibertskloster 11 bis 13 in der Innenstadt. Die Verwaltung wies mehrfach darauf hin, dass die Entschärfung erst beginnen kann, wenn sich niemand mehr im Sperrkreis aufhält – jede Person, die sich weigert, verlängert die Maßnahme für alle anderen.

Der Sperrkreis reichte bis in die Fernsehstudios

Gesperrt waren beide Rheinseiten: das Konrad-Adenauer-Ufer in weiten Teilen, der Fußweg auf der Nordseite der Hohenzollernbrücke, sämtliche Zugänge zum Rheinpark und das Gelände rund um den Tanzbrunnen. Die Kölner Seilbahn über den Rhein stellte den Betrieb ein. Im Sperrkreis liegen außerdem die Kölner Fernsehstudios von RTL. Der Sender kündigte an, Teile seines Nachrichtenprogramms aus dem Hauptstadtstudio in Berlin zu senden, hielt die Kölner Produktion aber bis 15 Uhr aufrecht.

Am späten Nachmittag zog die Maßnahme an. Um 16.51 Uhr kündigte die Stadt die Ankunft des Bergungsgeräts an, um 17.21 Uhr begann der zweite Klingelrundgang. Seit 17.45 Uhr waren zusätzlich der Luftraum über dem Fundort, die Schifffahrt und die Uferbereiche gesperrt. Um 17.56 Uhr teilte die Stadt mit, das Kampfmittel werde geborgen, eine Freigabe zur Entschärfung liege aber noch nicht vor; die Entschärfung wurde für den Zeitraum zwischen 18 und 18.30 Uhr erwartet.

Leerer Parkweg mit Rasenflächen und Rosenbeeten hinter einer Absperrung
Sämtliche Zugänge zum Rheinpark blieben am Donnerstag geschlossen, auch das Gelände rund um den Tanzbrunnen lag im Sperrkreis. · Symbolbild (KI-generiert)

Zwei Behörden teilen sich die Verantwortung

Für die Stadt ist ein solcher Einsatz Verwaltungsroutine mit hohem Aufwand. Verantwortlich für Absperrung und Räumung ist das Ordnungsamt, für die Entschärfung selbst der Kampfmittelbeseitigungsdienst Rheinland bei der Bezirksregierung Düsseldorf. Den Zuschnitt des Evakuierungsbereichs veröffentlichte die Stadt als Kartenanlage zu ihrer Pressemitteilung. Die Zahl der Betroffenen stand am Vormittag noch nicht fest; die Verwaltung hatte zunächst ausdrücklich offengelassen, wie viele Menschen der Sperrkreis erfasst. Erst die Auswertung der Meldeadressen im 400-Meter-Radius ergab die Zahl von rund 360.

Anders als bei den großen Kölner Evakuierungen der vergangenen Jahre blieb der Eingriff in den Verkehr überschaubar. Die Deutzer Brücke und die Zoobrücke waren nicht betroffen, der Sperrkreis lag im Wesentlichen über der Wasserfläche und den beiden Uferstreifen. Wer aus Richtung Deutz zu Fuß oder mit dem Rad an den Strom wollte, kam trotzdem nicht durch: Die Zugänge zum Rheinpark waren sämtlich dicht, und mit der Seilbahn fiel die zweite Verbindung über den Fluss an dieser Stelle aus.

Für den Rheinpark selbst fiel der Einsatz in die Sommerferien. Der Park mit Tanzbrunnen, Rosengarten, Thermalbad und Spielplätzen ist an heißen Werktagen einer der meistbesuchten Freiräume der Stadt; wer am Donnerstagnachmittag anreiste, stand vor Absperrungen. Wie viele Besucherinnen und Besucher betroffen waren, erfasst niemand – anders als bei den Anwohnern gibt es dafür keine Meldeadressen. In der Zahl von rund 360 sind sie nicht enthalten.

Ob weitere Funde folgen, ist offen

Der Pegel soll sich in den kommenden Tagen leicht erholen: Für Freitag sagt die Vorhersage rund 69 Zentimeter voraus, für Samstag etwa 71, für Sonntag 75 bis 77 Zentimeter. Die Stadtentwässerungsbetriebe erwarteten für Freitag, 6 Uhr, einen Wasserstand von 0,68 Metern mit einer Spanne von plus/minus zehn Zentimetern. Damit verschwindet ein Teil der freigelegten Flächen wieder unter Wasser. Ob im Kölner Stadtgebiet weitere Munition sichtbar wird, lässt sich seriös nicht vorhersagen; die Stadt äußerte sich dazu nicht.

Stillstehende Seilbahnkabine über dem Rhein bei niedrigem Wasserstand
Auch die Seilbahn über den Rhein stellte den Betrieb ein, solange der Sperrkreis galt. · Symbolbild (KI-generiert)

Wie lange die Sperrungen gelten, hing am Donnerstag allein vom Verlauf der Entschärfung ab. Die Stadt kündigte an, das Ende der Maßnahmen über ihre Eilmeldungen und den Ticker bekanntzugeben, und bat Anwohnerinnen und Anwohner, bis dahin die Berichterstattung der lokalen Medien sowie die Hinweise der Kölner Verkehrs-Betriebe zu verfolgen. Erst nach der Freigabe durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst dürfen die Bewohnerinnen und Bewohner des St.-Vincenz-Hauses zurück, und erst dann nehmen Seilbahn und Rheinpark den Betrieb wieder auf.

Offen blieb am Donnerstagabend mehreres: wann genau die Bombe entschärft ist, wann die Freigabe erfolgt, ob die drei ins Krankenhaus verlegten Bewohner noch am selben Tag zurückkehren können und wie der Blindgänger nach der Entschärfung abtransportiert wird. Angaben dazu machte die Stadt bis zum Redaktionsschluss nicht. Auch zur Höhe der Einsatzkosten und zur Zahl der beteiligten Kräfte lagen keine Zahlen vor.

Bemerkenswert ist der Ablauf trotzdem in einem Punkt: Zwischen der ersten Mitteilung der Stadt und dem Beginn der Klingelrunden lagen nur wenige Stunden, obwohl der Fund bereits am Vorabend gemeldet worden war. Die Zeit dazwischen brauchte der Kampfmittelbeseitigungsdienst, um den Radius festzulegen – erst danach kann das Ordnungsamt bestimmen, welche Adressen geräumt werden müssen. Wäre statt des Heckaufschlagzünders ein chemisch-mechanischer Langzeitzünder verbaut gewesen, hätte der Radius nach den in Köln üblichen Maßstäben deutlich größer ausfallen können, und mit ihm die Zahl der Betroffenen.

Für Anwohnerinnen und Anwohner war der Ticker der Stadt am Abend die genaueste Quelle: Er wurde teils im Abstand weniger Minuten fortgeschrieben und nannte jeden Verfahrensschritt mit Uhrzeit – Beginn der Evakuierung, erster und zweiter Klingelrundgang, Sperrung von Luftraum und Schifffahrt, Eintreffen des Bergungsgeräts. Die Pressemitteilung vom Vormittag war zu diesem Zeitpunkt in mehreren Punkten schon überholt, unter anderem bei der Anlaufstelle, die dort noch als offen angekündigt worden war.

Der nächste Schritt liegt damit zunächst beim Kampfmittelbeseitigungsdienst, danach beim Wetter: Bleibt der Regen aus, sinkt der Pegel nach dem kurzen Anstieg erneut. Die nächste Vorhersage der Stadtentwässerungsbetriebe steht werktags gegen 9 Uhr an.

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Amira Yılmaz, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
Amira Yılmaz
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Lokaljournalistin durch und durch: Ratspolitik, Verkehr, Stadtentwicklung und alles, was Köln bewegt. Zusätzlich zuständig für Sehenswürdigkeiten und Tourismus.
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