Fünf brennende Autos in 85 Minuten: Brandserie in Köln-Westhoven
In der Nacht zu Dienstag brannten in Köln-Westhoven fünf Fahrzeuge an drei Orten – darunter Autos auf einem Firmengelände. Die Polizei ermittelt wegen vorsätzlicher Brandstiftung, setzte einen Hubschrauber ein und sucht Zeugen.
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In der Nacht zu Dienstag, 11. August 2026, haben Unbekannte in Köln-Westhoven binnen 85 Minuten fünf Fahrzeuge an drei verschiedenen Orten in Brand gesetzt. Zwischen 0.40 Uhr und 2.05 Uhr brannten nach Angaben der Polizei ein Ford Transit und ein Opel Astra auf einem Firmengelände an der André-Citroën-Straße, ein BYD Sealion und ein Mercedes GLC an der Armand-Peugeot-Straße sowie ein Volvo XC 70 an der Berliner Straße; alle fünf Fahrzeuge wurden stark beschädigt. Das Kriminalkommissariat 15 ermittelt wegen vorsätzlicher Brandstiftung, geht von einem Zusammenhang der Taten aus und sucht Zeugen.
Die Polizei Köln machte die Serie am Dienstag um 13.16 Uhr mit einem Zeugenaufruf öffentlich. Nach ersten Erkenntnissen schlugen die Brandstifter im Zeitraum zwischen 0.40 Uhr und 2.05 Uhr an den drei Stellen im Stadtteil zu. In welcher Reihenfolge die Feuer gelegt wurden und wer sie jeweils meldete, geht aus der Mitteilung nicht hervor; Angaben zu Verletzten enthält sie nicht. Noch in der Nacht setzte die Polizei bei der Fahndung nach möglichen Tatbeteiligten einen Hubschrauber ein. Gefasst wurde niemand – auch t-online berichtete am Dienstag, dass die Täter trotz der Suche aus der Luft entkommen konnten.
- André-Citroën-Straße (Firmengelände): ein Ford Transit und ein Opel Astra
- Armand-Peugeot-Straße: ein BYD Sealion und ein Mercedes GLC
- Berliner Straße: ein Volvo XC 70
Die Polizei geht von einer zusammenhängenden Serie aus
Das Kriminalkommissariat 15 hat die Ermittlungen wegen vorsätzlicher Brandstiftung übernommen und geht nach eigenen Angaben aktuell davon aus, dass die fünf Brände zusammenhängen. Eine Begründung nennt die Mitteilung nicht; die Abfolge spricht allerdings für sich: drei Tatorte, fünf Fahrzeuge, 85 Minuten, alles in einem überschaubaren Stadtteil. Eine Schadenssumme hat die Polizei bislang nicht beziffert. Offen ist auch, ob ein einzelner Täter unterwegs war oder mehrere – die Mitteilung spricht vorsichtig von „möglichen Tatbeteiligten“, nach denen noch in der Nacht gefahndet wurde.
Das Zeitfenster erzählt dabei eine eigene Geschichte. Zwischen dem ersten und dem letzten Brand liegen 85 Minuten, dazwischen drei Tatorte in einem Stadtteil, der zu den kleineren Kölns gehört. Wer alle fünf Feuer gelegt hat, muss sich in dieser Zeit durch Westhoven bewegt haben – zu Fuß, mit dem Rad oder mit einem Fahrzeug. Genau darauf zielt der Zeugenaufruf: Die Polizei fragt ausdrücklich nach verdächtigen Personen und nach Fahrzeugen, die in jener Nacht an den drei Örtlichkeiten aufgefallen sind.
Der Hubschraubereinsatz zeigt, wie ernst die Polizei die Lage nahm. Die Fliegerstaffel der nordrhein-westfälischen Polizei ist an den Flughäfen Düsseldorf und Dortmund stationiert; ihre Maschinen sind unter anderem mit Wärmebildkameras ausgerüstet, mit denen sich Personen auch in Dunkelheit aus der Luft aufspüren lassen. Dass eine solche Maschine mitten in der Nacht über einem Kölner Stadtteil kreist, kommt vor allem dann vor, wenn Täter unmittelbar nach der Tat noch in der Nähe vermutet werden. In Westhoven blieb die Suche in jener Nacht ohne Ergebnis.
Juristisch wiegt der Vorwurf schwer. Vorsätzliche Brandstiftung ist ein Verbrechen: Wer fremde Kraftfahrzeuge in Brand setzt, dem droht nach Paragraf 306 des Strafgesetzbuchs eine Freiheitsstrafe zwischen einem Jahr und zehn Jahren – deutlich mehr, als etwa bei einer Sachbeschädigung im Raum stünde. Der Tatbestand unterscheidet nicht danach, ob ein Auto am Straßenrand oder auf einem umzäunten Firmengelände steht. Für die Bewertung als Serie wird entscheidend sein, ob Spuren an den drei Brandorten oder Zeugenaussagen die Taten derselben Täterschaft zuordnen lassen – genau das prüft das Kommissariat derzeit.
Fünf Fahrzeuge, kein erkennbares Muster
Ein Muster bei den betroffenen Fahrzeugen drängt sich nicht auf. Getroffen wurden ein Transporter und ein Kompaktwagen auf einem Firmengelände, ein vollelektrisches SUV des chinesischen Herstellers BYD, ein SUV von Mercedes und ein Volvo-Kombi – unterschiedliche Klassen, unterschiedliche Antriebe, unterschiedliche Standorte, mutmaßlich unterschiedliche Eigentümer. Ob die Täter ihre Ziele gezielt auswählten oder anzündeten, was erreichbar stand, ist damit eine der zentralen offenen Fragen der Ermittlungen. Die Polizei hat sich dazu bislang nicht geäußert und auch keine Angaben dazu gemacht, ob einzelne Halter bedroht worden waren. Für die Betroffenen ist der Unterschied gleichwohl erheblich: Zwei der Fahrzeuge standen auf einem Firmengelände – ein ausgebrannter Transporter ist für einen Betrieb nicht nur ein Sachschaden, sondern fehlt am nächsten Morgen im Arbeitsalltag. Welche Firma betroffen ist, teilt die Polizei nicht mit.
Westhoven gehört zum rechtsrheinischen Stadtbezirk Porz und liegt am Rheinufer zwischen Poll im Norden und Ensen im Süden. Die André-Citroën-Straße und die Armand-Peugeot-Straße führen durch ein Gewerbegebiet, dessen Straßennamen an zwei französische Automobilpioniere erinnern; hier haben Betriebe ihre Höfe und Stellflächen, nachts ist wenig Publikum unterwegs. Die Berliner Straße als dritter Tatort liegt ebenfalls im Stadtteil – sie ist nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Straße in Mülheim, die Anfang August nach einem Gewaltverbrechen mit vier Verletzten in den Meldungen stand. Ausgerechnet in diesem Umfeld, zwischen Adressen aus der Automobilgeschichte, brannten nun binnen anderthalb Stunden fünf Autos.
Für den Kölner Südosten ist es bereits die zweite größere Brandlage binnen weniger Tage. In der Nacht zum 3. August hatten an der A559 bei Gremberghoven, ebenfalls im Stadtbezirk Porz, rund 6.000 Quadratmeter Böschung gebrannt; die Autobahn war stundenlang gesperrt, die Kölner Zeit berichtete. Einen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen hat die Polizei nicht hergestellt, die Fälle unterscheiden sich auch im Charakter: Dort brannte trockenes Grün an einer Autobahn, hier wurden gezielt Fahrzeuge in einem Wohn- und Gewerbeumfeld angezündet.
Offen ist neben dem Motiv fast alles Weitere. Die Polizei nennt keine Täterbeschreibung und keine Angaben dazu, ob Überwachungskameras – etwa auf dem betroffenen Firmengelände – verwertbare Aufnahmen liefern. Unklar bleibt vorerst auch, wie die Brände gelegt wurden; zu Brandbeschleunigern oder Tatmitteln enthält die Mitteilung keine Angaben. Wo so vieles offen ist, entscheidet erfahrungsgemäß die Spurenauswertung der Brandermittler zusammen mit dem, was Zeugen beisteuern. Genau darauf zielt der Aufruf der Behörde.
Gesucht: Beobachtungen zwischen 0.40 Uhr und 2.05 Uhr
Die Ermittler bitten daher um Hinweise auf verdächtige Personen oder Fahrzeuge, die in der Nacht zu Dienstag an der André-Citroën-Straße, der Armand-Peugeot-Straße oder der Berliner Straße aufgefallen sind. Hinweise nimmt das Kriminalkommissariat 15 unter der Telefonnummer 0221 229-0 oder per E-Mail an [email protected] entgegen. Relevant kann dabei auch sein, was zunächst unbedeutend wirkt: ein abgestelltes Auto, eine Person zu Fuß zu ungewöhnlicher Stunde, ein Geräusch vor dem Feuerschein.
Die Ermittlungen dauern an. Das Kriminalkommissariat 15 wertet nun die Spuren von drei Brandorten aus und muss klären, ob sich die Annahme einer zusammenhängenden Serie bestätigt – und wer hinter ihr steckt. Für die Halter der fünf Fahrzeuge bleibt vorerst der Schaden, für den Stadtteil die Frage, ob es bei dieser einen Nacht bleibt. Beantworten können sie derzeit weder Polizei noch Anwohner. Der nächste Schritt liegt bei den Brandermittlern des Kriminalkommissariats 15 – und bei den Zeugen, die sich in den kommenden Tagen melden. Sollten sich Tatverdächtige ermitteln lassen, läge die Entscheidung über eine Anklage anschließend bei der Staatsanwaltschaft Köln.
- Polizei Köln (Presseportal): 260811-3-K Zeugenaufruf nach nächtlicher Brandserie in Köln-Westhoven
- t-online: Brandserie in Köln – Fünf Autos brennen in einer Nacht, Hubschrauber im Einsatz
- t-online: Köln – aktuelle Nachrichten (Regionalüberblick)
- Presseportal: Newsroom der Polizei Köln (Meldungsübersicht August 2026)




