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20.122 in Deutz: Das Handball-Final4 setzt eine neue Bestmarke

Zum 17. Mal seit 2010 spielte die Champions League ihr Finalturnier in der LANXESS arena. Barcelona gewann gegen die Füchse Berlin, 35 Sender übertrugen in mehr als 80 Länder. 2027 kommt das Turnier wieder.

Thomas Breuer, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Thomas Breuer
Sport

Lesezeit 6 Min.
Blick vom Oberrang auf ein Handballfeld in einer voll besetzten Arena
Beim EHF FINAL4 zählte die Föderation 20.122 Zuschauer. Symbolaufnahme aus einer voll besetzten Halle. · Symbolbild (KI-generiert)

Vom obersten Rang der LANXESS arena aus sieht ein Handballfeld erstaunlich klein aus. 40 mal 20 Meter, ein blauer Belag, zwei Tore, darum herum ein Trichter aus Menschen, der bis unter das Hallendach reicht. Wer dort oben sitzt, hört den Ball eher, als dass er ihn sieht. An einem Wochenende Mitte Juni saßen dort oben ungewöhnlich viele Leute.

Am 13. und 14. Juni hat die Handball-Champions-League der Männer ihr Finalturnier in Deutz gespielt, offiziell TruckScout24 EHF FINAL4. Es war die 17. Ausgabe in Köln seit der Einführung des Formats im Jahr 2010. Die Europäische Handballföderation zählte 20.122 Zuschauer, einen neuen Bestwert. Im Jahr zuvor war die Marke von 20.000 erstmals überschritten worden.

Das Format ist einfach und deshalb erfolgreich. Vier Mannschaften, ein Wochenende, kein Rückspiel, keine zweite Chance. Wer am Samstag verliert, spielt am Sonntag um Platz drei; wer gewinnt, hat 24 Stunden Zeit, sich zu erholen. Für die Zuschauer heißt das: eine Karte, vier Spiele, zwei Tage. Für die Spieler heißt es, dass eine ganze Saison an 120 Minuten hängt.

Die Anwurfzeiten standen lange fest: Samstag um 15 und um 18 Uhr, Sonntag um 18 Uhr das Finale. Das ist kein Zufall, sondern Fernsehen. Ein Sonntagabend im Juni ist ein guter Sendeplatz für eine Hallensportart, und die Zeiten folgen dieser Logik, nicht dem Erholungsbedürfnis der Spieler.

Barcelona gewann das Finale, der Titelverteidiger fuhr als Dritter nach Hause

Im ersten Halbfinale am Samstag trafen der SC Magdeburg und die Füchse Berlin aufeinander. Berlin gewann mit 40:35; fünf Tore Unterschied sind auf diesem Niveau eine deutliche Sache. Am Abend folgte Aalborg Håndbold gegen den FC Barcelona, 32:37 aus dänischer Sicht. Damit stand am Sonntag ein Finale zwischen einem spanischen und einem deutschen Klub an, und Magdeburg, der Titelverteidiger, spielte um Platz drei.

Am Sonntag gewann Barcelona mit 37:34. Drei Tore Unterschied, 71 Tore im Spiel – Handball auf dieser Ebene ist ein Tempospiel geworden, in dem eine Auszeit zur richtigen Minute mehr wert sein kann als ein Rückraumschuss. Zuvor hatte Magdeburg das Spiel um Platz drei mit 32:26 gegen Aalborg gewonnen. Vier Spiele an zwei Tagen, keines davon eine Zumutung.

Menschenmenge zieht über eine breite, baumgesäumte Straße, rechts ein Bahnsteig, im Hintergrund das Brandenburger Tor
Anreise als Massenereignis: 20.122 Zuschauer bedeuteten beim Final4 einen neuen Bestwert, erstmals wies ein offizieller Fan Trail den Weg durch Köln zur Arena. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Föderation führt die Halle mit weniger Plätzen, als sie gezählt hat

Beim Nachlesen fällt eine Kleinigkeit auf. Als die EHF im Juni 2022 die Turniere für 2025 und 2026 nach Köln vergab, führte sie die LANXESS arena in ihrer eigenen Mitteilung mit 19.750 Plätzen. Gezählt wurden jetzt 20.122. Woraus sich die Differenz ergibt, geht aus den Mitteilungen nicht hervor. Rekorde in Hallen sind selten so eindeutig, wie sie sich anhören.

Auch der Sprung gegenüber dem Vorjahr ist klein. Die 20.000 waren 2025 erstmals übertroffen worden; wie deutlich, teilte die Föderation in ihrer Vorschau nicht mit. Bestmarken entstehen an dieser Stelle in Hundertschritten. Das macht sie nicht wertlos, aber es relativiert die Wortwahl.

In derselben Mitteilung von 2022 steht auch der Grund für die lange Kölner Serie.

„Köln hat sich seit 2010 als sehr guter Standort für die EHF FINAL4 bewährt. Es besteht kein Zweifel, dass wir uns hier sehr willkommen fühlen.“

Michael Wiederer, Präsident der Europäischen Handballföderation, in einer Mitteilung vom 17. Juni 2022 (aus dem Englischen übersetzt)

An der damaligen Vereinbarung waren neben der Föderation und ihrer Vermarktungsgesellschaft die Stadt Köln, der Hallenbetreiber und das Land Nordrhein-Westfalen beteiligt. Das Turnier ist also kein reines Sportprodukt, sondern ein Standortgeschäft. Wie schnell so etwas kippen kann, hat das Format selbst erlebt: 2020 wurde ohne Zuschauer gespielt, 2021 vor 1.000. Erst 2022 saß die Halle wieder voll.

Die Halle steht in Deutz, unmittelbar am Bahnhof, und das ist der eigentliche Grund für die Serie. Wer aus Berlin, Magdeburg, Barcelona oder Aalborg anreist, steigt aus dem Zug und steht wenige Minuten später vor dem Eingang. Wer ein Hotel sucht, findet es in Gehweite oder eine Rheinbrücke weiter. Sportlich ist Köln für alle vier Klubs neutraler Boden. Logistisch ist die Stadt für dieses Turnier fast unfair gut gelegen.

Die Halle selbst ist nicht für Handball gebaut worden. Sie ist eine Mehrzweckarena, sie wird für Eishockey, Konzerte und Karnevalssitzungen umgebaut, und der Innenraum sieht in kurzer Folge völlig anders aus. Dass ausgerechnet dort seit 16 Jahren das wichtigste europäische Klubturnier des Handballs stattfindet, sagt weniger über die Architektur als über die Lage.

35 Sender und 40 Kameras – das Turnier ist vor allem ein Fernsehprodukt

Die Zahlen, die den Wert dieses Wochenendes beschreiben, stehen nicht in der Torschützenliste. 35 Sender verbreiteten das Signal in mehr als 80 Länder. Produziert wurde mit 40 Kameras, davon 25 für das Fernsehbild. Dazu kam die weltweite Übertragung über EHFTV, den eigenen Streamingdienst der Föderation.

Dazu kommt das Geschäft im Innenraum. Über 2.750 VIP-Gäste wurden in fünf Hospitality-Bereichen betreut; der sogenannte EHF Champions Club wurde gegenüber dem Vorjahr um rund 50 Prozent vergrößert. Das ist die Sorte Zahl, die in keinem Spielbericht steht und trotzdem erklärt, warum ein Turnier 17 Mal an denselben Ort geht.

Kamerakran und Regieplatz am Spielfeldrand einer Sporthalle
35 Sender verbreiteten das Turnier in mehr als 80 Länder, produziert wurde mit 40 Kameras. · Symbolbild (KI-generiert)

Zum ersten Mal führte ein ausgeschilderter Weg quer durch die Stadt zur Halle

Neu war in diesem Jahr der Fan Trail, ein offizieller Weg durch Köln, der die Zuschauer zur Arena führte. Dazu kamen eine Truck Handball Arena mit ferngesteuerten Lastwagen, ein 200-köpfiger Chor, der live sang, eine Popstar Booth zum Aufnehmen eigener Videos und LED-Armbänder für die Ränge. Wer Handball für einen Sport hält, bei dem zwei Mannschaften einen Ball in ein Tor werfen, hat in Deutz einiges verpasst.

Solche Programme sind kein Beiwerk. Sie sind der Versuch, aus zwei Spieltagen ein ganzes Wochenende zu machen – eines, das Menschen von außerhalb in Züge, Hotels und Restaurants bringt. Ob das im Einzelfall aufgeht, lässt sich an einem Turnier schwer messen. Dass die Stadt es für lohnend hält, sieht man daran, dass sie seit 2010 dabei ist.

Wer schon einmal bei einem Final4 auf dem Oberrang saß, kennt das Bild: Fanblöcke aus vier Ländern, gemischte Sitzreihen, und ein Publikum, das auch bei fremden Mannschaften applaudiert. Diese Kultur ist einer der Gründe, warum das Turnier hier funktioniert. Sie ist nicht selbstverständlich, und sie lässt sich mit keinem Sponsorenpaket herstellen.

Die Zusammensetzung des Teilnehmerfelds war für Köln günstig. Mit dem SC Magdeburg und den Füchsen Berlin standen zwei Bundesligisten im Turnier, dazu der FC Barcelona und Aalborg Håndbold aus Dänemark. Zwei deutsche Halbfinalisten füllen Züge. Ob das im nächsten Jahr wieder so ist, entscheidet die kommende Saison.

Kleines Spielfeld mit Handballtoren und Holzbande auf einem Arena-Vorplatz, daneben Bierbänke, Zelte und Wimpelketten
Zum Rahmenprogramm des Finalwochenendes gehörten unter anderem eine Truck Handball Arena, ein 200-köpfiger Chor und LED-Armbänder für die Ränge. · Symbolbild (KI-generiert)

Am 12. und 13. Juni 2027 wird in Deutz wieder gespielt

Der Vertrag von 2022 reichte bis zu dieser Ausgabe. Weitergespielt wird trotzdem: Für den 12. und 13. Juni 2027 ist das nächste EHF FINAL4 in der LANXESS arena am Willy-Brandt-Platz 3 terminiert. Es wäre die 18. Ausgabe in Köln. Damit hätte dieses Turnier in seiner gesamten Geschichte genau einen Austragungsort gehabt.

Was das Turnier für den Handball in Köln selbst bedeutet, ist schwerer zu sagen. Einen Handball-Bundesligisten hat die Stadt nicht; der höchstklassige Klub spielt in der 3. Liga. Es gibt also eine Handballbegeisterung, die sich an zwei Junitagen in Deutz zeigt, und es gibt einen Vereinshandball, der davon nicht automatisch etwas hat. Zwischen beidem liegt mehr als eine Rheinbrücke.

Für die Stadt ist das Turnier inzwischen ein fester Junitermin. Für die Klubs ist es das Ziel einer langen Saison. Und für die 20.122, die dieses Mal da waren, war es vor allem ein sehr langer Samstag: erstes Halbfinale um 15 Uhr, zweites um 18 Uhr, dazwischen anstehen. Wer beide Tage gebucht hatte, war am Sonntagabend fertiger als die Spieler.

Bleibt die Frage, was von so einem Wochenende in der Stadt bleibt. Die Föderation hat ihre Rekordmeldung, das Fernsehen seine Bilder, die Hotels ihre Buchungen. Der Kölner Handball-Alltag findet weiter nördlich statt, in einer Schulturnhalle mit 450 Plätzen. Auch das ist Handball in Köln.

Quellen und Weiterlesen
Thomas Breuer, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Thomas Breuer
Redakteur · Sport
Seit dem ersten Stadionbesuch 1988 in Müngersdorf zu Hause. Berichtet über den 1. FC Köln, die Haie und den Breitensport in der Stadt — nüchtern, außer nach Derbysiegen.
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