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Mittelstand

Reederei, Brettspielladen, Optiker: Kölns Beste 2026

Über 500 Kölner Betriebe waren nominiert, drei wurden ausgezeichnet: eine 200 Jahre alte Reederei, ein Brettspielgeschäft und ein Augenoptiker. Das Preisgeld beträgt 1.000 Euro je Sieger.

Katharina Esser, Chefredakteurin — KI-generiertes Porträt
Katharina Esser
Business & Unternehmen

Lesezeit 7 Min.
Weißes Ausflugsschiff an einer gepflasterten Uferpromenade, dahinter Altstadthäuser und der Turm von Groß St. Martin
Schifffahrt vor der Altstadtkulisse: In der Kategorie Gastronomie gewann die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt, eine Reederei mit 200-jähriger Geschichte. · Symbolbild (KI-generiert)

Über 500 mittelständische Kölner Betriebe waren nominiert, ausgezeichnet wurden drei: Am Abend des 28. April kürte der Wettbewerb DIE BESTEN im Sachsenturm seine Sieger des Jahres 2026. Es war die 14. Auflage. In der Kategorie Gastronomie gewann die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt, im Einzelhandel das Gesellschaftsspielgeschäft Spielbrett, im Handwerk Sehbegleiter Bruckmann Augenoptik. Eine Reederei mit 200-jähriger Geschichte, ein Laden für Brettspiele und ein Optikerbetrieb: Auf den ersten Blick verbindet die drei nichts außer der Postleitzahl.

Das Verfahren erklärt einen Teil dieser Spannbreite. Zwischen dem 19. Januar und dem 31. März konnten Kölnerinnen und Kölner ihre Lieblingsbetriebe in den Bereichen Handwerk, Handel und Gastronomie nominieren. Nach Auswertung der Stimmen entschieden Fachjurys über die Sieger. Ausgezeichnet wird also nicht der höchste Umsatz und nicht die beste Rendite, sondern eine Mischung aus Bekanntheit, Mobilisierungsfähigkeit und fachlichem Urteil. Wer viele treue Kunden hat, kommt weiter als der, der viel verdient.

Der Preis selbst ist bescheiden bemessen: 1.000 Euro Preisgeld je Sieger, dazu ein professionell produzierter Imagefilm für die sozialen Netzwerke. Für einen Betrieb mit Personalkosten im sechsstelligen Bereich ist die Summe kaum mehr als ein Symbol. Der Film dagegen ist der eigentliche Gegenwert, denn eine solche Produktion kostet auf dem freien Markt ein Vielfaches des Preisgeldes. Der Wettbewerb bezahlt also nicht in Geld, sondern in Sichtbarkeit.

Wer den Wettbewerb organisiert, verrät etwas über seine Funktion. NetCologne ist ein Kölner Telekommunikationsunternehmen, die drei Initiatoren sind die Branchenverbände für Gastgewerbe, Handel und Handwerk. Für sie ist der Preis Mitgliederpflege und Nachwuchswerbung in einem. Sichtbarkeit ist in einem Arbeitsmarkt, in dem Betriebe um Auszubildende konkurrieren, kein Nebenprodukt, sondern ein knappes Gut.

„Der Kölner Mittelstand bildet das Fundament unserer Stadt und steht zeitgleich für Tradition und den Mut zur Erneuerung. Viele Betriebe sind seit Generationen Teil der Stadtgeschichte. Sie schaffen Arbeitsplätze, bilden aus und machen unsere Stadt lebenswert – genau das macht sie zu den Besten.“

Timo von Lepel, Geschäftsführer von NetCologne

In der Gastronomie gewinnt ein Betrieb, dessen Küchen fahren

Den Preis in der Kategorie Gastronomie überreichte Anna Heller, stellvertretende Vorsitzende des DEHOGA Nordrhein, an die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt. Das Unternehmen betreibt keine Gaststätte an einer Adresse, sondern Gastronomie auf Schiffen zwischen Köln, Düsseldorf, Bonn, Frankfurt, Mainz, Wiesbaden und dem Mittelrhein. 2026 begeht die KD ihr 200-jähriges Bestehen – dasselbe Gründungsjahr wie die Sparkasse KölnBonn und die Klosterfrau Group, mit denen sich das Unternehmen am 15. Juli ins Goldene Buch der Stadt eintrug.

„Seit 200 Jahren sind wir eng mit den Menschen und den Städten am Rhein verbunden. Uns liegt sehr am Herzen, wirklich alle an diesem besonderen Jubiläum teilhaben zu lassen und ein Stück dieser Verbundenheit zurückzugeben.“

Nina Luig, Geschäftsführerin der Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt
Schmaler Gang zwischen deckenhohen Regalen mit gestapelten Spielkartons.
Fachgeschäft für Gesellschaftsspiele: Spielbrett gewann die Kategorie Einzelhandel. · Symbolbild (KI-generiert)

Hinter dem Jubiläum steht ein Investitionsprogramm, das die KD in den Wintermonaten abgearbeitet hat. Das Eventschiff MS RheinDiamond, vormals MS Jules Verne, wurde auf einer niederländischen Werft technisch überholt und optisch neu gestaltet. Die für bis zu 1.000 Gäste zugelassene MS RheinFantasie erhielt ein neues Interieur. Hinzu kamen eine neue Salonbestuhlung auf dem Schaufelradschiff GOETHE, modernisierte Besatzungsbereiche und neue Freideckbeläge auf mehreren Schiffen. Welche Summe das Unternehmen dafür aufgewendet hat, teilte es nicht mit.

Die Saison läuft seit dem 28. März mit täglichen Panoramafahrten in Köln, Düsseldorf, Frankfurt und Cochem; am 4. April nahm die Flotte am Mittelrhein den Betrieb auf, seit dem 25. April fährt die KD im Hauptsaisontakt. Für das erste Augustwochenende hat das Unternehmen ein Festwochenende angekündigt: Am 1. August stehen die Kölner Lichter im Mittelpunkt, am 2. August sollen ein Tag des offenen Decks und eine Brunchfahrt von Köln nach Düsseldorf folgen. Auffällig ist, wie stark die KD dabei auf Partnerschaften setzt – ein Jubiläums-Branding an der MS RheinMagie gemeinsam mit der ebenfalls 200 Jahre alten Sparkasse KölnBonn, ein weiteres an der MS Willi Ostermann mit dem Kölner Traditionsunternehmen Hardy Remagen, bis hin zu einer 200-Gramm-Jubiläumswurst und einer eigens entwickelten Currysoße.

Bemerkenswert ist der Zeitpunkt dieser Ausgaben. Ein Ausflugsschifffahrtsbetrieb verdient in wenigen Monaten das Geld für ein ganzes Jahr; Werftaufenthalte fallen in die Wintermonate, in denen keine Fahrgäste an Bord kommen. Wer in einem solchen Winter gleich mehrere Schiffe überholen lässt, rechnet mit einer Saison, die das trägt. Zum Jubiläumsjahr gehören deshalb auch neue Formate: Dinner-Abende an Bord der MS RheinDiamond, ein Food Market in Köln und Düsseldorf, eine All White Party auf der MS RheinGalaxie in Düsseldorf und erstmals Lounge-Abendfahrten in Mainz und Wiesbaden.

Ein Brettspielladen behauptet sich mit gebrauchter Ware

Den Preis im Einzelhandel überreichte Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbands NRW Aachen-Düren-Köln, an Spielbrett und dessen Inhaberin Nadine Pick. Das Fachgeschäft für Gesellschaftsspiele liegt an der Engelbertstraße 5 in der Kölner Neustadt und besteht seit 40 Jahren. Neben Neuheiten führt es eine Second-Hand-Abteilung; geöffnet ist montags bis donnerstags von 10 bis 19 Uhr, freitags von 11 bis 19 Uhr und samstags von 10.30 bis 16 Uhr. Ein Ladengeschäft für ein Produkt, das online jederzeit und oft günstiger zu haben ist – und trotzdem seit vier Jahrzehnten am selben Ort.

Werkbank mit Brillenfassungen in einem Kasten, verstreuten Gläsern und Werkzeug unter einer Schreibtischlampe
In der Kategorie Handwerk setzte sich Sehbegleiter Bruckmann Augenoptik durch – nominiert waren über 500 Kölner Betriebe. · Symbolbild (KI-generiert)

Der Gebrauchtwarenhandel ist dabei kein Beiwerk, sondern ein Geschäftsmodell mit eigener Logik: Er bindet Kundschaft an den Laden, weil dort verkauft wie gekauft wird, und er erzeugt ein Sortiment, das kein Versender in dieser Form vorhalten kann. Für den Kölner Einzelhandel ist das ein Befund, der über Brettspiele hinausreicht. Wo Beratung, Auswahl und Wiederverkauf zusammenkommen, hat ein Fachgeschäft eine Position, die sich nicht allein über den Preis angreifen lässt.

Für die Kategorie Einzelhandel ist dieser Sieg ein Signal. Ausgezeichnet wurde kein Filialist und kein Versandhändler mit Ladengeschäft, sondern ein inhabergeführtes Fachgeschäft mit einem eng umrissenen Sortiment und begrenzten Öffnungszeiten – samstags schließt es um 16 Uhr. Wer daraus ein Erfolgsrezept ableiten möchte, sollte die Reihenfolge beachten: Der Preis folgt der Kundenbindung, nicht umgekehrt.

Im Handwerk gewinnt ein Betrieb, der Kontrolltermine verkauft

In der Kategorie Handwerk zeichnete Nicolai Lucks, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Köln, den Betrieb Sehbegleiter Bruckmann Augenoptik aus; entgegengenommen haben den Preis Peter Bruckmann und Oliver Zillger. Der Betrieb beschreibt sich selbst als Experten für perfektes Sehen ein Leben lang und arbeitet mit Mitgliedschaften: Wer sich anmeldet, erhält jährliche Kontrolluntersuchungen samt Anamnese und Terminvergabe. Damit verkauft ein Handwerksbetrieb nicht mehr allein ein Produkt, sondern eine wiederkehrende Leistung. Für die Kalkulation ist das ein erheblicher Unterschied, weil planbare Umsätze an die Stelle des Einzelverkaufs treten.

Für das Kölner Handwerk ist das Modell insofern aufschlussreich, als es ein bekanntes Problem adressiert. Ein Optikerbetrieb verkauft eine Brille alle paar Jahre; zwischen zwei Käufen bricht der Kontakt zur Kundschaft ab, und genau dort setzt die Konkurrenz aus dem Onlinehandel an. Ein Mitgliedschaftsmodell dreht diese Logik um, indem es den jährlichen Termin zur Regel macht. Was der Betrieb dafür verlangt, ist auf seiner Internetseite nicht ausgewiesen.

Beleuchteter historischer Turm als Veranstaltungsort bei Abendlicht, von unten fotografiert.
Der Sachsenturm in Köln war Schauplatz der 14. Preisverleihung von DIE BESTEN. · Symbolbild (KI-generiert)

Ein Publikumspreis misst Zuneigung, nicht Bilanzen

Getragen wird der Wettbewerb seit 14 Jahren von NetCologne gemeinsam mit den Initiatoren DEHOGA Nordrhein, dem Handelsverband NRW Aachen-Düren-Köln und der Kreishandwerkerschaft Köln, unterstützt von KölnBusiness, koeln.de und Radio Köln. Durch den Abend im Sachsenturm führte die Fernsehmoderatorin Frauke Ludowig vor rund 100 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung; die Keynote hielt Björn Griesemann, Geschäftsführer der Griesemann Gruppe und Präsident der Blauen Funken. Die Trägerkonstellation ist selbst eine Aussage: Ein Telekommunikationsunternehmen, drei Wirtschaftsverbände und die städtische Wirtschaftsförderung organisieren gemeinsam die Bühne für Betriebe, die einzeln zu klein sind, um eine eigene zu bekommen.

Was ein solcher Preis nicht misst, gehört zur Einordnung dazu. Über Umsätze, Beschäftigtenzahlen, Ausbildungsquoten oder Ertragslage der drei Sieger sagt die Auszeichnung nichts, und die Veranstalter erheben diese Daten auch nicht. Die Nominierungszahl von über 500 Betrieben ist ein Maß für Beteiligung, nicht für die Zahl der Kölner Mittelständler insgesamt. Wer aus dem Ergebnis auf den Zustand des Kölner Mittelstands schließen will, überdehnt es also. Was der Wettbewerb belegt, ist etwas anderes: dass mehrere Hundert Betriebe in dieser Stadt eine Kundschaft haben, die sich für sie die Mühe eines Nominierungsformulars macht.

Zusammengenommen zeichnen die drei Sieger ein Bild der Kölner Kleinteiligkeit. Ein Unternehmen mit Schiffen, Werftaufträgen und Saisonpersonal, ein Ladengeschäft an einer Straße der Neustadt, ein Handwerksbetrieb mit Werkstatt und Terminkalender: Zwischen diesen Größenordnungen liegen mehrere Zehnerpotenzen. Was sie verbindet, ist die Bindung an einen Ort. Keiner der drei Betriebe kann seinen Standort verlagern, ohne sein Geschäft zu verlieren – und darin unterscheidet sich der Mittelstand von jedem Konzern, der eine Standortentscheidung trifft.

Genau darin liegt die wirtschaftliche Substanz hinter dem Glamour einer Gala. Kleine und mittlere Betriebe sind Arbeitgeber und Ausbilder, sie zahlen Gewerbesteuer am Ort und mieten Ladenflächen in Straßen, deren Leerstand die Stadt sonst beschäftigt. Ein Brettspielgeschäft an der Engelbertstraße hält eine Erdgeschossfläche in Betrieb; eine Reederei mit 200 Jahren Geschichte hält Anleger, Werftaufträge und Saisonpersonal in Bewegung. Diese Effekte tauchen in keiner Preisverleihung auf, sondern im Haushalt der Kommune.

„Ob traditionsreicher Händler oder innovatives Handwerksunternehmen – diese Betriebe machen Köln lebens- und liebenswert. Mit DIE BESTEN geben wir ihnen die Bühne, die sie verdienen.“

Timo von Lepel, Geschäftsführer von NetCologne

Der nächste Termin, an dem sich einer der drei Preisträger öffentlich überprüfen lässt, steht bereits fest: das Festwochenende der KD am 1. und 2. August rund um die Kölner Lichter. Ob ein Imagefilm einem Brettspielladen oder einem Augenoptiker messbar hilft, wird sich dagegen kaum öffentlich beantworten lassen. Bleibt die Frage, ob 1.000 Euro und ein Film das angemessene Werkzeug sind, um einem Sektor zu helfen, dessen Probleme Mieten, Personal und Nachfolge heißen.

Quellen und Weiterlesen
Katharina Esser, Chefredakteurin — KI-generiertes Porträt
Katharina Esser
Chefredakteurin · Business & Unternehmen
Leitet die Kölner Zeit seit der Gründung 2022. Zuvor zehn Jahre Wirtschaftsredakteurin in Düsseldorf und Frankfurt. Schreibt über Mittelstand, Startups und Strukturwandel im Rheinland.
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