Donnerstag, 6. August 2026 Ausgabe Nr. 240
Köln 20° · heiter bis wolkig Redaktion
Kölner Zeit
Unabhängige Nachrichten aus Köln · seit 2022
KVB-Baustelle

Neun Wochen ohne Stadtbahn über den Rhein: Kölns KVB-Sommer

Seit dem 29. Juni fährt keine Stadtbahn über die Deutzer Brücke. Bis zum 2. September sind die Linien 1, 7 und 9 getrennt – die dritte Phase mit neuen Trennstellen beginnt am 14. August.

Amira Yılmaz, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
Amira Yılmaz
Aktuelles & Stadt

Lesezeit 5 Min.
Gesperrte Gleise auf einer Rheinbrücke mit rot-weißen Barrieren, im Hintergrund Kölner Dom und Groß St. Martin
Blick über gesperrte Gleise Richtung Altstadt: Vom 29. Juni bis zum 2. September fährt keine Stadtbahn über die Deutzer Brücke. · Symbolbild (KI-generiert)

Seit dem 29. Juni 2026, etwa 3 Uhr, fährt keine Stadtbahn mehr über die Deutzer Brücke. Bis zum 2. September, ebenfalls gegen 3 Uhr, sind die Linien 1, 7 und 9 mehrfach getrennt – neun Wochen lang. Die Stadt Köln und die Kölner Verkehrs-Betriebe bündeln in diesem Zeitraum mehrere Bauvorhaben an einer Stelle: ein neues Hochwasserschutztor an der Mindener Straße, die Instandsetzung der Übergangskonstruktionen der Deutzer Brücke und Arbeiten an der Haltestelle Bahnhof Deutz/Messe. Betroffen ist damit eine der zentralen Verbindungen zwischen linker und rechter Rheinseite.

Die Bauarbeiten der Stadt sind für den Zeitraum vom 26. Juni bis zum 4. September 2026 angesetzt und reichen damit an beiden Enden über die Stadtbahnsperrung hinaus. Eingebaut wird ein Hochwasserschutztor an der Ein- und Ausfahrt des Stadtbahntunnels an der Mindener Straße. Zugleich werden die Übergangskonstruktionen der Deutzer Brücke instand gesetzt; das sind die Fahrbahnübergänge, über die sich der Bauwerksteil bei Temperaturschwankungen bewegen kann. An der Haltestelle Bahnhof Deutz/Messe kommen Arbeiten zum Brandschutz und zur Erneuerung hinzu.

Drei Bauphasen mit wechselnden Trennstellen

Die Sperrung ist in drei Phasen gegliedert, die jeweils andere Abschnitte betreffen. In Phase 1 vom 29. Juni bis zum 13. Juli waren die Linien 1 und 9 zwischen Heumarkt und Bahnhof Deutz/Messe getrennt, die Linie 7 zwischen Neumarkt und Deutzer Freiheit. Als Ersatz fuhr die Buslinie 101 zwischen Neumarkt und Koelnmesse; für diese Strecke wurden rund elf bis zwölf Minuten veranschlagt. Wer den Rhein queren wollte, konnte alternativ die Tunnellinien 3 und 4 nutzen.

Phase 2 läuft seit dem 13. Juli und dauert bis zum 14. August. Die Linien 1 und 9 bleiben zwischen Heumarkt und Bahnhof Deutz/Messe getrennt, bei der Linie 1 kommt nach Angaben der KVB eine zweite Trennstelle zwischen Merheim und Bensberg hinzu. Die Linie 7 ist seit dem 20. Juli zwischen Neumarkt und Zündorf getrennt, zuvor endete der Abschnitt an der Deutzer Freiheit. Im Einsatz sind in dieser Phase die Ersatzbusse 101 und 107.

Lange Schlange wartender Menschen hinter Absperrgittern auf einem Platz, links ein weißer Bus
Warten auf den Ersatzverkehr: In der ersten Phase verband der Bus 101 Neumarkt und Koelnmesse, später kamen die Linien 107 und 109 hinzu. · Symbolbild (KI-generiert)

Phase 3 beginnt am 14. August und endet am 2. September. Dann ist die Linie 1 zwischen Heumarkt und Bensberg getrennt, die Linie 9 zwischen Heumarkt und Bahnhof Deutz/Messe, die Linie 7 zwischen Neumarkt und Zündorf. Zu den Ersatzbussen 101 und 107 tritt in dieser Phase die Linie 109. Ab dem 14. August starten und enden nach Angaben der KVB alle Züge der Linien 1 und 9 am Bahnhof Deutz/Messe auf Gleis 1.

Die Ersatzbusse fahren unterschiedliche Wege. Die 101 verbindet Neumarkt, Heumarkt, Deutzer Freiheit, Bahnhof Deutz/Messe und Koelnmesse; in den späteren Phasen kommt ein Ast im Rechtsrheinischen zwischen Bensberg und Merheim hinzu. Die 107 bedient seit dem 20. Juli den getrennten Abschnitt der Linie 7 zwischen Neumarkt und Zündorf und fährt dabei unter anderem über die Severinsbrücke, die Drehbrücke und den Poller Kirchweg. Die 109 übernimmt in Phase 3 die Verbindung für die Linie 9 zwischen Neumarkt und Koelnmesse.

  • Phase 1, 29. Juni bis 13. Juli: Linien 1 und 9 zwischen Heumarkt und Bahnhof Deutz/Messe getrennt, Linie 7 zwischen Neumarkt und Deutzer Freiheit; Ersatzbus 101
  • Phase 2, 13. Juli bis 14. August: zusätzliche Trennung der Linie 1 zwischen Merheim und Bensberg, Linie 7 ab 20. Juli bis Zündorf getrennt; Ersatzbusse 101 und 107
  • Phase 3, 14. August bis 2. September: Linie 1 zwischen Heumarkt und Bensberg, Linie 9 zwischen Heumarkt und Bahnhof Deutz/Messe, Linie 7 zwischen Neumarkt und Zündorf; Ersatzbusse 101, 107 und 109
  • Durchgehend nutzbar: die Tunnellinien 3 und 4 zwischen beiden Rheinseiten

Auch der Autoverkehr verliert Spuren auf der Mindener Straße

Die Einschränkungen betreffen nicht nur die Stadtbahn. Seit dem 26. Juni ist die linke Geradeausspur der Mindener Straße in Richtung Deutzer Brücke gesperrt, und zwar vom Knotenpunkt Opladener Straße/Auenweg bis zur rechtsrheinischen Rampe. Seit dem 29. Juni entfällt zusätzlich die Fahrspur in Richtung Siegburger Straße und Poll. Auf der Brücke selbst bleibt die linke Fahrspur im Bereich der Abfahrt bis zur Einmündung Deutzer Freiheit gesperrt.

Für den Verkehr in Richtung Poll hat die Stadt zwei Umleitungen ausgeschildert: über Justinianstraße, Gotenring, Adolphstraße und Arminiusstraße oder über Justinianstraße, Deutz-Kalker-Straße, Östliche Zubringerstraße und Im Hasental. Autofahrenden aus Mülheim und von der B55a empfiehlt die Verwaltung, auf die Severinsbrücke auszuweichen. Die Empfehlung ist keine Anordnung; wie sich die Verkehrsströme tatsächlich verteilen, hat die Stadt bislang nicht ausgewertet. Die Arbeiten an der Mindener Straße laufen noch bis zum 4. September.

Straßenbaustelle mit Bagger, Arbeitern in Warnwesten, Baugrube und einem liegenden Stahlrahmen vor Wohnhäusern
An der Mindener Straße wird ein Hochwasserschutztor an der Ein- und Ausfahrt des Stadtbahntunnels eingebaut. · Symbolbild (KI-generiert)

Am CSD-Sonntag fuhren auch die Ersatzbusse nicht

Ein Wochenende fiel besonders aus dem Raster. Von Freitag, 3. Juli, gegen 5 Uhr bis Montag, 6. Juli, gegen 5 Uhr fuhr der Ersatzbus 101 nur zwischen Heumarkt und Koelnmesse. Während der Parade am Sonntag, 5. Juli, ruhte der Busverkehr auf dieser Strecke zwischen 8 und 18 Uhr vollständig. Die KVB verwies für diese Zeit auf die Linien 3 und 4, die unabhängig von der Brücke durch den Tunnel unter dem Rhein fahren.

Solche Ausnahmen zeigen, wie eng das Ersatzkonzept getaktet ist. Ein Ersatzbus im Straßenraum ist auf freie Fahrspuren angewiesen; sind die Straßen wegen einer Großveranstaltung gesperrt, fällt er ersatzlos aus. Die Stadtbahn im Tunnel ist davon unabhängig. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer Brückenquerung und einer Tunnelquerung, der in diesem Sommer für viele Fahrgäste praktische Bedeutung bekommt.

Die KVB hat zu den Ersatzhaltestellen zudem eine Übersicht zur Barrierefreiheit veröffentlicht. Für die meisten Haltestellen ist der Zugang als in Ordnung vermerkt, bei einzelnen gibt es Einschränkungen; genannt wird etwa eine Ein- und Ausstiegsfläche von weniger als 1,50 Metern Breite. Wer auf einen Rollstuhl oder einen Rollator angewiesen ist, sollte die Angaben zur jeweiligen Haltestelle vorab prüfen. Die Liste steht auf der Baustellenseite der KVB.

Regennasse Kreuzung von oben mit rot-weißen Absperrungen, wartenden Autos und einer Stadtbahn auf einer Hochstrecke
Auch der Autoverkehr verliert Platz: Auf der Mindener Straße sind seit Ende Juni zwei Fahrspuren gesperrt. · Symbolbild (KI-generiert)

Warum drei Vorhaben in einem Zeitfenster liegen

Die Bündelung ist eine bewusste Entscheidung. Statt Hochwasserschutztor, Brückenübergänge und Haltestellenarbeiten nacheinander abzuwickeln und die Verbindung mehrfach zu unterbrechen, hat die Stadt sie in ein Zeitfenster gelegt. Die Mitteilung der Stadt vom 17. Juni trägt entsprechend die Überschrift, dass die Einschränkungen für den Kfz-Verkehr vor den Sommerferien beginnen. Der Ferienzeitraum ist die Phase mit dem geringsten Berufsverkehr im Jahr.

Das Kalkül hat eine Kehrseite. Die Messe liegt unmittelbar an der gesperrten Achse, und die Haltestelle Bahnhof Deutz/Messe ist einer der wichtigsten Umsteigepunkte im rechtsrheinischen Netz. Wer im Sommer zu einer Veranstaltung will, muss auf Ersatzbusse oder die Tunnellinien ausweichen. Das Portal CityNEWS hatte die Maßnahme im Juni als eines der größten Baupakete des Jahres beschrieben.

Was für die Zeit nach dem 2. September offen ist

Die KVB hat für die einzelnen Ersatzbusse Fahrpläne veröffentlicht, aber keine Angaben dazu gemacht, mit welchen Verspätungen Fahrgäste im Alltag rechnen müssen. Auch eine Zwischenbilanz zur Auslastung der Ersatzlinien liegt bislang nicht vor. Ob die Arbeiten im Zeitplan liegen, hat weder die Stadt noch das Verkehrsunternehmen seit Baubeginn öffentlich mitgeteilt. Für den Abschluss gilt weiterhin der 2. September, für die Bauarbeiten der Stadt der 4. September.

Offen ist zudem, was nach dem Ende der Sperrung folgt. Die Deutzer Brücke ist Teil eines Bauwerksbestands, an dem in Köln über Jahre gearbeitet werden wird; ein Programm für weitere Abschnitte hat die Stadt im Zusammenhang mit dieser Maßnahme nicht vorgelegt. Der nächste feste Termin im Verfahren ist der 14. August, wenn Phase 3 beginnt und sich die Trennstellen erneut verschieben. Wer die Linien 1, 7 oder 9 nutzt, sollte den Fahrplan zu diesem Datum noch einmal prüfen.

Quellen und Weiterlesen
Amira Yılmaz, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
Amira Yılmaz
Redakteurin · Aktuelles & Stadt
Lokaljournalistin durch und durch: Ratspolitik, Verkehr, Stadtentwicklung und alles, was Köln bewegt. Zusätzlich zuständig für Sehenswürdigkeiten und Tourismus.
Alle Beiträge der Redaktion →

Mehr aus Aktuelles

Alle Beiträge →
Museumssanierung
177 Millionen Euro: Kölns Museumsbaustelle startet im Bunker
Die Stadt hat die Generalsanierung des Römisch-Germanischen Museums an ein Generalunternehmen vergeben. Die Kostenprognose liegt bei 177 Millionen Euro brutto – begonnen wird im Bunker von 1941.
Von Amira Yılmaz · 27. Juli 2026
Niedrigwasser
Rheinpegel Köln bei 78 Zentimetern – Rekordtief von 2018 in Reichweite
Der Pegel Köln meldete am Montagabend 78 Zentimeter – nur 9 über dem Rekordtief von 2018. Was der Wert wirklich misst, warum für die Schifffahrt eine andere Zahl zählt und was die Vorhersage für Freitag nennt.
Von Amira Yılmaz · 27. Juli 2026
Verkehrslärm
Luxemburger Straße: Stadt prüft den Wegfall einer Autospur
Tempo 30 reicht nicht: Ein Lärmgutachten zeigt, dass die Richtwerte weiter gerissen werden. Am 22. September entscheidet der Mobilitätsausschuss über eine 270.000 Euro teure Untersuchung.
Von Amira Yılmaz · 27. Juli 2026
Der Kölner Wochenbrief
Jeden Freitag der neue Beitrag der Woche, dazu Termine und Empfehlungen der Redaktion. Kostenlos, jederzeit abbestellbar.
Kölner Zeit

Unabhängige Nachrichten aus Köln seit 2022. Sieben Redakteurinnen und Redakteure, sieben Ressorts — über Wirtschaft, Stadt und das Leben zwischen Dom und Veedel.

© 2022–2026 Kölner Zeit · Ein Angebot der Tecnola GmbH, Bergisch Gladbach Wetterdaten: Deutscher Wetterdienst (CC BY 4.0), abgerufen über Bright Sky