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Fusionsbilanz

BarmeniaGothaer: 180,5 Millionen Euro Gewinn im ersten Fusionsjahr

Der Kölner Versicherer legt seine erste volle Bilanz nach dem Zusammenschluss mit der Barmenia vor: 9,27 Milliarden Euro Beitrag, 180,5 Millionen Euro Überschuss – und ein Ziel für 2028.

Markus Schmitz, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Markus Schmitz
Banken & Finanzen

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Großer moderner Bürokomplex mit gepflastertem Vorplatz im Morgenlicht
Im Kölner Süden liegt einer der beiden Hauptsitze des fusionierten Konzerns – der andere steht in Wuppertal. · Symbolbild (KI-generiert)

Auf der Beitragsrechnung einer Krankenversicherung steht ein Name, auf dem Kontoauszug ein Betrag – dass hinter beidem inzwischen ein anderer Konzern steht als noch vor zwei Jahren, merken die meisten Kundinnen und Kunden nicht. Die Barmenia aus Wuppertal und die Kölner Gothaer sind ein Unternehmen; 2025 war ihr erstes gemeinsames Geschäftsjahr. Am 22. Mai 2026 hat die BarmeniaGothaer dazu die erste vollständige Jahresbilanz vorgelegt. Sie fällt deutlich besser aus, als der Konzern selbst noch ein halbes Jahr zuvor erwartet hatte.

Die Beitragseinnahmen stiegen 2025 um 7,8 Prozent auf 9,27 Milliarden Euro; das sind nach Angaben des Konzerns 1,2 Prozentpunkte mehr, als der Markt insgesamt zugelegt hat. Der Konzernjahresüberschuss – der Gewinn nach Steuern, hier gerechnet vor der Veränderung der Schwankungsrückstellung, also jener Reserve, die Schadenversicherer in guten Jahren auffüllen und in schlechten auflösen – kletterte von 63,5 auf 180,5 Millionen Euro. Das ist knapp das Dreifache. Solche Sprünge sind in der Versicherungswirtschaft ungewöhnlich und verdienen einen zweiten Blick.

Im Dezember rechnete der Konzern noch mit gut der Hälfte

Denn im Dezember 2025 klang die Vorschau anders. In einer vorläufigen Mitteilung vom 15. Dezember hatte die BarmeniaGothaer noch mit einem Überschuss von voraussichtlich rund 101 Millionen Euro und einer Solvency-II-Quote von 201,1 Prozent gerechnet. Am Ende wurden daraus 180,5 Millionen Euro und 225,6 Prozent. Woher die Differenz von rund 80 Millionen Euro stammt, ist der Mitteilung vom 22. Mai 2026 nicht zu entnehmen; eine Erläuterung dazu enthält sie nicht.

Der Zusammenschluss, um dessen erste Bilanz es geht, hat zwei große Mittelständler der Branche zusammengeführt: die Barmenia mit Sitz in Wuppertal und die Gothaer mit Sitz am Arnoldiplatz 1 in Köln. Der gemeinsame Konzern beschäftigt rund 7.500 Menschen und betreut nach eigenen Angaben etwa acht Millionen Kundinnen und Kunden. Geführt wird er von zwei Vorstandsvorsitzenden, Andreas Eurich und Oliver Schoeller – ein Modell, das nach Fusionen häufig gewählt wird und selten dauerhaft ist.

Runde Drehtür aus Glas und Stahl am Eingang eines Bürogebäudes, in den Scheiben spiegelt sich die Umgebung
Zwei Marken, ein Konzern: Seit dem Geschäftsjahr 2025 rechnen Barmenia und Gothaer gemeinsam ab. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Solvenzquote steigt um gut 36 Punkte

Die aussagekräftigste Zahl der Bilanz ist nicht der Gewinn, sondern die Solvency-II-Quote. Sie misst, ob ein Versicherer genug Eigenmittel hat, um ein Jahr zu überstehen, wie es statistisch nur alle 200 Jahre vorkommt; 100 Prozent ist die aufsichtsrechtliche Mindestmarke. Der Konzern kam Ende 2025 auf 225,6 Prozent nach 189,3 Prozent ein Jahr zuvor – ein Plus von gut 36 Punkten. Gerechnet ist das ohne Übergangsmaßnahmen, also ohne die Erleichterungen, die Versicherer beim Wechsel in das heutige Aufsichtsregime in Anspruch nehmen dürfen. Das ist die härtere der beiden gebräuchlichen Rechnungen.

Auch das Eigenkapital wuchs, von 1,99 auf 2,07 Milliarden Euro. Die Ratingagentur S&P Global Ratings hatte die Bewertung des Konzerns im Juni 2025 mit einem „A“ und positivem Ausblick bestätigt; das steht in der Adhoc-Mitteilung, die die Gothaer Allgemeine Versicherung AG am selben Tag über den Kapitalmarkt verbreitete. Ratings sind keine Garantie, aber sie sind die einzige laufende Fremdbeurteilung, die ein Versicherungskunde ohne Bilanzkenntnisse überhaupt nachschlagen kann.

„Unser marktüberdurchschnittliches Beitragswachstum sowie unsere sehr starke Finanzkraft zeigen, dass wir die Potenziale aus dem Zusammenschluss bereits konsequent in konkreten Geschäftserfolg übersetzen.“

Oliver Schoeller, Co-Vorstandsvorsitzender der BarmeniaGothaer

Der Satz stammt aus der Mitteilung des Unternehmens und ist entsprechend zu lesen. Sein Kollege Andreas Eurich verwies darauf, dass sich die strategische Ausrichtung des Konzerns im Jahr 2025 gegenüber geopolitischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen bewährt habe, und kündigte tiefgreifende Veränderungen im Versicherungsmarkt an. Was von einer Fusion tatsächlich übrig bleibt, zeigt sich erfahrungsgemäß nicht im ersten, sondern im dritten und vierten gemeinsamen Jahr – wenn die IT zusammengeführt ist und die Verträge aus beiden Beständen unter einem Dach verwaltet werden.

Das Gesundheitsgeschäft ist die größte Säule, das Schadengeschäft die am schnellsten wachsende

Getragen wird das Wachstum von drei Segmenten. Am größten ist die Krankenversicherung mit 3,82 Milliarden Euro Bruttobeitrag, ein Plus von 8,9 Prozent; der Jahresüberschuss dieses Segments stieg um 67 Prozent auf 52 Millionen Euro. Für eine private Krankenversicherung ist das eine gute Nachricht mit einem Vorbehalt: Überschüsse in der Krankenversicherung sind zu großen Teilen für die Versicherten gebunden und dürfen nicht beliebig entnommen werden.

„Es freut mich sehr, dass wir mit einem über dem Markt liegenden Beitragszuwachs unsere Wettbewerbsposition weiter ausbauen konnten.“

Christian Ritz, Vorstand Gesundheit der BarmeniaGothaer

Das Schaden- und Unfallgeschäft, im Branchenjargon Komposit, wuchs am schnellsten: um 9,2 Prozent auf 3,31 Milliarden Euro. Entscheidend ist hier die Combined Ratio, die angibt, wie viel von 100 Euro Beitrag für Schäden und Verwaltung draufgeht; alles unter 100 Prozent ist ein versicherungstechnischer Gewinn. Die Barmenia kam auf 90,7 Prozent und verbesserte sich damit um 9,8 Punkte, die Gothaer auf 90,8 Prozent nach einer Verbesserung um 2,6 Punkte. Wer im Kompositgeschäft zwei Jahre hintereinander unter 92 Prozent bleibt, verdient Geld nicht an der Börse, sondern am eigentlichen Handwerk.

Bänke und Rasenfläche vor einem Bürogebäude in der Mittagspause, Personen von hinten
Rund 7.500 Menschen arbeiten für den Konzern, der etwa acht Millionen Kundinnen und Kunden betreut. · Symbolbild (KI-generiert)

Für die Gothaer Allgemeine Versicherung AG, die als Einzelgesellschaft am Kapitalmarkt auskunftspflichtig ist, liegen die Zahlen noch genauer vor. Sie buchte rund 2,88 Milliarden Euro Bruttobeitrag, ein Plus von 8,3 Prozent gegenüber einem Marktwachstum von 7,6 Prozent, und wies einen Jahresüberschuss von rund 80,1 Millionen Euro aus – 78 Prozent mehr als im Vorjahr. Ihre Brutto-Combined-Ratio verbesserte sich um 2,6 Punkte auf 90,8 Prozent, ihre Solvency-II-Quote um 17,8 Punkte auf 181,0 Prozent. Nachzulesen ist das in der Adhoc-Mitteilung vom 22. Mai 2026.

Das kleinste der drei Segmente ist die Lebensversicherung mit 1,45 Milliarden Euro und einem Plus von 4,6 Prozent. Ihre Solvenzquote liegt mit 267 Prozent deutlich über der des Gesamtkonzerns, was für ein Lebensversicherungsgeschäft mit vergleichsweise geringen Zinsgarantien spricht. Das schwächere Wachstum hat einen Grund, der außerhalb des Hauses liegt und den die zuständige Vorständin auch benennt.

„Im vergangenen Geschäftsjahr war der Markt in der Lebensversicherung deutlich vom starken Wachstum im Einmalbeitragsgeschäft geprägt.“

Alina vom Bruck, Vorständin Leben der BarmeniaGothaer

Das Gewinnziel für 2028 liegt nur 19,5 Millionen Euro über dem Ergebnis von 2025

Für 2028 hat sich der Konzern zwei Marken gesetzt: zehn Milliarden Euro Bruttobeitragseinnahmen und 200 Millionen Euro Konzernjahresüberschuss. Rechnet man das aus, wirken beide Ziele nach diesem Geschäftsjahr eher zurückhaltend. Um von 9,27 auf zehn Milliarden Euro zu kommen, genügen im Schnitt knapp 2,6 Prozent Wachstum pro Jahr – 2025 waren es 7,8 Prozent. Und das Gewinnziel liegt gerade einmal 19,5 Millionen Euro über dem, was 2025 bereits erreicht wurde. Entweder rechnet der Vorstand mit schwierigeren Jahren, oder die Ziele stammen aus einer Zeit vor diesem Ergebnis; die Mitteilung sagt dazu nichts.

Luftaufnahme eines Stadtviertels mit Büroblocks und Wohnhäusern, vorn Kleingärten, rechts ein Fluss mit Brücke
Rund 7.500 Menschen arbeiten für den fusionierten Konzern, der etwa acht Millionen Kundinnen und Kunden betreut. · Symbolbild (KI-generiert)

Für die eigene Police zählt eine andere Zahl

Was heißt das nun für jemanden, der bei einem der beiden Häuser versichert ist? Der Konzerngewinn ist dafür die falsche Kennziffer. Ob der Beitrag einer privaten Krankenversicherung steigt, entscheidet sich an der Kostenentwicklung im jeweiligen Tarif, nicht an der Konzernbilanz; ob eine Lebensversicherung mehr Überschuss abwirft, hängt an der Deklaration der jeweiligen Gesellschaft. Interessant ist für Kundinnen und Kunden die Solvenzquote, weil sie etwas über die Belastbarkeit des Vertragspartners über 20 oder 30 Jahre aussagt. 225,6 Prozent im Konzern und 267 Prozent im Lebensgeschäft sind in dieser Hinsicht komfortable Werte.

Die zweite Zahl, auf die es ankommt, steht in keiner Bilanzmitteilung: die Zahl der Kundinnen und Kunden, die nach der Zusammenführung der Bestände wechseln. Fusionen scheitern selten an der Kapitalausstattung und häufig an der Verwaltung – an Policennummern, die sich ändern, an Ansprechpartnern, die wegfallen, an Verträgen, die in einem neuen System nicht sauber ankommen. Die nächste belastbare Auskunft dazu dürfte der Geschäftsbericht für 2026 geben, der im Frühjahr 2027 erwartet wird. Bis dahin gilt für die eigene Police der übliche Rat: Beitragsanpassungen prüft man im Tarif, nicht in der Pressemitteilung.

Quellen und Weiterlesen
Markus Schmitz, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Markus Schmitz
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Gelernter Bankkaufmann, dann Journalistenschule. Beobachtet den Finanzplatz Köln, Sparkassen, Volksbanken und die Fintech-Szene zwischen Mediapark und Rheinauhafen.
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