Donnerstag, 6. August 2026 Ausgabe Nr. 240
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Bäder

Das Agrippabad ist wieder offen – saniert ist es damit nicht

Seit dem 17. Juli läuft im Agrippabad wieder der Badebetrieb – gut sechs Monate statt anderthalb Jahren. Die eigentliche Sanierung steht noch aus, Kosten und Zeitplan nennen die KölnBäder bislang nicht.

Thomas Breuer, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Thomas Breuer
Sport

Lesezeit 8 Min.
Eingangsbereich eines innerstädtischen Hallenbads in Köln, Betonfassade und Fahrradständer am Vormittag
Innerstädtische Hallenbäder sind in Köln feste Größen im Wochenplan von Schulen und Vereinen · Symbolbild (KI-generiert)

Eine neue Fotowand im Foyer, ein Maskottchen, das am Freitag- und Samstagnachmittag durchs Haus geht, und eine Tür, die wieder aufgeht. So hat das Agrippabad am 17. Juli den Betrieb wieder aufgenommen, nach knapp über sechs Monaten Schließung. Wer die Ankündigungen vom Dezember gelesen hatte, musste mit anderthalb Jahren rechnen. Das ist also eine gute Nachricht, und sie soll einen Absatz lang eine bleiben. Danach wird es wieder unübersichtlich.

Offen sind seit dem 17. Juli alle drei Bereiche: das Hallenbad, die Sauna und der Fitnessbereich AgrippaFit. Selbstverständlich war das nicht, denn im ursprünglichen Plan sollten die drei zu unterschiedlichen Zeitpunkten zurückkommen, das Fitnessstudio zuerst, der Schwimmbereich zuletzt. Jetzt kamen sie gemeinsam. Man darf die Fotowand und das Maskottchen albern finden. Nach einem halben Jahr geschlossener Tür ist beides vermutlich angemessen.

Geschlossen war das Bad an der Kämmergasse seit dem 1. Januar 2026, samt Sauna und AgrippaFit. Mitte Dezember 2025 hatten die KölnBäder mitgeteilt, was ansteht: Abriss der Schrägfassade, Modernisierung von Sauna- und Fitnessbereich, dazu Betonsanierungen am Beckenumgang und Arbeiten am Dach, die bei genaueren Untersuchungen dazugekommen waren. Für die Dauer war damals von rund zwölf Monaten für das Fitnessstudio die Rede, von 15 Monaten für die Sauna und von 18 Monaten für den Schwimmbereich. Als Größenordnung für die Kosten stand zuletzt eine Zahl von rund 20 Millionen Euro im Raum. Beide Angaben gelten so nicht mehr.

Der Befund wurde während der Vorbereitung schlechter, nicht besser

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, jede Maßnahme muss mit dem Denkmalamt abgestimmt werden. Und je genauer die Fachplaner in den Bau hineinsahen, desto mehr fanden sie: zusätzliche Mängel im Dachbereich, weitere Bauteile, die nicht mehr taten, was von ihnen erwartet wurde. Ein kompletter Abriss wurde und wird nicht verfolgt, das hat das Unternehmen früh klargestellt. Was stattdessen genau gebaut werden soll, war im Frühjahr offen. Es ist auch jetzt noch offen.

Im Dezember erklärte das Unternehmen, es habe sofort reagiert, als klar wurde, dass der Sanierungsumfang größer ausfällt als angenommen. Zugleich hieß es, realistische Aussagen zu Umfang, Kosten und Zeitrahmen seien erst zur Jahresmitte 2026 zu erwarten. Wer schon einmal ein altes Haus angefasst hat, kennt diesen Satz. Er bedeutet in aller Regel, dass die erste Zahl nicht die letzte war.

In der Zwischenzeit mussten die Schulen und Vereine unterkommen, die sonst im Agrippabad ihre Bahnen bekommen. Die KölnBäder verwiesen auf das Zollstockbad und den Lentpark. Wer dort in den vergangenen Monaten zu den öffentlichen Zeiten schwimmen wollte, hat gemerkt, was das praktisch heißt: Die öffentlichen Badezeiten wurden eingeschränkt, weil die Belegungspläne die zusätzlichen Gruppen aufnehmen mussten. Ein Hallenbad in der Innenstadt fehlt nicht nur dort, wo es steht. Es fehlt in Zollstock und im Lentpark gleich mit.

Umgekehrt heißt die Rückkehr in den Innenstadtbetrieb jetzt: Zollstockbad und Lentpark bekommen ihre Belegungspläne zurück. Wie schnell sich das auf die öffentlichen Schwimmzeiten dort auswirkt, teilten die KölnBäder in ihrer Meldung zur Wiedereröffnung nicht mit. Bäderpläne werden nicht über Nacht umgeschrieben, und Vereine haben ihre Zeiten für die kommende Saison längst beantragt. Sichtbar wird das eher im Herbst als in dieser Woche.

Leere Schwimmhalle mit gefliestem Beckenumgang und Tageslicht von oben
Betonsanierungen am Beckenumgang gehören zu den Arbeiten, die in älteren Hallenbädern anstehen · Symbolbild (KI-generiert)

Im April teilte das Unternehmen mit, wie es weitergehen soll: zweigleisig. Auf der einen Seite die Neuplanung der großen Sanierung unter Berücksichtigung aller festgestellten Schäden, gemeinsam mit Fachplanern und dem Denkmalschutz. Auf der anderen Seite die Vorbereitung einer Zwischenöffnung. Das ist, nüchtern betrachtet, die aufwendigere von zwei Varianten, weil provisorische Arbeiten später zum Teil noch einmal angefasst werden müssen. Es ist aber die einzige, bei der zwischendurch jemand schwimmen kann.

„Das Agrippabad ist für Köln von großer Bedeutung. Gerade deshalb gehen wir die nächsten Schritte mit der nötigen Sorgfalt und Verantwortung an. Unser Ziel ist es, eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Lösung zu entwickeln – auch wenn das bedeutet, Planungen neu zu denken.“

Claudia Heckmann, Geschäftsführerin der KölnBäder GmbH, in der Mitteilung vom 10. April 2026

Am 15. Juni nannten die KölnBäder ein Datum für die Wiedereröffnung und mussten es im selben Text schon korrigieren. Geplant war der 1. Juli, geworden ist es der 17. Juli. Die Geschäftsführung bedauerte die Verschiebung ausdrücklich. Gemessen an der Vorgeschichte fiel sie überschaubar aus.

„Natürlich hätten wir das Agrippabad gerne wie angekündigt bereits zum 1. Juli wieder eröffnet. Dass sich die Arbeiten nun um wenige Tage verlängern, bedauern wir sehr.“

Claudia Heckmann, Geschäftsführerin der KölnBäder GmbH, in der Mitteilung vom 15. Juni 2026

Aus den wenigen Tagen wurden gut zwei Wochen. Bei einem Vorhaben, das im Dezember noch mit 18 Monaten Schließzeit angesetzt war, ist das eigentlich keine Meldung wert, und die KölnBäder haben es trotzdem gemeldet. Gearbeitet wurde in dieser Zeit am Dach, an der Schrägfassade und an der Technik im Schwimmbadbereich. Der zweite Geschäftsführer begründete die Verzögerung mit dem Betrieb, der danach sicher laufen muss.

„Umso wichtiger war es für uns, die Arbeiten verantwortungsvoll zu Ende zu führen und einen sicheren und verlässlichen Betrieb sicherzustellen.“

Markus Sterzl, Geschäftsführer der KölnBäder GmbH, in der Mitteilung vom 15. Juni 2026

Provisorisch instand gesetzt ist nicht saniert

Die Schrägfassade ist der Punkt, an dem sich die beiden Zeitpläne kreuzen. Abgerissen werden sollte sie im großen Umbau; instand gesetzt wurde sie jetzt provisorisch, damit das Haus überhaupt wieder betrieben werden kann. Beides zugleich geht nicht, und beides nacheinander ist teurer als beides in einem Zug. Unter Denkmalschutz ist zudem die Frage, was von der Fassade bleiben darf, keine reine Bauherrenentscheidung. Das Denkmalamt sitzt in jeder Planungsrunde mit am Tisch.

Was am 17. Juli aufgemacht hat, ist deshalb kein saniertes Bad, sondern ein weiterbetriebenes. Schwimmbad, Sauna und AgrippaFit sind wieder in Betrieb, die eigentliche Sanierung steht vollständig aus. Die KölnBäder schreiben selbst, wie die langfristige Zukunft des Standorts konkret aussehen werde, sei derzeit noch offen; eine umfassende Sanierung sei Gegenstand weiterer Abstimmungen mit den Gesellschaftern. Belastbare Aussagen zu Kosten, Umfang und Zeitplan waren für die Jahresmitte 2026 angekündigt. Auf den eigenen Seiten des Unternehmens stehen sie bislang nicht.

Schräge Betonfassade eines denkmalgeschützten Nachkriegsbaus in der Kölner Innenstadt
Die schräge Betonfassade steht unter Denkmalschutz; über ihre Zukunft entscheidet die Neuplanung · Symbolbild (KI-generiert)

Das ist keine Kleinigkeit, sondern die zentrale offene Frage. Solange nicht feststeht, was die Sanierung kostet und wie lange sie dauert, steht auch nicht fest, wann das Agrippabad das nächste Mal zumacht und für wie lange. Vereine planen ihre Trainingszeiten in Jahresscheiben, Schulen ihren Schwimmunterricht im Halbjahresrhythmus. Beide bekommen derzeit ein offenes Bad und keinen Termin. Das eine ist mehr wert als nichts, das andere ist trotzdem ein Problem.

Das Bad kostet Geld, auch wenn niemand darin schwimmt

Wer wissen will, warum die Kostenfrage nicht nur eine Frage an ein Schwimmbad ist, muss in die Bilanz sehen. Anfang Juli haben die KölnBäder ihr Geschäftsjahr 2025 vorgelegt. Der Jahresfehlbetrag vor Verlustübernahme lag bei 23,9 Millionen Euro und damit um 0,1 Millionen Euro besser als geplant, was bei dieser Größenordnung ungefähr so beruhigend ist wie eine pünktliche Straßenbahn im Berufsverkehr. Die Umsatzerlöse betrugen 18,6 Millionen Euro nach 18,7 Millionen Euro im Jahr davor. Die Differenz zahlt nicht die Kasse am Eingang.

Interessanter als die Summe ist die Quote. Der Verlust je Besucherin und Besucher stieg von 7,72 Euro im Jahr 2024 auf 8,40 Euro im Jahr 2025. Das liegt nicht daran, dass teurer geschwommen würde, sondern daran, dass weniger Menschen kamen: 2.399.068 Besuche statt 2.498.183 im Vorjahr. Am deutlichsten verloren die Freibäder, von 903.821 auf 859.152. Wer geschlossen hat, nimmt nichts ein, und geschlossen war 2025 einiges.

Nicht alles zeigt nach unten. Die Eisflächen kamen auf 254.873 Besuche und damit auf einen Höchstwert, die Saunen legten um drei Prozent auf 127.494 zu, die Fitnessstudios verzeichneten 217.298 Nutzungen. 312 Mitarbeitende zählte das Unternehmen inklusive Saisonkräften, dazu zwölf Auszubildende. Das Agrippabad war 2025 ohnehin nicht der einzige Bauplatz: In Chorweiler wurden Badewassertechnik und Elektroverteilung erneuert, in Wahn die Filteranlage, im Lentpark die Mess- und Regeltechnik der Wasseraufbereitung.

Den Agrippabad-Ausfall bildet dieser Jahresabschluss noch gar nicht ab. Geschlossen wurde erst zum 1. Januar 2026; die fehlenden Eintritte und die ausgefallenen Sauna- und Fitnessumsätze eines halben Jahres landen also erst in der Bilanz für 2026. Beziffert hat das Unternehmen diesen Posten nicht. Sichtbar werden dürfte er im nächsten Geschäftsbericht.

Bahnen und Startblöcke eines städtischen Hallenbads am späten Nachmittag
Während der Schließung wichen Schulen und Vereine auf andere Kölner Bäder aus · Symbolbild (KI-generiert)

Eine Zahl aus dieser Bilanz gehört an die Wand jedes Ratsausschusses. Von den 2.399.068 Besuchen entfielen 1.300.050 auf die öffentlichen Schwimmzeiten und 1.099.018 auf Schulen und Vereine. Knapp die Hälfte des Betriebs ist also kein Freizeitvergnügen, sondern Unterricht und Training. Ein Innenstadtbad, das ausfällt, verschiebt Stundenpläne, Fahrwege und Übungsleiterzeiten – und zwar bei Kindern, die in diesem Schuljahr schwimmen lernen sollen und nicht in zwei Jahren. Deshalb ist die Zwischenöffnung mehr wert, als sie im Bauzeitenplan aussieht.

Seit dem 1. Juli ist der Eintritt teurer

Ein Teil der Kosten wird inzwischen an der Kasse weitergegeben. Zum 1. Juli 2026 haben die KölnBäder ihre Eintrittspreise erhöht, im Schnitt um sechs Prozent. Erwachsene zahlen im Agrippabad und in den Kombibädern 0,60 Euro mehr, in den Hallenbädern und im Naturfreibad Vingst 0,50 Euro mehr; für Jugendliche bis 18 Jahre kommen 0,20 Euro dazu, für Kinder unter sechs Jahren bleibt es beim alten Preis. Im Eisbereich des Lentparks greifen die neuen Tarife zum 1. September. Die Ermäßigungen für Inhaberinnen und Inhaber des KölnPasses bleiben vollständig erhalten.

„Die Kosten für Energie, Personal und Instandhaltung sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.“

Claudia Heckmann, Geschäftsführerin der KölnBäder GmbH, zur Preisanpassung zum 1. Juli 2026

Wie viel eine Einzelkarte damit tatsächlich kostet, stand in der Mitteilung nicht; genannt wurden nur die Aufschläge. Wer es genau wissen will, muss die Preisliste des jeweiligen Bades aufrufen. Sechs Prozent im Schnitt sind, gemessen an den Energie- und Personalkosten der vergangenen Jahre, eine überschaubare Bewegung. Bei einem Familienbesuch merkt man sie trotzdem.

Für die Vereine ist die Rechnung ohnehin eine andere. Sie brauchen keine günstigen Einzeltickets, sondern verlässliche Wasserzeiten, und die hängen daran, ob ein Bad offen ist, nicht daran, was der Eintritt kostet. Diese Zeiten liefert das Agrippabad seit dem 17. Juli wieder. Ob und wann für die eigentliche Sanierung erneut geschlossen werden muss, ist die Frage, die als Nächstes zu beantworten wäre.

Bleibt die Frage, wer sie beantwortet. Die KölnBäder verweisen auf ihre Gesellschafter; dort fällt, sobald eine belastbare Planung vorliegt, die Entscheidung über Umfang und Geld. Bis dahin läuft ein Bad, dessen Fassade provisorisch instand gesetzt ist, dessen Dach repariert wurde und dessen Beckenumgang auf eine Betonsanierung wartet. Das ist ein Zustand, den man besser nicht dauerhaft nennt.

Man kann das alles als Erfolg lesen: ein Bad, das ein knappes Jahr früher wieder aufhat als angekündigt, und ein Betreiber, der lieber zwei Wochen später aufsperrt als unfertig. Man kann es auch als das lesen, was es ist, nämlich als Aufschub. Die Größenordnung von rund 20 Millionen Euro, die einmal im Raum stand, ist seither nicht kleiner geworden; belegt ist derzeit gar keine Zahl. Bis dahin gilt eine überschaubare Nachricht: Die Tür an der Kämmergasse ist offen. Mehr war nie versprochen.

Quellen und Weiterlesen
Thomas Breuer, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Thomas Breuer
Redakteur · Sport
Seit dem ersten Stadionbesuch 1988 in Müngersdorf zu Hause. Berichtet über den 1. FC Köln, die Haie und den Breitensport in der Stadt — nüchtern, außer nach Derbysiegen.
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