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Nachhaltigkeit

500 Euro im Monat: Klimastipendien für zehn Kölner Clubs

120.000 Euro, zehn Häuser, 24 Monate: Die Stadt bezahlt Kölner Clubs Arbeitszeit für Klimaschutz. Welche zehn es sind und was dabei herauskam, steht bislang nirgends.

David Odenthal, Redakteur — KI-generiertes Porträt
David Odenthal
Clubs & Nachtleben

Lesezeit 8 Min.
Gestapelte Mehrwegbecher und Rückgabekiste an einer Clubtheke bei Nachtlicht
Mehrweg statt Einweg: Für viele Häuser der erste sichtbare Schritt in Richtung Abfallvermeidung · Symbolbild (KI-generiert)

12.22 Uhr, Donnerstagmittag: eine Uhrzeit, zu der in Kölner Clubs niemand ans Telefon geht. Zu dieser Minute stellte die Stadt Köln am 5. September 2024 eine Mitteilung online, deren Überschrift lautete: Klimastipendien für Kölner Clubs. 120.000 Euro über 24 Monate, verteilt auf zehn Clubs und Veranstaltungsstätten, macht 500 Euro im Monat je Haus. Fast zwei Jahre später lohnt die Frage, was aus dem Geld geworden ist – und was passiert, wenn es aufgebraucht ist.

500 Euro im Monat kaufen keine Lüftungsanlage. Das ist der Punkt, an dem die meisten Leser aussteigen, und es ist der Punkt, an dem es interessant wird. Die Stadt hat das Geld ausdrücklich nicht als Investitionszuschuss ausgeschrieben, sondern für zusätzliche Personalkapazitäten: Jemand im Haus soll Zeit bekommen, Klimaschutzmaßnahmen überhaupt erst zu identifizieren und dann umzusetzen – Klimabilanzen, Reduktion des Energieverbrauchs, Ressourcenoptimierung.

Wer schon einmal in einem Clubbüro stand, weiß, warum das nicht albern ist. In den meisten Häusern macht dieselbe Person Booking, Dienstplan, Steuerberater und Stromvertrag. Eine Klimabilanz zu erstellen heißt, Rechnungen zu sortieren, Zähler abzulesen, Lieferwege nachzuvollziehen. Das ist Büroarbeit, die niemand nachts erledigt, und ohne bezahlte Stunden bleibt sie liegen. Genau diese Stunden finanziert das Stipendium.

Viel ist es trotzdem nicht. 500 Euro im Monat entsprechen, je nach Stundensatz, etwa ein bis zwei bezahlten Arbeitstagen – pro Monat, für ein ganzes Haus. Über 24 Monate summiert sich das auf 12.000 Euro je Betrieb, für die gesamte Runde auf 120.000 Euro. Das ist ein Betrag, der in kommunalen Haushalten als Rundungsposten durchgeht und in einem Clubbüro den Unterschied macht zwischen einer Aufgabe, die jemand übernimmt, und einer, die niemand übernimmt.

Ausgewählt wurden die zehn Betriebe von einer Jury, in der die Stadtverwaltung, KölnBusiness und der Klubverband KlubKomm sitzen. Kontrolliert wird qualitativ, über regelmäßige Berichte und eine abschließende Dokumentation. Welche zehn Häuser den Zuschlag bekommen haben, nennt die Mitteilung nicht. Auch die Berichte sind bislang nicht veröffentlicht.

„Stadt Köln und KlubKomm sind schon lange starke Partnerinnen im Bereich Klimaschutz.“

William Wolfgramm, Beigeordneter der Stadt Köln für Klima, Umwelt, Grün und Liegenschaften

Koordiniert wird das Ganze vom Klubverband, nicht vom Amt

Die Stipendien werden von der KlubKomm koordiniert, und zwar im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative „Zukunft Feiern!“. In Köln leiten Claudia Wedell und Elisa Cominato das Projekt; erreichbar ist es unter [email protected]. Diese Konstruktion ist typisch für Clubförderung: Die Stadt gibt Geld, der Verband organisiert die Umsetzung, weil er weiß, welches Haus welchen Kühlschrank betreibt.

Technikraum mit Stromzählern, Sicherungen und Kabeltrassen in einem Veranstaltungshaus
Der unsichtbare Teil der Arbeit: Zähler ablesen, Verbräuche sortieren, Anlagen prüfen · Symbolbild (KI-generiert)

Kern der Initiative ist ein Code of Conduct, den Häuser unterzeichnen können. Er ist ausdrücklich eine freiwillige Selbstverpflichtung, Events möglichst nachhaltig zu planen, und er soll nach eigener Beschreibung „praktikabel und geringinvestiv“ sein, damit die Unterzeichnenden die Ziele mit möglichst geringem Aufwand erreichen können. Das ist keine Bescheidenheitsformel, sondern eine realistische Einschätzung der Branche. Abgedeckt werden acht Bereiche:

  • Abfall
  • Energie
  • Mobilität
  • Ressourcen
  • Naturschutz
  • Kommunikation
  • Kompensation
  • Soziales

Zwei dieser acht Bereiche verdienen einen zweiten Blick. Mobilität steht nicht zufällig gleich neben Energie: Wie das Publikum zum Club kommt und wie die Crew nach Feierabend nach Hause, gehört in die Rechnung eines Hauses hinein, auch wenn es nicht auf seiner Stromrechnung auftaucht. Und Kompensation ist der Bereich, über den sich in der Branche am meisten streiten lässt – Ausgleichszahlungen sind das, was übrig bleibt, wenn sich Emissionen nicht vermeiden lassen. Wer damit anfängt, bevor er die Lüftung angefasst hat, macht es sich zu leicht.

Der achte Bereich heißt Soziales, und er ist der Grund, warum Nachhaltigkeit in Clubs nicht nur eine Frage von Kilowattstunden ist. Arbeitsbedingungen an der Bar, Diversität in Technik und Security, Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderung: Das steht in Köln ohnehin auf der Tagesordnung, an anderen Tischen desselben Verbands. Ein Code of Conduct, der beides zusammenfasst, spart den Häusern eine zweite Unterschrift.

Unterschrieben haben nach Angaben der KlubKomm 21 Clubs in Köln und Nordrhein-Westfalen; zehn davon erhielten im April 2025 die Klimastipendien der Stadt. Die städtische Klimaschutz-Seite spricht an anderer Stelle von über 18 Kölner Clubs, die den Code of Conduct unterzeichnet haben. Beide Angaben stehen nebeneinander, ohne dass eine die andere korrigiert – ein Hinweis darauf, wie wenig zentral diese Zahlen erfasst werden.

Angefangen hat das nicht in Köln

„Zukunft Feiern“ startete im Juni 2021 in Berlin. Getragen wird die Initiative vom BUND Berlin e.V. und von clubliebe e.V., gefördert über die Initiative Musik, den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie die Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Im April 2023 kam ein eigener Code of Conduct für die Festivalkultur dazu.

Getragen wird die Arbeit vor Ort von den Verbänden: der Clubcommission Berlin, dem Clubkombinat Hamburg, der KlubKomm Köln, dem Clubverstärker Bremen, der LiveInitiative NRW und dem KlubNetz Niedersachsen, dazu die Livekomm als Bundesverband. Aktiv ist die Initiative in Berlin, Hamburg, Köln und Bremen. Köln ist damit einer von vier Standorten – mit dem Unterschied, dass hier zusätzlich kommunales Geld direkt an einzelne Häuser fließt.

Grüne, blaue und graue Müllcontainer und gestapelte Getränkekisten an einer Backsteinmauer, Laub auf dem nassen Asphalt
Abfall ist einer von acht Bereichen des Code of Conduct – und der im Cluballtag sichtbarste. · Symbolbild (KI-generiert)

Sichtbar wird die Sache einmal im Jahr. Vom 7. bis 13. Juli 2025 liefen die GREEN NIGHTS, eine Kampagnenwoche mit zwölf Häusern: artheater, Bei Oma Kleinmann, Bootshaus, Bumann & SOHN, Club Bahnhof Ehrenfeld/YUCA, Die Mumu, die wohngemeinschaft, GLORIA, Stadtgarten, TRINK-GENOSSIN, Urania Theater und Zum scheuen Reh. Auf der Seite der Kampagne heißt es: „Green Nights zeigen, was schon heute möglich ist und laden ein zur Clubkultur von morgen.“

Diese Liste ist interessanter, als sie aussieht. Sie mischt große Häuser mit kleinen Läden, Clubbetrieb mit Kneipe und Theater – vom Bootshaus über das Urania Theater bis zur wohngemeinschaft. Für eine Kampagnenwoche ist das die richtige Mischung, weil sich Maßnahmen in einem Haus mit tausend Gästen anders rechnen als in einer Bar mit fünfzig. Genau daran scheitern viele Förderprogramme: Sie sind für eine Größe gebaut.

Das Programm dieser Woche reichte von Zero-Waste-Konzepten und grünem Strom über Backstage-Führungen bis zu Seedbombs und einem Klimabingo. Bei Oma Kleinmann gab es regionale Gemüsechips statt Pommes. Man darf das für Symbolpolitik halten. Man kann es aber auch als das nehmen, was es ist: der Versuch, ein Thema in einen Raum zu bringen, in dem sonst niemand über Kilowattstunden spricht.

Der eigentliche Hebel liegt in der Technik

Die harte Arbeit sieht weniger hübsch aus. Ein Club zieht Strom für Licht, Ton, Lüftung, Kühlung und Zapfanlagen, und zwar über die gesamte Nacht. Wer alte Halogenstrahler gegen LED tauscht, senkt gleichzeitig Stromverbrauch und Kühllast, weil weniger Abwärme im Raum landet. Wer auf Mehrwegbecher umstellt, spart Abfall und zahlt Pfand statt Entsorgung. Das sind die Maßnahmen, die der Code of Conduct meint, wenn er von geringinvestiv spricht.

Ein Beispiel, das über die Kampagnenwoche hinausweist, steht an der Venloer Straße 40. Der Stadtgarten, bei den GREEN NIGHTS dabei, plant den Neubau seines Konzertsaals; energetische Modernisierung und Nachhaltigkeit stehen dabei nach Angaben des Hauses im Zentrum der Planungen. Bei einem Neubau geht es dann nicht mehr um 500 Euro im Monat, sondern um Millionen. Beides gehört zusammen: Die kleine Förderung schafft das Wissen, die große Förderung baut es ein.

LED-Scheinwerfer und alter Halogenstrahler nebeneinander auf einer Werkbank
Der Tausch alter Halogenstrahler gegen LED senkt Stromverbrauch und Kühllast zugleich · Symbolbild (KI-generiert)

Wann die 24 Monate enden, steht nirgends

Bleibt die Frage nach dem Ende. Wann genau die 24 Monate auslaufen, ist nicht öffentlich dokumentiert. Die Mitteilung der Stadt stammt vom 5. September 2024, die Auszahlung an die zehn Häuser datiert die KlubKomm auf April 2025. Rechnet man von dort, läuft die Förderung im Frühjahr 2027 aus. Rechnet man von der Mitteilung, wäre sie in diesem Herbst zu Ende. Eine Anschlussförderung ist bislang nicht angekündigt.

Auch die GREEN NIGHTS haben derzeit keinen neuen Termin. Das Kölner Klimafestival ist für den 21. bis 27. September 2026 angekündigt; ob die Clubwoche darin wieder auftaucht, steht auf der Programmseite bislang nicht. Angemeldet werden können Beiträge von Unternehmen, Organisationen und Verwaltung – die Häuser müssten sich also selbst einbringen.

Für die Betriebe ist das mehr als eine Formalie. Wer eine Person für Nachhaltigkeit bezahlt hat, weil ein Stipendium sie finanzierte, muss diese Stelle danach aus dem Betrieb heraus tragen – aus Eintritt, Getränken und Gagenkalkulation. In einer Branche, die mit schmalen Margen kalkuliert, ist das keine Selbstverständlichkeit. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob Förderung etwas anstößt oder nur etwas finanziert.

Was bleibt, lässt sich trotzdem schon benennen. Es gibt in Köln einen unterschriebenen Standard, an dem sich Häuser messen lassen können. Es gibt zwei Projektleiterinnen mit einer Mailadresse. Es gibt zwölf Häuser, die eine Woche lang öffentlich gemacht haben, was sie im Maschinenraum ändern. Und es gibt zehn Betriebe, die zwei Jahre lang jemanden dafür bezahlen konnten, sich das anzusehen.

Dass die Namen der geförderten Häuser nicht öffentlich sind, hat vermutlich einen banalen Grund: Niemand will eine Rangliste, in der zehn Betriebe gefördert erscheinen und der Rest nicht. Nachvollziehbar ist es trotzdem nicht. Wer städtisches Geld bekommt, darf genannt werden, und für die anderen Häuser wäre es hilfreich zu wissen, an wen sie sich mit Fragen wenden können. Ein Verband, der Wissen verteilen will, sollte auch verteilen, wo es liegt.

Was fehlt, ist die Buchführung nach außen. Welche zehn Häuser gefördert wurden, steht nirgends. Was die Berichte ergeben haben, ebenso wenig. Wie viel Strom, Abfall oder Wasser am Ende tatsächlich eingespart wurde, ist nicht veröffentlicht. Bei einer Summe von 120.000 Euro aus dem städtischen Haushalt wäre das die Zahl, die man Ende der Laufzeit gerne lesen würde.

Vielleicht kommt sie mit der Abschlussdokumentation, die in der Mitteilung von 2024 angekündigt ist. Vielleicht bleibt es beim Klimabingo. Bis dahin gilt für die Kölner Clubs dasselbe wie für alle anderen Betriebe der Stadt: Der Stromzähler läuft weiter, ob jemand ihn abliest oder nicht.

Quellen und Weiterlesen
David Odenthal, Redakteur — KI-generiertes Porträt
David Odenthal
Redakteur · Clubs & Nachtleben
Kennt jede Kellertür in Ehrenfeld. Schreibt über Clubkultur, Kollektive und die Nacht als Wirtschafts- und Kulturraum. Legt gelegentlich selbst auf — angeblich nur privat.
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