Cologne Club Days: Kölns Clubszene tagt am 28. August im Stadtgarten
Am 28. August lädt die Klubkomm zum Conference Day der Cologne Club Days. Drei Panels, ein Konzert, Eintritt ab 10 Euro – und eine Branche, die sich selbst unter erheblichem Druck sieht.
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Um 15 Uhr wird an einem Freitagnachmittag Ende August im Green Room des Stadtgartens das Licht angehen, und dann wird über Dinge geredet, die sonst um vier Uhr morgens an der Tür verhandelt werden. Am 28. August lädt die Klubkomm zum Conference Day der Cologne Club Days. Venloer Straße 40, 50672 Köln. Drei Panels, anschließend Networking und ein Konzert. Angesetzt ist der Tag bis 23 Uhr, der Eintritt soll zwischen 10 und 15 Euro kosten.
Wer die Kölner Nachtszene nur von der Tanzfläche kennt, hält so etwas womöglich für Branchenfolklore. Ist es nicht. Hinter dem Begriff Conference Day steckt der Versuch, die Betriebe einer ganzen Stadt an einen Tisch zu bringen, bevor die Probleme einzeln in Genehmigungsverfahren verhandelt werden. Eingeladen sind ausdrücklich nicht nur Clubbetreiberinnen und Veranstalter, sondern auch Politik, Verwaltung und Publikum. Für einen Branchentag ist das ungewöhnlich: Sonst tagt eine Branche unter sich.
Drei Panels, und keines davon handelt von Musik
Das Programm sortiert die Lage der Branche in drei Themenblöcke, und schon diese Auswahl ist eine Aussage. Es geht nicht um Booking, nicht um Sound, nicht um Programmarbeit. Es geht um die Bedingungen, unter denen ein Laden überhaupt aufmachen kann. Die drei angekündigten Paneltalks lauten:
- Rechtsruck und die Bedrohung der Kunstfreiheit
- Landtagswahlen NRW 2027 – kulturpolitische Forderungen, bestritten vom PopBoard NRW
- Der Solidarfonds „Club Euro“, vorgestellt von Club Euro
Warum ein Club sich mit dem ersten Thema befassen muss, erschließt sich nicht jedem sofort. Deshalb kurz erklärt: Ein Club ist Veranstalter, Arbeitgeber und Hausrechtsinhaber zugleich. Er entscheidet, wer hereinkommt, welche Künstlerinnen auftreten und was auf der Bühne gesagt werden darf. Genau an diesen drei Punkten setzt politischer Druck an, wenn er kommt – über Beschwerden, über Auflagen, über Sponsoren. Für viele Häuser ist das keine theoretische Debatte, sondern eine Frage der täglichen Praxis an der Tür.
Juristisch steht hinter dem Panel ein kurzer Satz: Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei, Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes. In der Praxis endet diese Freiheit allerdings längst dort, wo eine Behörde eine Auflage erteilt, ein Vermieter nicht verlängert oder ein Geldgeber abspringt. Kein Gericht muss dafür bemüht werden, und meistens wird über solche Vorgänge auch nicht öffentlich gesprochen. Genau das dürfte der Kern der Diskussion sein: nicht die Verfassungslage, sondern die Frage, wie ein Betrieb reagiert, wenn Druck über Umwege kommt.
Das zweite Panel ist der klassisch kulturpolitische Teil und blickt auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2027. Bestritten wird es vom PopBoard NRW. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Forderungen an eine künftige Landesregierung müssen formuliert sein, bevor Programme geschrieben werden, nicht danach. Wer erst nach der Wahl merkt, dass Livemusikspielstätten in keinem Kapitel vorkommen, hat für fünf Jahre verloren. Ob und wie die Parteien darauf reagieren werden, wird sich frühestens im kommenden Jahr zeigen.
Das dritte Panel widmet sich dem Solidarfonds Club Euro, der in Köln bereits beim Branchentreff der c/o pop am 16. April vorgestellt worden war. Der Grundgedanke solcher Modelle ist simpel: Ein kleiner Betrag pro verkauftem Ticket fließt in einen gemeinsamen Topf, aus dem Häuser unterstützt werden, die es allein nicht schaffen. Wie das Modell im Detail ausgestaltet ist und wer darüber entscheidet, gehört zu den Fragen, die an diesem Nachmittag beantwortet werden sollen.
Solidarmodelle dieser Art haben stets dieselbe Schwachstelle: Wer viel verkauft, zahlt viel ein und profitiert selten selbst. Ein solcher Fonds funktioniert deshalb nur, solange die größeren Häuser mitziehen, obwohl sie ihn kaum in Anspruch nehmen werden. Ob das in Köln gelingt, wird sich weniger am Betrag je Ticket ablesen lassen als an der Zahl der teilnehmenden Betriebe. Belastbare Zahlen dazu liegen bislang nicht öffentlich vor, und ob sie am 28. August genannt werden, ist offen.
Der Verband spricht selbst von Existenzbedrohung
Die Tonlage der Ankündigung ist bemerkenswert deutlich. Club- und Spielstättenbetreibende stünden unter enormem wirtschaftlichem, strukturellem und politischem Druck, schreiben die Veranstalter; einzelne Betriebe seien in ihrer Existenz bedroht. Im Mittelpunkt des Tages steht nach ihrer Darstellung die Frage, wie sich in Köln auch künftig eine vielfältige, lebendige und sichere Club- und Livemusiklandschaft erhalten lässt. Das ist die Sprache eines Verbandes, der keine Zeit mehr auf Diplomatie verwenden will.
Hinter der Einladung steht die KLUBKOMM e.V., der Interessenverband der Kölner Clubs und Veranstalterinnen und Veranstalter. Nach eigenen Angaben vereint sie mehr als 100 Akteurinnen und Akteure der Clubkultur, dazu Bars und künstlerische Betriebe der Stadt. Der Verband versteht sich als Schnittstelle zwischen Szene, Politik und Verwaltung – also als die Adresse, an die sich ein Rathaus wenden kann, wenn es nicht mit 100 einzelnen Läden telefonieren möchte.
Die Arbeit dieses Verbands besteht ansonsten aus wenig Glamour. Er bietet seinen Mitgliedern seit über zehn Jahren eine Rechtsberatung an, betreibt ein Mentoring für Newcomerinnen und Newcomer, hat mit Safer Nightlife Cologne seit 2023 ein Programm für Awareness- und Sicherheitsstrukturen im Nachtleben aufgebaut und arbeitet mit Zukunft Feiern an ökologischer Nachhaltigkeit im Clubbetrieb. Awareness meint dabei feste Ansprechstrukturen für Gäste, die belästigt werden – ein Standard, der vor zehn Jahren in Köln noch die Ausnahme war.
Warum ein solcher Verband überhaupt gebraucht wird, zeigt ein Blick auf die Betriebsgrößen. Viele Kölner Clubs und Bars sind kleine Unternehmen mit wenigen Festangestellten und einem Kern aus Aushilfen an Tresen, Tür und Technik. Für Lobbyarbeit, Rechtsfragen oder ein mehrstufiges Förderverfahren fehlt dort schlicht die Zeit. Ein Verband kann diese Arbeit bündeln und der Verwaltung als ein einziger Ansprechpartner gegenübertreten, was Verfahren spürbar beschleunigt. Das ist unspektakulär und für die Existenz einzelner Häuser vermutlich wichtiger als jede Podiumsdiskussion.
Für Gäste ist ausgerechnet dieser Teil der Verbandsarbeit der spürbarste. Wer heute in Köln ausgeht, trifft in vielen Häusern auf Awarenessteams, auf Rückzugsräume und auf Personal, das im Umgang mit Übergriffen geschult ist. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis mehrerer Jahre Arbeit von Verbänden, einzelnen Kollektiven und Förderprogrammen. Wie flächendeckend das inzwischen ist, lässt sich allerdings nicht beziffern: Eine Übersicht darüber, welche Kölner Betriebe ein Awarenesskonzept haben, führt niemand öffentlich. Ein Konferenztag ist einer der wenigen Anlässe, bei denen solche Lücken überhaupt benannt werden.
Der Conference Day ist Teil eines größeren Formats. Die Cologne Club Days sind ein jährliches, zwei- bis dreitägiges Festival zur Clubkultur; der Konferenztag ist dessen politischer Kern, um den herum sich Programmpunkte gruppieren. Dass die Klubkomm diesen Teil ausgerechnet in einen Konzertsaal legt und mit einem Auftritt beschließt, ist kein Zufall. Die Botschaft lautet: Das hier ist keine Verwaltungssitzung, sondern eine Veranstaltung der Branche, über die geredet wird.
Der Ort ist Teil des Arguments
Der Green Room ist einer der Räume des Stadtgartens an der Venloer Straße 40, also an jener Achse, an der sich in den vergangenen Jahren ein erheblicher Teil des Kölner Nachtlebens abgespielt hat. Ein Haus, das Konzerte und Clubabende gleichermaßen veranstaltet, als Tagungsort für eine Konferenz über Clubpolitik: Das ist der kürzeste denkbare Weg zwischen Gegenstand und Debatte. Wer nach den Panels wissen will, wovon die Rede war, muss den Saal nicht verlassen.
Dass am Ende ein Konzert steht, ist dabei mehr als Dekoration. Die Veranstalter beschreiben den Abend ausdrücklich als Gelegenheit, die Diskussionen weiterzutragen, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Netzwerke zwischen Politik, Verwaltung und Clubszene zu stärken. Im Klartext: Der ergiebige Teil eines solchen Tages findet selten auf dem Podium statt, sondern danach am Tresen. Wer wissen will, welches Haus gerade in Schwierigkeiten steckt, erfährt es dort – und nicht in einer Pressemitteilung, die es in aller Regel gar nicht erst gibt.
Praktisch heißt das für alle, die hingehen wollen: Der Eintritt ist mit 10 bis 15 Euro angesetzt, Tickets werden über rausgegangen.de verkauft. Beginn ist um 15 Uhr, das Ende ist mit 23 Uhr angegeben, dazwischen liegen drei Diskussionen, eine Netzwerkphase und ein Konzert. Wer beruflich mit Veranstaltungen zu tun hat, dürfte den Nachmittag ohnehin einplanen. Für alle anderen ist es die vermutlich billigste Gelegenheit des Jahres, den Betrieb hinter der Tanzfläche einmal von innen zu hören.
Was am 28. August noch nicht feststeht
Offen ist zum jetzigen Zeitpunkt einiges. Ein detaillierter Zeitplan war bei Redaktionsschluss noch nicht veröffentlicht; auf der Seite der Klubkomm steht an dieser Stelle bislang nur ein Hinweis, dass er folgen wird. Auch die Namen der Podiumsgäste sind nicht bekannt gegeben. Gerade daran wird sich aber entscheiden, ob der Tag mehr wird als eine Selbstverständigung der Szene: Ein Panel zur Landtagswahl ohne Landespolitik auf dem Podium wäre ein Gespräch unter Betroffenen.
Einzuordnen ist der Termin in ein Jahr, in dem für Clubs auffällig viel in Bewegung geraten ist. Der Bund hat im Juni erstmals ein Schallschutzprogramm für Musikclubs aufgelegt, und nach Darstellung von Bundesbauministerin Verena Hubertz sollen Musikclubs im Baurecht künftig nicht mehr wie Spielhallen oder Wettbüros behandelt werden. Köln fördert Lärmschutzmaßnahmen seit Jahren aus einem eigenen Fonds. Es ist also nicht so, dass nichts passierte. Die Frage, die am 28. August auf dem Tisch liegen wird, ist, ob es reicht.
Wer die vergangenen Jahre verfolgt hat, kennt die Themen dieser Debatte im Schlaf: Sperrzeiten, Lärmschutz, Gewerbemieten, Personalmangel, gestiegene Kosten für Technik und Energie, und über allem die Frage, wie viele Häuser eine Stadt braucht, damit ein Nachtleben mehr ist als eine Handvoll großer Betriebe. Neu ist der Ton, in dem darüber gesprochen wird. Von Perspektiven ist in der Ankündigung wenig zu lesen, von Druck dafür dreimal.
Für einzelne Betriebe dürfte der Nachmittag vor allem eines bringen: Informationen, die sonst niemand aufschreibt. Wer zum ersten Mal einen Förderantrag stellen will, wer wissen muss, welche Auflage in welchem Verfahren greift, oder wer Personal sucht, bekommt in diesen acht Stunden vermutlich mehr Antworten als in einem halben Jahr Telefonieren mit Ämtern. Genau deshalb ist der niedrige Eintrittspreis kein Detail am Rande. Er entscheidet mit darüber, ob auch die kleinen Läden jemanden hinschicken können, statt nur die großen.
Was am Ende dieses Freitags herauskommt, lässt sich seriös nicht vorhersagen. Konferenzen dieser Art produzieren selten Beschlüsse; sie produzieren Kontakte, Formulierungen und gelegentlich einen Satz, den später jemand zitiert. Ob daraus kulturpolitisch etwas folgt, wird man frühestens im Herbst sehen, wenn die Haushaltsberatungen anstehen und die Parteien ihre Programme für die Landtagswahl schreiben.
Um 23 Uhr wird der Saal dann geräumt sein, und die meisten der Anwesenden werden an diesem Abend noch irgendwo arbeiten. Das ist der Unterschied zu anderen Branchentagen: Hier fängt die Schicht an, wenn die Konferenz zu Ende ist.




