Im leeren Wallraf beginnt die Instandsetzung des Ungersbaus
Seit Montag ist das Wallraf-Richartz-Museum geschlossen. Bis Ende 2028 wird der Ungersbau instand gesetzt, nebenan entsteht der Erweiterungsbau.
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Seit Montag, dem 3. August, ist das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud geschlossen — und zwar nicht für ein paar Wochen, sondern bis Ende 2028. Der Bau von Oswald Mathias Ungers am Obenmarspforten wird in dieser Zeit vollständig instand gesetzt; parallel entsteht auf dem Nachbargrundstück der Erweiterungsbau der Schweizer Architekten Emanuel Christ und Christoph Gantenbein. Beide Häuser sollen Ende 2028 gemeinsam als ein Museum wieder aufmachen. Das Museum kündigt für die Zwischenzeit keine Ausweichspielstätte an: Die Werke werden auch nicht an anderen Orten in Köln gezeigt.
Es ist ein bemerkenswerter Abschied für ein Gebäude, das noch keine Generation alt ist. Fünfundzwanzig Jahre stand der Ungersbau offen, mehr als vier Millionen Menschen haben ihn in dieser Zeit betreten — Zahlen, die das Museum selbst nennt. Wer die Kölner Museumsgeschichte kennt, weiß, dass das Wallraf schon einmal die längere Reise machen musste: Kölns ältestes Museum hat im 20. Jahrhundert mehrfach das Haus gewechselt, bevor es 2001 an den heutigen Ort zog. Nun ist der jüngste dieser Orte selbst zum Sanierungsfall geworden.
Vor dem Ungersbau lagen vier Adressen
Denn Umziehen hat dieses Haus geübt. Ferdinand Franz Wallraf, Priester, Sammler und Universalgelehrter, vermachte der Stadt 1824 seinen Nachlass; drei Jahre später richtete Köln unter dem Konservator Matthias Joseph de Noël im Wallrafianum ein Provisorium ein. Ein eigenes Gebäude gab es erst, als der Kaufmann Johann Heinrich Richartz 1854 einhunderttausend Taler stiftete. Josef Felten baute es, eröffnet wurde am 1. Juli 1861 — dreißig Jahre nach dem Tod des Mannes, dessen Namen die Sammlung trägt. Wer heute über zwei Jahre Wartezeit klagt, sollte diese Vorgeschichte kennen.
Der Rest ist Kölner Geschichte in Kurzform: 1937 beschlagnahmten die Nationalsozialisten moderne Bestände für die Schau „Entartete Kunst“, 1943 zerstörten Bomben das Gebäude vollständig — die Sammlung war ausgelagert und überstand den Krieg. 1955 kam die Sammlung Josef Haubrichs hinzu, 1957 öffnete ein Neubau, ab 1986 teilte sich das Wallraf ein Haus mit dem Museum Ludwig. Erst 2001 bezog es am Obenmarspforten wieder eigene Mauern. Fünf Adressen in gut zwei Jahrhunderten; die sechste ist nun die fünfte, nur saniert und um einen Nachbarn ergänzt.
Die Haustechnik von 1999 hat ihre Zeit hinter sich
Was in den kommenden zwei Jahren geschieht, klingt weniger nach Kunst als nach Gebäudetechnik, ist aber die Voraussetzung dafür, dass die Kunst zurückkehren kann. Nach Darstellung der Stadt werden die Brandmeldeanlage komplett ersetzt, die Wasser- und Abwasserleitungen erneuert, um Korrosionsschäden vorzubeugen, die Kälteanlage aus dem Jahr 1999 vollständig ausgetauscht und die Lüftung ertüchtigt. Hinzu kommen neue Aufzüge. Ein unterirdischer Tunnel soll den Erweiterungsbau mit dem Bestandsgebäude verbinden — der eigentliche Grund dafür, dass beide Baustellen zeitlich zusammengelegt wurden.
Der Ablauf dahinter ist älter als die Schließung. Die Tiefbauarbeiten für den Erweiterungsbau begannen nach Angaben der Stadt bereits im Frühjahr 2024, der Vertrag mit dem Generalunternehmer sollte bis Ende des dritten oder Anfang des vierten Quartals 2025 stehen. Eine Teilöffnung des Hauses während der Bauzeit hat die Verwaltung geprüft und verworfen: Sie bringe „weder wirtschaftliche noch zeitliche Vorteile“ mit sich. Das ist die unbequeme, aber ehrliche Variante — ein halb geöffnetes Museum mit Bauzaun im Foyer hätte weder das Publikum noch den Bauablauf zufriedengestellt.
Der Erweiterungsbau ist seit dem Spatenstich am 21. Oktober 2025 im Bau. Er soll dem Museum bis Mitte 2028 rund 1.000 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche und 500 Quadratmeter Depot- und Arbeitsfläche bringen. Gerade der zweite Wert ist für ein Haus dieser Größe der interessantere: Depotfläche entscheidet darüber, wie viel eine Sammlung überhaupt aufnehmen und in welchem Zustand sie sie halten kann. Die Begründung der Stadt für die vorübergehende Schließung nennt beide Stränge in einem Atemzug: Instandsetzung und Erweiterung ließen sich nur gemeinsam sinnvoll koordinieren.
„Eine vorübergehende Schließung ist sowohl für das Museum als auch für unser Publikum eine schmerzhafte Entscheidung.“
Stefan Charles, Beigeordneter für Kunst und Kultur der Stadt Köln
Eine aktualisierte Gesamtkostenzahl nennen weder die Mitteilung der Stadt noch das Museum. Bei Bauvorhaben dieser Art ist das nicht ungewöhnlich, solange die Vergabe an den Generalunternehmer läuft; belastbar wird die Summe in der Regel erst mit dem Baufortschritt. Für die Kölner Museumslandschaft heißt das: Zwei der großen Häuser der Stadt sind in den nächsten Jahren gleichzeitig mit Bau beschäftigt, während der Kulturhaushalt ohnehin unter Druck steht. Wer die Debatte um die Bühnen und um die städtischen Sammlungen verfolgt, kennt die Rechnung.
Die Impressionisten sind längst in Japan
Der wertvollste Teil der Sammlung hat Köln schon im Frühjahr verlassen. Rund 70 Meisterwerke — darunter Arbeiten von van Gogh, Cézanne, Gauguin, Manet, Monet und Renoir — sind seit April 2026 unter dem Titel „Van Gogh and the Impressionists“ in Japan zu sehen. Die Tournee führte zunächst vom 19. April bis 21. Juni ins Utsunomiya Museum of Art, danach vom 4. Juli bis 9. September ins Abeno Harukas Art Museum in Osaka und schließlich vom 19. September bis 29. November ins Nagoya City Art Museum.
Diese Lösung ist elegant und kalt zugleich. Elegant, weil die Bilder in der Bauzeit nicht im Depot stehen, sondern arbeiten — Leihverkehr bringt Aufmerksamkeit und, je nach Vertrag, Einnahmen. Kalt, weil in Köln nichts davon zu sehen ist. Die Stadt hat sich ausdrücklich gegen eine Interimspräsentation entschieden. Wer in den kommenden zwei Jahren einen Monet sehen will, muss reisen; wer im November 2026 nach Nagoya kommt, sieht mehr Kölner Impressionismus als jeder Kölner.
Was die Fondation Corboud dem Haus gebracht hat
Dass Köln überhaupt über eine derart reisefähige Impressionistengruppe verfügt, ist keine Selbstverständlichkeit. Seit 2001 gilt die Sammlung des Hauses als eine der umfangreichsten Bestände französischer Malerei außerhalb Frankreichs; damals kam die Fondation Corboud des Schweizer Sammlers Gérard J. Corboud mit mehr als 170 Werken hinzu. Der Doppelname des Museums erinnert seither an diesen Zuwachs. Er erklärt auch, warum der Erweiterungsbau überhaupt nötig wurde: Ein Haus, das binnen weniger Jahre um eine ganze Sammlung wächst, braucht irgendwann mehr Wand — und mehr Keller.
Der Zuwachs von 2001 erklärt zugleich, warum die Tournee möglich ist, ohne die Sammlung zu entkernen: Wer über einen der größten Bestände französischer Malerei außerhalb Frankreichs verfügt, kann 70 Gemälde ziehen lassen. Dass in Köln dennoch nichts hängt, liegt also nicht an der Menge, sondern an der Baustelle — ohne gesicherte Klimatechnik keine bespielbaren Räume, ohne bespielbare Räume kein Interim. Das Museum bezeichnet sich auf seiner eigenen Seite als „Leuchtturm der Kölner Kultur“. Der Leuchtturm bleibt stehen, nur schaltet ihn jemand für zwei Jahre ab.
Für die Belegschaft beginnt nun die unsichtbare Phase. Restaurierung, Inventarisierung, Depotlogistik und die Vorbereitung der neuen Dauerausstellung laufen weiter, nur eben ohne Publikum. Museumsdirektor Marcus Dekiert, der das Haus seit 2013 leitet, hat die Schließung in der Vergangenheit als Chance beschrieben, das älteste Museum der Stadt für Jahrzehnte instand zu setzen. Belastbar ist an dieser Lesart vor allem eines: Ein Museum, dessen Kälteanlage aus dem Jahr 1999 stammt, kann seine Klimawerte auf Dauer nicht garantieren — und ohne garantierte Klimawerte kommen internationale Leihgaben nicht mehr.
Der nächste Termin liegt zwei Jahre voraus
Für die Altstadt heißt das zweierlei. Am Obenmarspforten, zwischen Gürzenich und Rathaus, bleibt bis 2028 eine Baustelle im Blickfeld, samt dem Baustellenverkehr, den Tiefbau und Rohbau mit sich bringen. Und dem Museumsbezirk zwischen Dom und Heumarkt fehlt für diese Zeit ein Haus, das in 25 Jahren mehr als vier Millionen Besucher gezählt hat. Wer Gästen alte Meister zeigen will, hat eine Adresse weniger; Museum Ludwig, Schnütgen und Kolumba stehen weiter offen, ersetzen ein Wallraf aber nicht.
Die Rückkehr der Japan-Werke ist für Ende 2026 vorgesehen; sie gehen dann ins Depot, nicht an die Wand. Der nächste öffentlich zugängliche Termin ist die Wiedereröffnung, die Stadt und Museum übereinstimmend für Ende 2028 in Aussicht stellen. Ob dieser Termin hält, wird sich an der Baustelle nebenan entscheiden und nicht an der Sammlung. Fünfundzwanzig Jahre hat der Ungersbau ohne Generalüberholung durchgehalten; die nächsten fünfundzwanzig soll er nun mit einem Nachbarn und einem Tunnel bestehen.




