Frachter laden weniger: Kölner Pegel fällt auf 61 Zentimeter
Der Kölner Pegel fiel am Donnerstag auf 61 Zentimeter, so tief wie nie gemessen. Die Frachtschifffahrt lädt weniger, die KD streicht Fahrten.
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Der Kölner Rheinpegel ist am Donnerstag, 6. August 2026, auf 61 Zentimeter gefallen: den tiefsten Wert, der an dieser Stelle je gemessen wurde. Die Messreihe der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung weist ihn ab 17.30 Uhr aus. Der bisherige Rekord stammte vom 23. Oktober 2018 und lag bei 69 Zentimetern; er war bereits am 31. Juli um 20 Uhr erstmals unterboten worden, damals mit 68 Zentimetern. Für die Stadt selbst ist der Wert vor allem ein Bild. Für die Unternehmen, die den Fluss als Verkehrsweg nutzen, ist er eine Rechengröße.
Der Tag verlief durchweg abwärts. Am frühen Morgen standen noch 67 bis 68 Zentimeter zu Buche, gegen Mittag 65, am späten Nachmittag 62, ab 17.30 Uhr schließlich 61. Die Stadtentwässerungsbetriebe hatten für Donnerstag, 18 Uhr, ebenfalls 0,61 Meter vorhergesagt. Gemessen wird der Kölner Pegel in der Altstadt bei Rheinstromkilometer 688; zuständig für die Messung ist nach Angaben der Stadtentwässerungsbetriebe das Wasser- und Schifffahrtsamt Köln, die Hochwasserzentrale betreiben die Stadtentwässerungsbetriebe selbst.
Der Pegel misst nicht die Wassertiefe
Der Kölner Pegel ist kein Maß für die Wassertiefe, sondern ein Bezugswert – gemessen wird gegen einen historisch festgelegten Nullpunkt. Wie sehr die Skala auf das andere Extrem ausgelegt ist, zeigt der Katalog der Hochwassermarken: Erste Schutzmaßnahmen im Kanalnetz greifen ab 4,50 Metern, Sperrungen am Rheinboulevard ab fünf Metern, ab 8,30 Metern wird die Schifffahrt eingestellt, ab zehn Metern der Rheinufertunnel geschlossen. Der aktuelle Wert liegt bei rund einem Siebtel des niedrigsten dieser Schwellenwerte.
Was zählt, ist die Fahrrinnentiefe, und die entscheidet darüber, wie tief ein Schiff eintauchen darf. Je schwerer ein Frachter beladen ist, desto größer sein Tiefgang. Bei Wasserständen wie in dieser Woche können viele Schiffe nur einen Bruchteil ihrer Kapazität nutzen. Die Folge ist keine Sperrung, sondern eine Verteuerung: Dieselbe Menge Kohle, Kies, Getreide oder Chemie braucht mehr Schiffe, mehr Fahrten, mehr Personal.
Die Kosten trägt nicht die Reederei allein
Für den Standort Köln ist das mehr als eine Fußnote. Der Rhein ist die Hauptschlagader des Güterverkehrs zwischen den nordwesteuropäischen Seehäfen und dem süddeutschen Raum; Kölner Häfen, Chemie- und Energiestandorte hängen daran. Wenn Niedrigwasser die Ladungsmengen drückt, steigen die Frachtraten – und weil Reedereien in solchen Phasen Kleinwasserzuschläge erheben, landen die Mehrkosten am Ende bei den Verladern und damit bei deren Kundschaft. Die Alternative Schiene ist im Rheinland bereits gut ausgelastet, die Alternative Straße teuer und personalknapp.
Wer bei alldem profitiert, lässt sich benennen: Reedereien mit flachgehendem Gerät, Spediteure mit freier Lkw-Kapazität und Bahnoperateure, die kurzfristig Trassen bekommen, können in solchen Wochen höhere Preise durchsetzen. Wer zahlt, ebenfalls: Verlader mit Massengütern, bei denen die Transportkosten einen erheblichen Anteil am Warenwert ausmachen – Baustoffe, Futtermittel, Grundchemikalien. Bei hochwertigen Gütern fällt derselbe Zuschlag kaum ins Gewicht, bei Kies und Kohle verschiebt er die Kalkulation.
Im Personenverkehr ist der Ausfall bereits gebucht
Sichtbar wird der Effekt zuerst dort, wo Fahrgäste betroffen sind. Die Köln-Düsseldorfer hat einen erheblichen Teil ihres Fahrplans gestrichen. Die Abfahrt um 9.30 Uhr von Köln über Bonn und Königswinter nach Linz entfällt nach der Ausfallliste der Reederei zunächst bis zum 16. August sowie zusätzlich am 5., 6. und 12. September. Die Verbindungen Bonn–Linz um 10.30 und 14.30 Uhr fallen am 6. und am 13. August aus.
Die Liste reicht weit über Köln hinaus. Die Rundfahrt Boppard–Koblenz–St. Goar um 9.15 Uhr entfällt bis zum 16. August, ebenso die Linie Koblenz–Rüdesheim und die Strecke Mainz–Rüdesheim–St. Goarshausen, letztere zusätzlich am 17. September. In Düsseldorf fallen die Panoramafahrten um 10.30, 12 und 13.30 Uhr an mehreren Terminen bis in den Oktober aus, in Frankfurt der Betrieb am 17. September ganztägig. Auch die Partyfahrt „Rhein tanzen“ in Koblenz am 7. August ist gestrichen – begründet mit dem Niedrigwasser.
Hinzu kommen Anleger, die schlicht nicht mehr erreichbar sind – genannt werden unter anderem Bad Honnef, Oberwesel und Lorch. Wo die Schiffe noch anlegen, stehen die Landungsbrücken teilweise so steil, dass die Besatzung den Fahrgästen beim Ein- und Aussteigen nicht helfen darf. Der historische Raddampfer Goethe fährt bis auf Weiteres gar nicht; ersatzweise ist die MS Asbach vorerst bis zum 23. August eingesetzt. Für ein Unternehmen, das seinen Jahresumsatz in wenigen Sommermonaten verdient, fällt das in die denkbar ungünstigste Zeit. Betroffen sind auch die Orte an der Strecke: Wo kein Schiff anlegt, fehlen Tagesgäste in Gastronomie und Einzelhandel.
Zwei Wochen ohne nennenswerten Regen in der Vorhersage
Die Aussichten für die kommenden Tage sind besser als die Woche selbst, aber nicht gut. Für Freitag sagt die Vorhersage rund 69 Zentimeter voraus, für Samstag etwa 71, für Sonntag zwischen 75 und 77 Zentimetern. Die Stadtentwässerungsbetriebe erwarteten für Freitag, 6 Uhr, 0,68 Meter mit einer Spanne von plus/minus zehn Zentimetern. Das ist eine Erholung im Zentimeterbereich und ändert an der Ladungsbeschränkung wenig.
Die Zwei-Wochen-Prognose des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage, Stand 4. August, weist für die maßgeblichen Stationen bis zum 17. August Niederschlagsmengen zwischen 1,5 und 7,5 Litern pro Quadratmeter aus. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Augusttag im Rheinland bringt für sich genommen mehr. Entscheidend ist ohnehin nicht der Regen über Köln, sondern der über dem Einzugsgebiet – über Alpenrand, Hochrhein und den Mittelgebirgen.
Die Kölner Zeit hatte Ende Juli über einen Pegelstand von 78 Zentimetern berichtet, als das Rekordtief von 2018 noch in Reichweite lag. Binnen zehn Tagen sind daraus 15 Zentimeter weniger geworden. Das Tempo ist die eigentliche Nachricht: 2018 hatte sich das Niedrigwasser über Monate aufgebaut und erst im Oktober seinen Tiefpunkt erreicht. Diesmal steht der Rekord bereits Anfang August – zu einem Zeitpunkt, an dem die Sommertrockenheit erfahrungsgemäß noch nicht ausgestanden ist.
Für die Kölner Industrie ist die Frage deshalb nicht, ob dieser eine Tag zu verkraften ist, sondern ob sich Niedrigwasserphasen dieser Länge zur Regel entwickeln. 2018 galt als Ausnahmejahr und kostete die deutsche Wirtschaft nach damaligen Schätzungen einen spürbaren Teil des Wachstums; seither haben mehrere Unternehmen am Rhein in flachgehende Spezialschiffe und in Lagerkapazitäten investiert, um Trockenphasen zu überbrücken. Ob diese Vorsorge reicht, zeigt sich in genau solchen Wochen. Belastbare Zahlen zu den Kosten dieses Sommers liegen bislang nicht vor; sie ergeben sich erfahrungsgemäß erst mit den Quartalsberichten der betroffenen Konzerne.
Kommunale Handhabe gibt es kaum
Die Fahrrinne verantwortet der Bund, der Ausbau der Engstellen am Mittelrhein läuft seit Jahren und ist nicht kurzfristig zu beschleunigen. Nach Angaben von t-online hat der Bund wegen der frühen Niedrigwasserlage auf mehreren Wasserstraßen ein Krisentreffen anberaumt. Was dort besprochen wird, ändert an den Ladelinien dieses Sommers nichts: Baggerungen und Sohlanpassungen wirken über Jahre, nicht über Wochen.
Auf kommunaler Ebene bleibt Information. Die Stadtentwässerungsbetriebe veröffentlichen Messwerte und Wasserstandsvorhersagen für den Kölner Pegel, aktualisiert werktags gegen 9 Uhr, und betreiben ein Hochwassertelefon. Dass dieselbe Infrastruktur nun für den umgekehrten Fall gebraucht wird, ist bezeichnend: Die Stadt hat ihre Vorsorge über Jahrzehnte auf zu viel Wasser ausgerichtet, nicht auf zu wenig.
Der niedrige Fluss legt derweil frei, was jahrzehntelang unter Wasser lag. Bei Köln sind nach Berichten Hungersteine sichtbar geworden – Marken früherer Trockenperioden. Im Rhein vor dem Deutzer Rheinpark wurde am Mittwochabend ein Weltkriegsblindgänger entdeckt, weil der Fluss ihn freilegte; am Donnerstag musste die Stadt dafür rund 360 Menschen aus einem 400-Meter-Sperrkreis holen. Auch das gehört zur Rechnung des Niedrigwassers, nur taucht es in keiner Frachtstatistik auf.
Bleibt die Frage, wer die eigentliche Rechnung trägt. Solange die Zuschläge in den Frachtraten aufgehen, erscheinen sie nirgends als Niedrigwasserschaden – sie verteilen sich still über Energiepreise, Baustoffkosten und Lieferzeiten. Sichtbar wird nur, was ausfällt: gestrichene Ausflugsfahrten, ein stillliegender Raddampfer, ein Hafenbecken mit trockener Sohle.
Die nächste belastbare Zahl liefert der Pegel am Freitagmorgen. Ob sie den Anfang einer Erholung markiert oder nur eine Delle, entscheidet der Regen über dem Einzugsgebiet – und der ist bis Mitte August nicht in Sicht.
- t-online Köln: Rhein in Köln – Pegel stürzt auf Rekordtief, neue Prognose
- t-online Köln: Rheinpegel in Köln – Niedrigwasser-Rekord droht, KD sagt Fahrten ab
- Köln-Düsseldorfer: Ausfälle und Einschränkungen in der Saison 2026
- StEB Köln: Wasserstandsvorhersage für den Kölner Pegel
- Pegelonline (WSV): Messwerte des Pegels Köln




