Donnerstag, 6. August 2026 Ausgabe Nr. 240
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Museum

Eine Nacht bis vier Uhr — dann schließt das Wallraf bis Ende 2028

Das Wallraf-Richartz-Museum verabschiedet sich am 31. Juli mit einer Nacht bis vier Uhr. Ab dem 3. August bleibt es bis Ende 2028 geschlossen.

Friederike Wolters, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
Friederike Wolters
Kultur & Karneval

Lesezeit 6 Min.
Kubischer Museumsbau mit dunkler Steinfassade und quadratischem Fensterraster
Der Ungers-Bau am Obenmarspforten: seit 2001 Haus des Wallraf. · Symbolbild (KI-generiert)

Das Wallraf-Richartz-Museum verabschiedet sich am Freitagabend, 31. Juli, mit einer Nacht, die bis vier Uhr morgens dauert. „Wallraf & freunde: A Night To Remember“ heißt das Programm, das um 20 Uhr beginnt und Führungen, Live-Performances und DJ-Sets miteinander verschränkt; wer will, kann zwischen zwei Sälen tanzen und sich dazwischen noch einmal die Sammlung erklären lassen. Am Samstag und Sonntag, 1. und 2. August, ist der Eintritt für alle frei. Am Montag, 3. August, schließt das Haus dann — und zwar bis Ende 2028.

Der Anlass ist prosaisch und dringend zugleich. Nach 25 Jahren und mehr als vier Millionen Besuchenden muss der Bau am Obenmarspforten instandgesetzt werden; die Technik ist am Ende ihrer Lebensdauer, die Bausubstanz braucht eine Generalüberholung. Museen haben mit solchen Zäsuren Erfahrung, aber sie fallen selten so zusammen wie hier: Parallel zur Instandsetzung entsteht der lange geplante Erweiterungsbau nach Entwurf des Basler Büros Christ & Gantenbein. Wiedereröffnen will das Wallraf Ende 2028 — saniert und vergrößert. Zwei Jahre ohne Alte Meister sind für eine Stadt, die sich gern über ihre Museumslandschaft definiert, eine lange Zeit.

Das Haus selbst formuliert den Zweck der Maßnahme in der Sprache, die man von Museumsleitungen kennt: Der Bau solle „auch in Zukunft als ein Leuchtturm der Kölner Kultur strahlen“. Hinter der Formel steht die schlichte Tatsache, dass ein Museumsgebäude aus technischen Anlagen besteht, deren Lebensdauer sich nicht mit den Anforderungen an Klima, Brandschutz und Sicherheit mitentwickelt. Lüftung, Beleuchtung und Datentechnik von 2001 sind 2026 nicht mehr Stand der Dinge. Ein Sockel verzeiht viel; ein Tafelbild aus dem 15. Jahrhundert verzeiht Temperaturschwankungen nicht.

Museumsfoyer bei Nacht mit breiter Steintreppe und farbigem Bühnenlicht
Bis vier Uhr morgens: Führungen, Live-Performances und DJ-Sets. · Symbolbild (KI-generiert)

Der Ungers-Bau ist selbst ein Ausstellungsstück

Dass die Instandsetzung Aufmerksamkeit verdient, liegt auch am Gebäude. Der Kubus, den Oswald Mathias Ungers für das Wallraf entwarf und der im Januar 2001 eröffnet wurde, gehört zu den strengsten Museumsbauten der Republik: ein Quadratraster, das sich über Fassade, Grundriss und Deckenfelder legt, ein Haus, das seine Ordnung nicht verbirgt, sondern vorführt. Ungers, der in Köln lehrte und baute, hat damit einen späten Hauptbau hinterlassen. Wer die Sanierung als reine Haustechnikfrage betrachtet, unterschätzt sie: An einem Gebäude, dessen Wirkung auf Proportion und Materialkante beruht, ist jede sichtbare Ertüchtigung eine denkmalpflegerische Entscheidung.

Die Institution selbst ist deutlich älter als ihr Haus. Sie geht auf das Vermächtnis des Kanonikers und Sammlers Ferdinand Franz Wallraf zurück, der seine Bestände 1824 der Stadt Köln überließ; den Bau für die Sammlung finanzierte später der Kaufmann Johann Heinrich Richartz, das erste eigene Museumsgebäude wurde 1861 eröffnet. Seither ist das Wallraf dreimal umgezogen — nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, nach der Trennung von der Sammlung Ludwig und schließlich 2001 in den Ungers-Bau. Eine Schließung von zwei Jahren fügt sich in diese Geschichte ein, ohne deshalb bequem zu sein.

Der Erweiterungsbau ist seit Mai 2024 im Bau

Der Anbau, für den das Haus jetzt schließt, ist keine Ankündigung mehr, sondern eine Baustelle. Den ersten Spatenstich setzten die Beteiligten am 28. Mai 2024, wie die Stadt Köln damals mitteilte: die frühere Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die nordrhein-westfälische Kulturministerin Ina Brandes, der Stiftungsratsvorsitzende Peter Jungen, die Präsidentin der Fondation Corboud, Marisol Corboud, und Museumsdirektor Marcus Dekiert. Reker bezeichnete den Erweiterungsbau nach Angaben der Stadt als starkes Signal für Kunst und Kultur auch in finanziell schwierigen Zeiten — ein Satz, den man 2024 anders liest als 2026.

Gebaut wird in der Altstadt zwischen Martinstraße, Obenmarspforten und Steinweg; ein unterirdisches Verbindungsbauwerk soll Neubau und Bestand koppeln. Vorgesehen sind rund 1.000 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche und etwa 500 Quadratmeter für städtische Nutzungen innerhalb einer neuen Blockrandbebauung. Die Sammlung Corboud, Kölns impressionistischer und postimpressionistischer Bestand, soll dort dauerhaft Platz finden. Bemerkenswert ist die Terminlage: 2024 nannte die Stadt als Fertigstellung des Erweiterungsbaus Ende 2027, das Museum nennt als Wiedereröffnung nun Ende 2028.

Leerer Museumssaal mit Parkettboden und Hängeschiene ohne Gemälde
Während der Bauzeit werden die Bestände nicht an anderer Stelle gezeigt. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Bilder bleiben in der Kiste, nicht auf Reisen

Eine Entscheidung hat das Museum ausdrücklich getroffen: Die Werke werden während der Schließung nicht an anderer Stelle gezeigt. Das ist ungewöhnlich — andere Häuser nutzen Bauzeiten für Dependancen, Wanderausstellungen oder Leihgabenpakete, die Präsenz sichern und Einnahmen bringen. Das Wallraf verzichtet darauf. Konservatorisch ist das nachvollziehbar, weil jeder Transport ein Risiko ist und Tafelbilder des 14. bis 16. Jahrhunderts zu den empfindlichsten Beständen überhaupt gehören. Kulturpolitisch heißt es aber auch: Die Sammlung verschwindet für zwei Jahre aus dem öffentlichen Blick, und mit ihr ein Publikum, das man nach 2028 neu gewinnen muss.

Der Verzicht hat eine zweite Seite, über die selten gesprochen wird. Ein Haus, das zwei Jahre nichts zeigt, verliert nicht nur Besucherinnen und Besucher, sondern auch die Routine des Zeigens: Aufsicht, Vermittlung, Kasse und Werkstatt arbeiten in einer geschlossenen Institution an anderen Aufgaben. Umgekehrt ist eine Schließung die einzige Gelegenheit, Bestände systematisch zu untersuchen, umzulagern und zu erforschen, ohne den Betrieb zu stören. Welche Forschungs- oder Vermittlungsvorhaben das Wallraf für die Bauzeit plant, hat es bislang nicht mitgeteilt.

Wie groß der Andrang sein kann, wenn ein Ende angekündigt ist, zeigt in diesen Tagen das Nachbarhaus. Das Museum Ludwig verlängert wegen des Zuspruchs für die Yayoi-Kusama-Retrospektive seine Öffnungszeiten am 1. und 2. August bis zwei Uhr nachts; Karten gibt es an der Museumskasse. Die Schau mit rund 300 Arbeiten wandert anschließend weiter und ist ab dem 11. September im Stedelijk Museum in Amsterdam zu sehen. Zwei Häuser am selben Platz, zwei Abschiede innerhalb weniger Tage — der eine auf Zeit, der andere endgültig.

Bauzaun und Gerüstmaterial neben einem großen Steinbau in der Altstadt
Neben der Instandsetzung entsteht ein Erweiterungsbau. · Symbolbild (KI-generiert)

Zwei Jahre, in denen das Rheinufer eine Baustelle mehr hat

„Ob der überwältigende Ansturm auf die Kusama-Ausstellung im Museum Ludwig oder der emotionale Abschied vor der Modernisierung des Wallraf – beide Häuser zeigen an diesem Wochenende eindrucksvoll, wie sehr Kunst die Menschen in Köln bewegt und verbindet.“

Torsten Burmester, Oberbürgermeister von Köln

Angekündigt hatte Oberbürgermeister Torsten Burmester die langen Museumsnächte in einer Mitteilung der Stadt Köln vom 16. Juni. Das ist die freundliche Lesart eines Abends, der zugleich der Beginn einer Lücke ist. Denn zur Baustelle am Wallraf kommen weitere: der Erweiterungsbau selbst, die Arbeiten am Rathausplatz und die ohnehin dichte Bautätigkeit in der Altstadt zwischen Gürzenich und Rheinufer. Wer vom Heumarkt zum Museum Ludwig läuft, wird die nächsten Jahre an mehr Bauzäunen vorbeikommen als an Schaufenstern.

Für Besucherinnen und Besucher heißt das konkret: Wer die Sammlung noch einmal sehen möchte, hat dafür genau drei Tage. Am Freitagabend von 20 Uhr an, am Samstag und Sonntag bei freiem Eintritt. Ab Montag, 3. August, ist Schluss. Das genaue Wiedereröffnungsdatum steht nicht fest; das Museum nennt Ende 2028 als Ziel, und wer die Kölner Bauhistorie kennt, wird diese Angabe als das lesen, was sie ist: eine Absichtserklärung, die von Ausschreibungen, Vergaben und Baupreisen abhängt.

Offen ist auch, was die Gesamtmaßnahme kostet. Weder die Mitteilung zum Abschiedswochenende noch die Ankündigung des Museums nennen eine Summe für Instandsetzung und Erweiterungsbau. Bei einem Vorhaben, das Bestandssanierung, Neubau und ein unterirdisches Verbindungsbauwerk in der dicht bebauten Altstadt zusammenführt, ist das die interessantere Zahl als jedes Eröffnungsdatum. Bekannt ist bislang die Fläche, nicht der Preis.

Bleibt die Frage, was ein Museum ist, wenn es zwei Jahre lang nichts zeigt. Ferdinand Franz Wallraf hat seine Sammlung 1824 einer Stadt vermacht, die damals gar kein Museum hatte — die Bestände lagerten jahrzehntelang, bevor sie 1861 einen Bau bekamen. Insofern ist die Pause bis Ende 2028 kein Bruch mit der Geschichte des Hauses, sondern eine ihrer Wiederholungen. Nur dass diesmal am Ende ein Anbau steht und nicht ein erster Anfang. Wer am Freitag um vier Uhr morgens aus dem Ungers-Bau tritt, verabschiedet sich also nicht von der Sammlung, sondern nur von ihrer Sichtbarkeit.

Quellen und Weiterlesen
Friederike Wolters, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
Friederike Wolters
Redakteurin · Kultur & Karneval
Kunsthistorikerin mit Sitzungskarnevals-Abo. Schreibt über Museen, Bühnen und die fünfte Jahreszeit — und darüber, warum beides in Köln dasselbe ist.
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