5.000 Euro für Licht und Ton: Kölns Fördertopf für die Clubszene
Die Frist lief am 14. Juni ab, entschieden ist noch nichts. Antragsteller brauchten 20 Prozent Eigenanteil und eine Pflichtberatung bei der Klubkomm. Der zweite Topf für Open Airs ist bereits leer.
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Es ist 15 Uhr, in einem Kölner Club ist das Tageslicht durch die offene Ladetür der einzige Scheinwerfer, und irgendwer steht auf einer Leiter und schraubt an der Traverse. So sieht Clubförderung meistens aus: nicht als Scheck auf der Bühne, sondern als Rechnung über einen Verstärker, ein Kabelpaket, einen Movinghead. Bis zu 5.000 Euro legt die Stadt Köln auch im Jahr 2026 wieder dazu. Die Frist ist seit dem 14. Juni abgelaufen, entschieden ist noch nichts.
Die Technikförderung für Clubs und Musikspielstätten ist eines der kleineren, aber beständigeren Instrumente der Kölner Kulturförderung. Gefördert wird die Erneuerung oder Verbesserung der technischen Ausstattung – Licht, Ton, alles, was ein Abend braucht und was nach ein paar hundert Veranstaltungen aufgibt. Die Stadt übernimmt bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten, mindestens 20 Prozent muss das Haus selbst tragen. Abgerechnet wird auf Basis der Nettokosten.
Antragsberechtigt ist nicht jeder, der eine Anlage im Keller stehen hat. Die Stadt verlangt eine Spielstätte mit einer Kapazität bis 2.000 Besucherinnen und Besucher, überwiegend privatwirtschaftlich betrieben, mit einem innovativen Livemusikprogramm oder einem Booking mit künstlerischen DJs. Das ist eine Formulierung, über die man streiten kann – und über die in der Szene auch gestritten wird. Sie zieht eine Linie zwischen dem Laden, der Programm macht, und dem Laden, der Musik laufen lässt.
Besonders die zweite Hälfte dieser Bedingung ist für Köln wichtig. Dass ausdrücklich auch ein Booking mit künstlerischen DJs zählt, bedeutet: Ein Technoclub ohne Livebands fällt nicht automatisch durchs Raster. In einer Stadt, in der ein großer Teil der Clubkultur aus DJ-Programm besteht, ist das keine Kleinigkeit. Die Kapazitätsgrenze von 2.000 schließt umgekehrt die großen Hallen aus. Gefördert wird ausdrücklich der Teil der Szene, der nicht in Arenen rechnet.
- Bis zu 5.000 Euro je Spielstätte für neue oder verbesserte Technik
- Höchstens 80 Prozent der förderfähigen Kosten, mindestens 20 Prozent Eigenanteil
- Kapazität bis 2.000 Besucherinnen und Besucher, überwiegend privatwirtschaftlicher Betrieb
- Verpflichtende Erstberatung bei der KLUBKOMM vor der Antragstellung
- Maßnahmen bis Ende 2026 durchgeführt und abgerechnet, Abrechnung netto
Der Eigenanteil ist die entscheidende Hürde, nicht die Antragsfrist. Wer 5.000 Euro Zuschuss will, muss selbst mindestens ein Fünftel der Gesamtkosten aufbringen und die Anschaffung zunächst vorstrecken, weil abgerechnet wird, was bezahlt ist. Für Häuser mit ordentlicher Auslastung ist das eine Formalie. Für die kleinen ist es die Frage, ob der Antrag überhaupt Sinn ergibt – und ausgerechnet die kleinen sind gemeint.
Über die Anträge entscheidet nicht die Verwaltung allein
Vergeben wird das Geld von einem Gremium, in dem drei Seiten sitzen: das Kulturamt der Stadt, die KölnBusiness Wirtschaftsförderungs-GmbH und der KLUBKOMM e. V. Diese Zusammensetzung ist der eigentlich interessante Teil. Kultur, Wirtschaft und Szene entscheiden gemeinsam, welcher Club neue Technik bekommt – ein Club wird hier ausdrücklich als Kulturort und als Betrieb behandelt. Anderswo wären das noch immer zwei getrennte Zuständigkeiten.
Dass mit der KölnBusiness die städtische Wirtschaftsförderung mit am Tisch sitzt, ist mehr als ein Formalismus. Clubs sind Arbeitgeber: Türdienst, Bar, Technik, Reinigung, Booking, Buchhaltung. Eine Lichtanlage ist deshalb nicht nur eine Kulturausgabe, sondern Betriebsausstattung, die sich abschreiben lässt. Diese Doppelnatur bildet das Gremium ab, und sie ist der Grund, warum Kölner Clubförderung nicht ausschließlich im Kulturdezernat verhandelt wird.
Noch ungewöhnlicher ist die Vorstufe. Bevor überhaupt ein Antrag gestellt werden darf, ist eine Erstberatung bei der Geschäftsstelle der KLUBKOMM verpflichtend, per Telefon oder per E-Mail an [email protected]. Ein Interessenverband wird damit zum Türsteher des eigenen Fördertopfes. Das spart der Verwaltung aussichtslose Anträge und dem Antragsteller vergebliche Arbeit. Es setzt aber voraus, dass man den Verband kennt und ihn anruft.
Die KLUBKOMM ist der Interessenverband der Kölner Clubs und Veranstalterinnen und Veranstalter. Nach eigenen Angaben vereint sie mehr als 100 Clubkulturakteurinnen und -akteure, Bars und Artists der Stadt. Sie sitzt inzwischen bei fast jeder Kölner Förderfrage mit am Tisch, vom Solidarmodell Club Euro bis zu dieser Technikförderung. Wer in Köln über Clubkultur verhandelt, verhandelt mit ihr.
Bei den beiden Ansprechpersonen der Stadt landen die Fragen, die dann noch übrig sind. Für die inhaltliche Seite ist Till Kniola zuständig, erreichbar unter 0221/221-23446, für alles rund um die Antragstellung Dagmar Scholten unter 0221/221-29537. Der Antrag selbst muss die geplante Technik benennen, begründen, warum sie gebraucht wird, und die Kosten auflisten. Wunschzettel reichen nicht.
Warum das überhaupt nötig ist, versteht jeder, der einmal hinter die Bühne geschaut hat. Veranstaltungstechnik ist Verschleißmaterial. Kabel werden getreten, Stecker gerissen, Endstufen jeden Abend in den Grenzbereich gefahren, und was zehn Jahre alt ist, klingt nicht nur zehn Jahre alt, sondern fällt irgendwann mitten im Set aus. Für einen Club ist eine Ersatzbeschaffung deshalb keine Investition in die Zukunft, sondern die Verhinderung eines abgesagten Abends.
Wer 2023 zum Zug kam, lässt sich nachlesen
Wie viel Konkurrenz um diesen Topf herrscht, zeigt der letzte veröffentlichte Durchgang. Im Jahr 2023 gingen 19 Förderanträge ein, zwölf Projekte wurden ausgewählt. Gefördert wurden Weltempfänger, Subway Club, LUXOR, EDP, Schmitz+Kunzt, Los Carnales, Trink Genosse, der 674.fm Konzertraum, die kunstbar, die Stadthalle, das CBE und das Gewölbe. Sieben Häuser gingen leer aus.
Diese Liste ist ein guter Querschnitt: ein paar bekannte Namen, ein paar Läden, die außerhalb ihres Veedels kaum jemand kennt. Genau darin liegt der Sinn eines Topfes, der bei 5.000 Euro gedeckelt ist. Er ist zu klein, um eine Spielstätte zu retten, und groß genug, um eine Anschaffung möglich zu machen, die sonst noch ein Jahr geschoben worden wäre. Förderpolitik im Maßstab einer Lichtanlage.
Der Bund zahlt in anderen Größenordnungen, aber seltener
Dass es auch anders geht, hat dieselbe Kölner Szene im selben Jahr vorgeführt. Beim Bundespreis APPLAUS wurden 2023 vier Kölner Häuser ausgezeichnet: Das Gewölbe erhielt 50.000 Euro in der Kategorie „Beste Livemusikprogramme“, acbty und der Bruitkasten je 10.000 Euro als beste kleine Spielstätten und Konzertreihen, das artheater 8.000 Euro in der damals neuen Kategorie Nachhaltigkeit. Der Bund würdigt Programme, die Stadt bezahlt Kabel.
Beides zusammen ergibt erst ein Bild. Eine Auszeichnung wie APPLAUS honoriert, was ein Haus im vergangenen Jahr riskiert hat; die kommunale Technikförderung ermöglicht, dass es das im nächsten Jahr technisch überhaupt kann. Verlassen kann man sich auf keines von beidem. APPLAUS wird jährlich neu vergeben, die städtische Ausschreibung jährlich neu geöffnet – und in beiden Fällen ist eine Zusage im Frühjahr noch keine Kalkulationsgrundlage für den Herbst.
Der Kalender dieses Programms ist eng getaktet. Ausgeschrieben wird im Frühjahr, die Frist endet im Juni, entschieden wird danach, und bis zum Jahresende muss alles beschafft, eingebaut und abgerechnet sein. Wer diesen Rhythmus kennt, plant seine Anschaffungen danach. Wer ihn nicht kennt, verpasst ihn um ein Jahr. Auch dagegen dürfte die verpflichtende Erstberatung bei der KLUBKOMM helfen: Sie bringt Häuser ins Verfahren, die sonst zu spät davon erführen.
Wie viele Anträge in diesem Jahr eingegangen sind und wann das Gremium entscheidet, hat die Stadt bislang nicht mitgeteilt. Klar ist nur der Endpunkt: Die geförderten Maßnahmen müssen bis Ende 2026 durchgeführt und abgerechnet sein. Wer erst im Spätsommer einen Bescheid bekommt, hat für Bestellung, Lieferung, Einbau und Abrechnung wenige Monate. In einem Gewerbe, in dem Technik geliefert wird, wenn sie geliefert wird, ist das knapp.
Der zweite Topf ist bereits leer
Parallel läuft in Köln der Open Air Fonds, und der ist ein gutes Beispiel dafür, wie schnell solche Töpfe an ihre Grenze kommen. Bis zu 10.000 Euro je Projekt sind dort für Open-Air-Kulturveranstaltungen der freien Szene vorgesehen. Eine Antragstellung ist derzeit nicht möglich – wegen der hohen Zahl eingegangener Anträge. Mitten in der Saison, in der Open Airs stattfinden.
Für Veranstalterinnen und Veranstalter heißt das konkret: Wer im Frühjahr schnell war, hat Geld. Wer im Juli plant, plant ohne. Das ist keine Schlamperei, sondern schlicht das Ergebnis eines Programms, dessen Nachfrage größer ist als sein Volumen. Aber es verschiebt die Förderlogik von der besten Idee zur schnellsten Antragstellung, und das ist ein Unterschied, den man nicht kleinreden sollte.
Für dieses Jahr ist der Zug abgefahren. Auf der Seite der Stadt steht seit Mitte Juni schlicht, dass die Ausschreibung beendet ist; Anträge konnten bis zum 14. Juni über das Online-Förderportal gestellt werden. Wer jetzt merkt, dass sein Mischpult den Winter nicht übersteht, kann die verpflichtende Erstberatung schon einmal hinter sich bringen. Ob und in welcher Höhe das Programm 2027 fortgeführt wird, ist offen.
Man kann aus alledem zwei Schlüsse ziehen, und beide stimmen. Erstens: Köln hat für eine Stadt dieser Größe ein erstaunlich ausdifferenziertes Instrumentarium für Clubkultur, und es wird tatsächlich genutzt. Zweitens: Alle diese Töpfe sind an ihrer Obergrenze so bemessen, dass sie eine Investition erleichtern, aber keinen Betrieb tragen. Das ist so gewollt – und es wird gerade dort zum Problem, wo die laufenden Kosten das Problem sind.
Genau diese Lücke ist der Grund, warum die Szene parallel den Club Euro aufgesetzt hat, ein solidarisches Ticketmodell, mit dem große Spielstätten kleine mitfinanzieren sollen. Öffentliche Förderung finanziert Anschaffungen, weil Anschaffungen prüfbar, abgrenzbar und abrechenbar sind. Eine Gage für eine unbekannte Band ist nichts davon. Zwei Systeme, zwei Logiken, dieselben Häuser.
Was von der Technikförderung am Ende bleibt, sieht man ohnehin selten. Es hängt unter der Decke, steht im Regieraum oder liegt als Kabeltrommel im Lager, und niemand im Publikum bemerkt es, solange es funktioniert. Bemerkt wird nur der Abend, an dem es das nicht mehr tut. Bis Jahresende muss abgerechnet sein. Dann weiß man, welche Kölner Häuser diesmal eine Ecke besser klingen.




