Donnerstag, 6. August 2026 Ausgabe Nr. 240
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Neubau

Drei Millionen vom Bund: Der Stadtgarten baut seinen Saal neu

Der Bund gibt drei Millionen Euro, die Stadt drei: Damit ist die Finanzierung des neuen Konzertsaals gesichert. Gebaut wird ab Januar 2028 – den Betrieb hält so lange der Kellerklub JAKI.

David Odenthal, Redakteur — KI-generiertes Porträt
David Odenthal
Clubs & Nachtleben

Lesezeit 8 Min.
Biergarten mit Kastanien vor einem hellen Altbau an einer Kölner Straße im Sommerlicht
Der Stadtgarten an der Venloer Straße 40: Biergarten, Restaurant und Klub laufen während der Bauzeit weiter · Symbolbild (KI-generiert)

Der 7. Mai 2026 war ein Donnerstag, und für ein Haus an der Venloer Straße 40 war es der Tag, an dem aus Plänen ein Termin wurde. Der Bund sagte dem Stadtgarten Köln drei Millionen Euro zu, aus dem Programm „Investitionen in national bedeutsame Kultureinrichtungen“, kurz INK. Damit sei die Gesamtfinanzierung für den Neubau des Konzertsaals gesichert, teilte das Haus noch am selben Tag in einer Pressemitteilung mit. Baubeginn: Januar 2028. Wiedereröffnung: zur Konzertsaison 2029.

INK ist kein Kulturtopf für Projekte, sondern für Beton. Aus dem Programm des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien fließen Investitionsmittel an Einrichtungen, denen der Bund nationale Bedeutung zuschreibt – für Sanierungen, Umbauten, Neubauten. Dass ein Jazzhaus an der Venloer Straße in dieser Kategorie auftaucht, ist die eigentliche Nachricht des Tages. Sie sagt etwas darüber, wie sich das Verhältnis von Bund und Clubkultur in den vergangenen Jahren verschoben hat.

Vorher hatte die Stadt geliefert. Mit einem Haushaltsbeschluss über drei Millionen Euro Förderung für das Jahr 2026 sei bereits ein starkes kommunales Signal gesetzt worden, heißt es in der Mitteilung des Stadtgarten. Und weiter: Dass nun auch Bund und Land gemeinsam die verbleibende Finanzierungslücke schlössen, sei ein entscheidendes Zeichen. Das Land Nordrhein-Westfalen ist also beteiligt.

Was in der Mitteilung nicht steht, ist die Summe, um die es insgesamt geht. Weder die Gesamtkosten des Neubaus noch der Anteil des Landes werden beziffert. Belegt sind bislang zwei Beträge: drei Millionen Euro von der Stadt für 2026 und drei Millionen Euro vom Bund. Wer wissen will, was der Saal am Ende kostet, wird auf die angekündigte Pressekonferenz warten müssen.

Diese Lücke ist keine Formalie. Zwischen der Zusage im Mai 2026 und dem geplanten ersten Baggerbiss im Januar 2028 liegen 20 Monate, und Baukosten sind in einem solchen Zeitraum keine feste Größe. „Gesamtfinanzierung gesichert“ heißt, dass die Summen für die derzeitige Planung zusammen sind – nicht, dass sich an der Rechnung nichts mehr ändern kann. Für ein Haus, das von einem Verein getragen wird und nicht von einem Konzern, ist jede spätere Nachforderung ein echtes Problem. Offen sind nach der Mitteilung vom 7. Mai vor allem fünf Punkte:

  • Die Gesamtkosten des Neubaus sind nicht beziffert.
  • Die Höhe des Landesanteils ist nicht genannt.
  • Kapazität und Zuschnitt des neuen Saals sind nicht veröffentlicht.
  • Ein Termin für die angekündigte Pressekonferenz mit der Entwurfsplanung steht nicht in der Mitteilung.
  • Ob und wie der alte Saal verabschiedet wird, ist nicht mitgeteilt.

Der Saal wird 40, und das ist Teil des Problems

Der bestehende Konzertsaal wurde 1986 eröffnet. Am Freitag, dem 4. September 2026, wird er 40 Jahre alt. In der Mitteilung klingt das Jubiläum weniger nach Feier als nach Diagnose: Die räumlichen, technischen und energetischen Voraussetzungen des Gebäudes entsprächen nicht mehr den Anforderungen an einen Konzertort für Musikproduktion und Veranstaltungsbetrieb im 21. Jahrhundert. Der Saal, so das Haus, werde den Anforderungen an einen zeitgemäßen Konzertbetrieb langfristig nicht mehr gerecht.

Leerer Konzertsaal mit Bestuhlung, von der Bühne aus fotografiert, Arbeitslicht
Blick von der Bühne in einen leeren Saal: Der Konzertsaal des Stadtgartens wird im September 40 Jahre alt · Symbolbild (KI-generiert)

Wer schon einmal an einem Novemberabend in einem Saal aus den Achtzigern gestanden hat, weiß, was hinter solchen Sätzen steckt: Lüftung, die man hört, Heizkosten, die man zahlt, eine Bühne, die für andere Formate gebaut wurde als für die, die heute darauf stattfinden. Der Neubau soll deutlich verbesserte Akustik bringen, zeitgemäße technische Infrastruktur und erweiterte Arbeits- und Produktionsflächen. Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und energetische Modernisierung stehen laut Mitteilung im Zentrum der Planungen.

„Diese Förderzusage ist ein enorm wichtiger Schritt für die Zukunft des Stadtgartens und für die Musikszenen in NRW. Sie zeigt, dass der Stadtgarten auch bundesweit als relevanter Kulturort wahrgenommen wird“

Ulla Oster, Vorsitzende der Initiative Kölner Jazz Haus e.V.

An den Planungen arbeitet die Initiative Kölner Jazz Haus e.V. seit 2023. Der Verein betreibt den Stadtgarten und hält damit eines der wenigen Häuser der Stadt, das Konzertbetrieb, Clubbetrieb und Künstlerförderung unter einem Dach zusammenhält. Zum Haus gehören neben dem Konzertsaal der GREEN ROOM, der Klub JAKI, ein Café-Restaurant mit Terrasse und Biergarten sowie das Programm NICA artist development, mit dem Nachwuchsmusikerinnen und -musiker über mehrere Jahre begleitet werden.

NICA ist dabei der Teil, den das Publikum am wenigsten sieht und der am längsten wirkt: ein Programm, das Musikerinnen und Musiker über einen mehrjährigen Zeitraum begleitet, statt ihnen einzelne Auftritte zu geben. Wer sich fragt, warum ein Konzertsaal „erweiterte Arbeits- und Produktionsflächen“ braucht, findet hier die Antwort. Ein Haus, das Künstlerinnen entwickelt, braucht Räume zum Proben, Aufnehmen und Arbeiten – und zwar tagsüber, wenn der Saal leer steht.

Der Begriff „national bedeutsam“ ist für die Jazz- und Clubszene ungewohnt. Er stammt aus einer Förderlogik, die lange vor allem Opernhäuser, Museen und Gedenkstätten meinte. Dass ein Haus, das denselben Abend mit einem Jazzkonzert und einer Clubnacht bestreiten kann, in dieser Kategorie geführt wird, ist eine Verschiebung, die man in Köln bemerken sollte. Sie hilft beim nächsten Antrag – nicht nur diesem Haus.

Gebaut wird erst in anderthalb Jahren

Der Zeitplan liest sich langsam, und er ist es auch. Der Bauantrag soll noch im Laufe des Jahres 2026 eingereicht werden. Der Baubeginn ist derzeit für Januar 2028 vorgesehen, die Bauzeit soll etwa 16 Monate betragen. Rechnet man das durch, endet die Baustelle im Frühjahr 2029 – rechtzeitig, damit die Wiedereröffnung zur Konzertsaison 2029 geplant werden kann. Zwischen Förderzusage und erstem Konzert im neuen Saal liegen damit gut drei Jahre.

Für ein Haus, das jeden Monat Miete, Gagen und Personal zahlen muss, ist diese Wartezeit die eigentliche Herausforderung. Und hier wird die Sache für alle interessant, die den Stadtgarten nicht als Konzerthaus, sondern als Adresse für den späten Abend kennen. Während der Bauphase soll der Betrieb weitgehend aufrechterhalten werden. Die Gastronomie schließt lediglich für einen kurzen Zeitraum im Winter 2028.

Der Kellerklub trägt das Haus durch die Baustelle

Der Klub JAKI, der Raum im Untergeschoss des Hauses, soll als Interimsstandort weiterhin für Konzerte und Veranstaltungen genutzt werden. Das ist eine kleine, aber bemerkenswerte Verschiebung: Nicht der große Saal hält den Betrieb, sondern der kleine Klub. Für ein Publikum, das den Stadtgarten über Konzertabende kennt, heißt das ab 2028 andere Kapazitäten, andere Formate, andere Preise. Für die Nacht heißt es: Der Laden bleibt auf.

Detail alter Bausubstanz: Lüftungsgitter und Akustikpaneele an einer Saalwand
Lüftung, Akustik, Energie: Die Technik des Saals stammt in Teilen aus den Achtzigern · Symbolbild (KI-generiert)

Ein Interim ist kein Nebenschauplatz, sondern eine Überlebensfrage. Wer während einer Bauphase aus dem Kalender der Stadt verschwindet, muss sein Publikum hinterher neu einsammeln, und das dauert länger als die Bauzeit. Dass der Stadtgarten seinen Klub ausdrücklich als Interimsstandort benennt, ist deshalb mehr als ein logistischer Hinweis. Es ist die Ansage, dass die Adresse Venloer Straße 40 auch während der Bauzeit im Programm bleibt.

Der Klub ist ohnehin in die Nacht hinein vernetzt. Beim Format Ehrenfeld XL, das Ende März zehn Häuser in Ehrenfeld und im Belgischen Viertel zu einer einzigen Nacht verband, standen Stadtgarten und Jaki auf derselben Liste wie eine Halle mit drei Technofloors in Bickendorf. Die Trennung zwischen Konzerthaus und Club ist an solchen Abenden praktisch aufgehoben. In Förderlogiken ist sie das nicht.

Wie der Saal aussehen wird, weiß noch niemand

Für die architektonische Planung zeichnet HUTTA Architektur unter der Leitung des Kölner Architekten Wolfgang Zeh verantwortlich. Erste Einblicke in die Entwurfsplanung sollten laut Mitteilung im Rahmen einer Pressekonferenz in den kommenden Wochen vorgestellt werden. Öffentlich einsehbar sind Entwurfsunterlagen bislang nicht; die Mitteilung selbst zeigt lediglich eine Illustration. Wie groß der neue Saal wird, wie viele Plätze er haben soll und ob sich am Zuschnitt des Hauses etwas ändert, ist damit offen.

Das ist keine Kleinigkeit. Für Veranstalter und Booking-Agenturen entscheidet die Kapazität eines Saals darüber, welche Tourneen überhaupt in Köln haltmachen. Für die Nachbarschaft entscheidet der Zuschnitt darüber, wie viel Schall nach draußen geht und wo künftig die Warteschlange steht. Beides sind Fragen, die vor dem Bauantrag beantwortet werden – und der soll noch in diesem Jahr eingereicht werden.

„Mit dem Neubau schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass der Stadtgarten seine Erfolgsgeschichte auch in den kommenden Jahrzehnten fortschreiben kann – als Ort für künstlerische Innovation, internationale Vernetzung und musikalische Vielfalt.“

Ulla Oster, Vorsitzende der Initiative Kölner Jazz Haus e.V.

Barrierefreiheit taucht in der Aufzählung der Planungsziele an dritter Stelle auf, und das verdient eine eigene Zeile. In der Kölner Clubszene ist der Zugang zu Spielstätten seit Jahren ein Thema: Kellerklubs mit Treppe, Toiletten im Zwischengeschoss, Bühnen ohne Rampe. Ein Neubau ist die seltene Gelegenheit, das nicht nachzurüsten, sondern von vornherein einzuplanen. Was der Stadtgarten darunter konkret versteht, steht in der Mitteilung allerdings nicht.

Kleine Klubbühne in einem Kellerraum mit niedriger Decke und farbigem Licht
Der Klub im Untergeschoss soll ab 2028 als Interimsspielort dienen · Symbolbild (KI-generiert)

Auch die energetische Seite ist mehr als eine Fußnote. Spielstätten sind Dauerverbraucher: Lüftung, Kühlung, Licht, Ton – und zwar an jedem Abend, an dem gespielt wird. Wer die Betriebskosten eines Hauses aus den Achtzigern senkt, schafft Spielraum für Programm oder verhindert zumindest, dass er weiter schrumpft. Genau darauf zielt die Formulierung von der energetischen Modernisierung, die in der Mitteilung gleich neben der Akustik steht.

Der Stadtgarten versteht sich als Europäisches Zentrum für Jazz und aktuelle Musik und beschreibt sich als in Deutschland einzigartige Spielstätte mit diesem Profil. 2026 richtet das Haus die European Jazz Conference aus, das Branchentreffen der europäischen Jazzszene. Auch das dürfte in Berlin eine Rolle gespielt haben, wenn über nationale Bedeutung entschieden wird. Ein Haus, das internationale Netzwerke bedient, argumentiert sich leichter in ein Investitionsprogramm hinein als eines, das nur den eigenen Stadtteil bespielt.

Was jetzt ansteht, ist Papier. Bauantrag im laufenden Jahr, danach die Genehmigung, dann anderthalb Jahre Vorlauf bis zum ersten Bagger. Bis dahin läuft der alte Saal weiter, der im September seinen 40. Geburtstag hat und der nach dem bisherigen Zeitplan bis zum Baubeginn im Januar 2028 bespielt werden kann. Ob es zum Abschied ein eigenes Programm gibt, hat der Stadtgarten nicht mitgeteilt.

Bleibt eine Beobachtung, für die man kein Ticket braucht: Zum Haus gehören Biergarten, Terrasse und Café-Restaurant, dazu der GREEN ROOM, der Klub im Untergeschoss und der Saal, um den es geht. Ein Haus, das an einem Donnerstag im Mai eine Millionenzusage bekommt, sieht am Abend danach aus wie am Abend davor. Das ist die unspektakuläre Seite von Kulturbauten. Der Unterschied zeigt sich erst 2029.

Quellen und Weiterlesen
David Odenthal, Redakteur — KI-generiertes Porträt
David Odenthal
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Kennt jede Kellertür in Ehrenfeld. Schreibt über Clubkultur, Kollektive und die Nacht als Wirtschafts- und Kulturraum. Legt gelegentlich selbst auf — angeblich nur privat.
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