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Stadtgrün in Poll

Ein Basketballfeld war zu wenig: Poll baut die Grünanlage Im Forst um

Seit dieser Woche ist die Grünanlage an der Straße Im Forst in Poll-Ost gesperrt. Bis voraussichtlich Herbst baut die Stadt Spielinseln mit inklusiven Geräten, eine Kletteranlage, einen Bouleplatz und eine Tischtennisplatte – beschlossen hat das die Bezirksvertretung Porz bereits im Juni 2025.

Markus Schmitz, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Markus Schmitz
Veedel & Stadtleben

Lesezeit 6 Min.
Mit Bauzaun abgesperrte Grünanlage mit Basketballkorb und Bäumen in Köln-Poll
Bislang war ein Basketballfeld die einzige Spielmöglichkeit in der Grünanlage Im Forst – bis voraussichtlich Herbst 2026 kommen Spielinseln, Kletteranlage und Bouleplatz hinzu. · Symbolbild (KI-generiert)

Ein Basketballfeld, sonst nichts. Mehr hatte die Grünanlage an der Straße Im Forst in Köln-Poll an Spiel- und Sportmöglichkeiten bislang nicht zu bieten. Seit dieser Woche ist die Anlage im Osten des Stadtteils komplett gesperrt, und das bleibt sie voraussichtlich bis in den Herbst. Die Stadt saniert die Wege und baut sie teilweise neu aus; dazu kommen Spielinseln mit inklusiven Geräten, eine neue Kletteranlage mit Kletterwänden und Rutsche, ein Bouleplatz, eine Tischtennisplatte und zusätzliche Sitzgelegenheiten. Mitgeteilt hat das die Stadtverwaltung am Donnerstag, 6. August 2026. Für Poll-Ost ist es ein spürbarer Eingriff ins öffentliche Grün – und einer mit längerer Vorgeschichte.

Überraschend kommt der Umbau nämlich nicht. Die Bezirksvertretung Porz – das gewählte Gremium des Stadtbezirks, das unterhalb des Stadtrats unter anderem über Grünanlagen, Spiel- und Sportflächen entscheidet – hat die Umgestaltung bereits im Juni 2025 beschlossen. Zwischen Beschluss und Baubeginn liegen damit rund 14 Monate. Dass ausgerechnet Porz über eine Anlage in Poll befindet, hat historische Gründe: Poll wurde 1888 zusammen mit Deutz nach Köln eingemeindet, wird aber seit der kommunalen Neugliederung von 1975 als einziger Stadtteil des älteren Kölner Stadtgebiets vom Stadtbezirk Porz aus verwaltet. Wer Beschlüsse zum Poller Grün nachlesen will, muss also in die Porzer Sitzungsunterlagen schauen, nicht in die der Innenstadt. Bezirksvertretungen gibt es in Köln neun, eine je Stadtbezirk; eingerichtet wurden sie mit derselben Gebietsreform von 1975.

Die neue Wohnbebauung gegenüber der Siegburger Straße erhöht den Bedarf

Den Anlass benennt die Verwaltung in ihrer Mitteilung ungewöhnlich klar. Bislang gebe es außer dem Basketballfeld keine Spielmöglichkeiten in der Grünanlage, „jedoch durch die neue Wohnbebauung gegenüber der Siegburger Straße ein zusätzlicher Bedarf an Spielflächen und Erholungsräumen“, heißt es dort; deshalb solle die vorhandene Anlage aufgewertet werden. Übersetzt: Es sind Menschen zugezogen, und die Infrastruktur hat mit ihnen nicht Schritt gehalten. Die Straße Im Forst mit ihren Hausnummern 1 bis 63 liegt in der Ortslage Poll-Ost, Postleitzahl 51105, nahe der Siegburger Straße, einer der Hauptachsen des Stadtteils.

Bemerkenswert ist, wie die neuen Geräte ausgesucht wurden. Nach Angaben der Stadt sind sie „im Rahmen des Beteiligungsverfahrens mit den Kindern aus der angrenzenden Grundschule ausgewählt und entwickelt“ worden. Die künftigen Nutzerinnen und Nutzer haben also mitentschieden, was gebaut wird, bevor der erste Bagger anrückte. Im Einzelnen kündigt die Verwaltung für die Anlage an:

  • Sanierung und teilweiser Neuausbau der Wege
  • Spielinseln mit inklusiven Spielgeräten
  • eine neue Kletteranlage mit Kletterwänden und Rutsche
  • ein Bouleplatz
  • eine Tischtennisplatte
  • zusätzliche Sitzmöglichkeiten

Dass inklusive Geräte ausdrücklich genannt werden, ist kein Zufall. Seit Deutschland 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert hat, sind Kommunen gehalten, öffentliche Angebote so zu gestalten, dass Kinder mit und ohne Behinderung sie gemeinsam nutzen können – Spielplätze eingeschlossen. In der Praxis bedeutet das zum Beispiel Geräte mit bodennahen Einstiegen, breiten Podesten oder Elementen, die sich im Sitzen bespielen lassen. Welche Geräte Im Forst im Detail aufgestellt werden, führt die Mitteilung nicht auf; fest steht die Kombination aus Spielinseln, Kletterwänden und Rutsche – ausgewählt eben von den Kindern, die später darauf spielen sollen.

Auffällig ist zudem die Mischung der Zielgruppen. Ein Bouleplatz und zusätzliche Sitzgelegenheiten richten sich erkennbar nicht an Grundschulkinder, Kletterwände und Spielinseln nicht an Seniorinnen und Senioren – zusammen ergibt das eine Anlage, die vom Kita-Alter bis zum Ruhestand nutzbar sein soll. Die Stadt plant Im Forst damit faktisch ein Mehrgenerationenangebot, auch wenn sie das Wort in ihrer Mitteilung nicht benutzt. Die Tischtennisplatte, das vielleicht demokratischste aller Parkgeräte, steht dazwischen.

Aufgerissener Parkweg mit kleinem Bagger und Absperrungen in einer Grünanlage
Die Wege der Anlage werden saniert und teilweise neu ausgebaut; die Bezirksvertretung Porz hatte den Umbau im Juni 2025 beschlossen. · Symbolbild (KI-generiert)

Poll fehlten zuletzt 8.100 Quadratmeter Spielfläche

Wie groß der Nachholbedarf im Stadtteil ist, hat die Verwaltung selbst schon einmal beziffert. Nach Angaben des städtischen Amts für Kinderinteressen fehlten in Poll Anfang 2022 rechnerisch 8.100 Quadratmeter Spielfläche für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren; das Portal porzerleben.de berichtete damals über die Zahl. Zur Einordnung: Das ist mehr als ein komplettes Fußballfeld, das nach Norm 7.140 Quadratmeter misst. Eine aktuellere Zahl nennt die Stadt in ihrer jetzigen Mitteilung nicht; ob sich das Defizit seit 2022 verringert hat, lässt sich von außen nicht überprüfen. Sicher ist nur: Jeder Quadratmeter Spielfläche, der Im Forst hinzukommt, verkleinert die Lücke.

Der Umbau ist auch nicht der erste Versuch, gegenzusteuern. 2022 stellte das Jugendamt Pläne für die Neugestaltung des Spiel- und Bolzplatzes An den Maien vor, ebenfalls in Poll zwischen Siegburger Straße und Altenberger Kreuz gelegen. 450.000 Euro Investitionsvolumen wurden damals genannt; geplant waren unter anderem eine Kletteranlage für ältere Kinder, ein Karussell, eine Schaukelanlage und – auch dort – eine Tischtennisplatte, dazu ein Bolzplatz von 24 mal 14 Metern. Auch bei diesem Projekt wurden Kinder aus der umliegenden Siedlung an der Planung beteiligt. Das Muster ist damit eingeführt: erst fragen, dann bauen.

Neu gebaute mehrgeschossige Wohnhäuser an einer Straße im Kölner Osten
Durch die neue Wohnbebauung gegenüber der Siegburger Straße ist laut Stadt zusätzlicher Bedarf an Spiel- und Erholungsflächen entstanden. · Symbolbild (KI-generiert)

Poll ist mit rund 11.000 Einwohnerinnen und Einwohnern auf 5,17 Quadratkilometern ein mittelgroßer Stadtteil mit gemischtem Charakter. Aus dem früheren Fischer- und Milchhandelsdorf am rechten Rheinufer ist ein Nebeneinander von Wohnquartieren verschiedener Baujahrzehnte und Gewerbeflächen geworden; unter anderem hat der TÜV Rheinland hier seinen Hauptsitz. Im Osten rahmen die Autobahnen A4 und A559 den Stadtteil, angebunden ist er über die Stadtbahnlinie 7 mit vier Haltestellen sowie zwei Buslinien; im Zuge des geplanten S-Bahn-Ausbaus ist perspektivisch eine zusätzliche Station im Gespräch. Wo neue Wohnungen entstehen und die Anbindung besser wird, wächst der Druck auf die verbliebenen Freiflächen – exakt der Mechanismus, den die Stadt jetzt als Begründung für den Umbau anführt.

Zwei Angaben fehlen in der Mitteilung, und beide sind nicht nebensächlich. Erstens nennt die Verwaltung keine Kosten für den Umbau. Zum Vergleich: Für die Neugestaltung von An den Maien standen 2022 immerhin 450.000 Euro im Raum; in welcher Größenordnung sich das Projekt Im Forst bewegt, bleibt offen. Zweitens ist der Fertigstellungstermin weich formuliert. „Voraussichtlich im Herbst“ sollen die Arbeiten abgeschlossen sein – wer meteorologisch rechnet, landet beim 30. November, wer kalendarisch rechnet, beim 21. Dezember. Dazwischen liegen drei Wochen, die für Familien im Veedel durchaus einen Unterschied machen.

Während der Bauzeit ist auch das Basketballfeld nicht nutzbar

Für die Dauer der Arbeiten ist die Anlage vollständig gesperrt. Das betrifft auch das Basketballfeld – ausgerechnet das einzige Angebot, das es bislang gab. Ausweichflächen benennt die Stadt in ihrer Mitteilung nicht; wer in Poll-Ost wohnt, muss in den kommenden Monaten auf andere Spiel- und Sportflächen im Stadtteil oder auf die Poller Wiesen am Rheinufer ausweichen. Immerhin fällt die Bauzeit zu einem guten Teil in Herbst und Winter, in denen der Nutzungsdruck auf Grünanlagen erfahrungsgemäß geringer ist als im Hochsommer.

Bouleplatz mit feiner Kiesfläche und Metallkugeln in einem Park
Boule, Tischtennis, Klettern: Die neuen Geräte wählte die Stadt in einem Beteiligungsverfahren gemeinsam mit Kindern der angrenzenden Grundschule aus. · Symbolbild (KI-generiert)

Bleibt die Frage, was das Veedel am Ende davon hat. Wenn der Zeitplan hält, verfügt Poll-Ost ab Herbst über eine Grünanlage, die deutlich mehr Nutzergruppen anspricht als bisher: Boule und Sitzplätze für Ältere, Spielinseln und Kletterwände für Kinder – ausdrücklich auch für jene mit Einschränkungen –, dazu Tischtennis für alle dazwischen. Gemessen am festgestellten Spielflächendefizit von 8.100 Quadratmetern ist das keine Großzügigkeit, sondern Nachholarbeit. Der nächste überprüfbare Schritt ist das Ende der Bauarbeiten; Zwischenstände kündigt die Stadt nicht an. Bis dahin gilt für Poll-Ost: Der Zaun steht, und ob der Herbsttermin hält, wird sich an der Baustelle ablesen lassen.

Quellen und Weiterlesen
Markus Schmitz, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Markus Schmitz
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Gelernter Bankkaufmann, dann Journalistenschule. Zählt lieber nach, statt zu raunen: beobachtet die 86 Veedel mit Statistik, Ratsvorlagen und Ortsterminen — vom Wochenmarkt bis zur Bezirksvertretung.
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