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Veedel Lindenthal

Mehr als 250 Tiere, kein Eintritt: Der Lindenthaler Tierpark im Stadtwald

Hochlandrinder, Damwild, Ziegen und jede Menge Geflügel – aber keine Kasse am Eingang: Der Lindenthaler Tierpark im Stadtwald ist täglich kostenlos geöffnet. Am 6. September lädt der Förderverein zur 25. Waldmesse.

Markus Schmitz, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Markus Schmitz
Veedel & Stadtleben

Lesezeit 6 Min.
Schottisches Hochlandrind mit langen Hörnern in einem eingezäunten Gehege unter Bäumen
Mehr als 250 Tiere nennt der Park als Bestand – Eintritt wird das ganze Jahr über nicht verlangt. · Symbolbild (KI-generiert)

Am Eingang an der Kitschburger Straße fehlt, was sonst jeden Ausflug in einen Tierpark eröffnet: das Kassenhäuschen. Wer den Lindenthaler Tierpark im Kölner Stadtwald besucht, zahlt keinen Eintritt – geöffnet ist im Sommerhalbjahr von April bis September täglich von 9 bis 19 Uhr, von Oktober bis März bis 17 Uhr, letzter Einlass ist jeweils eine halbe Stunde vor Schließung. Nach Angaben des Parks leben auf dem Gelände mehr als 250 Tiere: Schottische Hochlandrinder, Esel, Damwild, Schafe und Ziegen, dazu reichlich Geflügel und Wasservögel an den Weihern. Regelmäßig lassen sich außerdem freifliegende Vögel aus dem umliegenden Stadtwald blicken.

Den aktuellen Anlass liefert die Stadt. In ihrer Pressemitteilung vom Montag, 10. August, kündigt sie unter den botanischen Terminen für September eine Veranstaltung an, die im Tierpark inzwischen Tradition hat: Am Sonntag, 6. September, um 11 Uhr feiert der Verein der Freunde und Förderer des Lindenthaler Tierparks die Waldmesse – nach eigenen Angaben zum 25. Mal. Gefeiert wird unter freiem Himmel auf dem Parkgelände, die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die Waldmesse ist dabei nur einer von elf botanischen Terminen, die die Stadt für den September auflistet. Gleich mehrere davon führen ebenfalls in den Kölner Westen: Am 8. September zeigt Förster Michael Hundt ab 17 Uhr das Waldlabor, am 12. September folgt eine Radführung durch den Äußeren Wald- und Wiesengürtel von 12 bis 16 Uhr, und am 13. September wird beim Apfelfest von 11 bis 17 Uhr Saft gepresst. Der Tierpark liegt damit mitten in einem Programm, das den Stadtwald im Spätsommer gezielt bespielt.

Ein Gartendirektor legte 1908 den Grundstein

Der Tierpark ist deutlich älter, als viele Besucherinnen und Besucher vermuten dürften. 1908 ließ Fritz Encke, seit 1903 Kölner Gartendirektor, im damals noch jungen Stadtwald ein rund 8 Hektar großes Wildgehege anlegen; den Anfang machten Dam- und Rehwild sowie Wassergeflügel, 1920 folgte eine 750 Meter lange Kanalanlage. Aus den 8 Hektar von damals sind laut Chronik inzwischen 12,3 Hektar geworden – eine Fläche von gut 17 Fußballfeldern, mitten im dicht bebauten Kölner Westen und für alle frei zugänglich.

Damwild ruht im Schatten hoher Bäume in einem Waldgehege
1987 zählte der Park 113 Stück Damwild – heute nennt die Chronik rund 26 Tiere. · Symbolbild (KI-generiert)

Der Zweite Weltkrieg unterbrach den Betrieb. Der Park wurde geschlossen, nach Kriegsende dienten Teile der Fläche zunächst der Lebensmittelversorgung. 1949 und 1950 wurde der Stadtwaldweiher instand gesetzt, 1951 folgte die Wiedereröffnung des Geheges – mit einer neuen Zaunanlage von 2.000 Metern Länge. In den ersten beiden Jahren danach wuchs der Bestand auf 10 Stück Damwild und 3 Rehe, dazu wurden 9 Schwäne und 30 Enten ausgesetzt. 1961 kamen Ponyrundfahrten hinzu; als angestrebter Bestand galten damals 4 Ponys, 20 bis 25 Stück Damwild und 30 Ziegen. Es blieb nicht dabei, der Bestand wuchs kräftig, zeitweise zu kräftig: 1985 zählte der Park 63 Stück Damwild, 1987 waren es 113. In den 1990er Jahren musste der Bestand wieder reduziert werden.

Bei den Tierzahlen lohnt ohnehin ein zweiter Blick. Die Chronik nennt für heute rund 26 Stück Damwild und 25 Ziegen, dazu Hochlandrinder, Schafe, Geflügel und Wasservögel; die griffige Zahl von mehr als 250 Tieren kommt also erst zustande, wenn man das Federvieh mitrechnet. Wie beweglich solche Zahlen sind, zeigen die Ziegen: 1991 war der Zwergziegenbestand durch Verkäufe auf 11 Tiere gedrückt worden, 1996 waren es schon wieder 23. Nachzählen lässt sich das beim Rundgang kaum. Unplausibel ist die Größenordnung aber nicht: Allein die 2006 und 2007 gebauten Geflügelanlagen messen 2.100 Quadratmeter – knapp ein Drittel eines Fußballfeldes, nur für Hühner, Enten und Co.

Montags ist Fasttag – und die Gänse gehen immer leer aus

Für den Besuch gelten feste Regeln. Montags ist Fasttag, an diesem Tag dürfen die Tiere nicht gefüttert werden; an allen anderen Tagen wird geeignetes Futter direkt im Park verkauft. Zwei Arten sind von der Fütterung ganzjährig ausgenommen: Kanada- und Nilgänse sollen kein Futter bekommen, weil die zugewanderten Arten heimische Wasservögel verdrängen. Hunde müssen draußen bleiben, Fahrräder sind über das Gelände zu schieben. Die Anlage ist barrierefrei, ausgenommen die Toiletten; das Vogelgehege schließt jeweils eine Stunde vor dem übrigen Park.

Eine Einschränkung gibt es derzeit allerdings. Das Geflügelgehege ist als Vorsichtsmaßnahme gegen die Vogelgrippe geschlossen, der übrige Park ist normal zugänglich. Ein Enddatum für die Sperrung nennt der Park nicht – wer vor allem wegen des Geflügels kommt, sollte das vor dem Besuch auf der Website prüfen.

Zwei Kinder von hinten an einem Holzzaun vor einem Ziegengehege
Montags ist Fasttag: An diesem Tag darf im gesamten Park nicht gefüttert werden. · Symbolbild (KI-generiert)

Das Angebot reicht über das Zuschauen am Zaun hinaus. Für Kinder ab sechs Jahren gibt es mit „Actionbound“ eine digitale Schnitzeljagd, also eine App-gestützte Rätseltour über das Gelände; dazu bietet der Park Führungen und eine Waldschule an. In den Sommerwochen wird der Tierpark sonntags außerdem zur Vorlesebühne: Bei den Sommerlesestunden des Vorleseprojekts „LeseWelten“ sind Kinder ab vier Jahren und ihre Familien jeweils von 14.30 bis 15.30 Uhr eingeladen, die Teilnahme kostet nichts. Sechs Termine gab es seit dem 26. Juli, drei stehen noch aus: der 16., 23. und 30. August. Am 29. und 30. August folgt die Batnight – samstags ab 16 Uhr mit Programm rund um Fledermäuse, an beiden Abenden mit Beobachtungsführungen in der Dämmerung.

Aus dem Fotowettbewerb „Tierisch schön“ ist zudem ein Kalender für das Jahr 2026 entstanden; er wird gegen eine Spende von 8 Euro abgegeben. Wer sich dauerhafter binden will, kann eine Tier- oder Baumpatenschaft übernehmen.

Seit 2000 hält ein Förderverein den Park in Schuss

Dass der Eintritt frei bleibt, ist kein Selbstläufer. Ende 2000 gründete sich der Verein der Freunde und Förderer des Lindenthaler Tierparks, um die damals vernachlässigte Anlage zu retten; erklärtes Ziel ist bis heute, den Park als kostenfreies Erholungsgebiet für die Bevölkerung zu erhalten. Vorsitzender ist Martin Gallhöfer, seine Stellvertreter sind Gert Meyer-Jüres und Christian Jürgens. Der Mindestbeitrag liegt bei 30 Euro im Jahr, für Schülerinnen, Schüler und Auszubildende bei 15 Euro. Aus Beiträgen und Spenden finanzierte der Verein seit der Gründung unter anderem neue Gehege, Zäune und eine Toilettenanlage – und eben jene Geflügelanlagen aus den Jahren 2006 und 2007. 2007, genau 100 Jahre nach der Gründung, attestierte die Chronik dem Park einen sehr guten Zustand: Mit dem Neubau des Geflügelgeheges und der Sanierung des Ziegengeheges galten die Sanierungsarbeiten des Gesamtkonzepts als abgeschlossen. 2016 bekam der Park zudem ein professionelles Leitsystem mit Hinweis- und Tier-Erklär-Schildern aus einem Guss, 2019 feierte er mit mehreren Veranstaltungen seinen 111. Geburtstag.

Auch im Bestand gab es zuletzt Bewegung. Im November 2025 starb die Hochlandrind-Kuh Lotta, eines der bekannteren Tiere des Parks; seit März 2026 lebt mit Lotta II eine Nachfolgerin im Gehege – nach Angaben des Parks das kleinste Tier im inzwischen dreiköpfigen Hochlandrind-Trio.

Sonnige Waldlichtung mit aufgereihten Holzbänken für eine Veranstaltung unter freiem Himmel
Am 6. September um 11 Uhr feiert der Förderverein die Waldmesse – zum 25. Mal, mit Chor und Greifvogelschau. · Symbolbild (KI-generiert)

Bleibt der Blick auf den 6. September. Die Waldmesse wird auf dem Parkgelände an der Kitschburger Straße gefeiert, musikalisch begleitet vom Erwachsenenchor von St. Stephan und einer Jagdhorngruppe; im Anschluss gibt es nach Angaben der Stadt Essen, Getränke und eine Greifvogelschau. Wer nicht zu Fuß oder mit dem Rad kommt, erreicht den Tierpark mit den KVB-Linien 7 und 136.

  • Adresse: Kitschburger Straße, Köln-Lindenthal (Stadtwald); Anfahrt mit den KVB-Linien 7 und 136
  • Öffnungszeiten: April bis September täglich 9 bis 19 Uhr, Oktober bis März 9 bis 17 Uhr; letzter Einlass 30 Minuten vor Schließung
  • Eintritt: frei; Hunde sind nicht erlaubt, Fahrräder müssen geschoben werden
  • Füttern: montags Fasttag; Kanada- und Nilgänse ganzjährig nicht füttern; geeignetes Futter wird im Park verkauft
  • Waldmesse: Sonntag, 6. September 2026, 11 Uhr; Teilnahme kostenlos, keine Anmeldung nötig

Für Lindenthal bedeutet das: Der Park bleibt, was er seit 118 Jahren ist – ein Ausflugsziel ohne Eintrittskarte, mit festen Regeln und einem Verein im Rücken, der die Anlage seit über einem Vierteljahrhundert trägt. Wer hingehen will, muss nur zwei Dinge wissen: Montags bleibt das Futter im Regal, und das Geflügelgehege ist vorerst geschlossen.

Quellen und Weiterlesen
Markus Schmitz, Redakteur — KI-generiertes Porträt
Markus Schmitz
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Gelernter Bankkaufmann, dann Journalistenschule. Zählt lieber nach, statt zu raunen: beobachtet die 86 Veedel mit Statistik, Ratsvorlagen und Ortsterminen — vom Wochenmarkt bis zur Bezirksvertretung.
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