Ein Hof, vier Aufgaben: Gut Leidenhausen ist das Porzer Portal zur Wahner Heide
Umweltbildungszentrum, Greifvogelstation, Wildgehege, Waldmuseum und Café auf einem Gelände: Gut Leidenhausen bündelt das Porzer Naturangebot. Am 13. September folgt das kostenlose Apfelfest mit Saftpressen.
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Am westlichen Rand der Wahner Heide, dort, wo Porz an den Königsforst grenzt, liegt ein Hof mit der schlichten Adresse Gut Leidenhausen 1. Hinter den charakteristischen Torbögen arbeiten auf einem einzigen Gelände ein Umweltbildungszentrum, eine Greifvogelschutzstation, ein Wildgehege mit Rothirschen und Wildschweinen, das Waldmuseum „Haus des Waldes" und ein Café. Gut Leidenhausen im Stadtteil Eil ist eines der vier offiziellen Portale zur Wahner Heide – und damit der Kölner Einstieg in das Naturschutzgebiet vor der östlichen Stadtgrenze. Aktuellen Anlass, den Ort genauer anzusehen, liefert die Stadt selbst: Am Montag, 10. August, hat sie für Sonntag, 13. September, das Apfelfest mit Saftpressen und die Kreativ-Workshops „Wald der Zukunft" auf dem Gut angekündigt. Beides kostet keinen Eintritt.
Das Apfelfest läuft am 13. September von 11 bis 17 Uhr. Besucherinnen und Besucher können Saft pressen, alte Apfelsorten kennenlernen und Obstbäume kaufen; dazu kommt ein kulinarisches Angebot. Eine Anmeldung ist nicht nötig – mit einer Ausnahme: Wer Großmengen ab 100 Kilogramm Äpfel zum Pressen anliefern will, soll sich vorab melden. Parallel laufen von 11 bis 16 Uhr die Kreativ-Workshops „Wald der Zukunft". Auch sie sind kostenlos, allerdings ist eine Anmeldung per E-Mail beim Kölner Kreisverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald erforderlich, einem der Vereine, die auf dem Gut ihren Sitz haben.
Vier Portale führen in die Heide, eines davon liegt in Porz
Die Wahner Heide gilt als das zweitgrößte und artenreichste Naturschutzgebiet Nordrhein-Westfalens, und wer sie besuchen will, dem stehen vier sogenannte Portale als Einstieg offen: Gut Leidenhausen, der Turmhof in Rösrath, das Steinhaus und die Burg Wissem. Portale sind Informationszentren am Rand des Schutzgebiets, die Ausstellung, Beratung und Startpunkt für Wanderungen bündeln. Das Leidenhausener Portal ging am 1. Mai 2013 in Betrieb; seinen Kern bildet die Dauerausstellung „Natur ist anders – Kontraste“ in der historischen Tenne des Guts. Sie stellt Wahner Heide und Königsforst vor und arbeitet mit dem Gegensatz von Natur und Technik. Das Umweltbildungszentrum mit Portalshop ist von April bis Oktober täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet, von November bis März bis 17 Uhr.
Die Greifvogelschutzstation ist das älteste Schutzprojekt auf dem Hof. Gegründet wurde sie in den 1960er-Jahren von der Stadt Köln; seit 1994 betreibt der Kölner Kreisverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald die Anlage als staatlich anerkannte Auffangstation. Rund 100 verletzte, kranke oder verwaiste Greifvögel und Eulen werden nach Angaben der Station jedes Jahr eingeliefert, meist von der Feuerwehr oder von Privatleuten. Viele Tiere kehren nach der Pflege in die Natur zurück; etwa 60 Vögel bleiben dauerhaft auf der Station, weil eine Auswilderung aus medizinischen oder rechtlichen Gründen nicht möglich ist. Zu besichtigen ist die Anlage an Sonn- und Feiertagen, von April bis Oktober zwischen 11 und 17 Uhr. Im Winterhalbjahr gelten kürzere Zeiten: Von Februar bis März sowie von November bis zum dritten Advent öffnet die Station sonn- und feiertags von 12 bis 16 Uhr, danach bleibt sie bis Ende Januar ganz geschlossen.
Die Zahlen stammen von der Station selbst, unabhängig überprüfen lassen sie sich nicht. Eindeutig ist dagegen die Finanzierungslage: Der Betrieb trägt sich nach eigenen Angaben ausschließlich über Spenden und Tierpatenschaften. Die früheren öffentlichen Führungen an jedem dritten Samstag im Monat sind eingestellt; Gruppen und Schulklassen können Rundgänge von 30 bis 60 Minuten buchen, 50 Euro kostet das für bis zu 20 Personen. Einen Dämpfer gibt es derzeit an anderer Stelle des Guts: Die Auffangstation für Igel, Singvögel und Bilche – Schlafmäuse wie der Siebenschläfer – hat einen Aufnahmestopp verhängt. Wer dort ein gefundenes Tier abgeben will, muss vorher anrufen.
Im Wildgehege stehen Hirsche, im Museum steht seit 1982 der Wald
Neben dem Hof liegt das Wildgehege, in dem Rothirsche und Wildschweine leben. Dazu kommt das „Haus des Waldes": Das Waldmuseum eröffnete 1982 in der ehemaligen Scheune des Guts und beherbergt die Waldschule der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald – nach deren Angaben lernen dort knapp 5000 Schulkinder im Jahr, geöffnet ist das Museum sonntags von 11 bis 16 Uhr. Auf dem Gelände ergänzen ein Säugetierlehrpfad, ein Natur-Kinderspielplatz und sogenannte Vielfaltsgärten das Angebot. Die Vereine vor Ort kümmern sich außerdem um Artenschutzprojekte, die man auf einem Ausflugshof nicht unbedingt erwartet: die Wiederansiedlung der Feldgrille etwa, die Zucht des Kammmolchs und die Pflege von Fledermäusen.
Im August läuft das Ferienprogramm, am Sonntag öffnet das Gut alle Türen
Der Sommer ist auf dem Gut die dichteste Zeit im Kalender. In dieser Woche läuft das Ferienprogramm für Kinder: Nach „Greifvögel – majestätische Flieger" am Montag und „Säugetiere hautnah" am Dienstag folgen „Waldgeflüster" am Mittwoch, „Wasserwesen" am Donnerstag und „Bienen – wilde Flieger" am Freitag. Am vergangenen Sonntag zeigte das Umweltkino den Film „Die Rückkehr der Biber", am kommenden Sonntag, 16. August, lädt das Gut zum Tag der offenen Tür mit Greifvogelstation, Wildgehege und Obstwiesen. Danach rückt die Heide selbst in den Blick: Für den 22. und den 29. August stehen Führungen zur Heideblüte im Programm. Übers Jahr verteilt kommen Kräuterwanderungen mit wilder Küche, Fledermaus-Exkursionen mit Detektor sowie Kurse vom Waldbaden bis zur Langzeitbelichtung in der Naturfotografie hinzu.
- Bis Freitag, 14. August: Ferienprogramm für Kinder, unter anderem zu Wasserwesen und Wildbienen
- Sonntag, 16. August: Tag der offenen Tür mit Greifvogelstation, Wildgehege und Obstwiesen
- Samstag, 22. August, und Samstag, 29. August: Führungen zur Heideblüte
- Sonntag, 13. September, 11 bis 17 Uhr: Apfelfest mit Saftpressen, Eintritt frei
- Sonntag, 13. September, 11 bis 16 Uhr: Kreativ-Workshops „Wald der Zukunft", kostenlos, Anmeldung per E-Mail
Seit 1329 belegt, seit 1963 im Besitz der Stadt
Die Geschichte des Ortes reicht deutlich weiter zurück als jede Umweltbildung. 1329 wurde Leidenhausen erstmals urkundlich erwähnt, damals als von Wasser umgebener Rittersitz; der Name selbst geht auf das 7. bis 9. Jahrhundert zurück und bedeutet so viel wie Siedlung oder Hof eines Mannes namens Leido. Über die Jahrhunderte wechselte das Gut durch die Hände mehrerer Adelsfamilien, seine heutige Gestalt prägten vor allem die Herren von Hatzfeld im 16. und 17. Jahrhundert. Bis 1803 war Leidenhausen Verwaltungszentrum für den gesamten Raum zwischen Bergisch Gladbach und Siegburg, nach 1920 Wirtschaftshof des Gestüts Röttgen und bis 1964 ein großer Bauernhof. 1963 kaufte die Stadt Köln das Anwesen, seit dem 1. Juli 1980 steht die Anlage unter Denkmalschutz.
Die heutige Organisationsform ist dagegen jung. Zum 1. Juli 2018 schlossen sich die auf dem Gut ansässigen Vereine – darunter der NABU Köln und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald – zum Trägerverein „Umweltbildungszentrum Heideportal Gut Leidenhausen e. V." zusammen. Seit demselben Stichtag ist Leidenhausen offiziell Umweltbildungszentrum der Stadt Köln, gefördert in den Jahren 2018 bis 2021 mit jährlich 220.700 Euro. Elf Partner zählt der Verbund heute, neben den Naturschutzverbänden unter anderem die Kölner Jägerschaft, den Bienenzuchtverein Porz und den 1888 gegründeten Kölner Eifelverein; auch die Stadt und der Flughafen Köln/Bonn gehören dazu. Der Verein tritt seither als Dachorganisation auf und legt seine Schwerpunkte auf Artenvielfalt und Biodiversität, also die Vielfalt von Lebensräumen und Arten. Für Schulen gibt es Bildungsmodule für alle Jahrgangsstufen, dazu Gruppenangebote, Bildungsurlaube und Geburtstagsprogramme für Kinder.
Wer hinfährt, sollte zwei Dinge wissen. Erstens: Auf dem Gut selbst gibt es keine Parkplätze; wer mit dem Auto kommt, nutzt die beiden ausgewiesenen Plätze am Hirschgraben und geht die letzten Meter zu Fuß. Zweitens: Das Café hat montags und dienstags geschlossen, an den übrigen Tagen ist es im Sommerhalbjahr bis 18 Uhr geöffnet; im Januar öffnet es nur an den Wochenenden. Das Büro des Umweltbildungszentrums ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr besetzt, telefonisch erreichbar unter 02203 9800541. Der Zugang zum Gelände kostet nichts, ebenso wenig der Blick ins Wildgehege oder der Besuch der Portalausstellung.
Für Porz heißt das: Am Rand der Heide hält sich ein Ort, an dem Umweltbildung, Tierpflege, Geschichte und Ausflugsziel zusammenfallen – offen an sieben Tagen die Woche und in weiten Teilen kostenlos. Der nächste große Termin ist das Apfelfest am 13. September. Wer nicht so lange warten will, hat schon am Sonntag beim Tag der offenen Tür Gelegenheit, das Gut kennenzulernen.
- Gut Leidenhausen – Umweltbildungszentrum Köln (offizielle Seite)
- Stadt Köln, Pressemitteilung vom 10.8.2026: Die botanischen Termine der Stadt Köln im September 2026
- Gut Leidenhausen: Geschichte des Guts
- Gut Leidenhausen: Greifvogelschutzstation
- Wahner Heide & Königsforst: Besucher-Portal Gut Leidenhausen
- Wikipedia: Gut Leidenhausen




