Schlamm für den guten Zweck: Frauen laufen in Pink am Fühlinger See
Beim schauinsland Muddy Angel Run kämpften sich am Samstag ausschließlich Frauen über rund 5 Kilometer und durch 18 Hindernisse am Fühlinger See – für die Aufklärung über Brustkrebs. Am Sonntag folgt am selben Ort der Kinderhindernislauf XLETIX Kids.
Lesezeit 6 Min.
Pinke Tüllröcke über schlammverkrusteten Leggings, braune Spritzer bis in die Haarspitzen – und hinter allem liegt ruhig der Fühlinger See. Wer an diesem Samstag in Fühlingen unterwegs ist, sieht Frauen durch Netze krabbeln, von Containern rutschen, in trübe Becken steigen. Keine schaut auf die Uhr. Es gibt hier nichts zu gewinnen, jedenfalls nichts, was sich messen ließe: keine Zeitnahme, keine Platzierung, keine Urkunde für die Schnellste. Gewonnen wird an diesem Tag woanders – bei der Aufklärung über die Krankheit, um die es hier eigentlich geht: Brustkrebs.
Der schauinsland Muddy Angel Run machte am Samstag, 8. August 2026, Station an der Sport- und Erholungsanlage Fühlinger See. Startberechtigt waren ausschließlich Frauen; Mädchen durften ab zwölf Jahren in Begleitung einer erwachsenen Person auf die Strecke. Rund 5 Kilometer waren zu bewältigen, gespickt mit 18 Hindernissen. Ob dabei gelaufen, gewalkt oder gegangen wurde, blieb jeder selbst überlassen – die Veranstaltung richtet sich ausdrücklich an alle Fitnesslevel, so hatte es auch die Stadt Köln in ihrer Terminvorschau angekündigt. Kein Hindernis war Pflicht: Wer nicht ins Tauchbecken wollte, ging außen herum. Und wer im Krabbelnetz hängen blieb, bekam Hände gereicht, von Fremden wie von Freundinnen.
Die Dimension hinter dem Kölner Termin ist beachtlich. Der Muddy Angel Run bezeichnet sich selbst als Europas führenden Schlammlauf für Frauen – eine Einordnung, die die Stadt Köln in ihrer Ankündigung übernimmt. 2026 stehen 13 Städte im Tourkalender, jährlich zählt die Serie nach eigenen Angaben über 100.000 Teilnehmerinnen. Den Namenszusatz steuert der Reiseveranstalter schauinsland-reisen als Titelsponsor bei. Sportliche Auslese ist dabei ausdrücklich nicht das Ziel: Teamgeist und Zusammenhalt zwischen den Teilnehmerinnen stehen nach Veranstalterangaben im Mittelpunkt, angefeuert wird quer durch das ganze Feld.
Drei Hindernisse mehr als bisher
Für die Saison 2026 hat der Veranstalter die Strecke ausgebaut: 18 statt bisher 15 Hindernisse, fünf davon zum ersten Mal im Programm. Zum Parcours gehören unter anderem ein Tauchbecken, ein Krabbelnetz und eine Container-Rutsche. Geklettert, gehangelt, gewatet und gekrochen wird durch Matsch in allen Konsistenzen – der Schlamm ist dabei weniger Gegner als Verbündeter, weil er jede Eitelkeit gleich am ersten Hindernis erledigt. Danach sehen alle gleich aus. Genau das ist der Punkt: Zwischen der durchtrainierten Läuferin und der Frau, die zum ersten Mal seit Jahren wieder Sportschuhe trägt, entscheidet hier nichts mehr.
Hinter der pinken Party steht ein ernstes Thema. Partner der Laufserie ist Brustkrebs Deutschland e. V.; nach Veranstalterangaben ist in jedem Ticket eine Spende von 1 Euro enthalten. Seit dem Start der Serie kamen so mehr als 700.000 Euro für die Brustkrebs-Aufklärung zusammen. Ein Detail aus den Teilnahmebedingungen hat mich beim Lesen erwischt: Für jede Veranstaltung stellt der Veranstalter mindestens 50 kostenlose Startplätze für Brustkrebs-Patientinnen bereit. Der Lauf will Betroffene nicht an den Streckenrand stellen, sondern mitten ins Feld holen. Die Stadt Köln formulierte es in ihrer Ankündigung nüchterner: Gemeinsam mit dem Verein würden Aufklärung und Spendensammlung für betroffene Frauen unterstützt.
Pink ist Programm, nicht Dekoration
Der Veranstalter nennt den Lauf selbst eine „pinke Schlammparty“. Die Farbe ist kein Zufall: Die rosa Schleife steht international für die Aufklärung über Brustkrebs, und entsprechend leuchtete das Teilnehmerfeld in allen Tönen zwischen Rosé und Neonpink. Zuschauen kostete nichts – Familien und Freundeskreise standen ohne Ticket am Streckenrand, angeleinte Hunde waren ausdrücklich erlaubt. Wer helfen statt laufen wollte, konnte sich als Volunteer melden; die Gegenleistung ist ein kostenloser Startplatz bei einem anderen Event der Serie. So finanziert sich ein Teil der Helferinnen den eigenen Lauf im nächsten Jahr gleich mit.
Der Ort kann große Kulissen. Die Sport- und Erholungsanlage an der Oranjehofstraße 103–105 liegt an einem Gewässer, das genau genommen aus sieben miteinander verbundenen Seen besteht und rund 100 Hektar Wasserfläche misst. In der Mitte verläuft die 2.300 Meter lange Regattabahn, auf der 1998 die Ruder-Weltmeisterschaften ausgetragen wurden. Entstanden ist das Naherholungsgebiet ab 1967 aus rekultivierten Kiesgruben, parallel zum Bau der Trabantenstadt Chorweiler am nördlichen Stadtrand. Wer ohne Auto anreiste, nahm die Buslinie 121 bis zur Haltestelle Oranjehofstraße oder die Linie 122 bis Seeberg – so hatte es die Stadt in ihrer Ankündigung empfohlen.
Der Schlammlauf reiht sich damit in eine lange Veranstaltungsgeschichte ein. Ausgebaggert wurde in der Fühlinger Heide schon ab 1912, lange bevor aus den Kiesgruben ein Naherholungsgebiet wurde; heute ist das Gewässer im Schnitt zehn Meter tief, stellenweise bis zu 20 Meter. Sportlich hat der See einiges gesehen: 1984 wurden hier die ersten Langdistanz-Europameisterschaften im Triathlon ausgetragen, seit 2009 messen sich Drachenbootbesatzungen auf der Regattabahn, die 130 Meter breit ist und sechs Bahnen von je 2.000 Metern bietet. Im Juli verwandelt das Reggae-Festival Summerjam die Wiesen regelmäßig in ein Zeltlager, und den Besucherrekord jenseits des Sports hält der Red Bull Flugtag, der 2006 mehr als 135.000 Menschen an den See holte. Wer es ruhiger mag, findet rund um die sieben Seen 19 Kilometer Gehwege – 84 Hektar des Geländes stehen als Landschaftsschutzgebiet unter besonderem Schutz.
Am Sonntag gehört der Schlamm den Kindern
Mit dem Samstag ist das Wochenende am See nicht vorbei. Am Sonntag, 9. August, folgt am selben Ort XLETIX Kids, ein Hindernislauf für Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 15 Jahren – diesmal ausdrücklich in Familienbesetzung. Jedes Kind läuft mit mindestens einer und höchstens zwei erwachsenen Begleitpersonen, ein Erwachsener darf höchstens drei Kinder begleiten, und alle in einem Team müssen dieselbe Distanz wählen. Geklettert, gehangelt, gerutscht und gekrabbelt wird wie am Vortag; zu den Hindernissen zählen ein Schlammbecken, ein Krabbelnetz und eine Wasserrutsche. Der Schlamm bleibt also im Geschäft.
- Fun-Distanz: 2 bis 3 Kilometer mit mehr als zehn Hindernissen, Tickets ab 34 Euro
- Action-Distanz: 5 Kilometer mit mehr als 20 Hindernissen, Tickets ab 44 Euro
- Im Ticket enthalten: professionelles Aufwärmprogramm, Snacks an der Strecke, wiederverwendbares Stirnband und eine Medaille im Ziel
- Ort: Sport- und Erholungsanlage Fühlinger See, Oranjehofstraße 103–105, Köln-Fühlingen; Zuschauer zahlen keinen Eintritt
Auch am Sonntag läuft der gute Zweck mit. Die Stadt Köln nennt in ihrer Ankündigung eine Kooperation mit Transfer e. V., über die Gesundheitsprojekte für Kinder und Jugendliche unterstützt werden; der Veranstalter selbst gibt an, pro verkauftem Zusatzpaket 1 Euro an die Jugendaktion Gut Drauf zu spenden. Familien, die sich das Startgeld nicht leisten können, können sich um eine begrenzte Zahl kostenloser Startplätze bewerben. Die Strecke am See beschreibt der Veranstalter als flach und kindgerecht, mit Wegen direkt am Wasser, Schattenplätzen, Strandabschnitten und großen Wiesen – Gelände, das auch ungeduldige Fünfjährige eine Weile beschäftigt.
Wer dieses Wochenende verpasst, muss ein Jahr warten – mit dem Buchen allerdings nicht. Die Kölner Termine 2027 stehen bereits fest: Der Muddy Angel Run kehrt am 17. Juli 2027 an den Fühlinger See zurück, XLETIX Kids folgt am 18. Juli 2027. Der Vorverkauf für beide Läufe startet am kommenden Donnerstag, 13. August 2026, um 12 Uhr, mit begrenzten Frühbucherkontingenten. Dass Warten riskant sein kann, zeigt der Blick nach Norden: Für den Hamburger Termin im September war der Samstag nach Veranstalterangaben zuletzt zu 90 Prozent ausverkauft.
Muss man sich das antun? Man muss hier gar nichts, das ist ausdrücklich das Prinzip. Aber selten liegen Albernheit und Ernst so nah beieinander wie zwischen Tauchbecken und rosa Schleife, und selten ist Sport so gnädig zu allen, die sich sonst keine nennen würden. Mein einziger Vorbehalt ist praktischer Natur: Die Schuhe vom Samstag werden nie wieder richtig sauber. Alles andere spricht dafür, sich den 17. Juli 2027 zu notieren.
- Stadt Köln, Pressemitteilung vom 5. August 2026: Die sportlichen Termine der Woche
- schauinsland Muddy Angel Run – offizielle Website
- schauinsland Muddy Angel Run Köln – Eventseite des Veranstalters
- Stadt Köln, Veranstaltungskalender: schauinsland Muddy Angel Run & XLETIX Kids
- XLETIX Kids Köln – Eventseite des Veranstalters
- Wikipedia: Fühlinger See




