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MiQua

Das MiQua am Rathausplatz soll spätestens Ende 2028 übergeben werden

Geplant war die Eröffnung einmal für 2024. Jetzt nennt die Stadt das vierte Quartal 2028 als spätesten Übergabetermin – nach Insolvenz, zähem Bieterverfahren und mehrfach umgeplanten Grabungen.

Amira Yılmaz, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
Amira Yılmaz
Aktuelles & Stadt

Lesezeit 8 Min.
Eingerüsteter mehrstöckiger Rohbau mit Baukran auf einem gepflasterten Platz, davor Container, Paletten und Absperrungen
Aus drei geplanten Baujahren wurden weit mehr: Die Stadt nennt für das MiQua inzwischen das vierte Quartal 2028 als spätesten Übergabetermin. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Stadt Köln nennt für das MiQua am Rathausplatz das vierte Quartal 2028 als spätesten Termin, zu dem das Museum zur Nutzung übergeben werden soll. Ursprünglich war die Eröffnung für das Jahr 2024 vorgesehen. Zwischen beiden Daten liegen vier Jahre, in denen eine Fassadenfirma insolvent wurde, ein Generalunternehmer erst nach einem langwierigen Bieterverfahren gefunden werden konnte und die baubegleitenden Grabungen im Untergeschoss den geplanten Rundgang mehrfach veränderten. Der aktuelle Stand ist auf den Seiten der städtischen Gebäudewirtschaft dokumentiert.

Das MiQua – LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln entsteht auf rund 2.000 Quadratmetern unmittelbar vor dem Historischen Rathaus. Der Entwurf stammt vom Büro Wandel Lorch Architekten um Professor Wolfgang Lorch. Das Richtfest fand am 23. Mai 2025 statt. Anders als bei einem gewöhnlichen Museumsneubau ist das Gebäude über der Erde nur der kleinere Teil des Vorhabens: Der eigentliche Bestand liegt darunter, in den Grabungsflächen unter Platzniveau, die das Haus erschließen soll.

„Das Museum wollen wir spätestens im vierten Quartal 2028 zur Nutzung übergeben.“

Gebäudewirtschaft der Stadt Köln, Baufortschritt beim MiQua

Der Parcours wurde während der Grabungen mehrfach umgeplant

Der Grund für einen erheblichen Teil der Verzögerung liegt buchstäblich im Boden. Die baubegleitenden Grabungen zur Erstellung des Parcours in der Untergeschossebene sollten nach der Planung bis Mitte 2026 abgeschlossen sein. Bei diesen Arbeiten kamen laufend neue Befunde aus römischer, christlicher und jüdischer Zeit zutage – mit der Folge, dass die Route des Rundgangs mehrfach umgeplant werden musste. Ein Museum, dessen Ausstellungsstück der Untergrund selbst ist, kann seinen Weg nicht am Reißbrett festlegen, bevor dieser Untergrund freigelegt ist.

Der Parcours soll am Ende rund 700 Meter lang sein und den Neubau barrierefrei mit dem Praetorium verbinden, dem Statthalterpalast des römischen Köln. Erschlossen werden damit nach Angaben der Stadt rund 6.000 Quadratmeter Ausgrabungsfläche unter Platzniveau. Die Wege bestehen aus betonierten Stegen mit verglasten und hinterleuchteten Sichtfenstern, durch die sich die Erdschichten von oben betrachten lassen. Ein barrierefreier Eingang mit Rampe ist in der Kleinen Budengasse vorgesehen, dazu ein taktiles Leitsystem für blinde und sehbehinderte Gäste.

Was dieser Untergrund enthält, ist der Grund für den Museumsnamen. Unter dem Rathausplatz liegen die Reste des mittelalterlichen jüdischen Viertels mit seinem Tauchbad, dazu die römische Bebauung rund um den Statthalterpalast und christliche Befunde aus den Jahrhunderten dazwischen. Die Stadt spricht in ihren Berichten ausdrücklich von neuen Entdeckungen aus römischen, christlichen und jüdischen Zeitschichten. Genau diese Überlagerung macht den Ort zum Archäologischen Quartier – und sie ist zugleich der Grund, warum sich hier kein Bauablauf sicher vorausplanen lässt.

Freigelegte römische und mittelalterliche Mauerreste unter Baustellenlampen, darüber ein Betonsteg
Unter dem Rathausplatz liegen rund 6.000 Quadratmeter Ausgrabungsfläche. · Symbolbild (KI-generiert)

Am Praetorium selbst wird seit Ende 2025 gearbeitet; die Fertigstellung ist für Oktober 2026 eingeplant. Das ist der nächste greifbare Meilenstein des Projekts und zugleich einer der wenigen, für die ein konkreter Monat genannt wird. Ob er gehalten werden kann, hängt davon ab, wie die Arbeiten in den übrigen Bereichen vorankommen – die Bauteile hängen unterirdisch zusammen. Eine Aussage darüber, wann das Praetorium anschließend wieder öffentlich zugänglich sein wird, hat die Stadt nicht getroffen.

Bemerkenswert ist der Anspruch, diesen Weg vollständig barrierefrei zu führen. Ein 700 Meter langer Rundgang durch gewachsene archäologische Schichten ohne Stufen ist keine Selbstverständlichkeit, weil die Befunde auf unterschiedlichen Niveaus liegen und nicht angepasst werden dürfen. Gelöst wird das über die aufgeständerten Stege, die Rampe in der Kleinen Budengasse und das taktile Leitsystem. Wie viele Aufzüge oder Zwischenebenen dafür nötig sind, führen die Veröffentlichungen der Stadt nicht aus. Für ein Museum, dessen Substanz im Boden liegt, ist die Erschließung damit selbst ein wesentlicher Teil der Bauaufgabe.

Die Fassadenfirma meldete Insolvenz an und arbeitete weiter

Ein eigenes Kapitel ist die Gebäudehülle. Die für Glas und Metall zuständige Fassadenfirma musste im Sommer 2025 Insolvenz anmelden. Sie konnte ihre Arbeiten anschließend fortsetzen, was bei Insolvenzen im Baugewerbe keineswegs die Regel ist und dem Projekt einen kompletten Neustart dieses Gewerks erspart hat. Offen sind nach Angaben der Stadt gleichwohl weiterhin Restarbeiten an Dach, Fassade und Innenverglasung. Wie lange diese Restarbeiten dauern und ob sie den Innenausbau behindern, geht aus den Veröffentlichungen nicht hervor.

Der zweite große Unsicherheitsfaktor war die Suche nach einem Generalunternehmen für Innenausbau und Technische Gebäudeausrüstung. Das Bieterverfahren zog sich: Es gab nach Darstellung der Stadt zahlreiche Bieterfragen sowie Anträge auf Fristverlängerung, und alle offenen Punkte mussten geklärt werden, um eine plausible Kalkulation zu ermöglichen. Die bauliche Fertigstellung kann sich dadurch um bis zu sechs Monate verschieben. Inzwischen ist ein Generalunternehmen verpflichtet, ein Kickoff-Termin hat stattgefunden, und die Firma koordiniert die noch ausstehenden Gewerke.

Über diesen Zusammenhang haben auch andere Redaktionen berichtet. Die Westdeutsche Zeitung führte die Verzögerung in ihrem Bericht Die Fertigstellung des Miqua verzögert sich auf die Vergabeprozedur zurück und zitierte dabei dieselben Angaben der Stadt zu Bieterfragen und Fristverlängerungen. Eine abweichende Darstellung des Ablaufs liegt bislang nicht vor. Widerspruch gibt es also nicht in der Sache, sondern allein in der Bewertung: ob ein Verfahren, das so lange dauert, noch angemessen ist.

Ein weiteres Bauteil, über das seltener gesprochen wird, ist das medienpädagogische Zentrum. Dessen Elektroarbeiten sollten nach der Planung bis zum Frühjahr 2026 abgeschlossen sein, die technischen Abnahmen bis Mitte 2026. Solche Abnahmen sind kein Formalakt: Erst mit ihnen gilt ein Gewerk als vertragsgemäß fertiggestellt, und erst danach kann der nächste Ausbauschritt beginnen. Verzögerungen bei Abnahmen wirken deshalb in der Regel unmittelbar auf den Gesamtterminplan durch. Ob die genannten Fristen eingehalten wurden, hat die Stadt bislang nicht öffentlich bestätigt.

Diese sechs Monate sind der Grund, warum die Stadt nicht von einem festen Eröffnungsdatum spricht, sondern von einem spätesten Übergabetermin. Übergabe heißt dabei nicht Eröffnung: Übergeben wird das Gebäude an den künftigen Betreiber, der es anschließend einrichten, bespielen und in Betrieb nehmen muss. Wie viel Zeit zwischen Übergabe und erstem Publikumstag liegen wird, ist bislang nicht beziffert. Für Besucherinnen und Besucher ist das die entscheidende offene Frage. Der Baufortschrittsbericht der Gebäudewirtschaft beantwortet sie nicht.

Blick in einen runden Steinschacht, abgetretene Stufen winden sich in die Tiefe, eine Lampe beleuchtet das Mauerwerk
Es geht tief in den Untergrund: Zu den Befunden am Rathausplatz gehört das Tauchbad des mittelalterlichen jüdischen Viertels. · Symbolbild (KI-generiert)

393 Bohrpfähle tragen den Neubau über dem Bodendenkmal

Wie aufwendig das Bauen über einem Bodendenkmal ist, zeigen die Zahlen des Rohbaus. Für die Bodenplatte wurden 2.800 Kubikmeter Beton und über 610 Tonnen Bewehrungsstahl verbaut. 393 Bohrpfähle tragen die Konstruktion, teils bis in 36 Meter Tiefe; insgesamt wurden rund 5.000 laufende Meter Erdreich durchbohrt. Hinzu kommen 6,6 Kilometer Heizungsrohre, 19,2 Kilometer Elektrorohre und 820 Meter Lüftungsleitungen. Diese Werte finden sich in der Baugeschichte des MiQua, die die Stadt veröffentlicht hat.

Der Sinn dieser Konstruktion ist, dass der Neubau die Grabungsflächen unter sich nicht berührt. Die Lasten werden an den archäologischen Schichten vorbei in tiefere, tragfähige Bodenschichten geleitet – deshalb die Zahl und die Tiefe der Pfähle. Jede einzelne Bohrung musste dabei so gesetzt werden, dass sie keinen Befund zerstört. Das erklärt, warum ein vergleichsweise kleines Gebäude von rund 2.000 Quadratmetern Grundfläche einen Aufwand erfordert, der sonst für deutlich größere Bauten anfällt, und warum sich Planungsänderungen im Untergrund unmittelbar auf den Terminplan auswirken.

Die Stadt baut, der Landschaftsverband wird betreiben

Zuständigkeiten und Kosten sind beim MiQua geteilt. Bauherrin ist die Stadt Köln. Die Trägerschaft des Museums übernimmt nach der Übergabe der Landschaftsverband Rheinland, kurz LVR – jener Kommunalverband, der im Rheinland zahlreiche Museen und soziale Einrichtungen betreibt. Die Stadt bleibt für den Unterhalt des Gebäudes und des Bodendenkmals zuständig. Diese Aufteilung unterscheidet das MiQua von den städtischen Häusern, die die Stadt selbst führt; sie erklärt zugleich, warum an dem Projekt zwei öffentliche Haushalte hängen.

Eine aktuelle Gesamtkostenangabe für das MiQua enthalten die hier ausgewerteten Veröffentlichungen der Stadt nicht. Weder der Baufortschrittsbericht noch die Darstellung der Baugeschichte nennt eine Summe, und auch zu den Mehrkosten aus Insolvenz, Bieterverfahren und umgeplanten Grabungen findet sich keine Zahl. Für ein öffentliches Bauvorhaben dieser Größenordnung ist das eine erhebliche Leerstelle: Ohne Kostenstand lässt sich die Verzögerung nicht bewerten. Zuständig für die Beantwortung wäre die Stadt als Bauherrin, politisch begleitet wird das Projekt vom Rat und seinen Ausschüssen.

Breite Freitreppe an einem Verwaltungsbau, abgesperrt mit Bauzäunen, Arbeiter im Hintergrund
Die Freitreppe am Spanischen Bau wird zurückgebaut und anschließend wieder aufgebaut. · Symbolbild (KI-generiert)

Sichtbar wird die Baustelle für Passanten derzeit vor allem oberirdisch. Nach Karneval sollte der Rückbau der Freitreppe am Spanischen Bau beginnen, dem Verwaltungstrakt des Rathauses am Rathausplatz. Die Sanierung dieser Treppenanlage erfordert nach Angaben der Stadt mehr Aufwand als zunächst erwartet. Auf den Rückbau sollen Wiederaufbau und die abschließende Herstellung der Platzoberfläche folgen. Ein Termin, zu dem der Rathausplatz wieder ohne Absperrungen begehbar sein wird, ist bislang nicht genannt. Für den Alltag heißt das: Wer das Historische Rathaus mit seinem spätgotischen Turm ansehen will, tut das weiterhin von einem Platz aus, der Baustelle ist – seit Jahren und auf absehbare Zeit.

Bis zur Eröffnung hält der künftige Träger ein Zwischenangebot bereit. Das MiQua:forum im Roten Haus, Alter Markt 31, dient als Informations- und Veranstaltungsort und ist donnerstags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Wer sich für die Grabungen, das jüdische Viertel des Mittelalters oder den Fortgang des Baus interessiert, findet dort einen Anlaufpunkt – wenige Schritte von der Baustelle entfernt und ohne Eintritt in ein Museum, das es noch nicht gibt.

Die Bilanz nach mehr als einem Jahrzehnt Baugrube am Rathausplatz fällt damit zweigeteilt aus. Das Vorhaben ist bautechnisch weit gediehen: Rohbau steht, Richtfest gefeiert, Fassade weitgehend geschlossen, Generalunternehmer verpflichtet, Grabungen im Endstadium. Zugleich hat sich der Eröffnungstermin gegenüber der ursprünglichen Planung um mindestens vier Jahre verschoben, und die Stadt formuliert ihn weiter als Spätestens-Angabe. Beides gehört zusammen, wenn man das Projekt beurteilen will. Eine geordnete Übersicht darüber, wie oft und mit welcher Begründung der Eröffnungstermin bisher verschoben wurde, veröffentlicht die Stadt nicht; nachvollziehbar sind lediglich die jeweils aktuellen Angaben.

Der nächste Termin im Verfahren ist die für Oktober 2026 eingeplante Fertigstellung des Praetoriums. Danach folgen der Innenausbau und die Technische Gebäudeausrüstung durch das verpflichtete Generalunternehmen, deren Zeitplan über den möglichen Verzug von sechs Monaten entscheidet. Ob die Übergabe vor dem vierten Quartal 2028 gelingt, wird die Stadt in ihren Baufortschrittsberichten fortschreiben; über den Betrieb entscheidet anschließend der Landschaftsverband Rheinland. Bis dahin bleibt das MiQua das, was es seit Jahren ist: ein Museum, dessen Sammlung längst vorhanden ist, aber noch nicht betreten werden kann.

Quellen und Weiterlesen
Amira Yılmaz, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
Amira Yılmaz
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Lokaljournalistin durch und durch: Ratspolitik, Verkehr, Stadtentwicklung und alles, was Köln bewegt. Zusätzlich zuständig für Sehenswürdigkeiten und Tourismus.
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