Donnerstag, 6. August 2026 Ausgabe Nr. 240
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Zoo

Neue Giraffenanlage im Kölner Zoo: 6,5 Millionen Euro, fast doppelt so viel Platz

Penda und Maoli sind eingezogen: Der Kölner Zoo hat die Anlage aus den 1960er Jahren in rund zwei Jahren kernsaniert. Der Innenbereich misst jetzt über 1.000 Quadratmeter.

Amira Yılmaz, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
Amira Yılmaz
Aktuelles & Stadt

Lesezeit 9 Min.
Helle Halle eines Giraffenhauses mit Sandboden und hohen Futterkörben unter lichtdurchlässiger Decke
Lichtdurchlässige Decken halten Tierhäuser auch im Winter hell – in Köln war das eines der Bauziele. · Symbolbild (KI-generiert)

Der Kölner Zoo hat am 10. Juli 2026 seine kernsanierte Anlage für Giraffen eröffnet. Die Arbeiten dauerten nach Angaben des Zoos rund zwei Jahre, die Bruttokosten beziffert er auf etwa 6,5 Millionen Euro. Der Innenbereich ist auf über 1.000 Quadratmeter gewachsen und damit nahezu doppelt so groß wie zuvor; auch die Außenfläche wurde nahezu verdoppelt. Eingezogen sind zwei siebenjährige Kordofan-Giraffen, die Weibchen „Penda“ und „Maoli“. Die Vorgängeranlage stammte aus den 1960er Jahren und war damit rund sechs Jahrzehnte in Betrieb, bevor die Bagger anrückten. Es ist eines der größeren Einzelprojekte, die der Zoo in den vergangenen Jahren umgesetzt hat.

Kernsanierung heißt in diesem Fall, dass nicht komplett neu gebaut, sondern von Grund auf erneuert und dabei erweitert wurde. Der Zoo beschreibt das Ergebnis als deutlich mehr Platz innen wie außen, verbunden mit Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere nach aktuellem wissenschaftlichem Standard. Wie groß die alte Anlage exakt war, nennt der Zoo nicht; die Angabe „nahezu doppelt so groß“ bezieht sich auf den heutigen Innenbereich von über 1.000 Quadratmetern. Für den Außenbereich gilt nach derselben Mitteilung dieselbe Größenordnung, ohne dass eine Quadratmeterzahl genannt wird. Wer die Anlage mit anderen Tierhäusern im Zoo vergleichen möchte, findet dafür in der Mitteilung keine Bezugsgröße.

Rund zwei Jahre Bauzeit bedeuten, dass die Arbeiten etwa in der Mitte des Jahres 2024 begonnen haben müssen; ein genaues Datum für den Baustart nennt der Zoo in seiner Mitteilung nicht. Der weitere Ablauf ist dagegen dokumentiert: Am 4. und 5. Juli 2026 konnten Gäste die fertige, aber noch tierfreie Anlage begehen, am 10. Juli folgte die offizielle Eröffnung, und erst danach zogen die Tiere ein. Diese Reihenfolge ist bei Tierhäusern üblich, weil neue Gehege vor dem Einzug getestet und die Tiere anschließend in Ruhe eingewöhnt werden. Wie lange die Eingewöhnung dauerte, teilte der Zoo nicht mit.

Eine lichtdurchlässige Decke hält die Halle auch im Winter hell

Das auffälligste bauliche Merkmal steckt über den Köpfen der Tiere: eine lichtdurchlässige Decke, die die Halle nach Angaben des Zoos auch in den Wintermonaten hell hält. Für den Gebäudebetrieb nennt der Zoo drei Bausteine – einen Anschluss an das Fernwärmenetz, eine Photovoltaikanlage und ein Gründach. Wie viel Energie diese Kombination einspart und welche Leistung die Photovoltaikanlage hat, teilte der Zoo nicht mit. Offen bleibt auch, welcher Anteil der 6,5 Millionen Euro auf die Haustechnik entfällt und welcher auf Rohbau und Außenanlage. Eine Aufschlüsselung der Kosten nach Gewerken gehört nicht zu den veröffentlichten Angaben, ebenso wenig eine Aussage darüber, ob das Budget eingehalten wurde.

Im Inneren hängen neun variable Innenfutterkörbe in Giraffenhöhe. Dazu kommen eine Wand für medizinische Trainings und eine Waage, auf der die Tiere regelmäßig gewogen werden können. Für das Publikum entstand eine neue Aussichtsplattform, von der aus der Blick auf Kopfhöhe der Giraffen reicht. Was im medizinischen Training konkret geübt wird, in welchem Rhythmus gewogen wird und wie viele Menschen die Plattform gleichzeitig fasst, führte der Zoo in seiner Mitteilung nicht aus. Klar ist nur die Stoßrichtung der Ausstattung: Sie soll den Tieren Abwechslung bieten und dem Personal die Routineuntersuchungen erleichtern. Die neun Körbe sind dabei das Element, das der Zoo am ausführlichsten beschreibt.

Der Zoo verbindet mit dem Umbau drei Ziele, die seine beiden Vorstände in einer gemeinsamen Erklärung zusammenfassen: mehr Fläche für die Tiere, engere Sichtbeziehungen für die Gäste und ein Vermittlungsangebot, das über das reine Anschauen hinausgeht. Prof. Theo B. Pagel und Christopher Landsberg führen das Haus gemeinsam. Zur Eröffnung äußerten sich beide zusammen; ihre Formulierung ist knapp und benennt in drei Sätzen, worauf es dem Zoo bei diesem Projekt ankam. Bemerkenswert daran ist, dass die Vermittlung – im Zoodeutsch „Edukation“ – gleichrangig neben Tierwohl und Besuchserlebnis steht.

„Viel mehr Platz für die Tiere. Neue und nahe Einblicke für unsere Gäste. Spannende Edukation, bei der man mehr über die Biologie der Tiere, ihre Bedrohung und ihren Schutz mitnimmt.“

Prof. Theo B. Pagel und Christopher Landsberg, Vorstände des Kölner Zoos

Der dritte Punkt dieser Erklärung, die Vermittlung, hat in Köln bereits am Tag der offenen Tür eine Form bekommen: Zoopädagoginnen und Zoopädagogen standen am Zoomobil bereit und erklärten Haltungskonzept, Artenschutzprojekte und Giraffenbiologie. Welche festen Vermittlungsangebote es an der Anlage im Regelbetrieb gibt – Führungen, Schautafeln, Fütterungszeiten –, geht aus den Veröffentlichungen des Zoos nicht hervor. Auch dazu, ob Schulklassen ein eigenes Programm bekommen, äußert sich das Haus nicht. Die drei Sätze der Vorstände beschreiben insofern eher einen Anspruch als ein bereits ausformuliertes Programm.

Luftbild eines Zoogebäudes mit Gründach und Photovoltaikmodulen neben einer sandigen Außenanlage
Gründach, Photovoltaik und Fernwärme: So beschreibt der Zoo die Energieversorgung des neuen Hauses. · Symbolbild (KI-generiert)

Penda kam aus Basel, Maoli aus dem französischen La Flèche

Die beiden Erstbewohnerinnen sind gleich alt, stammen aber aus unterschiedlichen Häusern. „Penda“ wurde am 22. Dezember 2018 im Zoo Basel geboren, „Maoli“ am 13. Januar 2019 im französischen Zoo La Flèche. Beide sind damit sieben Jahre alt. Dass Tiere für eine neue Anlage aus verschiedenen europäischen Zoos zusammengeführt werden, ist im koordinierten Zoowesen üblich; welche Planungen für die Gruppe darüber hinaus bestehen, teilte der Kölner Zoo nicht mit. Ob und wann weitere Giraffen einziehen sollen, ist in der Mitteilung ebenfalls nicht beantwortet. Der Zoo nennt weder eine angestrebte Gruppengröße noch einen Zeitplan dafür.

Penda und Maoli gehören zur Unterart der Kordofan-Giraffe, wissenschaftlich Giraffa camelopardalis antiquorum. Der Zoo beziffert den Wildbestand dieser Unterart auf rund 1.400 fortpflanzungsfähige Tiere. Das ist die Zahl, an der sich der Sinn eines solchen Neubaus am Ende messen lassen muss: Eine Population in dieser Größenordnung gilt als klein, und Zoobestände sind in solchen Fällen Teil der Reserve. Wie viele Kordofan-Giraffen in europäischen Zoos leben, geht aus den Kölner Angaben nicht hervor. Auch zu den Ursachen des Rückgangs in der Wildbahn äußert sich die Mitteilung nicht im Detail. Nachlesen lässt sich der Stand in der Mitteilung des Kölner Zoos.

Für die Bauplanung sind es vor allem die Maße der Tiere, die alles bestimmen. Giraffen werden nach Angaben des Zoos bis zu sechs Meter groß und knapp zwei Tonnen schwer, ihre Zunge misst rund 50 Zentimeter, und auf der Flucht erreichen sie über 50 Kilometer pro Stunde. Daraus folgt fast alles, was in der neuen Halle anders aussieht als in einem gewöhnlichen Stall: die Deckenhöhe, die Position der Futterkörbe, die Tragfähigkeit der Waage, die Länge der Laufwege im Außenbereich. Auch die Aussichtsplattform ergibt sich aus dieser Geometrie – sie hebt die Gäste auf ein Niveau, das ohne Bauwerk nicht erreichbar wäre.

Nahaufnahme hoher Futterkörbe und einer gepolsterten Trainingswand in einer hellen Tierhalle
Neun variable Futterkörbe in Giraffenhöhe und eine Wand für medizinische Trainings gehören zur Ausstattung. · Symbolbild (KI-generiert)

In der Massai Mara zahlt der Kölner Zoo seit drei Jahren mit

Der Neubau ist mit einem Artenschutzprojekt in Kenia verknüpft. Seit drei Jahren unterstützt der Kölner Zoo die Mara Siana Conservancy in der Massai Mara mit jährlich 15.000 Euro. Das Schutzgebiet umfasst rund 6.000 Hektar und wird von etwa 2.000 Massai-Familien gemanagt. Nach Angaben des Zoos leben dort inzwischen circa 200 Giraffen – vor zehn Jahren war es keine einzige. Diese Entwicklung ist die konkreteste Zahl, die der Zoo zur Wirkung seines Engagements vorlegt. Der Zusammenhang zwischen Anlage und Projekt ist ausdrücklich gewollt: Wer in Köln vor dem Gehege steht, soll erfahren, wo das Geld hingeht.

Bemerkenswert an der Konstruktion ist, wer dort verwaltet. Die rund 6.000 Hektar werden nicht von einer Behörde und nicht von einer internationalen Organisation gemanagt, sondern nach Angaben des Zoos von etwa 2.000 Massai-Familien selbst. Umgerechnet entfallen damit auf jede beteiligte Familie im Schnitt drei Hektar Schutzgebiet. Der Ansatz, Schutzflächen in der Hand derer zu lassen, die dort leben und Vieh halten, ist in Kenia seit Jahren verbreitet – über Konflikte oder Ausgleichszahlungen in der Mara Siana Conservancy sagt die Kölner Mitteilung nichts. Sie nennt allein Fläche, Familienzahl und Giraffenbestand.

Offen bleibt allerdings, wofür die 15.000 Euro im Einzelnen verwendet werden, ob die Zahlung befristet ist und wer den Bestand vor Ort zählt. Der Zoo nennt weder eine Laufzeit noch einen Zwischenbericht. Die Summe entspricht rund 0,2 Prozent der Bausumme der neuen Anlage; das relativiert nichts an der Wirkung vor Ort, macht aber deutlich, in welchem Verhältnis einmalige Bauinvestition und laufende Projektförderung stehen. Wer die Verwendung nachvollziehen will, ist derzeit auf die Angaben des Zoos angewiesen. Einen öffentlich einsehbaren Verwendungsnachweis für die jährliche Zahlung gibt es nicht.

Zwei Tage lang durften die Gäste in die noch leere Anlage

Bevor die Giraffen einzogen, öffnete der Zoo die fertige Anlage am 4. und 5. Juli 2026 für das Publikum. Gäste konnten Innen- und Außenbereiche begehen, solange dort noch keine Tiere standen – ein Blick, den es so nur an diesen beiden Tagen gab. Zoopädagoginnen und Zoopädagogen informierten am Zoomobil über das Haltungskonzept, über die Artenschutzprojekte in Kenia und über die Biologie der Giraffen. Ein Zusatzentgelt wurde nicht erhoben; es galten die regulären Zooeintrittspreise. Der genaue Einzugstermin der Tiere stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht öffentlich fest, wie der Bericht über den Tag der offenen Tür festhält.

Silhouetten von Gästen an einem Geländer, davor der Kopf einer Giraffe auf gleicher Höhe
Die neue Plattform hebt das Publikum auf Kopfhöhe der Tiere – das ist die auffälligste Änderung für Gäste. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Giraffenanlage war nicht die einzige Meldung des Zoos in diesem Sommer. Am 16. Juli 2026 teilte das Haus mit, dass Mitte Juni erstmals seit über 20 Jahren wieder zwei Kuba-Flamingos in der Brutkolonie geschlüpft sind. Bisher waren Küken dieser Art in Köln nach Angaben des Zoos in Handaufzucht großgezogen worden; dass die Kolonie es selbst schafft, wertet das Haus als Erfolg. Die Jungtiere wachsen den Angaben zufolge dank günstiger Temperaturen gut heran. Wie viele Kuba-Flamingos die Kölner Kolonie insgesamt umfasst, nennt die Meldung nicht.

Eine Woche später, am 23. Juli 2026, meldete der Zoo Nachwuchs bei den Südpudus. Das Weibchen „Yenai“ kam bereits am 15. Mai zur Welt. Die Mutter „Yadira“ ist drei Jahre alt und stammt aus Rotterdam, der Vater „Alvess“ wurde im Kölner Zoo geboren. Nach Angaben des Zoos entwickelt sich das Jungtier gut und erkundet bereits die Außenanlagen. Auch hier gilt: Die Meldung nennt kein Datum für eine öffentliche Präsentation und keine Angaben zum weiteren Verbleib des Tieres. Beide Meldungen stehen auf der Nachrichtenseite des Zoos.

Für Besucherinnen und Besucher ändert sich durch die neue Giraffenanlage vor allem der Blickwinkel. Wo bisher aus der Distanz beobachtet wurde, führt die Plattform nun auf Kopfhöhe der Tiere heran; das ist die Veränderung, die die beiden Vorstände mit den nahen Einblicken meinen. Ob sich das auf die Besuchszahlen auswirkt, wird sich frühestens in einer Jahresbilanz zeigen. Zahlen dazu hat der Zoo bislang nicht veröffentlicht. Bis dahin bleibt der Umbau vor allem eine bauliche Aussage darüber, wie viel Fläche ein Haus dieser Größenordnung heute für zwei Tiere vorsieht.

Sämtliche Angaben zu Kosten, Flächen und Ausstattung in diesem Beitrag stammen vom Zoo selbst sowie aus dem Bericht über den Tag der offenen Tür. Eine unabhängige Bewertung der neuen Haltungsbedingungen lag zum Redaktionsschluss nicht vor, ebenso wenig eine Stellungnahme einer Tierschutzorganisation zu diesem Bauvorhaben. Wer die Anlage beurteilen will, ist damit vorerst auf den eigenen Augenschein und auf die Zahlen des Hauses angewiesen. Beides ist ab sofort möglich: Die Anlage ist eröffnet, die Tiere sind eingezogen, und die Aussichtsplattform steht dem Publikum offen.

Was als Nächstes ansteht, hat der Zoo bisher nicht terminiert: weder eine Erweiterung der Giraffengruppe noch einen Zeitpunkt, zu dem die Wirkung des Artenschutzbeitrags in der Massai Mara erneut überprüft wird. Aktuelle Meldungen zu beidem veröffentlicht das Haus fortlaufend auf seiner Nachrichtenseite. Überprüfbarer Stand ist damit: eine Anlage aus den 1960er Jahren, für rund 6,5 Millionen Euro in etwa zwei Jahren erneuert, mit über 1.000 Quadratmetern im Innenbereich, neun Futterkörben, einer Waage und zwei siebenjährigen Kordofan-Giraffen darin.

Quellen und Weiterlesen
Amira Yılmaz, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
Amira Yılmaz
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Lokaljournalistin durch und durch: Ratspolitik, Verkehr, Stadtentwicklung und alles, was Köln bewegt. Zusätzlich zuständig für Sehenswürdigkeiten und Tourismus.
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