Hitzeschutzkarte: VisitKöln weist den Weg zu kühlen Kulturorten
5.000 gedruckte Exemplare, dazu eine digitale Fassung: KölnTourismus verzeichnet auf einer neuen Karte Kirchen und Museen, die an heißen Tagen Abkühlung bieten. Welche genau, bleibt offen.
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VisitKöln hat am 14. Juli 2026 eine Karte veröffentlicht, die kulturelle Orte in Köln verzeichnet, an denen es an heißen Tagen kühl und ruhig ist. Die Cool & Calm in Cologne Map erscheint zunächst in einer Auflage von 5.000 Exemplaren und ist zusätzlich digital abrufbar. Kostenfrei erhältlich ist sie in der Tourist Information und an ausgewählten Auslagestellen. Herausgeberin ist die KölnTourismus GmbH, die unter der Marke VisitKöln auftritt; entstanden ist die Karte in einem Förderprojekt von Tourismus NRW.
Verzeichnet sind nach Angaben der Gesellschaft Kirchen, Museen und weitere öffentlich zugängliche Kulturorte, die ihre Türen für alle öffnen – ausdrücklich auch für Menschen, die dort nur eine Pause einlegen oder sich im Schatten ausruhen wollen. Viele der aufgeführten Orte seien kostenlos und barrierefrei zugänglich. Damit richtet sich das Angebot nicht allein an Gäste, sondern ebenso an Kölnerinnen und Kölner, die an einem Hitzetag in der Innenstadt unterwegs sind und einen Ort suchen, an dem sie sich ohne Verzehrzwang aufhalten können.
Welche Häuser konkret auf der Karte stehen, teilt die Gesellschaft in ihrer Mitteilung allerdings nicht mit. Es fehlen sowohl eine Liste der Orte als auch eine Angabe darüber, wie viele es insgesamt sind. Auch zu den Sprachen, in denen die gedruckte Fassung erscheint, und zu den Auslagestellen jenseits der Tourist Information findet sich keine Auskunft. Wer wissen will, ob das eigene Veedel vertreten ist, muss die Karte selbst zur Hand nehmen. Für eine Publikation, die Orientierung an Hitzetagen verspricht, ist das eine bemerkenswerte Lücke in der Ankündigung.
Auch die Auflage verdient eine Einordnung. 5.000 gedruckte Exemplare stehen einer Stadt gegenüber, die im vergangenen Jahr rund 4,25 Millionen Gäste gezählt hat; rechnerisch kommt damit auf etwa 850 Gäste ein Exemplar. Das ist keine Kritik an der Zahl, sondern eine Beschreibung dessen, was die Karte in dieser Auflage sein kann: ein Testlauf, kein flächendeckendes Informationsangebot. Die digitale Fassung ist insofern die eigentlich relevante, weil sie keine Auflagenbegrenzung kennt. Nutzungszahlen dafür hat die Gesellschaft bislang nicht veröffentlicht.
Die Karte ist eine Antwort auf immer heißere Sommer
Die Begründung, die KölnTourismus liefert, ist ungewöhnlich direkt für ein Tourismusprodukt. Die Auswirkungen des Klimawandels würden immer spürbarer, heißt es in der Mitteilung; zunehmende Hitzewellen machten deutlich, wie stark hohe Temperaturen den Aufenthalt in Städten beeinflussen – für Einwohnerinnen und Einwohner ebenso wie für Gäste. Eine Marketingorganisation, die nicht Sehenswürdigkeiten bewirbt, sondern Rückzugsorte vor dem Wetter, argumentiert damit aus einer anderen Rolle heraus als gewohnt. Genau diesen Rollenwechsel benennt die Geschäftsführerin ausdrücklich.
„Klimaanpassung ist längst ein zentrales Thema im Städtetourismus, dem wir uns stellen müssen. Die Frage, wie Städte auch bei zunehmender Hitze lebens- und besuchenswert bleiben, beschäftigt uns seit Jahren im Austausch mit unseren Partnerinnen und Partnern. Mit der Cool & Calm in Cologne Map übersetzen wir diese Diskussion nun in ein konkretes Angebot für Gäste und Kölnerinnen und Kölner.“
Stephanie Kleine Klausing, Geschäftsführerin der KölnTourismus GmbH
Entstanden ist die Karte im Rahmen der Nachhaltigkeitswerkstatt NRW, eines auf drei Jahre angelegten Förderprojekts von Tourismus NRW. Köln steuert dazu einen eigenen Anwendungsfall bei, im Projektdeutsch: einen Use Case. Er verbindet nach Darstellung der Gesellschaft drei Aufgaben, die bisher getrennt bearbeitet wurden – Klimaanpassung, Kulturvermittlung und Besucherlenkung. Wie hoch die Förderung ausfällt und welche weiteren Städte am selben Projekt beteiligt sind, geht aus der Kölner Mitteilung nicht hervor.
Besucherlenkung ist dabei der Begriff, hinter dem für die Stadt am meisten steckt. Gemeint ist die bewusste Verteilung von Gästen im Stadtraum, weg von den immer gleichen Punkten und Stunden. Die Karte soll nach Angaben von VisitKöln zusätzlich neue Perspektiven auf Reisezeiten eröffnen – also darauf, wann ein Besuch in Köln sinnvoll ist – und Kulturinstitutionen in einen neuen Zusammenhang rücken: als Orte der Begegnung, der Erholung und der Resilienz. Das ist eine Zuschreibung, die über die klassische Rolle eines Museums deutlich hinausgeht.
Für die Häuser selbst ist das nicht folgenlos. Wer als kühler Rückzugsort beworben wird, bekommt Publikum, das nicht wegen der Sammlung kommt, sondern wegen der Temperatur – und das sich entsprechend anders verhält. Ob und wie die genannten Kirchen und Museen in die Erstellung der Karte einbezogen wurden, teilt KölnTourismus nicht mit. Auch eine Aussage darüber, ob die Häuser zusätzliche Sitzgelegenheiten, Wasserspender oder verlängerte Öffnungszeiten vorhalten, enthält die Mitteilung nicht. Beides wären naheliegende Fragen an eine zweite Auflage.
Die erste Auflage ist ausdrücklich als Versuch angelegt
Bemerkenswert offen formuliert die Gesellschaft, was sie mit der ersten Auflage vorhat: Sie will beobachten, wie das Angebot angenommen wird und welche Erkenntnisse sich daraus für die Weiterentwicklung einer klimaangepassten Destination gewinnen lassen. Das ist die Sprache eines Pilotprojekts, nicht die einer fertigen Kampagne. Welche Kennzahlen für diese Beobachtung herangezogen werden – abgegebene Exemplare, digitale Aufrufe, Rückmeldungen der Häuser –, ist nicht benannt. Ebenso wenig ist gesagt, wann eine Auswertung vorliegen soll.
Ungeklärt bleibt auch, nach welchen Kriterien die Orte ausgewählt wurden. Eine Kirche kann kühl sein, ohne ruhig zu sein; ein Museum kann ruhig sein, ohne kostenlos zugänglich zu sein. Ob gemessen wurde – Innentemperaturen, Lärmwerte, Öffnungszeiten – oder ob die Auswahl auf Erfahrungswerten beruht, sagt die Mitteilung nicht. Für die Glaubwürdigkeit einer Hitzeschutzkarte ist das die zentrale Frage: Sie unterscheidet ein geprüftes Angebot von einer thematisch sortierten Empfehlungsliste. Beantworten könnte sie allein die herausgebende Gesellschaft.
Neu ist die Idee nicht. Bereits in ihrer Bilanz für das Jahr 2025, die die Gesellschaft am 26. Februar 2026 vorlegte, führte sie eine Karte kühler und ruhiger Orte unter den Neuerungen auf und ordnete sie als Beitrag zu einer klimaangepassten Stadtentwicklung ein. Zwischen dieser Ankündigung und der jetzt gedruckten Auflage liegen knapp fünf Monate. Die Bilanzmitteilung von KölnTourismus nennt das Vorhaben in derselben Reihe wie die VisitKöln Web-App für die Hotellerie.
Der Anlass für beide Angebote steht in derselben Bilanz. Köln zählte 2025 rund 4,25 Millionen Gäste und 7,22 Millionen Übernachtungen – jeweils Höchstwerte. Je mehr Menschen sich in einer Innenstadt aufhalten, deren Plätze überwiegend versiegelt sind, desto härter wirkt jeder Hitzetag. Die Karte ist insofern die Kehrseite der Rekordmeldung: Sie versucht, den Andrang dorthin zu leiten, wo er verträglich ist, und gleichzeitig ein Grundbedürfnis zu bedienen, das im Städtetourismus lange keine Rolle spielte.
Der Hinweis auf neue Perspektiven bei den Reisezeiten zielt auf einen zweiten Hebel. Wenn der Hochsommer in der Innenstadt beschwerlich wird, gewinnen Frühjahr, Herbst und selbst der Winter an Attraktivität – Zeiträume, in denen Kölns Hotellerie ohnehin Reserven hat. Eine Verschiebung der Nachfrage in die Randmonate wäre für die Häuser wirtschaftlich interessant und für die Innenstadt eine Entlastung. Belege dafür, dass eine gedruckte Karte solche Reiseentscheidungen beeinflusst, legt die Gesellschaft nicht vor. Sie formuliert den Zusammenhang als Perspektive, nicht als Wirkung.
Ausgerechnet jetzt schließen zwei große Museen der Innenstadt
Der Zeitpunkt ist allerdings heikel, denn das Angebot an kühlen Innenräumen schrumpft gerade. Das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud wird ab dem 3. August 2026 für eine zweijährige Generalinstandsetzung schließen; die Sammlung soll während dieser Zeit nach Auskunft des Hauses auch nicht an anderen Orten gezeigt werden. Nachzulesen ist das auf der Seite des Museums zur Schließung. Damit fällt eines der großen Museen der Altstadt für zwei Jahre aus dem Angebot – und zwar ab Anfang August, mitten im Hochsommer.
Auch das Römisch-Germanische Museum steht am Roncalliplatz nicht zur Verfügung: Es ist wegen der laufenden Sanierung geschlossen und zeigt seine Sammlung im Belgischen Haus an der Cäcilienstraße 46 nahe dem Neumarkt. Für eine Karte kühler Kulturorte bedeutet das zweierlei. Erstens fallen zwei prominente Adressen aus, die im Sommer viele Menschen aufgenommen hätten. Zweitens verschiebt sich die Last auf die verbleibenden Häuser – und auf die Kirchen, die in der Kölner Innenstadt in dichter Folge stehen und die mit ihren schweren Steinmauern als kühl gelten.
Dass Kirchen in einer solchen Karte an erster Stelle genannt werden, ist deshalb keine Verlegenheitslösung. Sie sind in der Regel ohne Eintritt zugänglich, sie sind über die ganze Innenstadt verteilt, und sie erfüllen die zweite Bedingung, die im Kartentitel steckt: Ruhe. Der Name Cool & Calm nennt beides gleichrangig – kühl und ruhig. Damit ist ein zweiter Belastungsfaktor angesprochen, der im Städtetourismus selten thematisiert wird: Lärm. Wie viele der verzeichneten Orte tatsächlich beide Kriterien erfüllen, lässt sich ohne die Liste nicht überprüfen.
Adressiert sind ausdrücklich auch die Kölnerinnen und Kölner
Bemerkenswert an der Konstruktion ist, wen die Karte anspricht. Eine Tourismusgesellschaft wirbt üblicherweise um Gäste; hier nennt die Mitteilung Einwohnerinnen und Einwohner in einem Atemzug mit Besucherinnen und Besuchern. Das ist mehr als eine Höflichkeitsformel, denn an einem Hitzetag stellt sich für beide Gruppen dieselbe Frage: Wohin, wenn draußen die Hitze steht und jeder Platz im Café Geld kostet. Ein kostenlos zugänglicher, kühler Innenraum ist damit ein Stück öffentlicher Daseinsvorsorge – nur dass er hier nicht von der Stadt, sondern von ihrer Marketinggesellschaft kartiert wird.
Die Karte fällt in die erste Amtszeit einer neuen Geschäftsführung. Stephanie Kleine Klausing hat die Leitung der KölnTourismus GmbH zum 1. April 2026 übernommen; sie arbeitet seit 2008 in verschiedenen Führungspositionen im Haus. Als Leitgedanken ihrer Arbeit hat sie den Lebensraum Köln benannt, also eine Tourismusentwicklung, die sich an den Bedürfnissen der Stadt ausrichtet und nicht allein an Wachstumszahlen. Die Hitzeschutzkarte ist eines der ersten greifbaren Produkte, an denen sich dieser Anspruch überprüfen lässt.
Ob dieser Ansatz trägt, wird sich weniger an der Karte selbst zeigen als an dem, was ihr folgt. Eine Karte kostet wenig und verpflichtet niemanden; Schatten auf Plätzen, Trinkwasser im öffentlichen Raum und verlängerte Öffnungszeiten in Hitzewochen kosten Geld und erfordern Beschlüsse. Über solche Maßnahmen entscheidet nicht die Tourismusgesellschaft, sondern die Stadt. Die Karte kann dafür bestenfalls die Datenlage verbessern, indem sie zeigt, wo Menschen an heißen Tagen tatsächlich hingehen.
Verfügbar ist die Cool & Calm in Cologne Map ab sofort – gedruckt in der Tourist Information und an den nicht näher bezeichneten Auslagestellen sowie digital. Der nächste Schritt liegt bei KölnTourismus: Die Gesellschaft hat angekündigt, die Annahme des Angebots auszuwerten, ohne dafür einen Termin zu nennen. Ob eine zweite, größere Auflage folgt und ob die Liste der Orte dann veröffentlicht wird, ist offen. Die vollständige Mitteilung steht in den Pressemeldungen von VisitKöln.
- Cool & Calm in Cologne Map: VisitKöln veröffentlicht Hitzeschutzkarte für kühle Kulturorte – KölnTourismus, 14.07.2026
- Bilanz 2025: Kölner Tourismus setzt Erfolgsgeschichte fort – KölnTourismus, 26.02.2026
- Vorstellung der neuen Geschäftsführerin bei KölnTourismus – 30.04.2026
- Schließung – Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud




