Donnerstag, 6. August 2026 Ausgabe Nr. 240
Köln 21° · heiter bis wolkig Redaktion
Kölner Zeit
Unabhängige Nachrichten aus Köln · seit 2022
Seilbahn

Kölner Seilbahn: Konzession bis 2042, neue Kabinen nötig

Die Betriebsgenehmigung der Kölner Seilbahn läuft nun bis 2042 statt bis 2028. Motoren und Kabinen müssen erneuert werden – wegen des Denkmalschutzes müssen neue Gondeln aussehen wie die alten.

Amira Yılmaz, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
Amira Yılmaz
Aktuelles & Stadt

Lesezeit 8 Min.
Zwei ältere Seilbahngondeln hängen über einem Fluss, darunter eine Straßenbrücke mit Autos, an den Ufern Grünanlagen
Die Kölner Seilbahn überquert den Rhein auf 930 Metern Länge; ihre Betriebsgenehmigung läuft nun bis 2042 statt bis 2028. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Kölner Seilbahn fährt seit dem 12. März 2026 wieder über den Rhein, und sie darf das nun deutlich länger tun als geplant: Die Bezirksregierung Köln hat die Betriebsgenehmigung vorzeitig bis 2042 verlängert. Die bisherige Konzession wäre 2028 ausgelaufen. Regierungspräsident Dr. Thomas Wilk überreichte die Urkunde am Freitag, 6. Juni 2025. Damit hat der Betrieb 14 zusätzliche Jahre Sicherheit – und zugleich eine Aufgabe, die er in diesem Zeitraum lösen muss: Motoren und Kabinen der Anlage müssen erneuert werden.

Eine Betriebsgenehmigung ist bei einer Seilbahn kein Formblatt. Sie legt fest, wie lange die Anlage Personen befördern darf, und sie ist die Grundlage jeder Investitionsentscheidung. Wer eine Bahn nur noch zwei Jahre betreiben darf, bestellt keine neuen Kabinen. Genau darin liegt der praktische Wert der vorzeitigen Verlängerung: Sie schafft den Vorlauf, den eine Beschaffung dieser Größenordnung braucht. Bei der Übergabe waren neben Wilk der KVB-Vorstand Technik Jörg Schwarze sowie Sonja Lorsy und Martin Süß von der Geschäftsführung der Kölner Seilbahnen dabei.

Die Zahlen dahinter sind schnell erzählt. Der Neubau der Anlage stammt aus dem Jahr 1966, sie ist in diesem Jahr also 60 Jahre alt. Läuft die Konzession 2042 aus, wird die Bahn am Ende dieser Genehmigung 76 Jahre in Betrieb sein. Zwischen der Übergabe der Urkunde im Juni 2025 und diesem Datum liegen 17 Jahre. Gegenüber der alten Genehmigung, die 2028 geendet hätte, sind es 14 Jahre mehr.

Neue Kabinen müssen aussehen wie die alten

Die Anlage steht unter Denkmalschutz. Das hat für die anstehende Erneuerung eine unmittelbare Folge: Neue Kabinen müssen den bisherigen optisch entsprechen. Es genügt also nicht, ein aktuelles Serienmodell zu kaufen und einzuhängen. Gefragt ist ein Nachbau, der die Erscheinung der vorhandenen Gondeln aufnimmt – und das macht den Prozess nach Darstellung der Betreiberin aufwendiger und teurer als eine gewöhnliche Modernisierung.

Unter Denkmalschutz stehen in Köln vor allem Gebäude; eine Seilbahn ist auch in dieser Aufzählung ein besonderer Eintrag. Geschützt ist hier nicht ein Haus, sondern eine Anlage aus Stützen, Seilen, Antrieb und Kabinen, deren Erscheinungsbild als erhaltenswert gilt. Das Schutzgut ist also zugleich das Betriebsmittel. Wer es erneuert, verändert das Denkmal – wer es nicht erneuert, riskiert am Ende den Betrieb.

Hinzu kommt ein Marktproblem. Seilbahnhersteller bauen derzeit vor allem neue Anlagen; ein Nachbau von Kabinen für eine denkmalgeschützte Bestandsbahn ist ein Sonderfall, für den sich erst ein Betrieb finden muss. Der technische Geschäftsführer der Kölner Seilbahnen hat diesen Punkt bei der Konzessionsübergabe selbst benannt.

„Die Seilbahnbauer wollen im Moment vor allem neue Bahnen bauen. Wir müssen also erst einmal jemanden finden, der in der Lage ist, unsere Kabinen entsprechend nachzubauen.“

Martin Süß, technischer Geschäftsführer der Kölner Seilbahnen
Große Seilscheibe mit aufliegenden Seilwindungen in einer Seilbahnstation, daneben eine ältere cremefarbene Gondel
Motoren und Kabinen der Anlage müssen in den kommenden Jahren erneuert werden; wegen des Denkmalschutzes sollen neue Gondeln aussehen wie die alten. · Symbolbild (KI-generiert)

Zu den Kosten der Erneuerung von Motoren und Kabinen sind bislang keine Zahlen öffentlich geworden. Auch ein Zeitplan, wann die neuen Gondeln eingehängt werden sollen, ist nicht genannt. Bekannt ist nur der Rahmen: In den kommenden Jahren muss beides beschafft werden, und die Konzession läuft bis 2042. Wie viele Kabinen ersetzt werden und ob der Betrieb dafür unterbrochen werden muss, ist ebenfalls offen.

Ein Vergleich hilft beim Einordnen. Die Stadt Köln hat für ihre vier eigenen Rheinbrücken inzwischen Zeitfenster und teilweise Kostenschätzungen veröffentlicht; bei der Seilbahn gibt es bislang weder das eine noch das andere. Das liegt auch daran, dass hier kein städtisches Amt baut, sondern ein Unternehmen beschafft. Öffentlich nachvollziehbar ist der Vorgang deshalb nur so weit, wie die Betreiberin ihn selbst darstellt.

930 Meter über den Rhein, in dieser Form seit 1966

Die Bahn überquert den Rhein auf einer Länge von 930 Metern. Der Neubau der Anlage stammt aus dem Jahr 1966; zu den Kölner Sehenswürdigkeiten zählt die Seilbahn nach eigenen Angaben seit über 60 Jahren. Sie verbindet Riehl auf der linken mit dem Rheinpark auf der rechten Rheinseite und ist damit eine der wenigen Verbindungen, die den Strom nicht auf einer Brücke queren. Wer in Köln über den Rhein fährt, sitzt sonst in einer Bahn, einem Auto oder auf einem Rad – hier hängt man an einem Seil.

Der Blick aus der Gondel ist der eigentliche Grund für die Fahrt. Auf der einen Seite liegt die Zoobrücke, auf der anderen reihen sich die Rheinbrücken der Innenstadt bis zur Domsilhouette. Unter der Kabine steht der Strom, oben laufen die Rollen über die Stützen von 1966. Genau dieses Ensemble aus Technik und Aussicht ist der Grund, warum die Anlage denkmalgeschützt ist – und warum die Betreiberin bei den neuen Kabinen nicht frei entscheiden kann.

KVB-Vorstand Technik Jörg Schwarze bezeichnete die Seilbahn bei der Übergabe der Konzession als Kulturgut der Stadt und als prägendes Merkmal für Freizeit und Tourismus. Das ist mehr als eine Festformel: Anders als bei Bus und Bahn geht es hier nicht um Beförderungsleistung im Nahverkehr, sondern um ein Angebot, das Menschen freiwillig und aus Vergnügen nutzen. Genau deshalb ist die Anlage denkmalgeschützt – und genau deshalb ist ihre Erneuerung kompliziert.

Der Fahrgastrekord stammt aus dem Jahr 2014

Wie stark die Bahn genutzt wird, lässt sich an einer Zahl gut ablesen. Der Fahrgastrekord liegt bei 503.800 Fahrgästen im Jahr 2014. In der Saison 2025 waren es von April an bis Anfang Juni bereits über 162.000 Fahrten. Auf ihrer eigenen Website spricht die Kölner Seilbahn von mehr als einer halben Million Fahrgästen jährlich. Eine amtlich geprüfte Jahresstatistik für 2025 liegt öffentlich nicht vor; die Angaben stammen vom Betrieb selbst.

Blick aus einer Seilbahnkabine steil hinunter auf den Rhein und ein Frachtschiff
Nach Angaben des Betriebs nutzen jährlich mehr als eine halbe Million Fahrgäste die Bahn. · Symbolbild (KI-generiert)

Diese Größenordnung erklärt, warum die Konzession bis 2042 mehr ist als eine Verwaltungsformalie. Eine halbe Million Fahrgäste bei einer Saison von rund acht Monaten sind im Schnitt gut 2.000 Menschen pro Tag. Getragen wird das von zwei Stationen, einer Seilstrecke von 930 Metern und einer Anlage aus dem Jahr 1966. Diese Auslastung ist zugleich die Grundlage dafür, dass sich die anstehenden Investitionen überhaupt rechnen können.

Betrieben wird die Bahn von der Kölner Seilbahn GmbH, einer Tochter der Kölner Verkehrs-Betriebe. Entscheidungen über Motoren und Kabinen fallen damit innerhalb eines kommunalen Konzerns und nicht bei einem privaten Betreiber. Das hat zwei Seiten: Die Anlage ist nicht auf kurzfristige Rendite angewiesen, ihre Investitionen konkurrieren aber mit allem anderen, was im Verkehrsbereich der Stadt finanziert werden muss. Welche Priorität die Kabinen dort haben, ist öffentlich nicht dargestellt.

Die Saison läuft bis Anfang November

Im laufenden Betrieb ist die Bahn täglich von 10 bis 18 Uhr unterwegs, der letzte Einstieg ist um 17.45 Uhr möglich. Diese Zeiten gelten bis Anfang November. Danach folgen vier Adventswochenenden: Für den 28. und 29. November, den 5. und 6. Dezember, den 12. und 13. Dezember sowie den 19. und 20. Dezember 2026 sind zusätzliche Fahrten vorgesehen. Hinzu kommen mehrere Nachtfahrten, unter anderem zur Sommersonnenwende, zur Sternschnuppennacht und im Indian Summer.

Auch die Preise für die Saison 2026 stehen fest. Sie sind nach Alter und Gruppengröße gestaffelt; Kinderpreise gelten von vier bis zwölf Jahren.

  • Einzelfahrt: Erwachsene 5,50 Euro, Kinder von vier bis zwölf Jahren 3,30 Euro
  • Hin- und Rückfahrt: Erwachsene 9,50 Euro, Kinder 4,80 Euro
  • Gruppen ab vier Personen, Hin- und Rückfahrt: Erwachsene 8,50 Euro, Kinder 4,30 Euro
  • Gruppen ab 17 Personen und Schulklassen, Hin- und Rückfahrt: Erwachsene 6,50 Euro, Kinder 3,80 Euro

Für eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern zwischen vier und zwölf Jahren kostet die Hin- und Rückfahrt damit 28,60 Euro zum Einzelpreis. Wer die Gruppenstaffel ab vier Personen nutzt, zahlt 25,60 Euro. Bei Schulklassen und Gruppen ab 17 Personen sinkt der Preis für Erwachsene auf 6,50 Euro und für Kinder auf 3,80 Euro für die Hin- und Rückfahrt. Wer nur in eine Richtung fährt und auf der anderen Rheinseite bleibt, zahlt als Erwachsener 5,50 Euro.

Genietete Stahlstütze einer Seilbahn von unten fotografiert, oben die Rollenbatterien
Die Anlage steht unter Denkmalschutz; neue Kabinen müssen den bisherigen optisch entsprechen. · Symbolbild (KI-generiert)

Ein Termin steht der Bahn in diesem Sommer noch bevor. Zu den Kölner Lichtern am 1. August 2026 gelten geänderte Öffnungszeiten; vorgesehen ist eine Betriebspause von 22 bis 23.30 Uhr für eine geschlossene Veranstaltung. Wer an diesem Abend über den Rhein schweben möchte, sollte die abweichenden Zeiten vorher prüfen. Für das Feuerwerk am Rhein ist die Bahn eine der wenigen Perspektiven von oben, und entsprechend gefragt dürften die Fahrten am frühen Abend sein.

Zwei Sondergondeln und 40 Hochzeiten

Zum Bild der Bahn gehören inzwischen auch ihre Sondergondeln. Eine trägt die Gestaltung des 1. FC Köln, eine weitere wurde zum 125-jährigen Jubiläum der Handwerkskammer zu Köln eingerichtet. Wer Glück hat, steigt in eine davon; planen lässt sich das nicht. Die Bläck Fööss haben der Kölner Seilbahn außerdem ein eigenes Lied gewidmet – eine Auszeichnung, die in dieser Stadt nicht viele Verkehrsmittel vorweisen können.

Solche Sondergestaltungen sind mehr als Werbeflächen. Sie zeigen, dass die Bahn in Köln als eigenes Wahrzeichen behandelt wird und nicht als bloßer Zubringer zwischen zwei Ufern. Genau diese Rolle ist am Ende auch der Grund für den Denkmalschutz – und damit für die Auflage, dass neue Kabinen wie die alten auszusehen haben. Ein Verkehrsmittel, das man beliebig auswechseln könnte, würde niemand unter Schutz stellen.

Ein Kapitel für sich sind die Trauungen. Im Jahr 2024, also im Jahr vor der Konzessionsverlängerung, gaben sich 40 Paare in einer Kabine das Ja-Wort. Lang ist die Strecke über den Rhein nicht, entsprechend knapp fällt die Zeremonie aus. Auch dieses Angebot hängt an der Betriebsgenehmigung: Ohne Konzession keine Fahrt, ohne Fahrt keine Trauung in der Gondel. Die Verlängerung bis 2042 sichert damit auch einen Trauort, den es in dieser Form in Köln kein zweites Mal gibt.

Für die Fahrgäste ändert sich durch die Verlängerung zunächst nichts. Die Bahn fährt, die Preise gelten, die Saison läuft. Spürbar wird die Entscheidung erst, wenn die neuen Kabinen kommen – und dann vermutlich kaum, weil sie den alten ja gleichen sollen. Genau das ist der Punkt: Der Denkmalschutz sorgt dafür, dass eine aufwendige Erneuerung im Ergebnis möglichst unsichtbar bleibt.

Offen bleiben damit drei Fragen: was die neuen Motoren und Kabinen kosten, wer sie baut und wann sie eingebaut werden. Antworten darauf hat die Betreiberin bislang nicht gegeben. Der nächste feste Termin ist dagegen bekannt: Am 1. August 2026 gelten zu den Kölner Lichtern geänderte Öffnungszeiten, danach läuft die Saison bis Anfang November weiter.

Quellen und Weiterlesen
Amira Yılmaz, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
Amira Yılmaz
Redakteurin · Aktuelles & Stadt
Lokaljournalistin durch und durch: Ratspolitik, Verkehr, Stadtentwicklung und alles, was Köln bewegt. Zusätzlich zuständig für Sehenswürdigkeiten und Tourismus.
Alle Beiträge der Redaktion →

Mehr aus Sehenswürdigkeiten

Alle Beiträge →
Hitzeschutz
Hitzeschutzkarte: VisitKöln weist den Weg zu kühlen Kulturorten
5.000 gedruckte Exemplare, dazu eine digitale Fassung: KölnTourismus verzeichnet auf einer neuen Karte Kirchen und Museen, die an heißen Tagen Abkühlung bieten. Welche genau, bleibt offen.
Von Amira Yılmaz · 27. Juli 2026
Zoo
Neue Giraffenanlage im Kölner Zoo: 6,5 Millionen Euro, fast doppelt so viel Platz
Penda und Maoli sind eingezogen: Der Kölner Zoo hat die Anlage aus den 1960er Jahren in rund zwei Jahren kernsaniert. Der Innenbereich misst jetzt über 1.000 Quadratmeter.
Von Amira Yılmaz · 26. Juli 2026
Eintritt am Dom
Zwölf Euro für den Innenraum: Der Dom zieht erste Bilanz
Seit dem 1. Juli kostet die Besichtigung des Kölner Doms 12 Euro. Am ersten Tag gingen rund 2.900 Tickets weg – etwa die Hälfte der Summe, die der Dom nach eigener Rechnung täglich braucht.
Von Amira Yılmaz · 26. Juli 2026
Der Kölner Wochenbrief
Jeden Freitag der neue Beitrag der Woche, dazu Termine und Empfehlungen der Redaktion. Kostenlos, jederzeit abbestellbar.
Kölner Zeit

Unabhängige Nachrichten aus Köln seit 2022. Sieben Redakteurinnen und Redakteure, sieben Ressorts — über Wirtschaft, Stadt und das Leben zwischen Dom und Veedel.

© 2022–2026 Kölner Zeit · Ein Angebot der Tecnola GmbH, Bergisch Gladbach Wetterdaten: Deutscher Wetterdienst (CC BY 4.0), abgerufen über Bright Sky