Donnerstag, 6. August 2026 Ausgabe Nr. 240
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Tourismus

7,22 Millionen Übernachtungen: Kölns Tourismus meldet Rekordwerte

4,25 Millionen Gäste und 5,51 Milliarden Euro Wertschöpfung: KölnTourismus hat für 2025 Höchstwerte vorgelegt. Auffällig sind das Plus aus dem Ausland und ein neuer Markt in den Top Ten.

Amira Yılmaz, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
Amira Yılmaz
Aktuelles & Stadt

Lesezeit 8 Min.
Reisende mit Rollkoffern auf einer Bahnhofstreppe, dahinter der Kölner Dom vor blauem Himmel
Ankunft am Hauptbahnhof: 4,25 Millionen Gäste zählte Köln im vergangenen Jahr. · Symbolbild (KI-generiert)

Die KölnTourismus GmbH hat am 26. Februar 2026 ihre Bilanz für das Jahr 2025 vorgelegt: 4,25 Millionen Gäste, 7,22 Millionen Übernachtungen und eine touristische Wertschöpfung von 5,51 Milliarden Euro. Alle drei Werte sind nach Angaben der Gesellschaft Höchstwerte. Die Zahl der Ankünfte stieg damit um 2,3 Prozent gegenüber 2024, die der Übernachtungen um 1,9 Prozent. In der Mitteilung selbst ist an einer Stelle von touristischen Umsätzen die Rede, an anderer von Wertschöpfung; gemeint ist jeweils dieselbe Summe von 5,51 Milliarden Euro.

Dass die Ankünfte stärker wachsen als die Übernachtungen, ist mehr als eine statistische Fußnote. Es bedeutet, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer rechnerisch leicht gesunken ist: Auf jede Ankunft entfielen 2025 im Mittel rund 1,7 Übernachtungen. Köln bleibt damit eine Stadt der kurzen Aufenthalte – Wochenende, Messebesuch, Konzert, Kongress. Für die Hotellerie ist das eine anspruchsvolle Struktur, weil jedes Bett häufiger neu belegt, gereinigt und verkauft werden muss als in klassischen Urlaubsdestinationen. Eine Angabe zur durchschnittlichen Aufenthaltsdauer enthält die Bilanz selbst nicht.

Wichtig ist zudem, worauf sich die 7,22 Millionen Übernachtungen beziehen: auf die Hotelbetriebe der Stadt. Wer privat vermietete Wohnungen, Hostelbetten unterhalb der Meldegrenze oder Übernachtungen bei Freunden und Verwandten mitzählen will, findet dafür in dieser Bilanz keine Grundlage. Auch Tagesgäste, die den größten Teil des Publikums am Dom, in der Altstadt und in den Museen stellen dürften, tauchen in der Übernachtungsstatistik nicht auf. Die Rekordmeldung beschreibt also einen klar abgegrenzten Ausschnitt des Kölner Besuchsgeschehens – den kommerziell am besten erfassbaren.

Der Zuwachs kam 2025 ohne die Sondereffekte großer Sportturniere

Bemerkenswert an dem Ergebnis ist der Vergleichsmaßstab. In Jahren mit internationalen Sportgroßveranstaltungen fällt es einer Messe- und Kongressstadt leicht, Rekorde zu melden; 2025 lag ein solcher Sondereffekt nach Darstellung von KölnTourismus nicht vor. Der damalige Geschäftsführer Dr. Jürgen Amann hat das bei der Vorlage der Zahlen ausdrücklich betont. Welche Veranstaltungen er im Einzelnen meint, benennt die Mitteilung nicht; sie spricht allgemein von Sondereffekten internationaler Sportgroßveranstaltungen.

„2025 war für den Tourismus in Köln ein starkes Jahr – und das ganz ohne die Sondereffekte internationaler Sportgroßveranstaltungen.“

Dr. Jürgen Amann, damaliger Geschäftsführer der KölnTourismus GmbH

Getragen wurde das Wachstum vor allem von Gästen aus dem Ausland. Deren Ankünfte legten um 6,1 Prozent zu, die Übernachtungen um 5,8 Prozent – jeweils deutlich mehr als der Gesamtdurchschnitt. Die wichtigsten Auslandsmärkte blieben Großbritannien, die USA und die Niederlande. Neu unter den zehn wichtigsten Quellmärkten ist die Türkei; für Köln mit seiner großen türkeistämmigen Bevölkerung ist das eine Entwicklung, die über den reinen Freizeitreiseverkehr hinausweist. Absolute Zahlen für die einzelnen Märkte weist die Bilanz nicht aus.

Aus dem Verhältnis der Wachstumsraten lässt sich eine Aussage ableiten, die in der Mitteilung nicht ausdrücklich steht: Wenn die Ankünfte insgesamt um 2,3 Prozent zulegten, das Auslandssegment aber um 6,1 Prozent, dann muss der Inlandsmarkt schwächer gewachsen sein als der Durchschnitt. Das deckt sich mit der Beobachtung, dass der deutsche Städtetourismus nach den Nachholjahren zu normalen Wachstumsraten zurückgekehrt ist. Was den türkischen Markt konkret antreibt – Besuchsreisen, Städtetourismus, Geschäftsreisen –, sagt die Bilanz nicht. Sie hält lediglich fest, dass er erstmals unter den zehn wichtigsten Quellmärkten auftaucht.

Blick aus einem Hotelzimmerfenster auf den Rhein und eine Stahlbrücke, Bettkante angeschnitten
38.865 Betten hielt die Kölner Hotellerie 2025 bereit – zur Auslastung nennt die Bilanz keine Quote. · Symbolbild (KI-generiert)

Der wichtigste Herkunftsmarkt bleibt trotzdem Deutschland: 62,6 Prozent aller Übernachtungen entfielen 2025 auf inländische Gäste. Anders gesagt kommt gut jede dritte Übernachtung aus dem Ausland. Diese Relation ist für eine deutsche Großstadt beachtlich, sie erklärt aber auch, warum KölnTourismus die Auslandsmärkte so genau beobachtet: Wachstum entsteht dort, während der Inlandsmarkt weitgehend ausgeschöpft ist. Wie sich der Inlandsanteil gegenüber 2024 verändert hat, geht aus der veröffentlichten Bilanz nicht hervor.

42.920 Veranstaltungen verteilten sich auf 218 Häuser

Das zweite Standbein ist das Veranstaltungsgeschäft. 218 Veranstaltungsstätten richteten 2025 nach den vorgelegten Zahlen 42.920 Events mit rund 7,8 Millionen Teilnehmenden aus. Das sind im Schnitt mehr als 117 Veranstaltungen pro Tag und knapp 200 Events je Haus im Jahr – vom Kongress in der Messe bis zur Tagung im Hotel. Die Teilnehmerzahl liegt über der Zahl der Übernachtungen, was zeigt, wie stark das Geschäft von Tagesgästen aus der Region getragen wird. Eine Aufschlüsselung nach Kongressen, Messen und kleineren Formaten enthält die Bilanz nicht.

Rechnerisch kommen auf jede der 42.920 Veranstaltungen im Schnitt rund 182 Teilnehmende. Das ist ein Wert, der zeigt, wie sehr die Gesamtzahl von kleinen und mittleren Formaten getragen wird: Ein einzelner Kongress mit mehreren Tausend Gästen fällt in dieser Statistik ebenso ins Gewicht wie Hunderte Tagungen mit zwei Dutzend Teilnehmenden. Für die Hotellerie ist das eine gute Nachricht, weil sich solche Veranstaltungen über das ganze Jahr verteilen und die schwachen Wochen zwischen den Messeterminen füllen. Für die Innenstadt bedeutet es gleichmäßigen Betrieb statt weniger Spitzentage.

Auf der Angebotsseite ist das Bettenangebot auf 38.865 Betten gewachsen. Die Auslastung sei dabei gehalten beziehungsweise leicht gestiegen, teilte KölnTourismus mit – eine Prozentzahl nennt die Gesellschaft nicht. Das ist die interessanteste Leerstelle der Bilanz: Ohne Auslastungsquote lässt sich nicht beurteilen, ob die zusätzlichen Betten tatsächlich gefüllt werden oder ob das Angebot der Nachfrage vorausläuft. Für die Hotellerie ist genau diese Kennziffer die entscheidende, weil sie über Zimmerpreise und Rentabilität bestimmt. Wer die Zahl sucht, findet sie in der Bilanzmitteilung von KölnTourismus nicht.

Eine grobe Näherung lässt sich trotzdem rechnen. Verteilt man die 7,22 Millionen Übernachtungen auf die 38.865 Betten, ergeben sich rund 186 belegte Nächte je Bett im Jahr – etwas mehr als die Hälfte aller Kalendertage. Der Wert ist mit Vorsicht zu lesen, weil das Bettenangebot im Jahresverlauf gewachsen ist und die amtliche Auslastung anders berechnet wird. Als Größenordnung taugt er dennoch: Kölns Hotellerie arbeitet nicht am Anschlag, sondern mit spürbaren Reserven an schwachen Wochentagen und in den Randmonaten. Genau dort liegt der Hebel, auf den die Gesellschaft mit Kultur- und Kongressangeboten zielt.

Weiße Ausflugsschiffe an einem Flussufer, Menschen gehen über einen Steg zu den Anlegern, gerahmt von Platanen
Kurze Aufenthalte prägen den Kölner Tourismus: Auf jede Ankunft entfallen rechnerisch rund 1,7 Übernachtungen. · Symbolbild (KI-generiert)

KölnTourismus misst sich inzwischen auch an weichen Kennzahlen

Auffälliger als die Rekordmeldung selbst ist der Rahmen, in den die Gesellschaft sie stellt. Nicht die Zahl der Gäste allein soll den Erfolg definieren, sondern die Frage, welche Gäste kommen und was sie in der Stadt auslösen. Die Bilanz verweist dazu auf eine Verschiebung in der Struktur der Übernachtungsgäste: Der Anteil der sogenannten Sinus-Leitmilieus nimmt zu – Zielgruppen, die die Gesellschaft als überdurchschnittlich kaufkräftig, kulturell stark interessiert und affin für urbane Angebote beschreibt.

Für die Kölner Kulturhäuser ist das die eigentliche Nachricht dieser Bilanz. Wenn der Anteil kulturinteressierter Gäste steigt, hängt daran nicht nur die Auslastung von Museen und Bühnen, sondern auch die Begründung öffentlicher Kulturausgaben. Belastbare Besuchszahlen einzelner Häuser nennt die Bilanz allerdings nicht, und die Milieuzuordnung stammt aus einem Marktforschungsmodell, nicht aus einer amtlichen Statistik. Sie ist damit ein Steuerungsinstrument der Vermarktung – und keine Größe, die sich wie Übernachtungszahlen beim Landesbetrieb Information und Technik nachschlagen ließe.

In der Fachöffentlichkeit ist die Bilanz entsprechend gelesen worden. Der Kölner Branchendienst CityNEWS fasste sie unter der Überschrift Qualität als Erfolgsfaktor zusammen und stellte damit dieselbe Akzentverschiebung in den Vordergrund wie die Gesellschaft selbst. Der Aufsichtsratsvorsitzende Max Derichsweiler hat sie in einem Satz formuliert, der die Kernaussage der ganzen Bilanz enthält – und der bewusst nicht von Zahlen, sondern von Verhalten spricht.

„Die Zahlen zeigen, dass Köln zunehmend Gäste erreicht, die nicht nur kommen, sondern auch bleiben, konsumieren und die Stadt wertschätzen.“

Max Derichsweiler, Aufsichtsratsvorsitzender der KölnTourismus GmbH

Amann hat diesen Kurs bei der Vorlage der Zahlen ausdrücklich als Programm bezeichnet und die Reihenfolge der Kennziffern umgedreht. Nicht die Übernachtungszahl steht demnach an erster Stelle, sondern die Wirkung des Tourismus auf die Stadt, in der er stattfindet. Das ist eine Position, die in vielen europäischen Städten inzwischen vertreten wird, meist unter dem Stichwort Overtourism – ein Begriff, den die Kölner Bilanz allerdings nicht verwendet.

„Besonders wichtig ist uns dabei der Blick auf qualitative Messgrößen: Wertschöpfung, Gästemix und die Auswirkungen auf den Lebensraum Köln stehen für uns gleichberechtigt neben den klassischen Kennzahlen.“

Dr. Jürgen Amann, damaliger Geschäftsführer der KölnTourismus GmbH
Nahaufnahme einer Souvenirauslage mit Dom-Miniaturen und schmalen Gläsern auf Holztheke
5,51 Milliarden Euro touristische Wertschöpfung weist die Bilanz für das Jahr 2025 aus. · Symbolbild (KI-generiert)

Konkret geworden ist dieser Anspruch 2025 in zwei Produkten, die die Bilanz eigens nennt. Das eine ist die VisitKöln Web-App, ein digitales Serviceangebot für die Hotellerie, das die Gesellschaft als Meilenstein in der Gästekommunikation beschreibt. Das andere ist eine Karte, die kühle und ruhige Orte im Stadtraum sichtbar machen soll und die KölnTourismus als Beitrag zu einer klimaangepassten Stadtentwicklung einordnet. Nutzungszahlen für die Web-App enthält die Bilanz nicht; belastbar ist bislang nur, dass es die Angebote gibt.

Beide Angebote sind für die Rubrik Sehenswürdigkeiten aufschlussreich, weil sie zeigen, in welche Richtung die Gesellschaft ihre Besucherlenkung entwickelt. Es geht nicht mehr allein darum, Gäste zu den bekannten Zielen zu bringen, sondern auch darum, sie zeitlich und räumlich zu verteilen – weg von der Spitzenstunde am Dom, hinein in Häuser und Quartiere, die weniger Andrang haben. Ob dieser Ansatz messbare Wirkung entfaltet, lässt sich anhand der 2025er Zahlen noch nicht beurteilen. Die Bilanz nennt für keines der beiden Produkte eine Kennzahl.

Die Bilanz war der letzte große Auftritt des Geschäftsführers

Wer die Bilanz heute liest, muss ein Datum mitlesen, das damals bereits feststand. Der Aufsichtsrat der KölnTourismus GmbH hatte am 12. Februar 2026 – zwei Wochen vor der Bilanzvorlage – einstimmig eine neue Geschäftsführerin bestellt: Stephanie Kleine Klausing. Vorausgegangen war ein strukturiertes Auswahlverfahren mit einer Findungskommission und Unterstützung durch die Personalberatung Kienbaum. Der Vertrag mit Amann endete im gegenseitigen Einvernehmen vorzeitig zum 31. März 2026. Gründe für die vorzeitige Trennung nennen die Mitteilungen der Gesellschaft nicht.

Kleine Klausing trat die Stelle zum 1. April 2026 an. Sie ist keine Externe: Seit 2008 arbeitet sie in verschiedenen Führungspositionen bei KölnTourismus, operativ wie strategisch. Als Schwerpunkte hat sie den Lebensraum Köln als Kerngedanken einer qualitativen Tourismusentwicklung genannt, dazu das Kongress- und Tagungsgeschäft, die Kultur samt freier Szene sowie den Sporttourismus – letzteren ausdrücklich auch mit Blick auf mögliche Olympiabewerbungen. Ihre Vorstellung als Geschäftsführerin ist auf den Presseseiten von KölnTourismus dokumentiert.

Damit stehen zwei Positionen nebeneinander, die sich nicht widersprechen, aber unterschiedlich akzentuieren. Der Aufsichtsratsvorsitzende Derichsweiler liest aus den Zahlen die Bestätigung eines eingeschlagenen Kurses. Die neue Geschäftsführerin formuliert die Aufgabe von der Stadt her. Für eine Gesellschaft, deren Erfolg traditionell in Übernachtungen gemessen wird, ist das eine bemerkenswerte Verschiebung der Maßstäbe – zumal in einem Jahr, in dem die klassischen Kennzahlen so gut ausfielen wie selten.

„Tourismus darf kein Selbstzweck sein. Er muss sich an den Bedürfnissen der Stadt ausrichten.“

Stephanie Kleine Klausing, Geschäftsführerin der KölnTourismus GmbH

Für Kölnerinnen und Kölner bedeuten 7,22 Millionen Übernachtungen zunächst das, was sie in der Altstadt, am Dom und auf der Domplatte ohnehin sehen: mehr Betrieb. Ob dieser Betrieb sich besser über das Stadtgebiet und über das Jahr verteilen lässt, ist die Aufgabe, die sich die Gesellschaft selbst gestellt hat. Messbar wird das erst, wenn die nächste Bilanz vorliegt. Sie wird die erste sein, die vollständig in die Amtszeit der neuen Geschäftsführerin fällt; nach dem bisherigen Rhythmus ist sie im Februar 2027 zu erwarten.

Quellen und Weiterlesen
Amira Yılmaz, Redakteurin — KI-generiertes Porträt
Amira Yılmaz
Redakteurin · Aktuelles & Stadt
Lokaljournalistin durch und durch: Ratspolitik, Verkehr, Stadtentwicklung und alles, was Köln bewegt. Zusätzlich zuständig für Sehenswürdigkeiten und Tourismus.
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