Mittwoch, 12. August 2026 Ausgabe Nr. 241
Köln 32° · klar Redaktion
Kölner Zeit
Unabhängige Nachrichten aus Köln · seit 2022
Sport im Veedel

Mehr als 600 Aktive, sieben Disziplinen: Der SC Janus richtet die Janus Queer Games aus

Von Freitag bis Sonntag treten mehr als 600 Sportlerinnen und Sportler aus ganz Europa bei den vierten Janus Queer Games an. Eröffnet wird am Abend auf der Schaafenstraße – mit Oberbürgermeister Torsten Burmester.

Katharina Esser, Chefredakteurin — KI-generiertes Porträt
Katharina Esser
Business & Unternehmen

Lesezeit 6 Min.
Mit Regenbogenfahnen geschmückte Innenstadtstraße mit Menschen von hinten am Abend
Auf der Schaafenstraße beginnt das Wochenende am Freitag um 18.30 Uhr mit einem Welcome-Straßenfest. · Symbolbild (KI-generiert)

Mehr als 600 Teilnehmende aus ganz Europa, sieben Wettkampfdisziplinen, drei Tage Programm: Der SC Janus richtet von diesem Freitag bis Sonntag, 7. bis 9. August, zum vierten Mal die Janus Queer Games aus – ein Multisport-Wochenende für alle Geschlechter, das Wettkämpfe rund um die Schaafenstraße und im Stadtwald mit Straßenfest, Party und Abschlussbrunch verbindet. Die Eröffnung übernimmt am Freitagabend Oberbürgermeister Torsten Burmester, der das Wochenende gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der LSBTIQ+-Community einläutet. Die Stadt führt die Spiele in ihrer offiziellen Terminvorschau und stellt sie ausdrücklich unter die Begriffe Vielfalt und Toleranz.

Der Auftakt ist bewusst niedrigschwellig angelegt: Ab 18.30 Uhr beginnt auf der Schaafenstraße ein Welcome-Straßenfest mit lockerem Kennenlernen; die Teilnehmenden erhalten dort ihre Begrüßungstaschen und treffen auf Teams aus anderen Städten. Der Ort ist mit Bedacht gewählt: Die Schaafenstraße gilt seit Jahrzehnten als Zentrum des queeren Nachtlebens der Stadt – kürzer können die Wege zwischen Sportveranstaltung und Community kaum sein.

Sieben Disziplinen an einem Tag: Der Samstag gehört dem Wettkampf

Der Samstag ist der sportliche Kern des Wochenendes: Auf dem Programm stehen Volleyball, Badminton, Fußball, Handball, Leichtathletik und Basketball – dazu der Frontrun, ein Lauf durch den Kölner Stadtwald. Angetreten wird in verschiedenen Leistungsniveaus: Das Format soll Freizeitsportlerinnen und -sportler ebenso erreichen wie ambitionierte Teams, die für ein Turnierwochenende aus dem Ausland anreisen. Als Standorte nennt die Stadt das Umfeld der Schaafenstraße und den Stadtwald; Detailinformationen zu den einzelnen Sportarten kündigt der Verein auf seiner Website an. Wer selbst nicht startet, kann um 11 Uhr an einer Stadtführung teilnehmen, Treffpunkt ist der Hermann-Josef-Brunnen.

Der Name der Laufdisziplin verweist dabei auf eine internationale Tradition: Queere Laufgruppen nennen sich seit Ende der 1970er Jahre weltweit „Frontrunners“ – nach Patricia Nell Warrens Roman „The Front Runner“ über einen schwulen Läufer. Dass ausgerechnet ein Lauf durch den Stadtwald zum festen Programm der Kölner Spiele gehört, fügt sich in diese Linie.

Amateur-Volleyballspiel in einer Sporthalle, Spieler in Bewegungsunschärfe am Netz
Am Samstag wird in sieben Disziplinen angetreten – von Volleyball über Handball bis Basketball. · Symbolbild (KI-generiert)

Am Abend verlagert sich das Geschehen nach Ehrenfeld: Ab 23 Uhr steigt im Clubbahnhof an der Bartholomäus-Schink-Straße 65/67 die offizielle Party der Spiele mit DJ-Programm. Karten für Party und Brunch gibt es nach Vereinsangaben ausschließlich über die Online-Anmeldeplattform des Vereins; ein Kartenverkauf vor Ort ist beim Brunch nicht vorgesehen.

Den Abschluss bildet am Sonntag um 11 Uhr der „Bitchy Bingo Brunch“ im KaffeeSaurus am Friesenplatz 15, moderiert von Entertainerin Pam Pengco; Filterkaffee, Wasser und Sekt sind dabei inbegriffen. Und wer das Wochenende politisch beschließen will, findet die Gelegenheit direkt im Anschluss: Um 14 Uhr startet an der Deutzer Werft der Kölner Queer March.

Die Teilnehmerkurve: über 800, dann 600, jetzt wieder mehr als 600

Die Queer Games sind ein junges Format, dessen Entwicklung sich bereits an Zahlen ablesen lässt: 2024 zählte der Verein mehr als 800 Teilnehmende, 2025 waren es 600, für die vierte Ausgabe werden nun wieder mehr als 600 Gäste aus ganz Europa erwartet. Die Zahlen stammen vom Veranstalter selbst, eine unabhängige Erhebung gibt es nicht – die Größenordnung deckt sich aber mit den Angaben der Stadt. Seit 2025 gehören die Spiele zudem offiziell zum Kölner Sportjahr, einem Dach, unter dem die Stadt mehr als 30 jährlich wiederkehrende Sportveranstaltungen bündelt. Für ein Format, das erst wenige Jahre existiert, ist das eine bemerkenswert schnelle Institutionalisierung. Im Sportjahr-Kalender 2026 der Stadt stehen die Queer Games unter dem 8. August – in einer Reihe mit dem DFB-Pokalfinale der Frauen am 14. Mai, dem Radrennen Rund um Köln am 17. Mai, dem Kölner KinderSportFest am 30. Mai, der Deutschen Meisterschaft im Rollstuhltennis vom 5. bis 7. Juni und dem Handball-Finalturnier EHF FINAL4 am 13. und 14. Juni. 21 Termine führt der Kalender bereits mit Datum, für sechs weitere Veranstaltungen kündigt die Stadt nähere Informationen erst noch an.

Hinter dem Wochenende steht ein Verein mit 46 Jahren Geschichte: Der SC Janus wurde 1980 gegründet und bezeichnet sich als ersten und größten queeren Sportverein Europas, weltweit zählt er sich zu den mitgliederstärksten. Das laufende Angebot umfasst nach Vereinsangaben mehr als 90 Sportangebote in über 45 Sportarten – zusammen mehr als 80 Stunden Sport pro Woche, verteilt auf alle sieben Tage. Seinen Sitz hat der gemeinnützige Verein am Hohenstaufenring 42; die Geschäftsstelle ist montags und donnerstags von 13 bis 19 Uhr sowie dienstags und mittwochs von 10 bis 16 Uhr besetzt, telefonisch ist der Verein unter 0221 9255930 zu erreichen. Den eigenen Anspruch formuliert er so: Jede Person soll ihren Platz im Sport finden können, unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht oder sexueller Identität. Bemerkenswert ist auch die Organisationsform der Spiele: Der Verein stemmt das komplette Wochenende ehrenamtlich; unterstützt wird es unter anderem von der Sparkasse KölnBonn, der Phönix-Sauna Köln und Transgourmet.

Laufgruppe von hinten auf einem schattigen Waldweg im Stadtwald
Der Frontrun führt durch den Kölner Stadtwald – eine der sieben Wettkampfdisziplinen des Wochenendes. · Symbolbild (KI-generiert)

Für den Standort ist das mehr als ein Vereinsfest. Köln hat Erfahrung mit queerem Sport im großen Maßstab: Vom 31. Juli bis zum 7. August 2010 richtete die Stadt die achten Gay Games aus – mit 9.500 Aktiven aus 70 Nationen und 35 Disziplinen, die von Basketball und Fußball bis zu Schach und Bridge reichten. Eröffnungs- und Abschlussfeier fanden im RheinEnergieStadion statt, das Motto lautete „Be part of it!“. Zur Eröffnung kam mit dem damaligen Bundesaußenminister Guido Westerwelle ein offen schwuler Spitzenpolitiker, Sir Elton John trat als Botschafter der Spiele auf, die offizielle Hymne „Facing a Miracle“ sang Taylor Dayne. Es war das erste Mal, dass die 1982 in San Francisco begründeten und seither alle vier Jahre ausgetragenen Spiele in Deutschland gastierten – und nach Amsterdam 1998 erst das zweite Mal in Europa. Die größte Einzeldisziplin war damals ausgerechnet der Fußball mit mehr als 1.000 Spielerinnen und Spielern; die stärkste Delegation stellte Deutschland mit 2.955 Aktiven vor den USA mit 2.215, Großbritannien mit 841, den Niederlanden mit 658 und Frankreich mit 524.

Die Queer Games knüpfen daran in kleinerem, dafür jährlichem Format an; angemeldet wird über die Online-Plattform des Vereins. Erst im Juli war der SC Janus zudem beim ColognePride präsent. Und die Spiele bringen an einem Augustwochenende Gäste in die Stadt, von denen Gastronomie und Clubs profitieren. Wie viele der mehr als 600 Teilnehmenden tatsächlich von außerhalb anreisen, weist der Verein allerdings nicht aus.

Das Wochenende gehört nicht den Queer Games allein

Der Kölner Sportkalender ist an diesen Tagen ohnehin dicht gefüllt. Am Samstag gehen beim Muddy Angel Run am Fühlinger See Frauen auf eine 5 Kilometer lange Strecke mit 18 Hindernissen; zugelassen sind auch Mädchen ab zwölf Jahren, die Veranstaltung sammelt Spenden für die Brustkrebsprävention. Am Sonntag folgt am selben Ort Xletik Kids, ein Hindernislauf für Kinder zwischen fünf und 15 Jahren, die gemeinsam mit einer Begleitperson Distanzen zwischen 2 und 5 Kilometern wählen. Drei Veranstaltungen an einem Wochenende, verteilt auf Innenstadt, Stadtwald und den Kölner Norden: Es ist genau die Dichte, mit der das Sportjahr wirbt.

  • Freitag, 7. August, ab 18.30 Uhr: Welcome-Straßenfest auf der Schaafenstraße, Eröffnung mit Oberbürgermeister Torsten Burmester
  • Samstag, 8. August: Wettkämpfe in Volleyball, Badminton, Fußball, Handball, Leichtathletik, Basketball und Frontrun; 11 Uhr Stadtführung ab Hermann-Josef-Brunnen
  • Samstag, ab 23 Uhr: Party im Clubbahnhof Ehrenfeld, Bartholomäus-Schink-Straße 65/67
  • Sonntag, 9. August, 11 Uhr: „Bitchy Bingo Brunch“ im KaffeeSaurus, Friesenplatz 15
  • Sonntag, 14 Uhr: Kölner Queer March ab Deutzer Werft
Tanzende Menschen als Silhouetten vor buntem Licht in einer Industriehalle
Ab 23 Uhr feiern die Teilnehmenden am Samstag im Clubbahnhof Ehrenfeld – Karten gibt es nur über die Online-Anmeldung. · Symbolbild (KI-generiert)

Offen ist, wohin sich das Format entwickelt: Ob die vierte Ausgabe die Marke von 2024 – mehr als 800 Teilnehmende – wieder erreicht, entscheidet sich weniger an diesem Wochenende als an der Frage, ob aus Gästen Wiederkehrer werden. Der Verein plant unterdessen weiter: Am 21. November steht die Janus-Weihnachtsfeier im Kalender, der Sportbetrieb läuft ohnehin durch – an sieben Tagen die Woche, in mehr als 45 Sportarten.

Quellen und Weiterlesen
Katharina Esser, Chefredakteurin — KI-generiertes Porträt
Katharina Esser
Chefredakteurin · Business & Unternehmen
Leitet die Kölner Zeit seit der Gründung 2022. Zuvor zehn Jahre Wirtschaftsredakteurin in Düsseldorf und Frankfurt. Schreibt über Mittelstand, Startups und Strukturwandel im Rheinland.
Alle Beiträge der Redaktion →

Mehr aus Veedel & Stadtleben

Alle Beiträge →
Festwochenende im Veedel
Weindorf an der Agneskirche: Das Agnesviertel lädt zum Straßenfest
Am 15. und 16. August gehört die Neusser Straße zwischen Ebertplatz und Agneskirche den Ständen, der Livemusik und einem Weindorf. Am Sonntag öffnen zudem die Geschäfte von 13 bis 18 Uhr – der einzige verkaufsoffene Anlass des Viertels in diesem Sommer.
Von Markus Schmitz · 12. August 2026
Veedel Lindenthal
Mehr als 250 Tiere, kein Eintritt: Der Lindenthaler Tierpark im Stadtwald
Hochlandrinder, Damwild, Ziegen und jede Menge Geflügel – aber keine Kasse am Eingang: Der Lindenthaler Tierpark im Stadtwald ist täglich kostenlos geöffnet. Am 6. September lädt der Förderverein zur 25. Waldmesse.
Von Markus Schmitz · 12. August 2026
Veedelsporträt Porz
Ein Hof, vier Aufgaben: Gut Leidenhausen ist das Porzer Portal zur Wahner Heide
Umweltbildungszentrum, Greifvogelstation, Wildgehege, Waldmuseum und Café auf einem Gelände: Gut Leidenhausen bündelt das Porzer Naturangebot. Am 13. September folgt das kostenlose Apfelfest mit Saftpressen.
Von Markus Schmitz · 12. August 2026
Der Kölner Wochenbrief
Jeden Freitag der neue Beitrag der Woche, dazu Termine und Empfehlungen der Redaktion. Kostenlos, jederzeit abbestellbar.
Kölner Zeit

Unabhängige Nachrichten aus Köln seit 2022. Sieben Redakteurinnen und Redakteure, sieben Ressorts — über Wirtschaft, Stadt und das Leben zwischen Dom und Veedel.

© 2022–2026 Kölner Zeit · Ein Angebot der Tecnola GmbH, Bergisch Gladbach Wetterdaten: Deutscher Wetterdienst (CC BY 4.0), abgerufen über Bright Sky