Vier Heilige aus Glas: Das Helenafenster im Dom leuchtet wieder
Seit April leuchtet im südlichen Querhaus wieder das im Krieg zerstörte Helenafenster. Für die vier Heiligenfiguren musste die Dombauhütte erstmals ein komplettes Bildprogramm neu erarbeiten.
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Im Obergaden des südlichen Querhauses des Kölner Doms leuchtet seit dem Frühjahr wieder das Helenafenster. Dompropst Msgr. Guido Assmann hat das rekonstruierte Fenster am 14. April 2026 in einem feierlichen Gottesdienst gesegnet – mehr als 80 Jahre, nachdem das Original im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war. Ausgeführt hat die Arbeiten die Glasmalereiwerkstatt der Dombauhütte Köln, finanziert hat sie die Klosterfrau Group aus Anlass ihres 200-jährigen Bestehens. Für die Werkstatt war es ein Novum: Erstmals in diesem Fensterzyklus mussten Figurendarstellungen vollständig neu erarbeitet werden.
Das Fenster misst rund 17 Meter in der Höhe und 6,5 Meter in der Breite. Im unteren Drittel stehen vier überlebensgroße Heilige nebeneinander: Helena, Monika, Elisabeth und Mathilde. Darunter zieht sich eine Wappenzeile durch das Fenster. Der Obergaden ist die oberste Fensterzone des Querhauses; wer die Figuren sehen will, muss den Kopf in den Nacken legen. Benannt ist das Fenster nach der heiligen Helena.
Die Maße geben eine Vorstellung von der Aufgabe. 17 Meter Höhe und 6,5 Meter Breite ergeben rund 110 Quadratmeter Glasfläche, senkrecht gestellt und in Blei gefasst. Jedes einzelne Stück Glas darin musste ausgewählt, geschnitten, bemalt und eingepasst werden. Dass die vier Heiligenfiguren überlebensgroß angelegt sind, hat einen praktischen Grund: Auf der Höhe des Obergadens, weit über den Köpfen der Besucher, wären kleinere Figuren kaum noch zu unterscheiden.
Das Original stammt aus dem 19. Jahrhundert. Es gehörte zu einem Zyklus, der zur Vollendung des Doms für den Obergaden der Querhausarme und des Langhauses geschaffen wurde – dem sogenannten Welterzyklus. Große Teile dieses Bestandes wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Seit 2003 werden die Fenster des Zyklus schrittweise restauriert und rekonstruiert. Das Helenafenster gehört zu den Stücken, für die es keinen verwertbaren Bestand mehr gab, sondern nur noch Vorlagen im Dombauarchiv.
Erstmals mussten die Figuren vollständig neu erarbeitet werden
Genau darin lag der Unterschied zu den bisherigen Arbeiten am Zyklus. Dass Figurendarstellungen vollständig neu erarbeitet werden mussten, hat die Dombauhütte ausdrücklich als Erstmaligkeit festgehalten. Grundlage waren historische Entwürfe aus dem Dombauarchiv. Die Glasmaler übertrugen sie zunächst in maßstabsgerechte Kartons, also in Zeichnungen in Originalgröße, nach denen später jedes Glasstück geschnitten und bemalt wurde. Beim Aufriss kam zusätzlich CAD-Technik zum Einsatz.
Die zweite Schwierigkeit war das Material. Historische Kathedralgläser sind heute nur noch eingeschränkt verfügbar; die Werkstatt griff deshalb auf mundgeblasene Echtantikgläser zurück und bearbeitete sie zusätzlich, um die gewünschte Lichtwirkung zu erreichen. Glasauswahl und Farbwirkung nennt die Dombauhütte selbst als die größten Herausforderungen. Umfangreiche Versuchsreihen sollten sicherstellen, dass sich das neue Fenster nahtlos in den historischen Bestand einfügt – ein Fenster, das im Obergaden zu hell oder zu kalt wirkt, fällt in der Reihe sofort auf.
Handwerk und CAD-Aufriss arbeiteten nebeneinander
Pinsel und Rechner standen bei diesem Projekt also nebeneinander. Dombaumeister Peter Füssenich hat diese Kombination als die eigentliche Chance des Vorhabens beschrieben. Die digitale Planung habe es ermöglicht, die historische Bildsprache nicht nur präzise nachzuvollziehen, sondern sie auch in eine überzeugende Gesamtwirkung im Raum zu übersetzen. Am Ende steht ein Fenster, das im Idealfall gar nicht als Neuzugang auffällt. Die Dombauhütte hat den Arbeitsweg auf ihrer Projektseite beschrieben.
„Gerade in der Verbindung aus überliefertem Handwerk und digitalen Planungsmethoden lag eine besondere Chance dieses Projekts.“
Peter Füssenich, Dombaumeister
Die Dombauhütte ist der Betrieb, der diese Arbeit dauerhaft leistet. Sie unterhält eine eigene Glasmalereiwerkstatt und eine eigene Gerüstbaukolonne und arbeitet ohne Unterbrechung am Bauwerk. Wie viele Fenster des Welterzyklus seit 2003 bereits fertiggestellt sind und wie viele noch ausstehen, hat die Hütte im Zusammenhang mit dem Helenafenster nicht mitgeteilt. Auch die Kosten der Rekonstruktion wurden nicht beziffert. Bekannt ist nur, wer sie getragen hat.
Die Wappenzeile erzählt von einer Kölner Firmengründung
Bezahlt hat die Rekonstruktion die Klosterfrau Group. Das Unternehmen geht auf eine Gründung des Jahres 1826 in Köln zurück und beging 2026 sein 200-jähriges Bestehen; das Fenster ist das Geschenk zu diesem Jubiläum. Eine Wappenzeile gehörte schon zum ursprünglichen Bildprogramm des Fensters. In der Rekonstruktion ist sie neu gestaltet worden – und dort wird die Stifterin sichtbar.
„200 Jahre Klosterfrau sind Anlass für ein besonderes Zeichen der Verbundenheit zu Köln, der Gründungsstadt der Klosterfrau Group.“
Dr. Stefan Koch, CEO der Klosterfrau Group
Dargestellt sind in der Zeile drei Pflanzen: Alant, Angelika und Pomeranze – nach Angaben der Dombauhütte Heilpflanzen der Stifterin. Als Inschrift trägt die Zeile den Namen Maria Clementine Martin Klosterfrau. Wer im südlichen Querhaus nach oben schaut, sieht damit nicht nur vier Heilige, sondern auch ein Stück Kölner Wirtschaftsgeschichte, in Blei gefasst und in Antikglas übersetzt.
In den Mitteilungen von Dom und Dombauhütte zu diesem Tag kamen weitere Beteiligte zu Wort. Die Präsidentin des Zentral-Dombau-Vereins, Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, erklärte, man freue sich und sei dankbar für das großartige Engagement von Klosterfrau für den Erhalt des Kölner Doms. Dompropst Assmann verwies auf die Bedeutung der heiligen Helena für die Domkirche und darauf, dass sie gemeinsam mit Monika, Elisabeth und Mathilde nun wieder das nach ihr benannte Fenster im Südquerhaus ziere.
An der Nordseite ersetzte die Hütte den Bauaufzug
Während im Süden am Fenster gearbeitet wurde, tauschte die Dombauhütte an der Nordseite ein Stück Infrastruktur aus. Seit dem 22. Januar 2026 ersetzte sie den Bauaufzug, der seit 2002 in Betrieb war; die Arbeiten sollten voraussichtlich bis Ende April 2026 dauern. Der Aufzug ist für die Hütte kein Nebenschauplatz: Ohne ihn kommen weder Material noch Personal in die oberen Gerüstetagen. Er wird außerdem bei Dachführungen genutzt.
Der neue Aufzug ist eine Spezialanfertigung vom Typ GEDA BL 2000. Er hat ein Sichtfenster, ist wettergeschützt und kann – wie sein Vorgänger – drei Gerüstetagen anfahren. Aufgebaut wurde er von der GEDA GmbH, die Demontage der alten Anlage übernahm die Gerüstbaukolonne der Dombauhütte. Finanziert hat den Aufzug vollständig der Zentral-Dombau-Verein zu Köln. Für den Aufbau war ein 150-Tonnen-Mobilkran der Wasel GmbH nötig. Die Hütte hat den Vorgang dokumentiert.
Aufzüge haben am Dom eine längere Geschichte, als man vermuten würde. Der erste reine Lastenaufzug ging bereits 1909 in Betrieb; er diente ausschließlich dem Materialtransport. Erst spätere Anlagen nahmen auch Personen mit. Der Wechsel im Frühjahr 2026 ist damit ein Vorgang, der sich am Dom seit über hundert Jahren in Abständen wiederholt – nur dass die Technik heute Sichtfenster und Wetterschutz mitbringt.
„Der Bauaufzug ist für uns weit mehr als nur ein Transportmittel: Er bildet eine zentrale Arbeitsgrundlage für die tägliche Arbeit an einem Bauwerk dieser Dimension.“
Peter Füssenich, Dombaumeister
Der Dom hat in diesem Jahr mehrere Veränderungen auf einmal erlebt. Im April kam das Helenafenster zurück, im Juni weihte Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki die neue Marienorgel am Chorumgang, seit dem 1. Juli kostet die touristische Besichtigung Geld. Rund um das Bauwerk lässt die Stadt Köln seit Januar die nördliche Domumgebung umbauen. Wer den Dom in diesem Sommer besucht, trifft auf eine Kathedrale, an der an mehreren Stellen gleichzeitig gearbeitet wird.
Wie es mit dem Welterzyklus weitergeht, hat die Dombauhütte für das laufende Jahr nicht im Einzelnen angekündigt. Fest steht nur das Verfahren: Seit 2003 wird Fenster für Fenster restauriert oder rekonstruiert, jeweils sobald die Finanzierung steht. Wer das Helenafenster sehen will, muss seit dem 1. Juli 2026 für die touristische Besichtigung des Doms ein Ticket lösen, 12 Euro regulär und 6 Euro ermäßigt. Wer zum Gottesdienst oder zum Gebet kommt, zahlt weiterhin nichts.




