6.000 Arten unter Glas: Die Flora öffnet ihre neuen Schauhäuser
Zehn Jahre nach der Schließung der alten Häuser zeigt die Flora wieder Tropen und Wüsten: auf 3.000 Quadratmetern, mit einem Höhenweg auf 5,50 Metern – und weiterhin ohne Eintritt.
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Oberbürgermeister Torsten Burmester hat am Freitag, 12. Juni 2026, die neuen Schaugewächshäuser im Botanischen Garten der Kölner Flora eröffnet. Die dreiflügelige Stahl-Glas-Anlage der Kölner Königs Architekten umfasst rund 3.000 Quadratmeter und zeigt mehr als 6.000 Pflanzenarten aus den Tropen sowie aus den Wüsten der Alten und der Neuen Welt. Der Eintritt ist kostenfrei. Zwischen der Schließung der alten Häuser im Jahr 2016 und dieser Eröffnung liegen zehn Jahre.
Die Konstruktion ist der auffälligste Teil des Neubaus. Die drei Flügel bestehen aus parabelförmigen Bögen einer stützenfreien Schalenkonstruktion; diese Form soll den Sonnengewinn erhöhen und zugleich Material sparen. Stützenfrei heißt: Im Inneren steht nichts im Weg, was die Pflanzflächen zerschneiden würde. Zu der Anlage gehören ein Tropenhaus, ein Wüstenhaus und eine Orangerie; das historische Subtropenhaus blieb erhalten und wurde in das Ensemble einbezogen.
Die Bauform hat einen praktischen Hintergrund. Parabelförmige Bögen ohne Stützen tragen sich über ihre Geometrie, nicht über zusätzliche Konstruktion im Inneren; das spart Material und lässt mehr Licht durch. Für ein Schauhaus ist Licht die entscheidende Größe: Tropen- und Wüstenpflanzen brauchen es in unterschiedlicher Menge und Härte, und beides muss sich über das Jahr regeln lassen. Genau diese Gebäudetechnik gehörte nach Darstellung der Betreiber zu den Gründen für die lange Bauzeit.
Mehr als 6.000 Pflanzenarten sind in den Häusern zu sehen. Zum Vergleich: Flora und Botanischer Garten zusammen beherbergen nach Angaben der Stadt 12.000 kultivierte Pflanzenarten im Freiland und in Gewächshäusern. In den neuen Schauhäusern steht damit etwa die Hälfte des gesamten Bestandes. Gezeigt werden Pflanzen der Tropen und der Wüsten – zwei Klimazonen, die im Kölner Freiland nicht zu halten sind.
Die Anordnung folgt einer geografischen Idee. Wer den Rundgang geht, wechselt binnen weniger Minuten zwischen Klimazonen, die auf der Erde Tausende Kilometer auseinanderliegen – von den feuchten Tropen in die Trockenzonen der Alten und der Neuen Welt. Das ist der didaktische Kern der Anlage: nicht eine Sammlung von Einzelpflanzen, sondern der Vergleich von Lebensräumen. Den Großteil der Didaktik hat nach Angaben der Stadt der Freundeskreis Botanischer Garten finanziert.
Der Höhenweg führt auf 5,50 Meter ins Blätterdach
Kernstück ist das Tropenhaus. Wer eintritt, steht in feuchtwarmer Luft; ein hölzerner Steg führt über einen Tropenteich mit Wasserfall. Von dort steigt der Weg an: Ein Höhenweg erreicht 5,50 Meter und führt unter den Baumkronen entlang, sodass man die Pflanzen von oben sieht statt nur von unten. Begleitet wird der Gang nach Angaben der Betreiber vom leisen Flöten der Pfeiffrösche.
Der gesamte Rundgang trägt den Namen Entdeckerweg. Er ist rund 500 Meter lang und vollständig barrierefrei – auch der Höhenweg im Tropenhaus. Barrierefreiheit über 500 Meter in einem Gewächshaus ist keine Selbstverständlichkeit: Die Wege müssen Steigungen begrenzen und zugleich die Pflanzflächen erschließen. Die Stadt hebt diesen Punkt in ihrer Mitteilung zur Eröffnung ausdrücklich hervor.
Im Wüstenhaus verläuft der Weg wie durch einen Canyon
Der zweite große Bereich ist das Wüstenhaus. Der Weg verläuft dort canyonartig zwischen den Pflanzflächen; gezeigt werden Gewächse aus den Wüsten der Alten und der Neuen Welt, darunter große säulenförmige Kakteen und Pflanzen aus dem südlichen Afrika. Ein Abschnitt trägt den Namen Evolutionslabor Wüste und stellt Überlebensstrategien unter extremen Bedingungen dar. Wüstenhäuser brauchen anderes Licht und andere Luft als Tropenhäuser – die Trennung in Flügel hat also auch einen technischen Grund.
Der dritte Bereich ist flexibel angelegt. Die Orangerie nimmt Kübelpflanzen auf und steht für Wechselausstellungen zur Verfügung. Erhalten geblieben ist außerdem das historische Subtropenhaus. Dort sind im Sommer mächtige Baumfarne und eine Fuchsien-Sammlung zu sehen; im Winter soll dort die Kamelien-Ausstellung gezeigt werden. Der Rundgang verbindet damit einen Neubau und einen Altbestand, ohne dass der Besuch unterbrochen werden müsste.
Zwischen Schließung und Eröffnung lagen zehn Jahre
Die alten Schaugewächshäuser schlossen im Jahr 2016. Bis zur Eröffnung des Neubaus vergingen damit rund zehn Jahre. Als Gründe für die Verzögerungen werden Lieferengpässe während der Pandemie, Insolvenzen beteiligter Fachfirmen und die aufwendige Abstimmung der Gebäudetechnik genannt. Ein Gewächshaus ist technisch anspruchsvoller, als es von außen aussieht: Heizung, Verschattung, Bewässerung und Belüftung müssen für mehrere Klimazonen gleichzeitig und dauerhaft funktionieren. Die Einzelheiten schildert ein Bericht von CityNEWS.
Zehn Jahre sind für ein städtisches Bauprojekt eine lange Zeit. Für die Flora bedeutete die Bauzeit, dass eine ganze Besuchergeneration die Schauhäuser nie gesehen hat: Wer bei der Schließung 2016 eingeschult wurde, geht heute auf eine weiterführende Schule. Zugleich blieb das Freigelände in diesen Jahren geöffnet; die mehr als eine Million Besucherinnen und Besucher pro Jahr kamen also auch ohne die Häuser. Der Neubau ergänzt eine Anlage, die schon vorher gut besucht war.
Eröffnet wurde die Anlage im Rahmen eines Festakts am 12. Juni 2026. Oberbürgermeister Torsten Burmester nahm die Eröffnung vor und stellte den Neubau als Gewinn für die Stadt dar. Die Stadt Köln hat den Termin am selben Tag in einer Pressemitteilung dokumentiert. Zahlen zur erwarteten Besucherentwicklung nannte sie dabei nicht.
„Mit der Eröffnung der neuen Schaugewächshäuser in der Flora hat Köln zukünftig wieder einen Besuchermagneten mehr vorzuweisen.“
Torsten Burmester, Oberbürgermeister von Köln
Getragen wurde das Projekt nicht allein von der Stadt. Der Freundeskreis Botanischer Garten e.V. hat es gefördert und maßgeblich mitfinanziert; nach Angaben der Stadt übernahm der Verein die Planungsphase, die tropischen Großpflanzen und einen Großteil der Didaktik. Was die Häuser insgesamt gekostet haben, hat die Stadt in ihrer Mitteilung zur Eröffnung nicht beziffert. Eine Aufteilung zwischen städtischen Mitteln und Spenden liegt damit ebenfalls nicht vor.
Der Eintritt bleibt dauerhaft frei
Für Besucherinnen und Besucher sind die Regeln einfach. Die Schaugewächshäuser können täglich von 10 bis 18 Uhr besucht werden, im Winter von 10 bis 16 Uhr. Eintritt wird nicht erhoben – wie auf dem gesamten Freigelände von Flora und Botanischem Garten. Damit bleibt die Anlage kostenfrei zugänglich, anders als etwa der Innenraum des Kölner Doms, für dessen touristische Besichtigung seit dem 1. Juli 2026 12 Euro fällig werden.
- Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr, im Winter 10 bis 16 Uhr
- Eintritt: kostenfrei
- Entdeckerweg: rund 500 Meter, vollständig barrierefrei
- Höhenweg im Tropenhaus: bis 5,50 Meter Höhe
- Fläche der Schaugewächshäuser: rund 3.000 Quadratmeter
Die Schaugewächshäuser sind Teil einer größeren Anlage. Flora und Botanischer Garten umfassen zusammen 11,5 Hektar und beherbergen 12.000 kultivierte Pflanzenarten aus aller Welt; mehr als eine Million Besucherinnen und Besucher kommen jährlich. Die Flora wurde 1864 im Stil des Historismus eröffnet, der Botanische Garten kam 1914 hinzu. Die Anlage ist mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar; Einzelheiten stehen auf der Seite der Stadt.
Was die Eröffnung für die Besucherzahlen bedeutet, ist offen. Mehr als eine Million Menschen kamen schon bisher jährlich in die Anlage – ohne Schaugewächshäuser. Ob der Neubau diese Zahl merklich hebt, wird sich erst nach einem vollen Jahr beurteilen lassen. Die Stadt hat keine Prognose veröffentlicht, und weil der Eintritt kostenfrei ist, wird es auch keine Ticketstatistik geben, an der sich ein Zuwachs unmittelbar ablesen ließe.
Der nächste feste Termin steht im Kalender der Anlage selbst. Mit dem Wechsel in die Winterzeit verkürzen sich die Öffnungszeiten auf 10 bis 16 Uhr; im Subtropenhaus soll dann die Kamelien-Ausstellung zu sehen sein. Wer den Höhenweg im Tropenhaus ausprobieren möchte, kann das bis dahin täglich bis 18 Uhr tun – und zahlt dafür weiterhin nichts.




